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3. Ausgabe: Dezember 2005
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Nicht um jeden Preis

Geoökologin Jeannette Meyer kann sich vorstellen, auch ohne Forschungsjob glücklich zu werden

She has seen a lot of Europe over the years. Jeannette Meyer has lived in Holland and Finland and is currently preparing to move to Sweden. Mainly professional, but also private reasons brought her to live in other countries. Meyers enjoys her profession as a geoecologist. Research is fun for her, but she is not determined to follow this career path at all costs - especially when it does not allow for harmony in her private life.

In Europa ist Jeannette Meyer schon viel herumgekommen. Sie lebte in Holland, Finnland und zieht bald nach Schweden um. Es waren berufliche aber auch private Gründe, die sie ins Ausland zogen. Sie fühlt sich wohl in ihrem Beruf als Geoökologin. Forschen macht ihr Spaß, aber sie ist darauf nicht festgelegt - schon gar nicht, wenn es sich nicht mit Privatem in Einklang bringen lässt.


Konnte in Finnland Berufliches und Privates
gut verbinden: Jeannette Meyer.
Foto: zg

Die Kisten sind gepackt, der Umzugswagen bestellt. Wieder einmal verschlägt es mich in ein anderes Land. Von Finnland werde ich nach Schweden umziehen in eine noch etwas ungewisse Zukunft. Ich bin zuversichtlich, dass es auch in Schweden etwas für Geoökologen zu tun gibt.
Naturwissenschaften und Umweltschutz - das waren die Gebiete, die mich während meiner Abi-Zeit interessierten. Geoökologie als Studienfach passte deshalb genau ins "Konzept". Dieses Fach gab es 1997 nur an fünf Hochschulen. Potsdam lag am nächsten an meiner Heimatstadt Genthin in Sachsen-Anhalt - also studierte ich an der Uni Potsdam. Während des Studiums wollte ich zudem Erfahrungen an einer anderen Universität sammeln. Deshalb ging ich ein Semester an die Universität Utrecht in den Niederlanden. Auch zur Diplomarbeit zog es mich ins Ausland - allerdings nicht in erster Linie aus fachlichen Gründen, sondern vor allem der Liebe wegen: Mein Freund hatte gerade am European Forest Institute im finnischen Joensuu eine Stelle als Forstwissenschaftler bekommen. Ich fragte in der Abteilung für Ökologie und Management des Instituts an, ob es möglich wäre eine Diplomarbeit dort zu schreiben. Es ging problemlos. Finanzielle Unterstützung erhielt ich durch ein Leonardo-Stipendium.
Erste Erfahrungen in der Forschung konnte ich während des Studiums in verschiedenen Studentenjobs sammeln, unter anderem am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Das hat mir viel Spaß gemacht. Trotzdem war ich aber während des Studiums nicht auf Forschung als Berufsperspektive festgelegt, sondern für alles offen. Dass ich nach meiner Diplomarbeit erstmal in der Forschung blieb, war deshalb eher Zufall. Am Institut war gerade eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin frei, die gut auf mich passte. Hier forsche ich jetzt seit eineinhalb Jahren zum Thema Kohlenstoffvorräte und -flüsse. Dabei geht es beispielsweise um den Einfluss der Waldnutzung auf den Klimawandel oder um die Nutzung von Bioenergie aus Holz. Hier am Institut wird grundsätzlich englisch gesprochen, teilweise sogar deutsch. Finnisch ist eine schwere Sprache. Das hat mit dazu beigetragen, dass ich kein Finnisch gelernt habe. Außerdem ist auch mein Arbeitsvertrag auf zwei Jahre befristet. Feste Stellen für den wissenschaftlichen Mittelbau gibt es auch in Finnland bestenfalls in staatlichen Instituten. Auch hier heißt es also, flexibel sein. Und wie in Deutschland liegen die Gehälter für Forscher an Universitäten und Instituten meist deutlich unter denen in der Wirtschaft. Etwas familienfreundlicher als in Deutschland ist es aber für Wissenschaftler nach meinem Wissen schon. Zwei Kolleginnen von mir sind beispielsweise gerade für ein Jahr im Erziehungsurlaub. Die ersten drei Monate erhalten sie noch ihr volles Gehalt, danach von der Sozialversicherung 75 Prozent. Abhängig vom jeweiligen Projekt wird diese Zeit auf die Vertragslaufzeit nicht angerechnet. Außerdem gibt es viele Betreuungsangebote auch für sehr kleine Kinder.


Eldorado für Geoökologen: Jede Menge Natur.
Foto: zg

Wenn von einem Paar beide in der Forschung arbeiten - und dann noch auf ähnlichem Gebiet wie mein Freund und ich - werden Zeitverträge und der damit verbundene Zwang zur Mobilität irgendwann zwangsläufig zum Problem. Spätestens wenn man Familie hat, muss dann einer wohl auf den Forschungsjob verzichten.
Auch uns hat es jetzt "erwischt". Die Stelle meines Freundes lief aus, und er fand eine neue im schwedischen Oestersund. Ich habe mich entschlossen mitzugehen, auch wenn mein Vertrag in Finnland erst Anfang nächsten Jahres ausläuft. Einige Zeit kann ich meine Arbeit noch von Schweden aus fortsetzen. Danach wird man sehen. Ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, dass ich auch in Schweden einen interessanten Job in meinem Beruf finden werde. Glücklicher Weise gibt es ja für EU-Bürger wenigstens keine bürokratischen Hürden. Schwedisch lernen steht schon fest auf dem Programm. Ob ich in Schweden sesshaft werde, noch mal in ein anderes Land ziehe oder irgendwann nach Deutschland zurückkehre, ist völlig offen. Aber einmal im Jahr komme ich in jedem Fall nach Deutschland, damit mich meine Familie und meine Freunde nicht vergessen.

Kontakt: Jeannette Meyer, E-Mail : nettimeyer@gmx.net

Jeannette Meyer
CopyrightŠ 2001 Universität Potsdam, Glaesmer
[Letzte Aktualisierung 26.11.2005, Bültge]