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3. Ausgabe: Dezember 2005
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Heimliche Liebe Musik

Stefanie Buchheister-Knappe forscht als Verwaltungswissenschaftlerin im Graduiertenkolleg

Music is her hobby, but Stefanie Buchheister-Knappe decided against making it her profession. Out of health reasons, she was also unable to pursue her dream as a physiotherapist. Instead, it was her interest in receiving an interdisciplinary education that brought her to study administrative sciences. Today, she is a fellow at the Graduate School of Modern Governance at the University of Potsdam and is working on her dissertation on charity associations. She has not yet begun to plan what comes afterwards.

Sie hat ihr Hobby, die Musik, nicht zum Beruf gemacht. Ihren Traumberuf Physiotherapeutin konnte Stefanie Buchheister-Knappe aus gesundheitlichen Gründen nicht ergreifen. Ihr Interesse an einer interdisziplinären Ausbildung führte sie schließlich zum Studium der Verwaltungswissenschaft. Heute beschäftigt sich die Stipendiatin des Graduiertenkollegs Modern Governance an der Universität Potsdam in ihrer Dissertation mit Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege. Was danach kommt, hat sie noch nicht geplant.


Kam eher zufällig zur Wissenschaft
Stefanie Buchmeister-Knappe.
Foto: zg

Es gibt Menschen, denen ist von frühester Kindheit an bewusst: Ich will später einmal als Wissenschaftler arbeiten und den Dingen auf den Grund gehen. Sie sind nach Neuem gierig, werden von unzähligen Fragen geplagt, gefundene Antworten stellen sie nie zufrieden, sie sind Getriebene ihrer Sehnsucht nach letztendlicher Erkenntnis. Forschung ist für sie Berufung, Leidenschaft, zentraler Sinn des Lebens. Zu dieser Kategorie Mensch gehöre ich zugegebenermaßen nicht. Hätte man mich nach meinen Berufswünschen gefragt, als ich sechs oder zehn Jahre alt war, der Beruf des Wissenschaftlers hätte nicht auf den ersten drei Positionen gestanden. Doch wie ist es dazu gekommen, dass ich seit einem Jahr als eine von vier Stipendiaten des Graduiertenkollegs Modern Governance an der Universität Potsdam promoviere und damit einen wissenschaftlichen Berufsweg eingeschlagen zu haben scheine? Kurz gesagt, eher durch einen schlangenförmigen denn geradlinigen Weg.
Lange Zeit wollte ich Orchestermusikerin werden. Etliche Jahre habe ich mein näheres Umfeld mit täglichem Üben auf der Violine, später auf der Viola "gequält". Das Musikmachen im Team, sprich in Orchestern und Kammermusikensembles, faszinierte mich. Doch irgendwann erschien mir diese berufliche Perspektive zu unsicher und es fiel die Entscheidung: Musikmachen bleibt Hobby. Nachdem ich dann meinen zweiten "Traumberuf" Physiotherapeutin aus gesundheitlichen Gründen nicht realisieren konnte, fing ich mit dem Studium an. Ich studierte Soziologie, Politik und Germanistik an der Universität Potsdam mit der Berufsperspektive Journalistin. Das Magisterstudium versprach eine interdisziplinäre Ausbildung. Es entpuppte sich aufgrund der unterschiedlichen Uni-Standorte und der Konzentration vieler parallel stattfindender (Pflicht-)Lehrveranstaltungen als schwer zu organisierende und vor allem in den Nebenfächern als wenig tiefschürfende Arbeit. Das Nebeneinander von Haupt- und Nebenfächlern war aus meiner Perspektive weniger befruchtend denn frustrierend. So wechselte ich 1999 in den Studiengang der Verwaltungswissenschaft. Die Nähe zur Politikwissenschaft und Soziologie blieb dadurch erhalten, und auch der Wunsch nach einer interdisziplinären Ausbildung ließ sich realisieren.
Über den betriebswirtschaftlichen Schwerpunkt Public Management und die Professur von Prof. Dr. Christoph Reichard wurde mein Interesse für die "Dritte-Sektor-Forschung" und Nonprofit-Organisationen im Allgemeinen und die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege im Speziellen geweckt. Auch wenn mit dem näher rückenden Ende meines Studiums Wehmut aufkam, bald nicht mehr wissenschaftlich arbeiten zu können, war die Fortführung der wissenschaftlichen Ausbildung für mich kein zentrales Diskussionsthema, die eigenen Fähigkeiten immer etwas kritisch im Blick. Guter Zuspruch von außen hat mich dazu gebracht, auf die Ausschreibung von vier Promotionsstipendien für das Graduiertenkolleg Modern Governance zu reagieren.
Die Arbeitsbedingungen im Graduiertenkolleg sind optimal. Der komplette Tag steht für das eigene Forschungsvorhaben zur Verfügung, das Angebot an Vorlesungen, Seminaren und Kolloquien ist vielfältig, die technische Ausrüstung gut und die finanzielle Existenz gesichert. Die unmittelbare Zusammenarbeit mit den anderen Stipendiaten und Kollegiaten gestaltet sich allerdings etwas schwierig. Trotz oder gerade wegen des gemeinsamen Rahmenthemas "Governance" sind die einzelnen Forschungsvorhaben sehr unterschiedlich, die Arbeitsweisen individuell verschieden. Das Arbeiten an einer wirklich gemeinsamen Fragestellung, an einem konkreten Forschungsprojekt fehlt. So bleibt jeder mehr oder weniger Einzelkämpfer, auch wenn die Stimmung zwischen uns gut ist und ein gedanklicher Austausch stattfindet.
Eine Erkenntnis meines Studiums bezüglich einer beruflichen Perspektive in der Forschung ist, dass wissenschaftliches Arbeiten zwar nicht routinefrei, aber insgesamt eine abwechslungsreiche, kreative und selbstbestimmte Tätigkeit ist, welche im Vergleich zu einer Vielzahl von Berufen meines Erachtens eine Form von Luxus darstellt. Natürlich verpflichtet sie, Ergebnisse zu liefern, welche den wissenschaftlichen Bereich, in dem man arbeitet, bereichern. Aber wann schafft man Wissen? Welche Erkenntnisse sind nutzlos? Wann hat wissenschaftlicher Erfolg Einfluss auf die Praxis? Ob die Wissenschaft langfristig mein Betätigungsfeld sein wird, vermag ich derzeit nicht zu sagen.

Kontakt: Stefanie Buchheister-Knappe, E-Mail: sknappe@uni-potsdam.de

Stefanie Buchheister-Knappe
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[Letzte Aktualisierung 26.11.2005, Bültge]