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Lese-Rechtschreibstörung und Rechenschwäche – Psychologen testen Trainingsprogramme

Kinder, die gefährdet sind, eine Lese-Rechtschreibstörung (LRS) zu entwickeln, profitieren kurzfristig von einem Programm zur Förderung der phonologischen Bewusstheit. Allerdings lassen sich kaum Belege für Trainingseffekte finden, die länger als ein Jahr andauern. Nachhaltiger wirken hingegen Programme gegen die Ausbildung einer Rechenschwäche. Dies ist das Ergebnis zweier jetzt veröffentlichter Studien von Forschenden am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Potsdam, die sich mit schulbezogenen Entwicklungsstörungen im Kindesalter beschäftigen.

Reime zu erkennen und Laute aus Wörtern herauszuhören – das sind Zeichen einer entstehenden phonologischen Bewusstheit. Kinder, die diese Fähigkeiten nur schwach entwickeln, gelten als gefährdet, später in der Schule eine LRS auszubilden. Das Hören und Lauschen aber lässt sich lernen. Geschult von Wissenschaftlern der Universität Potsdam, haben Erzieherinnen im letzten halben Kita-Jahr elf Wochen lang drei Tage pro Woche mit gefährdeten Kindern ein Trainingsprogramm durchlaufen. Im Vergleich zu einer untrainierten Kontrollgruppe konnte ein unmittelbarer positiver Effekt nachgewiesen werden: Vier Wochen nach Beendigung des Programms zeigte die Trainingsgruppe im Mittel altersentsprechende Leistungen, während die untrainierte Kontrollgruppe unterhalb des Normbereichs blieb. Ein Jahr später, im zweiten Halbjahr der ersten Klasse, war dieser Unterschied jedoch nicht mehr erkennbar, weder in der phonologischen Bewusstheit noch in den mittleren Lese- und Rechtschreibleistungen. Allerdings befanden sich unter den geförderten Kindern weniger leseschwache Kinder als unter den nicht geförderten Kindern. Derzeit untersuchen die Psychologen, welche weiteren Merkmale, wie zum Beispiel sprachliche Fähigkeiten und Gedächtnisleistungen, geeignet sind, um LRS-gefährdete Kinder noch sicherer bereits im Kindergartenalter zu entdecken. Daraus kann dann abgeleitet werden, welche zusätzlichen Fördermaßnahmen nötig sind, um späteren Störungen optimal vorzubeugen.
Eine zweite Studie der Potsdamer Psychologen befasste sich mit mathematischen Kompetenzen im Vorschulalter. Hier zeigte sich, dass Kinder, die gefährdet für die Entwicklung einer Rechenstörung sind, ganz unmittelbar und über ein Jahr hinweg von einem Programm zur Förderung des Mengen- und Zahlenverständnisses profitieren. Über elf Wochen hinweg hatten die Kinder der Trainingsgruppe mit ihren Erzieherinnen zweimal in der Woche das Zählen, das Erfassen von Größen und Mengen, das Zahlenlesen sowie einfache Rechenoperationen geübt und direkt anschließend sowie nach einem Jahr altersentsprechende Ergebnisse im Rechnen erzielt. Demgegenüber erbrachten die gefährdeten Kinder der untrainierten Kontrollgruppe vier Wochen nach dem Training wie auch in der zweiten Hälfte des ersten Schuljahres weiter unterdurchschnittliche Rechenleistungen. Derzeit untersuchen die Wissenschaftler, ob die Trainingseffekte bis in die zweite und dritte Klasse anhalten.

Kontakt: Dr. Anna Höse, Klinische Psychologie und Psychotherapie
Telefon: 0331-977 2851
E-Mail: hoese@uni-potsdam.nomorespam.de

Medieninformation 15-03-2016 / Nr. 034
Antje Horn-Conrad

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