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2. Ausgabe: Dezember 2004
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Zu Land, Wasser und Luft

Björn Sander steht als Ökologe auf eigenen Füßen



Björn Sander hat den Durchblick:
Nach der Probensammlung kommt die Auswertung im Labor.
Foto: privat

When Björn Sander looks back to his biology studies he does not only reminisce about good times. Although the university was built up under ideal technical and spacious conditions in 1991 the academic staff was too much influenced by teachers. His career expectation were always connected with environment and ecology but he did not consider a scientific occupation. Therefore the free-lance work helped him to get further qualifications his studies at university could not give him. To make the best of this situation he built up an own network of biologists, ecologists or geographers which merged in the "Arbeitsgemeinschaft Freilandökologie". The fields of environment and ecology go along with his whole occupational career and a recently founded publishing house for environmental education won't be his last activities in these subjects.

Natur- und Umweltschützer wollte Björn Sander werden, als er sein Studium begann. Sein Ziel hat er erreicht, wenn auch auf einem nicht eingeplanten Weg. Als "Student der ersten Stunde" fühlt er sich von der neu gegründeten Uni nicht ausreichend auf eine Berufstätigkeit vorbereitet. Er kompensierte diesen Mangel, indem er freiberuflich Aufträge übernahm. Freiberuflichkeit war dann auch nach dem Studium eine Alternative zum Angestelltendasein, mit der er heute sehr zufrieden ist.

Mit dem Wunsch, im Natur- und Umweltschutz zu arbeiten, habe ich 1991 mein Biologiestudium in Potsdam begonnen, zu einem Zeitpunkt, als aus der Pädagogischen Hochschule "Karl Liebknecht" die Universität Potsdam wurde. Die technische und räumliche Ausstattung wurde binnen weniger Jahre auf den neusten Stand gebracht. Das wissenschaftliche Personal hatte größtenteils selbst die Lehrerausbildung durchlaufen, und es war anfänglich nur allzu deutlich, dass als "Biologen" hier bisher zwar Biologielehrer für den Staatsdienst aber keine Biologen für den "freien Markt" ausgebildet wurden. Für das Grundstudium war dies sicherlich nicht von Nachteil. Die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät war überschaubar und das Zahlenverhältnis zwischen Studenten und Professoren günstig. Es existierten ideale Bedingungen für ein zügiges Studium ohne Wartezeiten.


Kampf mit den Elementen: Probenentnahme auf hoher See.
Foto: privat

Nach dem Vordiplom und der Ableistung meines Zivildienstes in einer Naturschutzstation habe ich mich im Hauptstudium auf Ökologie und Naturschutz, Umweltrecht sowie Angewandte Zoologie spezialisiert. Allerdings wurde man hier von den Lehrenden auf ein Berufsbild vorbereitet, von dem diese hauptsächlich nur die rein wissenschaftliche Seite kannten. Hinzu kam, dass ein kleiner Teil der Lehrenden seit Jahren keine Forschung mehr betrieben hatte und lediglich auf die Pensionierung wartete. Auf die zahlreichen Anforderungen an einen Biologen und aktuellen Einsatzgebiete im Bereich Ökologie und Naturschutz wurde man daher nicht optimal vorbereitet. Beispielsweise wurden ethische Fragen, Fragen der Projektvorbereitung und Abwicklung und verwaltungsrechtliche Hintergründe zu Gunsten einer "klassischen" wissenschaftlichen Ausbildung gänzlich ausgeklammert. Bessere Erfahrungen habe ich zeitgleich als Gasthörer an der Technischen Universität Berlin sowie der Universität Lüneburg sammeln können. Vorlesungen und Seminare wurden von Praktikern abgehalten und meine Gasthörerschaft erwies sich für mich als belebendes Kontrastprogramm zu den meisten Vorlesungen und Seminaren in Potsdam.
Hätte man damals einen Potsdamer Professor nach dem Berufsbild eines freiberuflich tätigen Biologen befragt, wäre es so gewesen, als hätte man sich mit einem Blinden über Farben unterhalten wollen. Für meinen Berufseinstieg war dies allerdings kein Hindernis, denn im Grundstudium habe ich abseits der Uni bereits meine ersten freiberuflichen Aufträge angenommen und dies im Hauptstudium soweit ausgebaut, dass ich mich durch Kartierungen und Erstellen von Gutachten größtenteils finanzieren konnte. Ganz nebenbei erhielt ich so auch einen Einblick in die berufliche Wirklichkeit eines Biologen. Letztendlich war es daher ein gleitender Übergang vom Studenten zum Freiberufler.
Was die Berufsaussichten und Karrierechancen betrifft, so war mir schon zu Beginn des Studiums bewusst, dass die Stellen für Biologen selten und Anstellungen meist nur auf ein bis drei Jahre befristet sind. Zwar habe ich mich um eine Festanstellung bemüht, war jedoch nicht erfolgreich. Gut funktioniert hat dagegen der Weg, über ein Praktikum in einem Unternehmen zu einem Werk- oder Honorarvertrag zu gelangen. Das an der Uni erworbene Wissen hat dabei eine untergeordnete Rolle gespielt. Wichtiger waren Flexibilität und eine hohe Belastbarkeit. Auf diese Weise habe ich mein Netzwerk potentieller Auftraggeber und Kooperationspartner ständig weiter knüpfen können.


Wenn Ökologen hoch hinaus wollen:
Zähl- und Kontrollflüge gehören zum Job.
Foto: privat

Als besonders vorteilhaft stellte sich schon im Studium der Kontakt zu anderen Praktikern heraus. Daher nehme ich auch heute noch jährlich an ein bis zwei Tagungen teil. Anders als im Studienalltag erfahre ich dort, wie sich Ökologen mit aktuellen Fragestellungen befassen. Einige der Kontakte sind für mich bis heute von Bedeutung, sei es bei der Bearbeitung anstehender Projekte oder bei der Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen, wenn zusätzliche Experten ins Boot geholt werden müssen.
Mittlerweile habe ich meine freiberufliche Tätigkeit soweit ausgebaut, dass eine Festanstellung für mich eher uninteressant ist. In einem Team kooperiere ich mit weiteren Biologen, Umweltwissenschaftlern, Geoökologen und Geografen unter dem Namen "Arbeitsgemeinschaft Freilandökologie". Schwerpunkt unserer abwechslungsreichen Arbeit sind Projekte im Bereich Umweltverträglichkeit sowie Umweltbildung. Für die Planung neuer Windparks in Nord- und Ostsee führen wir beispielsweise begleitende Untersuchungen der Meeressäuger, Seevögel und Meeresbodenfauna durch. Die Tätigkeiten umfassen die Probennahme während mehrtägiger Schiffstouren, Zähl- und Kontrollflüge sowie die anschließende Laborarbeit und Datenauswertung am Computer. In der Umweltbildung sind wir beratend und ausführend tätig, beispielsweise durch den Bau eines Schauaquariums in einer Umweltausstellung oder der Einrichtung eines Naturlehrpfades. Der Bereich Umweltbildung ist derzeit ein stark wachsender Markt. Daher habe ich Anfang des Jahres neben der freiberuflichen Arbeit als Gutachter zusätzlich eine gewerbliche Tätigkeit begonnen und erstelle mit einem eigenen Verlag Printmedien für die Umweltbildung.

Kontakt:
Björn Sander, Hayssenstraße 10, 24159 Kiel, Tel. 0431/36 45 703, E-Mail: Aqua-life@t-online.de
Weitere Informationen unter www.freilandoekologie.de

Björn Sander
CopyrightŠ 2001 Universität Potsdam, Glaesmer
[Letzte Aktualisierung 22.11.2004, Tobias Queck]