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Große Nachfrage nach Qualifizierungsprogramm für geflüchtete Lehrerinnen und Lehrer an der Universität Potsdam – Erster Kurs startet im April

Rund 700 Frauen und Männer haben sich für das deutschlandweit erste Qualifizierungsprogramm für geflüchtete Lehrerinnen und Lehrer an der Universität Potsdam beworben. „Die große Resonanz hat uns überwältigt“, sagt die Initiatorin des Projekts, Prof. Dr. Miriam Vock. Ursprünglich hatte sie mit 15 Teilnehmern gerechnet. „Wir arbeiten jetzt daran, die Kapazitäten zu vergrößern.“ Dank einer zusätzlichen Förderung durch das brandenburgische Wissenschaftsministerium können statt des geplanten einen Kurses voraussichtlich drei Kurse eröffnet werden. Der erste startet zum Beginn des Sommersemesters.

Die Interessenten, die aus Brandenburg und Berlin, aber auch aus dem gesamten Bundesgebiet kommen, sind überwiegend sehr gut qualifiziert, berufserfahren und hoch motiviert, in Deutschland als Lehrerinnen und Lehrer zu arbeiten. „Wir hoffen, dass bald auch andere Universitäten ein ähnliches Programm auflegen werden“, sagt Miriam Vock, die derzeit mit Dr. Frederik Ahlgrimm im Department für Erziehungswissenschaften die Bewerbungen sichtet. Für die vielen geflüchteten Kinder an deutschen Schulen werden dringend mehr Lehrer benötigt. Allein in Brandenburg  sind es 4.000 Mädchen und Jungen aus verschiedenen Herkunftsländern. „Die Lehrkräfte unter den Geflüchteten könnten gute Brückenbauer sein, indem sie sprachlich und kulturell zwischen den neuen Schülern sowie deren Eltern und den deutschen Schulen vermitteln“, so die Potsdamer Bildungswissenschaftler.
In einem ersten Schritt sollen die größtenteils aus Syrien stammenden Lehrkräfte am Zentrum für Sprachen und Schlüsselkompetenzen der Universität Potsdam einen intensiven Deutschkurs erhalten. Ab dem Herbst werden sie dann in einem speziellen Kurs und in Hospitationen mit dem deutschen Schulsystem vertraut gemacht. Zahlreiche Schulen haben bereits ihre Bereitschaft erklärt, geflüchteten Lehrkräften Einblicke in die Unterrichtspraxis zu ermöglichen. Auch das Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität ist hier mit einbezogen. „Schule funktioniert in Syrien eben sehr anders als in Deutschland“, erklärt Frederik Ahlgrimm. Nicht nur was die Klassenstärke betreffe, sondern auch die Unterrichtsmethodik und die Bewertungsweise.  
Geplant ist, dass deutsche Lehramtsstudierende am Kurs teilnehmen und mit den Lehrkräften Tandems bilden, um sich im gegenseitigen Austausch über die Schulsysteme in den Herkunftsländern der Geflüchteten zu informieren.  „Für ihre spätere Arbeit an Schulen mit geflüchteten Kindern wird dies sehr hilfreich sein“, so der Vizepräsident für Studium und Lehre der Uni Potsdam, Prof. Dr. Andreas Musil, der zugleich Direktor des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung ist. Für die Studierenden bestehe hier eine große Chance, interkulturelle Kompetenzen zu erwerben.  
Die Initiatoren des Qualifizierungsprogramms hoffen, dass die ersten Teilnehmenden schon im kommenden Winter an Schulen eingesetzt werden können. Für welchen Unterricht und welche Schulform müsse dann im Einzelfall entschieden werden, sagt Miriam Vock. „Für Einstellungen oder Anerkennungen sind wir als Universität nicht zuständig. Wir stehen hierzu jedoch in Kontakt mit dem Bildungsministerium.“  Da es in Brandenburg einen großen Bedarf an Lehrkräften gebe, ist sie zuversichtlich, dass die Teilnehmer des Programms, sofern sie entsprechende Deutschkenntnisse erwerben, in Schulen tätig werden können.


Text: Antje Horn-Conrad
Online gestellt: Matthias Zimmermann
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktion@uni-potsdam.nomorespam.de