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Projektbeschreibungen: Lern- und Leistungsstörungen

Promotionsprojekt 1-1

Eigeninitiative in der Kindheit und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Lesekompetenz
(2011–2014)

Das Promotionsprojekt 1-1 untersucht längsschnittlich die Entwicklung der Eigeninitiative in der mittleren Kindheit und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Lesekompetenz. Eigeninitiative ist definiert als eine Verhaltenstendenz, die sich durch selbststartendes, proaktives und persistentes Verhalten kennzeichnet (Fay & Frese, 2001; Frese & Fay, 2001). Während die Fertigkeit bei Erwachsenen, insbesondere im Kontext der Arbeits- und Organisationspsychologie, gut erforscht ist, liegen bei Kindern bisher keine Befunde zur Entwicklung der Eigeninitiative sowie zu ihrer Bedeutung für die Kompetenzentwicklung vor. Bei Berufstätigen ist Eigeninitiative positiv mit arbeitsbezogenem Lernen (Sonnentag, 2003) sowie individueller und organisationaler Leistung (Fay & Frese, 2001; Frese & Fay, 2001) assoziiert.

Im Rahmen des Promotionsvorhabens wird untersucht, ob sich vergleichbare Effekte der Eigeninitiative bei Kindern, bezogen auf das schulische Lernen und die schulische Leistung, finden lassen. Im Besonderen werden ihre Effekte auf die Entwicklung der Lesekompetenz untersucht. Dabei wird Eigeninitiative als Fertigkeit konzeptualisiert, welche den individuellen Entwicklungsverlauf beeinflusst. Sie beeinflusst vermutlich den Grad, zu dem ein Kind Lernangebote und -gelegenheiten aufgreift und nutzt, oder sich Lerngelegenheiten selbst erschafft. Wir gehen davon aus, dass die Stärke des Effekts von Eigeninitiative mit zunehmendem Alter steigt.

Das erste Ziel ist die Entwicklung und Validierung eines standardisierten Messverfahrens zur Erfassung der Eigeninitiative von Kindern. Dazu wird Eigeninitiative durch verschiedene Datenquellen erfasst: durch einen neu entwickelten situativen Test, der mit dem Kind durchgeführt wird, und durch Fremdbeurteilungen durch LehrerInnen und Eltern. Die Instrumente werden zur Erfassung der Eigeninitiative bei Kindern im Alter von 7-9 Jahren (ZP II – t1) eingesetzt, die ein Jahr später, im Alter von 8-10 Jahren (ZP II – t2), erneut befragt werden. Im Anschluss an die Validierung des Messverfahrens wird Eigeninitiative in ersten querschnittlichen Analysen als altersabhängiges Korrelat der Lesekompetenz und ihrer Determinanten (z.B. Wortschatz) modelliert. Die nachfolgenden längsschnittlichen Analysen werden Aufschluss über den tatsächlichen Entwicklungsverlauf der Eigeninitiative sowie die mögliche Veränderung der Effekte der Eigeninitiative auf die Entwicklung der Lesekompetenz geben.

Fay, D. & Frese, M. (2001). The concept of personal initiative: An overview of validity studies. Human performance, 14, 97-124.

Frese, M. & Fay, D. (2001). Personal initiative: An active performance concept for work in the 21st century. In B. M. Staw & R. I. Sutton (Eds.), Research in organizational behavior, Vol.23 (pp. 133-187). San Diego, CA, US: Elsevier Academic Press.

Sonnentag, S. (2003). Recovery, work engagement, and practice behavior: A new look at the interface between nonwork and work. Journal of Applied Psychology, 88, 518-528. 

Projektverantwortliche:
Prof. Dr. Fay, Prof. Dr. Schiefele, Prof. Dr. Kliegl & Dipl.-Psych. Anna Wollny (Kohorte 1)


Eigeninitiative in der Kindheit und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Lesekompetenz
(2014–2017)

Die Ergebnisse des Projekts 1-1 zeigen für Kinder, dass höhere Eigeninitiative mit aktiverem Lernen in Verbindung steht. Kinder mit höherer Eigeninitiative nutzten (Vor-)Lesesituationen aktiv, um neues Wissen aufzunehmen und Verständnisfragen zu stellen. Im Vergleich zu weniger eigeninitiativen Kindern besaßen sie einen höheren Wortschatz und zeigten bessere Leistungen in der basalen Lesefähigkeit des Wortlesens (Wollny, 2015).

An diese Forschungsergebnisse anknüpfend, wird im aktuellen Projekt untersucht ob und wie Eigeninitiative unterschiedliche Leseleistungen längsschnittlich vorhersagen kann. Wir testen dabei ob Eigeninitiative auch über das Wortlesen hinaus auf höhere Leseprozesse, wie das Leseverständnis, Effekte zeigt. Insbesondere gehen wir der Frage nach, ob Schüler mit hoher Eigeninitiative ein größeres Lesestrategiewissen entwickeln und dieses auch nutzen um ihre eigene Leseentwicklung zu unterstützen.

Ein weiteres Ziel des Projekts ist es Eigeninitiative als Schutzfaktor in individuellen schulischen Entwicklungsprozessen zu betrachten. In Risikogruppen konnten selbstregulative Fähigkeiten bereits als Schutzfaktoren identifiziert werden, die sich günstig auf den schulischen Verlauf auswirken (e.g., Sektnan, McClelland, Acock, & Morrison, 2010). Da Kinder mit höherer Eigeninitiative Probleme aktiv lösen, persistent sind, und ihre eigene Lernumwelt aktiv mitgestalten, erwarten wir, dass negative Effekte schulischer Risikofaktoren durch höhere Eigeninitiative abgemildert werden können.

Sektnan, M., McClelland, M. M., Acock, A., & Morrison, F. J. (2010). Relations between early family risk, children's behavioral regulation, and academic achievement. Early Childhood Research Quarterly, 25, 464-479.

Wollny, A. (2015). Eigeninitiative in der Kindheit und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Lesekompetenz (unpublished dissertation). University of Potsdam. Potsdam, Deutschland.

Projektverantwortliche:
Prof. Dr. Fay, Prof. Dr. Schiefele, Prof. Dr. Spörer, Prof. Dr. Kliegl & Dipl.-Psych. Greta Warner (Kohorte 2)


Promotionsprojekt 1-2

Lesekompetenz und Blicksteuerung

Die Entwicklung der Lesekompetenz verläuft zeitgleich mit Veränderungen in Prozessen der Aufmerksamkeits- und Blicksteuerung beim Lesen. Für eine Auswahl von Versuchspersonen soll der Zusammenhang zwischen Lesekompetenz (Leseflüssigkeit und Leseverstehen), Aufmerksamkeitsallokation und Blicksteuerung genauer untersucht werden. Wir erwarten, dass eine präzise, quer- sowie längsschnittliche Erfassung von Blickbewegungsparametern beim normalen Lesen in Kombination mit einer Prozessmodellierung (Laubrock, Kliegl & Engbert, 2006) zu einem besseren Verständnis des Prozesses der Leseentwicklung und seiner Risiken führt. Erfasst werden verschiedene Maße für Fixationsdauern und Landepositionsverteilungen von Sakkaden.

In einem ersten Schritt wurde mittels einer Leseaufgabe mit blickabhängiger Anzeigeveränderung (moving window-Technik; McConkie & Rayner, 1975) die Ausdehnung der perzeptuellen Spanne als Aufmerksamkeitsparameter im Altersquerschnitt ermittelt (Sperlich, Schad, & Laubrock, 2015).

In einem zweiten Schritt sollen im Rahmen einer korrelativen Studie Aufmerksamkeits- und Blickmaße zu Leistungswerten in verschiedenen Lesetests sowie der allgemeinen kognitiven Leistungsfähigkeit in Bezug gesetzt werden.

In einem dritten Schritt adressieren wir schließlich durch den Vergleich mehrerer Messzeitpunkte die zentrale Frage, welche grundlegenden Veränderungen der Aufmerksamkeits- und Blicksteuerung sich besonders auf die Entwicklung der Lesekompetenz auswirken (Sperlich, Meixner, & Laubrock, in revision).

Laubrock, J., Kliegl, R., & Engbert, R. (2006). SWIFT explorations of age differences in reading eye movements. Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 30, 872-884.

McConkie, G. W., & Rayner, K. (1975). The span of the effective stimulus during a fixation in reading. Perception & Psychophysics, 17, 578-586.

Sperlich, A., Schad, D., & Laubrock, J. (2015). Development of the perceptual span in german beginning readers. Journal of Cognitive Psychology, 27, 511-530.

Sperlich, A., Meixner, J. M., & Laubrock, J. (in revision). Development of the perceptual span in reading: A longitudinal study. Journal of Experimental Child Psychology.

Projektverantwortliche:
Prof. Dr. Schiefele, Dr. Laubrock & Dipl.-Psych. Anja Sperlich (Kohorte 1) & Dipl.-Psych. Johannes Meixner (Kohorte 2)


Promotionsprojekt 1-3

Lesehäufigkeit, Lesemotivation und Lesekompetenz

Neben familiären und kognitiven Bedingungsfaktoren kommt der Lesemotivation eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Lesekompetenz zu (z.B. Guthrie et al., 2007; Schaffner & Schiefele, 2008). Weitgehend ungeklärt ist dabei bislang die Frage, in welchem Ausmaß geringe Ausprägungen der intrinsischen und der extrinsischen Lesemotivation im Laufe der Entwicklung die Lesekompetenz beeinflussen und welche vermittelnde Rolle dabei die Lesehäufigkeit spielt.

Diese Fragen sollen anhand von Daten untersucht werden, die beginnend mit dem Leselernprozess erhoben werden, also in der Grundschulzeit, um somit ein komplettes Bild des Verlaufs zu erfassen. Dabei stellen wir den Kindern verschiedene Fragen zu ihrer Einstellung zum Lesen und zu ihren Leseerlebnissen. Wir erhoffen uns dadurch, die Lesemotivation der Kinder besser zu verstehen und eventuelle Ursachen zu ergründen. Desweiteren schauen wir uns z.B. an, wie gut das Kind lesen kann und wie viel des Gelesenen es dabei versteht, um danach Schlussfolgerungen und Zusammenhänge zwischen diesen Faktoren zu erkennen.

Um das Bild abzurunden, fragen wir auch die Eltern und die Lehrer nach ihrer Einschätzung des Kindes und nach ihren eigenen Erfahrungen und Einstellungen.

Guthrie, J. T., Hoa, A. L. W., Wigfield, A., Tonks, S. M., Humenick, N. M., & Littles, E. (2007). Reading motivation and reading comprehension growth in the later elementary years. Contemporary Educational Psychology, 32, 282-313.

Schaffner, E., & Schiefele, U. (2008). Familiäre und individuelle Bedingungen des Textlernens. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 55, 238-252.

Projektverantwortliche:
Prof. Dr. Schiefele, Dr. Schaffner & M.A. Franziska Stutz (Kohorte 1) & Dipl.-Psych. Sebastian Löweke (Kohorte 2)


Promotionsprojekt 1-4

Determinanten des Verlaufs von Rechenschwäche

Auch wenn die bislang genannten Prävalenzraten wegen methodischer Probleme der Falldefinition meist deutlich überschätzt sind (Wyschkon et al., 2009), besteht weiterhin ein Forschungsdefizit für Rechenstörungen und -schwächen. Anknüpfend an eigene Forschungsansätze an 3000 Grundschülern zu Fragen der Informationsverarbeitung, Komorbidität sowie zum Spontanverlauf von Rechenstörungen (Kohn, 2012) soll die Stabilität der Rechenschwäche über die Zeit und deren Determinanten untersucht werden. Im Fokus des Forschungsinteresses stehen intrapersonale Risikofaktoren als Determinanten des Verlaufs.

In dem Promotionsvorhaben werden insbesondere die kognitiven Determinanten der Rechenschwäche in den Fokus genommen. Zu nennen sind hier beispielweise die Intelligenz und das Arbeitsgedächtnis sowie Defizite in der expressiven Sprachentwicklung. Entsprechende Determinanten sollen auf deren Spezifität für die Rechenschwäche untersucht werden und ein Vergleich mit anderen UES schulischer Fertigkeiten und emotionalen Verhaltensauffälligkeiten angestrebt werden.

Kohn, J. (2012). Rechenstörungen im Kindes- und Jugendalter: Psychische Auffälligkeiten und Kognitive Defizite. Universität Potsdam, Potsdam.

Wyschkon, A., Kohn, J., Ballaschk, K., & Esser, G. (2009). Sind Rechenstörungen genau so häufig wie Lese-Rechtschreibstörungen?. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 37, 499-512.

Projektverantwortliche:
Prof. Dr. Esser, Dr. Lange & Dipl.-Psych. Johanna Graefen (Kohorte 1) und
Prof. Dr. Esser, Prof. Dr. Schiefele, Dr. Wyschkon & M.Sc. Finja Petersen (Kohorte 2)