Logo alumni
2. Ausgabe: Dezember 2004
Linie links Aktuelle Pressemitteilungen der Universität Potsdam Linie mitte Startseite der Universität Potsdam Linie mitte Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit Linie rechts

Einmal Kosovo und zurück

Diplomgeograf Frank Eibisch leistete als UNO-Mitarbeiter Aufbauarbeit


Will Chancen,
keine Sicherheiten:
Frank Eibisch.
Foto: privat

Frank Eibisch always put a short quotation on his job-applications: "I do want chances, not security", a line which stands for his studies as well as his career. Starting as a geography student he always wanted to work as an ecologist. In a kind of familiar training in Potsdam with only six fellow students he early realized that theory is just a part of education. During an expedition to Tanzania he got to know UN staff members. These contacts helped him to get a practical training at UNHCR in Rwanda and after his final degree he had worked for the UN to re-establish a public administration in Kosovo for three years. An interesting, exciting but also very difficult job. Today he works as a project manager at a business consultancy in Berlin, a job which often leads him abroad. On the side he is finishing his degree for Master of Business Administration via a Distance Learning Programme at Durham University in England.

Den letzten Ausschlag für die Entscheidung zum Geografiestudium gab eine Tasse Kaffee. Eigentlich wollte Frank Eibisch ja Landschaftsökologie studieren. Aus dem Plan, Umweltschützer zu werden, ist dann auch nichts geworden. An Projekten auf der ganzen Welt ist er als UN-Mitarbeiter und Stadtplaner trotzdem beteiligt - ob im ruandischen Flüchtlingslager, im Kosovo oder bei der Planung des neuen Berlin-Brandenburgischen Flughafens.

Als Diplomgeograf hat man sehr viele Optionen für später: Man kennt Stadt und Land, kann Karten lesen und trifft immer Kollegen, wenn man in sich in Berlin hinters Steuer seines Taxis setzt. Dann kann man nett den Kunden aus aller Herren Länder erzählen, wie es bei ihnen aussieht und streicht dafür ein gutes Trinkgeld ein. Später wird man dann Außenminister. Mit dieser klaren Vorstellung vom Leben nach dem Studium ausgestattet, konnte eigentlich nichts schief gehen. Dennoch kam alles anders.
Ursprünglich wollte ich Landschaftsökologie studieren. Ging aber nicht. Ich hatte mich zu spät entschieden und die Bewerbungsfrist war schon vorüber. Zum Glück liegt Potsdam neben Berlin und die Uni hatte soeben einen Studiengang Geografie eröffnet. Nachdem ich mich mit Nummern durch die Vorzimmer der Berliner Studienberatungen gewartet hatte, wurde ich in der Potsdamer Studienberatung mit einem "Ick koch grad Kaffee, wolln Se och een?" so empfangen, dass ich nicht widerstehen konnte, zumal unser Jahrgang nur aus sechs Kommilitonen bestand.
Soweit so gut, doch was macht man mit seinem Studium? Die Relevanz vieler Lehrveranstaltungen für mein erklärtes Berufsziel, Umweltschützer, war mir nicht immer klar. Jedenfalls habe ich es als Glück empfunden, dass mir die Uni als "Service Provider" zur Verfügung stand. Die Seminare und Vorlesungen betrachtete ich nur als ein Teil meiner "uni-versalen" Ausbildung, zu der ich komplementär meine persönliche Ausbildung ergänzen konnte: Wir haben als kleine Gruppe von Studenten für circa ein halbes Jahr im Lake Manyara Nationalpark in Tansania geforscht und vorher auf Sansibar Suaheli gelernt. Zufällige Kontakte zu UN-Mitarbeitern führten zu einem Praktikum in ruandischen Flüchtlingslagern bei UNHCR, dem Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen.


Tanzania 1995:
240.000 Menschen suchen Zuflucht im Lager Benako.
Foto: privat

Mit dem Erasmus-Programm bin ich dann noch nach Liverpool gegangen, nur um zu erfahren, wie verschult und eindimensional eine Ausbildung sein kann. Nichts für mich also. Dafür entdeckte ich, dass es in Berlins neuer Mitte für Stadtplaner viel zu tun gab. Grund genug sich an der Technischen Universität Berlin seinen persönlichen Nebenfachstudienplan Stadt- und Regionalplanung zu basteln. Dann sollte der Transrapid gebaut werden und ein neuer Flughafen. An beiden Projekten habe ich zunächst als Student und nach dem Studium dann als Projektleiter mitgearbeitet.
Dennoch hatte ich das Gefühl, dass es nun an der Zeit ist, etwas Richtiges zu tun. Die Gelegenheit ergab sich: Die UNO suchte Mitarbeiter, die im Kosovo eine Zivilverwaltung stellen und dann eine lokale Verwaltung aufbauen. Den Job habe ich dann drei Jahre lang gemacht: als regionaler Umweltbeauftragter, als Co-Direktor des Umweltinstitutes und als Leiters des Aufbaus der Landesplanungsabteilung.
Im Kosovo arbeitete ich mit internationalen Kollegen und lernte, dass "cultural diversity" nicht immer erfolgreich, aber auf jeden Fall spannend ist. Unter zehn Mitarbeitern am Tisch waren mindestens sieben Nationen und drei Kontinente vertreten - eine Erfahrung, die man in keiner anderen Organisation machen kann. Die Arbeit war extrem interessant und abwechslungsreich, die täglichen Herausforderungen erforderten schnelle Lösungen. Das hatte oft nicht viel mit Planungsarbeit zu tun. Sollte es aber auch nicht, es war Krisenmanagement. Mit der zunehmenden Übertragung der Rechte an lokale Institutionen wurde die UNO mehr als Kolonialmacht denn als Befreier wahrgenommen. Dies, und drei Jahre bei Stromausfall, kalten Wohnungen und immer wieder neuen ethnischen Konflikten waren genug, um mir eine halbjährige Auszeit mit Kurzzeiteinsätzen zu gönnen.
Danach habe ich als Projektmanager für internationale Umweltberatungsprojekte bei einer Berliner Beratungsfirma angefangen, bei der ich immer noch beschäftigt bin. Meine Projekte führen mich fast jede Woche in eine andere Ecke der Welt: nach Teheran, Vaasa, Budapest oder in den Müritz-Nationalpark.
Und weil studieren so viel Spaß macht und ich schon mal was von lebenslangem Lernen gehört habe, begann ich kürzlich ein Studium zum Master of Business Administration über ein Distance Learning Programme an der Durham University in England.


Krisenmanagement im Kosovo: Checkpoint an einer Brücke in Mitrovica.
Foto: privat

Und die Moral von der Geschicht? Gibt es nicht. Ich kann ein kleines Zitat aus meinen Bewerbungsschreiben anbieten: "Ich will Chancen, keine Sicherheiten". Aber Vorsicht, das kann man beim Taxischein eher missverstehen. Es kommt wohl vor allem darauf an, im richtigen Moment Chancen zu erkennen. Und sie dann auch zu ergreifen.

Kontakt: Frank Eibisch, E-Mail: eibisch@eibisch.info

Frank Eibisch
CopyrightŠ 2001 Universität Potsdam, Glaesmer
[Letzte Aktualisierung 22.11.2004, Tobias Queck]