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Der lange Weg zur Exzellenz – Der Geowissenschaftler Bodo Bookhagen über die Arbeit am Cluster-Antrag

Erdgeschichtliche Spurensuche: Bodo Bookhagen bei Arbeiten im Feld. Foto: Bodo Bookhagen

Erdgeschichtliche Spurensuche: Bodo Bookhagen bei Arbeiten im Feld. Foto: Bodo Bookhagen

Am 3. April war es soweit: Unis, die ein Exzellenzcluster in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder beantragen wollen, mussten ihre 25-seitigen Skizzen bei der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) einreichen. Mit dabei war auch ein Antrag der Universität Potsdam, in dessen Zentrum Wechselwirkungen im Bereich der Geo-, Bio- und Klimawissenschaften sowie neue Herangehensweisen bei der Analyse hochkomplexer Datensätze stehen. Matthias Zimmermann unterhielt sich mit Bodo Bookhagen. Er ist Sprecher der Initiative und Professor für Angewandte Fernerkundung an der Uni Potsdam.

Herr Bookhagen, der beantragte Exzellenzcluster mit dem Namen „Delta-Earth“ dreht sich um „Dynamiken an der Erdoberfläche“. Was heißt das? 

Wir wollen verstehen, wie sich die Erdoberfläche, unser Lebensraum, durch Ereignisse wie Erdbeben, Fluten oder Waldbrände und damit verbundene Prozesse verändert. Das haben die Disziplinen lange unabhängig voneinander untersucht. Aber das reicht nicht mehr. So komplex wie die Vorgänge muss auch die Forschung sein. Deshalb haben sich für den Antrag Geo-, Bio- und Klimawissenschaftler zusammengetan.

Wie entstand die Idee, ein Cluster zu beantragen?

Letztlich basiert der Antrag auf Forschung und Diskussionen in den vergangenen zehn Jahren. Es zeigt sich bei der Analyse und Interpretation von Datensätzen, aber auch bei der Feldarbeit immer mehr, dass wir multidisziplinär vorgehen müssen, um zu verstehen, was an der Erdoberfläche passiert. Manfred Strecker, Helmut Elsenbeer und ich haben dann dazu einen ersten Text von drei bis vier Seiten geschrieben und mit einigen Kollegen anderer Fächer und Partnerinstitutionen diskutiert. Wir wussten immer, dass wir an ähnlichen Dingen arbeiten. Es hat sich aber gezeigt, dass wir auch in dieselbe Richtung denken. Nach und nach wuchs die Gruppe und irgendwann trafen wir uns wöchentlich. Das war vor anderthalb Jahren. Inzwischen ist der Text bestimmt 100 Mal umgeschrieben – und zu einem echten Gemeinschaftsprojekt geworden.

Wie gelingt das?

Indem man kommuniziert. Für so einen Antrag sind alle wichtig – und gleichzeitig geht es nur, wenn das gemeinsame Ziel im Vordergrund steht. Die Fäden zusammenzuhalten, ist bei der Arbeit eigentlich genauso wichtig wie die wissenschaftlichen Fragestellungen zu formulieren.

Was hat Sie motiviert, an dem Antrag mitzuschreiben?

Auch wenn es vielleicht kitschig klingen mag: Es ist zuallererst der Durst nach Wissen. In diesem Sinne bringen uns schon die Diskussionen um den Antrag weiter. Daneben bietet ein erfolgreicher Antrag die Chance, hier in Potsdam etwas Einzigartiges aufzubauen. Ein Cluster würde nicht nur Kompetenzen bündeln, sondern auch exzellente Studierende, Doktoranden und Postdocs nach Potsdam zu holen, die sonst vielleicht ans MIT oder an die ETH Zürich gingen. Daraus entstünde ein Forschungsnetzwerk, von dem der Standort Potsdam über lange Zeit profitieren würde.

Haben Sie sich während des Schreibens auch schon mal weit weg gewünscht?

Klar. Es gibt schon Momente, in denen sich große Hürden aufbauen und man sich fragt, ob die investierte Zeit sich am Ende auch auszahlt. Und dann spreche ich wieder mit Kollegen, sehe das große Bild – und erkenne, wie wichtig diese Forschung ist und dass sie sich in jedem Fall lohnt.

Was tun, wenn’s klappt?

Lacht. Dann freuen wir uns erst einmal – und machen uns an den Vollantrag.

Und wenn nicht …?

… werden wir Wege suchen, wie wir die Forschung trotzdem auf den Weg bringen – aber in einer kleineren Gruppe.

Warum wäre der Exzellenzcluster so bedeutsam und wichtig für Potsdam und Brandenburg?

Ein Cluster ist für die Sichtbarkeit in den wissenschaftlichen Feldern gut. Potsdam würde zum Leuchtturm in den terrestrischen Erd- und Biowissenschaften gerade in der Verknüpfung mit den Datenwissenschaften. Eine wichtige Komponente ist auch der Wissenstransfer in die Gesellschaft: Es gäbe neue, interdisziplinäre Studiengänge und die Didaktik-Kollegen würden dafür sorgen, dass die Forschung auch in die Klassenzimmer kommt. Das Tolle an Potsdam ist: Seit ich hier 1995 anfing zu studieren, hat sich wahnsinnig viel getan. Und doch sind die Strukturen nach wie vor so flexibel, dass sich viel bewegen und gestalten lässt.

Die hier vorgestellte Forschung ist verbunden mit der Forschungsinitiative NEXUS: Earth Surface Dynamics, die unterschiedlichste wissenschaftliche Aktivitäten der Region Berlin-Brandenburg aus dem Themenfeld Dynamik der Erdoberfläche bündelt. Die Universität Potsdam (UP), gemeinsam mit ihren Partnern des Helmholtz-Zentrums Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ), des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung (AWI) sowie mit Partnern des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), des Naturkundemuseums Berlin (MfN) und der Technischen Universität Berlin (TUB) verbindet hierzu die herausragende Expertise in den Geo-, Bio, Klima- und Datenwissenschaften.

Text: Matthias Zimmermann
Online gestellt: Agnetha Lang
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktion@uni-potsdam.nomorespam.de