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3. Ausgabe: Dezember 2005
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Deutschland riskiert seine Zukunftsfähigkeit

Gut ausgebildete Forscher sind unser einziger Rohstoff

Today, the basis of prosperity is no longer property nor raw materials, but rather well-educated and creative people. In order not to lose out in the worldwide tug-of-war for the best talent, Germany must provide educational opportunities for the next generation comparable to those in other leading countries. Currently, Germany is not doing well in the competition for the best university graduates. Its own next generation is leaving to work in other countries, most significantly the USA. There, professional advancement oftentimes proceeds more rapidly and academic opportunities are more readily available. At the same time, fewer foreign students are coming to Germany because they perceive the opportunities available elsewhere to be better. This is not surprising, since both the German state and the German corporate world invest considerably less in research and development than is the case in other countries. However, the northern European countries have shown that it is possible to return to the top. After realising the importance that higher education, research and innovation plays in determining the competitiveness of modern industrial countries, these countries set a new course - and they carried out the necessary reforms in a timely and successful manner. If Germany were to follow their lead, it would become once again an attractive location for young researchers.

Deutschland ist mehr denn je auf gut ausgebildete Menschen angewiesen. Wissen und Kreativität zählen zu den wesentlichen Wertschöpfungspotenzialen unserer Zeit. Das Human-Kapital wird zum entscheidenden Faktor der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen wie von Nationen. Heute sind nicht mehr Landbesitz oder Rohstoffe die Basis des Wohlstands, sondern gut ausgebildete, kreative Menschen. Insbesondere in Forschung und Entwicklung brauchen wir Menschen, die offen sind für neue Ideen, die sich nicht mit dem Vorhandenen zufrieden geben und über das Bekannte hinausgehen.


Weiß um die Schwachstellen der deutschen Forschungspolitik:
Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.
Foto: Fraunhofer-Gesellschaft

Damit wir im weltweiten Tauziehen um die Talente nicht zu Verlierern werden, müssen wir dem Nachwuchs auch vergleichbare Entfaltungsmöglichkeiten wie in den führenden Ländern geben. Dann bleiben die Absolventen im Lande und helfen mit, die Zukunft am Standort Deutschland zu sichern.
Doch wie attraktiv ist Deutschland als Arbeitsstandort für junge Forscher? Bleiben die gut ausgebildeten Wissenschaftler im Land oder sehen sie Ihre berufliche Zukunft im Ausland? Im vorigen Jahr hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Studie "Wissenschaft und Karriere - Erfahrungen und Werdegänge ehemaliger Stipendiaten der Deutschen Forschungsgemeinschaft" veröffentlicht. Die Befragung ergab, dass 86 Prozent aller ehemaligen Stipendiaten zum Zeitpunkt der Befragung (zwischen fünf und 16 Jahren nach Stipendienantritt) in der Wissenschaft tätig waren. Zahlreiche Wissenschaftler nutzten die Stipendien für einen Auslandsaufenthalt, doch viele kamen in ihr Heimatland zurück. Auch der Fraunhofer-Gesellschaft ist es gelungen, renommierte Wissenschaftler - etwa aus den USA - an Fraunhofer-Institute zurück zu holen.
Doch noch ist das Zurückgewinnen von Forschern die Ausnahme. Deutschland steht im Wettbewerb um die besten Absolventen schlecht da. Der eigene Nachwuchs wandert ab - vornehmlich in die USA, weil sich dort schnellere Aufstiegschancen und mehr Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Gleichzeitig kommen ausländische Studenten seltener nach Deutschland, weil sie in anderen Ländern bessere Chancen sehen. Denn in Deutschland wird im Vergleich zu anderen Ländern deutlich weniger in Forschung und Entwicklung investiert - sowohl von der Wirtschaft als auch vom Staat.
Im Jahr 2003 haben die deutschen Unternehmen ihre Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sogar leicht zurückgefahren. Der Rückgang der diesbezüglichen Ausgaben der Wirtschaft ist deshalb besonders schwerwiegend, weil die Unternehmen zwei Drittel der gesamten Investitionen für Forschung und Entwicklung tragen. Während Industriestaaten wie Schweden, USA und Japan in den vergangenen Jahren ihre Forschungsausgaben konsequent gesteigert haben, bleibt Deutschland mit 2,5 Prozent Anteil der Forschungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt deutlich hinter den führenden Nationen zurück. Wenn wir längere Zeit nur mittelmäßig in Forschung investieren, werden wir auch nur mittelmäßige Ergebnisse bekommen.


Für Deutschlands Zukunft:Den Geld-
hahn für die Forschung aufdrehen.
Foto: Fritze

Ein großes Problem ist, dass sich immer mehr kleine und mittlere Firmen aus der Forschung verabschieden. Die Abhängigkeit von Deutschlands Vorzeigebranche Automobilbau wird zunehmend größer. Im Jahr 2002 kamen fast 40 Prozent der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung aus dem Fahrzeugbau, dann folgen die Elektrotechnik und Datenverarbeitung mit 19,2 Prozent, die Chemieindustrie mit 16,6 und der Maschinenbau mit 9,2 Prozent.
Deutschland riskiert seine Zukunftsfähigkeit, wenn nicht erheblich mehr in Forschung und Bildung investiert wird. Gut ausgebildete Fachkräfte sind unser einziger Rohstoff. Doch dieser wichtige Wettbewerbsvorteil schmilzt dahin. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit, der unter anderem vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI für das Bundesministerium für Bildung und Forschung erarbeitet wurde. Selbst die derzeit gestiegenen Studentenzahlen in einigen ingenieur- und naturwissenschaftlichen Fächern reichen nicht aus, um den Status quo zu sichern. Beim nächsten Wirtschaftsaufschwung könnte der Fachkräftemangel zum Engpass werden.
Dass es möglich ist, zur Spitze zurückzukehren, zeigen die nordeuropäischen Länder. Sie haben die überragende Bedeutung von Bildung, Forschung und Innovation für die Wettbewerbsfähigkeit moderner Industrienationen erkannt und rechtzeitig die Weichen auf Zukunft umgestellt. Wenn Deutschland diesen Weg einschlägt, wird auch unser Land wieder zu einem attraktiven Standort für junge Forscher.

Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft
CopyrightŠ 2001 Universität Potsdam, Glaesmer
[Letzte Aktualisierung 26.11.2005, Bültge]