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2. Ausgabe: Dezember 2004
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Weitsprung ins Ministerbüro

Das Diplom in Sportwissenschaft wurde für Anja Laflör zum Karrieremotor



Anja Laflör:
Sport ist für die studierte Sportwissenschaftlerin
zurzeit reines Freizeitvergnügen.
Foto: privat

Anja Laflör started her career at a ministry of Brandenburg. After her apprenticeship as correspondent for economics she worked there as executive secretary. At the new ministry she had an exciting and chaotic time. Then she got a job as advisor at the ministry. Beside this she finished a further training for administration. At this time her boss was killed in an accident. So she had to do a part of his work. After fife years working at the ministry she decided to study - just of pure interest. While studying she was still working part time in her job. Her degree in sport and business administration opened doors for her. She successfully applied for a position in higher service. Today she is chief of a department at the ministry of economics in Brandenburg.

Beruflich "groß geworden" ist Anja Laflör in einem Brandenburger Ministerium. Durch ihre Bereitschaft, sich ständig weiter zu qualifizieren und mit der Unterstützung von Vorgesetzten konnte sie die Karriereleiter hinaufsteigen. Die letzte Sprosse zur Leiterin des Arbeitsbereiches Kabinett, Landtag, Bundesrat im Ministerbüro erklomm sie dank ihres Hochschulabschlusses, auch wenn Studium und Arbeit inhaltlich weit auseinander liegen.

Mein beruflicher Werdegang war nach meinem Schulabschluss nicht abzusehen und dass ich in der öffentlichen Verwaltung landen würde, schon gar nicht. Aber Mut, sich auf völlig Neues einzulassen und ein wenig Glück haben mich dahin gebracht, wo ich heute bin.


Gut gelaunt in der Bundesratssitzung:
Deren Vorbereitung gehört zu den Aufgaben von Anja Laflör.
Foto: privat

Zum Beispiel 1991: Ich war gelernte Wirtschaftskorrespondentin der englischen und französischen Sprache und begann im Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr des Landes Brandenburg als Chefsekretärin im Büro des Staatsekretärs zu arbeiten. Mein ursprünglicher Plan war, Amerikanistik zu studieren. Aber als ich an der Freien Universität Berlin im Streiksemester 1988 keinen Fuß fasste, machte ich kurzerhand eine Ausbildung. In dem neu geschaffenen Ministerium erlebte ich spannende und chaotische Jahre, zunächst ohne Arbeitsvertrag und regelmäßiges Gehalt.
Ich sah das Ministerium wachsen. Aber da saß ich - eine Sekretärin. Dann wurde ich auf eine Ausschreibung aufmerksam gemacht und ich bewarb mich auf eine Stelle als Sachbearbeiterin im Bereich Kabinett-, Landtags- und Bundesratsangelegenheiten. Das hätte ich mir von allein nicht zugetraut, aber da sich der zuständige Referatsleiter sicher war, dass ich es schaffen würde, gab ich die Bewerbung ab und wurde tatsächlich ausgewählt. Die neue Stelle war mit viel Arbeit und persönlichem Engagement verbunden, aber es kam mir sehr zugute. Ich lernte: Ich kann wirklich etwas.
Noch ein zweites Mal gab mir dieser Referatsleiter einen entscheidenden Impuls. "Dienstlich gewollt" absolvierte ich neben meiner Vollzeitstelle eine Ausbildung zur Verwaltungsfachwirtin an der Landesakademie für Öffentliche Verwaltung Brandenburg. Während ich für die Prüfungen lernte, kam mein Chef bei einem Motorradunfall ums Leben. Das folgende halbe Jahr wurde eine Prüfungszeit, wie ich sie mir nicht vorgestellt hatte. Ich übernahm Teile seiner Aufgaben, bis eine neue Referatsleiterin kam - und mir, der Sachbearbeiterin, fiel die Aufgabe zu, sie einzuarbeiten. Erneut war ich von früh bis spät gefordert.
Dennoch kam ich 1996 an einen Punkt, an dem ich dachte: Das kann doch noch nicht alles gewesen sein. Meinem zweiten Zuhause, dem Büro, entkommen, lag ich in Ägypten am Strand und entschied: Ich werde doch noch studieren - und zwar Sport und Betriebswirtschaftslehre. Nicht, weil ich es mit einem beruflichen Ziel verbunden hätte, sondern aus reinem Interesse. Das Thema Studium war in meinem Leben einfach noch nicht erledigt. Meine Chefin unterstützte mich, wo es nur ging, so dass ich von 1996 bis 2001 neben meiner Teilzeitstelle Sportwissenschaft an der Universität Potsdam studieren konnte.
Es war anstrengend, aber trotzdem würde ich es immer wieder tun. Auch hat es Mut gekostet, mit 28 Jahren noch ein Sportstudium zu beginnen. Aber das hatte auch seine lustigen Seiten: Zu meinem 30. Geburtstag stellte man mir "altersschwachen" Frau einen Stuhl in die Leichtathletikhalle. Die Zeit an der Uni hat mir extrem viel Spaß gemacht, und dies nicht zuletzt, weil ich dort viele neue Menschen kennen gelernt habe und der Kontakt meines Semesters zu den Dozenten recht "familiär" war. Wir hatten eben nicht nur eine Matrikel-Nummer, sondern Namen. Noch heute fahre ich gern zur Uni und freue mich, alte Bekannte zu treffen. Weniger erfreulich war die Suche nach dem Sinn in einigen der BWL- und den Jura-Veranstaltungen, die thematisch kaum auf unsere Studieninhalte abgestimmt waren. Die Verbindung zwischen dem abstrakt Gelernten und den Möglichkeiten, es als "Spowi" anzuwenden, mussten wir schon selbst finden. Ich kann daher nur anregen, dies bei der Zusammenstellung der Stundenpläne beziehungsweise der weiteren Planung dieses Studiengangs noch stärker zu berücksichtigen.
Obgleich mein Diplom inhaltlich nicht viel mit meiner Arbeit im Öffentlichen Dienst zu tun hat, öffnete es mir unverhofft neue Türen. Ich bewarb mich erfolgreich auf eine Stelle im höheren Dienst. Kurze Zeit später wurde ich dann auf die Stelle als Leiterin des "Arbeitsbereiches Kabinett, Landtag, Bundesrat" im Ministerbüro des Brandenburger Wirtschaftsministeriums versetzt.
Ich arbeite nun zwar im selben Bereich wie vorher, habe aber eine viel größere Verantwortung und habe ein größeres Aufgabenspektrum als früher. In meine Zuständigkeit fällt die Koordination und Vorbereitung von Kabinett-, Landtags- und Bundesratssitzungen sowie der jeweiligen Ausschuss-Sitzungen auf Bundes- und Landesebene. Über meinen Tisch gehen Vorlagen, die ich vor der Diskussion in den Entscheidungsgremien an die Fachabteilungen innerhalb des Ministeriums zur Stellungnahme weiterleite. Ich stimme mich mit den Kabinettsreferenten anderer Ministerien des Landes ab, um Kabinettssitzungen mit Ministerpräsident und Ministern gut vorzubereiten, begleite den Wirtschaftsminister in den Landtag und sorge dafür, dass er eine gute und fundierte Vorbereitung für diese Sitzung erhält. Ich kann in meinem Arbeitsbereich zwar kaum detailliert in einzelne Themen einsteigen, dafür bekomme ich einen guten Überblick über verschiedene Bereiche und habe Abwechslung in Hülle und Fülle.
Der Wechsel in eine leitende Funktion war wieder ein Sprung ins kalte Wasser. Aber ich denke, dass es einigermaßen gut klappt. Und auf die drei Frauen, die mir nun unterstellt sind, ist in jeder Hinsicht Verlass. Die Unterstützung, die mir selbst einmal durch meine Vorgesetzten zuteil wurde, versuche ich nun meinerseits anderen zu geben. Eine meiner Mitarbeiterinnen konnte unter großem persönlichem Einsatz ein Vierteljahr in Irland verbringen. Wer sich entwickeln will, muss neue Wege gehen. Natürlich hoffe ich, meine Qualifikation als Diplom-Sportwissenschaftlerin einmal inhaltlich in meine Arbeit einbringen zu können. Aber zurzeit macht mir meine jetzige Tätigkeit viel Spaß. Vielleicht ergibt sich ja später irgendwann die Möglichkeit für einen Wechsel.

Kontakt: Anja Laflör, E-Mail: anja.lafloer@gmx.de

Anja Laflör
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[Letzte Aktualisierung 12.12.2004, Tobias Queck]