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2. Ausgabe: Dezember 2004
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Nur ein anderes Publikum

Die Schauspielerin und Kulturmanagerin Franka Schwuchow hat das erste Staatsexamen in der Tasche



Wählte Theaterbiotop statt Referendariat:
Franka Schwuchow.
Foto: Pösl

As Franka Schwuchow started her study at the former Pädagogische Hochschule, she planned to become a teacher. But she felt that teaching was not the right thing for her. After finishing her study she had the to work as an actress and culture manager. All she needed to know she learned by herself.
Until now she was working in front of and behind the curtain at the theatre company De Gater `87. In good years she is acting in two plays. Together with colleagues she founded the international theatre festival "Unidram" and the international culture days for children. Moreover she worked for the "T-Werk", the international theatre centre in Potsdam. For many years she had been happy with her job. But now administration takes more and more space and there is less freedom for creativity. So she is looking for new challenges and perhaps she even will go back to her roots.

Das Internationale Theaterfestival "UNIDRAM" zählt seit elf Jahren zu den Höhepunkten im Potsdamer Kulturkalender, ebenso die "Internationalen Kinderkulturtage", die es auch schon seit zehn Jahren gibt. Franka Schwuchow, Mitbegründerin und Mitorganisatorin beider Veranstaltungen, wollte einst an der Pädagogischen Hochschule "Karl Liebknecht" Lehrerin für Deutsch und Geschichte werden und legte dafür nach sechsjährigem Studium im Jahre 1993 das erste Staatsexamen ab. Doch dann wurde sie Schauspielerin und Kulturmanagerin in der freien Theaterszene Potsdams. Bis heute steht die Autodidaktin bei der Potsdamer Theatergruppe DeGater `87 auf der Bühne. Zudem hält sie alle organisatorischen Fäden zusammen, die die Theatergruppe betreffen. Sie hat aber auch als Angestellte des "T-Werk", dem internationalen Theater- und Theaterpädagogikzentrum Potsdam, dessen Geschicke mitbestimmt.

Nach meinem Studium war ich froh, das fortsetzen und zu meinem Beruf machen zu können, was ich währenddessen begonnen hatte: Theater zu spielen und Theater zu organisieren. Als Akteurin des ehemaligen Studententheaters DeGater `87 hatte ich die positiven Effekte einer kontinuierlichen Ensemblearbeit erlebt und war über viele Jahre in intensive gruppendynamische, künstlerische und organisatorische Prozesse involviert. Auch die Idee eines Theatertreffens mit osteuropäischem Schwerpunkt nahm hier erste Gestalt an. Aber dass sich daraus einmal auf der Basis eines gemeinnützigen Vereins ein Theater mit eigener Spielstätte etablieren würde, war schon deshalb nicht vorstellbar, weil die Gruppe 1993 zerfiel. Die Zeit ihrer Neukonstituierung Mitte der Neunziger Jahre fällt zusammen mit meinem Versuch, mich in den Beruf der Kulturmanagerin nach dem Prinzip "Learning by doing" einzuarbeiten.
Hätte es diesen Theaterbiotop nicht gegeben, hätte ich mein Referendariat begonnen. Allerdings mit gemischten Gefühlen, denn während meines Studiums war ich mit der Aussicht auf eine Lehrertätigkeit nicht sonderlich zufrieden. Durch die schulpraktischen Übungen und das obligatorische Schulpraktikum über mehrere Wochen erlangte ich ziemlich schnell die Gewissheit, dass ich nicht die geborene Lehrerin war. Meine Stunden hinterließen einfach nur Frustration. Zu tun hatte dies einerseits mit dem leidigen Problem von Theorie und Praxis. Abgesehen von den Fachdidaktiken half mir die pädagogische Grundausbildung zwischen sozialistischer Persönlichkeit und der Stärkung des Klassenkollektivs in keiner Weise, in der Nachwendezeit sowieso nicht. Andererseits hat die damalige Entscheidung auch mit meiner persönlichen Verfassung insgesamt zu dieser Zeit zu tun. Heute hätte ich auf die für mich damals existentielle Frage, "Worauf sich denn berufen?" eine klare Antwort und zudem nicht mehr diesen perfektionistischen Anspruch, alle Schüler erreichen zu wollen. Und es hatte natürlich darüber hinaus mit einigen glücklichen Unständen zu tun, mit Menschen, die mir zu dieser Zeit nahe und wichtig waren und mit der Zeit des Auf- und Umbruchs Anfang der Neunziger generell, in der vieles möglich war und die persönliche Zukunft völlig offen schien. Da sich ohnehin alles neu mischte, stellte es auch kein besonderes Risiko dar, ein neues berufliches Terrain zu betreten. Zurück konnte ich schließlich immer.
Wenn es stimmt, dass ein Lehrer - und ich habe großen Respekt vor diesem Beruf - immer auch ein Stück weit Schauspieler ist, dann habe ich mir quasi nur andere Zuschauer gesucht. Und andere Geschichten, die ich erzähle. Weil ich im Gegensatz zum Klassenzimmer im Theater mein Publikum nicht sehen kann und das Dunkel im Zuschauerraum Langeweile oder Abneigung, Verweigerung oder Opposition verbirgt. Lange Zeit war ich auch sehr zufrieden mit dem, was ich tue, auch wenn sich nicht alle Träume erfüllten. Weil es unentfremdete Arbeit war, die sich in überschaubaren, wenig hierarchischen und basisdemokratischen, im besten Sinne kollegialen Strukturen vollzog; zwar mit allen Höhen und Tiefen, aber immer ohne Neid, Misstrauen oder Intrigen.



Nützlich auch für Lehrer: Schauspieltalent.
Foto: Pösl

Die Verbindung zwischen künstlerischer und organisatorischer Arbeit in einem kleinen Team empfand ich lange Zeit für mich als optimal, zumal die Grenzen fließend waren. Im freien Bereich verläuft die Trennung nach Arbeitsbereichen und Funktionen ja nicht so scharf. Als Schauspielerin arbeite ich, wenn es gut läuft, an zwei Stücken pro Jahr, organisatorische Arbeiten für die entsprechende Produktion, für Festivals oder Gastspiele laufen dann nebenher. Arbeite ich nicht künstlerisch, bekommt das Organisatorische entsprechend mehr Gewicht: Programmplanung, Finanzierungsanträge, Kostenkalkulationen, Verwendungsnachweise, Sponsoring, Pressearbeit - eben die gesamte Palette der Projektleitung.
Man kann überall lesen, wie schwierig inzwischen die wirtschaftliche Situation der Kultur insgesamt und der freien Szene im Besonderen ist. Ich verdanke den zurückliegenden Jahren berufliche Souveränität, unglaubliche Erfahrungen auf und hinter der Bühne und natürlich, gerade mit Blick auf Osteuropa, Erlebnisse der besonderen Art. Dennoch: Das Gefühl, etwas bewegen zu können, ist kaum noch vorhanden. Die Verwaltung nimmt immer größeren Raum ein, die kreativen Freiräume dagegen schrumpfen. In den letzten drei Jahren war ich immer weniger zufrieden. Vor diesem Hintergrund, aber auch nach über zehn Jahren in diesem Metier, stelle ich mir natürlich die Frage nach einer neuen Herausforderung. Da einem im Moment nicht allzu viele Alternativen offen stehen, ist eine Rückkehr zu meinen Wurzeln nicht mehr undenkbar.

Kontakt: Franka Schwuchow, E-Mail: unidram@gmx.de
Weitere Informationen unter www.unidram.de

Franka Schwuchow
CopyrightŠ 2001 Universität Potsdam, Glaesmer
[Letzte Aktualisierung 12.12.2004, Tobias Queck]