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Prof. Dr. Heiko Christians

Professur für Medienkulturgeschichte

Universität Potsdam | Haus 1, Raum 111 | Tel. +49 331 977 4171 | E-Mail: heikochristians@t-online.de | Sprechstunden während des Forschungssemesters: 11. Mai (ab 14 Uhr), 1. Juni (ab 12 Uhr), 22. Juni (ab 14 Uhr).

Heiko Christians stammt aus dem Landkreis Aurich in Ostfriesland (Bundesland Niedersachsen), wo er das Gymnasium Ulricianum (gegr. 1646) besucht hat. Er hat Deutsche Philologie, Philosophie, Pädagogik und Niederlandistik an der Universität zu Köln studiert. [Vita] Wichtige Impulse, die ihn aus diesem Feld von Anfang an herausführten, empfing er aus der intensiven Lektüre von Eugen Rosenstocks Hauptwerk Die europäischen Revolutionen (1931). Den Weg in die kulturwissenschaftliche Medienwissenschaft schlug er – u. a. angeregt durch ein Seminar bei Vilém Flusser im SS 1989 – parallel zur Konturierung dieser neuen Disziplin an deutschen Universitäten ein. 

Mit einer Dissertation über die Topik des Schmerzes und einer Habilitation über das Verhältnis von Epostheorie und Romankritik [Bücher] endete seine akademische Ausbildung und Lehrtätigkeit an der Universität zu Köln. Seit 2008 ist Heiko Christians Professor für Medienkulturgeschichte an der Universität Potsdam. Er ist Gründungsmitglied des Brandenburgischen Zentrums für Medienwissenschaften [ZEM] und Mitherausgeber der kulturwissenschaftlichen Schriftenreihe Metabasis im Bielefelder Transcript Verlag.

Im Mittelpunkt seiner Forschungsarbeit und Lehrtätigkeit [Seminare aktuell] stehen heute Geschichten des Mediengebrauchs. Bei der Rekonstruktion dieser Geschichten folgt er den Ideen Wilhelm Schapps (1884 – 1965) und Hermann Lübbes (geb. 1926). Für die Technik der industriellen Moderne (und die Formen ihrer Kritik) sensibilisierten ihn vor allem Ernst Jüngers Großessay Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt (1932) und das Kapitel Kategorien der Industriekultur aus Hans Freyers Buch Schwelle der Zeiten (1965).

(Medien-)Technik und Geschichten kommen für ihn dort zusammen, wo Geschichten – als Volksbuch oder Kultfilm, als Feuilleton oder Theoriemode, als populärer Song oder ‚epidemischer Videoclip‘ – flächig in Gesellschaften und ihre Subjekte einsickern, wo unter dem Einsatz medialer Produkte zweifelhafte Heldenleben (Richard Strauß) [Forschungsschwerpunkte] und imagined communities (Benedict Anderson) entstehen. Vom riesenhaften Epos bis zur kleinen Form der Szene verfolgt Heiko Christians deshalb die Formate der Verteilung und des Konsums solcher Geschichten [Forschungsschwerpunkte].

Dieses epische Forschungsinteresse begründet wohl auch seine anhaltende Begeisterung für den Bildungsroman und  filmische Langzeitprojekte wie die Kinder von Golzow, Berlin Ecke Bundesplatz oder Edgar Reitz‘ Heimat-Zyklus.

Vita

2014
Ruf auf den Lehrstuhl (W3) für Neugermanistik und Medienwissenschaft der Universität Kassel (abgelehnt)

seit 04/2008
Professor für Medienkulturgeschichte an der Universität Potsdam.

02/2006 – 03/2008
Vertretung der W2-Professur für Medienkulturgeschichte am 'Institut für Künste und Medien' der Universität Potsdam.

09/2002 – 02/2006
Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Universität Potsdam am neu gegründeten Institut für Künste und Medien. Mitarbeit beim Aufbau des modularen BA/MA-Studiengangs Europäische Medienwissenschaft in Kooperation mit der Fachhochschule Potsdam.

12/2002
Habilitationsvortrag und -kolloquium zum Thema 'Was ist ein Kultbuch?' an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln (Venia legendi für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft).

03/1996 – 02/2002
Wissenschaftlicher Assistent an der Universität zu Köln (Lehrstuhl Prof. Dr. Wilhelm Voßkamp)

11/1995
mündliche Doktorprüfung (Drucklegung Diss.: Über den Schmerz. Eine Untersuchung von Gemeinplätzen, Berlin, 1999)

02/1991
Magister Artium (Der 'physiognomische Blick' in Ernst Jüngers 'Arbeiter'. Zur Funktion der Kulturphysiognomik in den 20er und 30er Jahren)

10/1984 – 02/1991
Studium der Germanistik, Philosophie, Pädagogik und Niederlandistik in Köln

11/1963
Geboren in Oldeborg / Ostfriesland.

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Forschungsschwerpunkte

Medienpathologien (Kult/ Amok/ Sucht/ Verschwörung)

Die Bandbreite und Intensität von Formen der Mediennutzung und Medienwirkung ist schwer zu überschauen und noch schwerer zu untersuchen. Der Weg über vermeintliche oder tatsächliche Auswüchse liegt nahe. Ihnen ist aber überraschenderweise nicht mit den bekannten, aus anderen Fächern importierten Wert- und Leitunterscheidungen wie krank/ gesund (Medizin, Psychologie), kritisch/ unkritisch (Pädagogik, Didaktik) oder normal/ abweichend (Soziologie) beizukommen. Ebenso wenig klärt ein bloßes Auszählen von Auflagen, Publika, Nutzern oder Institutionen etc. über diese Nutzungs- und Wirkungsweisen auf.
Deshalb soll der medizinische Aspekt, also der Theorieimport des Pathologischen, im Zusammenhang mit Medien auch zunächst in eine genuine Zuständigkeit (und operative Ebene) der Text- und Medienwissenschaften überführt werden. In dieser noch zu erarbeitenden Perspektive besteht nach wie vor ein großes Desiderat, da sich die medienkulturwissenschaftlichen Fächer an den entscheidenden Stellen – dort, wo es um die spezifische gesellschaftsweite Wirksamkeit ihrer Beobachtungsobjekte geht – in der Regel auf Vorgaben und Werturteile entfernter Fächer verlassen.

Ein alternativer Weg führt hier über die Anerkennung einer hohen Wirksamkeit der vom Standpunkt des Ästhetischen aus ganz unterschiedlich zu bewertenden Texte. Damit wird einerseits der Vorrang kanonischer (anerkannter) Texte ausgesetzt, andererseits wird die Perspektive auf das typische Wie der Benutzung umgelegt.
Nun kommen Sets von Operationen (Auswendigkeitslektüre, Spannungslektüre, Mehrfachlektüre, Lebenslektüre, Stellenlektüre, Zapping usw.) und Sets von Beschreibungsmodi (laut, halblaut, leise, gemeinsam, einsam usw.) in den Blick, die eine Geschichte der Nutzung ganz verschiedener medialer Formate und Formen aufschließen. Die vermeintlichen Auswüchse erleichtern nun auch den Zugang zum Normalen.

Erzählungen (Imagination, Verteilung, Konsum)

Bei dem Begriff der Erzählung ist man spätestens, wenn es um gegenwärtige oder vergangene Gesellschaften bzw. Individuen geht, die ihr Selbstverständnis in überwiegendem Maße tradierten Wert- und Ordnungsschemata entnehmen, die als Erzählungen kursieren. Was man werden will, kann man nicht aus einer noch unbekannten Zukunft heraus beantworten. Man greift auf Anekdoten, Berichte, Erfolgsgeschichten und abschreckende Beispielerzählungen aus der Vergangenheit zurück, die man dann gegebenenfalls mit Blick auf eine Zukunft variiert.

Die Erzählungen, die die zukünftigen Möglichkeiten bergen, kursieren immer schon massenhaft als verbindliches Buch ('Mao-Bibel' usw.), verpflichtend als mündliche Erzählkosmen mit Minimalvarianten (Epen etc.), zentral als bei Eliten hinterlegte Texte einer gehüteten Überlieferung (Gewohnheitsrecht usw.). Sie werden in einem Gürtel von ganz verschiedenen Institutionen auf uniforme Weise vermittelt, die so als Nadelöhr einer gesellschaftlichen Programmierung des Einzelnen fungieren (Kult, Kirche, Universität, Managementschulung, Koran-Schule etc.) können.

Entscheidend ist hierbei, daß die immer eine Praxis organisierenden Erzählungen vom idealen Bildungsgang oder von der Laufbahn, vom unumgänglichen Gehorsam gegenüber höheren Instanzen, vom drohenden Verlust der Ehre, vom Feind des eigenen Volkes usw. keiner endgültigen historischen Relativierung und keiner irreversiblen ironischen Brechung ausgesetzt sind. Die massenhafte Distribution auf der einen Seite ermöglicht gerade auf der beliebigen anderen Seite ihr Gegenteil: jene intensive, eine neue Uniformität bewerkstelligende Wiederholungslektüre, die das Schema der typischen Erzählung dem suchenden Individuum zur zweiten Haut werden lässt.

Ein für mein Forschungsinteresse zentrales Folgeproblem ergibt sich also, wenn moderne Gesellschaften oder teil-modernisierte Gesellschaften Unterhaltung als freien und kapitalisierten Sonderbereich der Gesellschaft zulassen und hier nun die massenhafte Distribution zu verschiedenen, aber gleichzeitig auftretenden Formen der individuellen oder kollektiven Implementierung solcher typischen Verlaufserzählungen im oben genannten Sinne führen kann.

Ein von Foucault geschilderter Sonderfall deutet diese distributiven Möglichkeiten schon an, ohne daß es dafür noch gesellschaftsweit so etwas wie einen programmierbaren Instanzenzug gibt: Die Schauerromane waren darauf aus, gelesen zu werden und sie wurden es auch. Von dem anonymen Roman 'Das geheimnisvolle Kind', der 1798 veröffentlicht wurde, waren bis zur Restauration 1 200 000 Exemplare verkauft. Das heißt, daß jeder, der lesen konnte, und jeder, der überhaupt je in seinem Leben ein Buch aufgemacht hat, dieses Buch gelesen hatte. [Michel Foucault, Das unendliche Sprechen (1963), in: ders., Schriften zur Literatur, Frankfurt/M. (1988), S.90 – 103, hier: S.99].

Das Spektrum möglichen Konsums von Erzählungen unterschiedlicher Komplexität, damit von genrespezifischen Handlungsmustern und Lebensläufen, ist mit einem Markt für Unterhaltung irreversibel enthierarchisiert. Die Parameter des Konsums und die dezentralisierte, gleichwohl massenhafte Distribution dieser Geschichten aber verhindert gerade nicht (etwa im Zeichen von scheinbar klar formulierten gesellschaftsweiten Bildungs- oder Erkenntniszielen) spektakuläre Punkte der Intensivierung des Konsums und Fälle maximaler Wirksamkeit bzw. Nachhaltigkeit der Erzählung. Das Spektrum möglichen Konsums von Erzählungen unterschiedlicher Komplexität bzw. technisch unterschiedlicher Medialität verlangt nach neuen Wegen und Strategien der Kontrolle, die nur noch als ein Kalkül auf wahrscheinliche und ungefähre Wirkungen ausfallen können. Gleichzeitig geraten Bücher oder Filme in den Fokus von Medien-Generationen (Goethe, Hesse, Kerouac usw.), die sich programmatisch institutionenfern und als ein Akt individueller Befreiung gerieren, um gerade dadurch zum Verpflichtungstext zu werden.

Jedes Beispiel, das eine in diesem Bewußtsein und mit dieser Erwartung operierende Medienkulturgeschichte aufgreift, ist so – möglichst vollständig und materialintensiv hergeleitet, erzählt und aufgearbeitet – immer auch ein Beispiel für die schwierige, gleichzeitige und vielgestaltige Präsenz des Medialen. In dem so verstandenen Feld der Unterhaltung und Erzählung gilt es die Bedingungen der Möglichkeit von 'Unterhaltung und Unterweisung' erneut zu reflektieren.

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Bücher (Monografien)

Crux Scenica. Eine Kulturgeschichte der Szene von Aischylos bis YouTube. Geb. m. Schutzumschlag. Bielefeld: Transcript (2016), 312 S.

Verschiedene Wissenschaften und Künste arbeiten seit langem mit Begriff und Technik der Szene - das Theater ebenso wie der Film, die Psychoanalyse ebenso wie die Soziologie. Szene ist ein Allerweltsbegriff. Aber was steckt hinter diesem Begriff? Was leistet er? Wie organisiert die theateraffine Form der Szene bis heute sprachlich und technisch unsere Vorstellungen, Wahrnehmungen, Unterhaltungen, Fachsprachen oder Kunstwerke? Wie hat man sich diese Wechselwirkung zwischen einem Begriff einerseits und technischen Medien oder sogar einem immateriellen Gedanken- und Bilderstrom andererseits vorzustellen? Das vorliegende Buch versucht diese Fragen zu beantworten, indem es eine Geschichte der Szene erzählt. Das ist keine leichte Aufgabe, da sich mit und in dieser Geschichte begriffliche und materiale Verhältnisse kreuzen, die man gewöhnlich gerade auseinanderhält.

Various academic disciplines and art forms have been working with the concept and technique of the scene for a long time - the theater and film, psychoanalysis and sociology. But what lies behind this catch-all concept, and what is its function? How has the theater-oriented form of the scene linguistically and technically organized our imaginaries, perceptions, forms of entertainment, specialist terminology or artworks? How is this interplay between a concept, on the one hand, and technological media, or even an immaterial stream of consciousness and images on the other hand to be imagined? Heiko Christians narrates a history of the scene in which conceptual and material relations which are typically considered to be separate converge and intersect.

Inhaltsverzeichnis/Leseprobe

Crux Scenica beim Transcript-Verlag

 

 

Amok. Geschichte einer Ausbreitung. Bielefeld: Aisthesis (Mai 2008), 301 S.

Seit etwa einem Jahrzehnt gibt es eine geradezu drohende mediale Präsenz des Amok. Amok ist eine aktuelle Chiffre der Angst. Dem Leser, der auf dieses Buch und seinen Titel stößt, wird vielleicht für einen kurzen Augenblick der Schreck in die Glieder fahren, denn die bekannten und unbekannten Bilder und Geschichten vom Amok werden hier zunächst unter dem Begriff der Ausbreitung versammelt. Das trägt nicht gerade zur Beruhigung bei. 

Andererseits wird sich auch Skepsis breitmachen. Wie kann die Geschichte einer Ausbreitung rekonstruiert werden, wenn kein eindeutiges medizinisches Problem vorliegt? Wie kann die Ausbreitung von etwas konturiert werden, das keine festen Konturen hat? Wie kann sich überhaupt ein so extremes und so voraussetzungsreiches Verhalten wie das Amoklaufen ausbreiten? Das vorliegende Buch versucht Antworten auf solche Fragen zu geben und gleichzeitig einzuführen in eine weit zurück reichende Dimension des Amok – seine Geschichte. Diese wird als Medien- und Kulturgeschichte von der Frühen Neuzeit bis in die unmittelbare Gegenwart rekonstruiert.

Leseprobe (Kapitel 1, 8 und 14)

Inhaltsverzeichnis

Amok beim Aisthesis-Verlag

 

Rezensionen:

Manfred Strecker, Eine Frage der Ehre, in: Neue Westfälische, 18.07. 2008, Nr. 166.
Oliver Jungen, Wer läuft Amok?, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02. 2009.
Oliver Kohns, Der Amoklauf und die Möglichkeiten einer Medienkulturwissenschaft (Dez. 2008), in: www.iaslonline.de.
Oliver Kohns, Warum läuft Michael K. Amok? Kleist und die Kulturgeschichte des Amok, in: kultuRRevolution Nr.55/56 (Februar 2009), S.94 – 97.
Richard Rabensaat, Ritueller Kontext, in: Potsdamer Neue Nachrichten, 22.04. 2009.
Christoph Deupmann, in: Germanistik Bd. 50 (2009), Heft 1/2.
Heinz Kretzenbacher, in: Limbus. Australisches Jahrbuch f. Literatur- u. Kulturwissenschaft 2 (2009).

 

 

Der Traum vom Epos. Romankritik und politische Poetik in Deutschland 1750-2000, Freiburg: Rombach (2004), 310 S.

Dieses Buch verfolgt den Traum vom Epos von Herder bis Handke, aber es bietet keine Theorie des Epos. Nur die Beobachtung der Unterscheidung von Epos und Roman, so seine Argumentation, gibt Auskunft über den Gegenstand. Die seit dem 18. Jh. forciert getroffene Unterscheidung beider Gattungen ist jenseits von Standesdistinktionen lesbar. Sie trennt nicht einfach zwei Literaturen voneinander, sondern konstituiert zwei hochgradig voraussetzungsreiche und anschlußfähige Wertungshinsichten, die mit denen von Dichtung und Unterhaltung oder Gemeinschaft und Gesellschaft leicht zur Deckung gebracht werden können. Von Interesse ist das Epos als uneigentliche Gattungsgestalt und Konzeption im Widerstreit mit dem Roman genannten emphatischen Individualitätskonzept. Dem so von soziologisch-historisch begründeter Normativität frei gewordenen Gattungssystem können nun ohne Ausschließlichkeitsanspruch konkurrierende Programme aus den gleichermaßen benachbarten politischen, religiösen oder ethischen Debatten eingepflanzt werden. Eine machtvolle Gattungspoetik und ein deutscher Sonderweg zeichnen sich ab.

Der Traum vom Epos beim Rombach-Verlag

 

Rezensionen:

Kru., Das Epos nach 1750, in: Neue Zürcher Zeitung, 5./6. 03. 2005.
Matthias Schöningh, in: Weimarer Beiträge Bd.4 (2006), S.630f.
Roman Luckscheiter, in: Zeitschrift für Germanistik H.1 (2006).
Inge Stephan, in: Germanistik Bd. 45 (2004), H.3/4.

 

 

Über den Schmerz. Eine Untersuchung von Gemeinplätzen, Berlin: Akademie (1999), 299 S. - 2. Auflage/ Reprint 2015.

Das Buch beschreibt Schmerz als kulturelle Konstruktion, als Gemeinplatz der modernen Identitäts(-er)findung. Die Möglichkeit intensiver Schmerzerfahrung gilt als Privileg des Menschen. Dieses Privileg wird gerade bei chronischen Schmerzen zu einem Fluch. Neue Therapien schlagen deshalb vor, den ‚eigenen Schmerz verstehen zu lernen’, um damit alternative Wege der Heilung zu beschreiten. Untersucht werden deshalb zunächst die Zusammenhänge zwischen den zentralen Begriffen der hermeneutischen Theorie und den Metaphern der Schmerzkommunikation. Dabei wird deutlich, dass Schlüsselbegriffe wie ‚Intensität’ und grundlegende, die Beschreibung lenkende Unterscheidungen wie ‚Oberfläche und Tiefe’ oder ‚das Ganze und die Tiefe’ nicht auf diese Bereiche zu begrenzen sind, sondern ganz unterschiedliche Theorien und Disziplinen vorstrukturieren. Schmerz kann also als Präzedenzfall in einer von der Hermeneutik hervorgebrachten Begriffskette analysiert werden. Die Reihe der analysierten prekären Begriffe und Konzepte reicht dabei von Winckelmanns Kunst-Emphase in der Mitte des 18. Jahrhunderts und Nietzsches ‚Lob der Oberflächlichkeit’ bis zu Carl Schmitts Konzept einer intensiven Politik und der modernen Therapieszene. Das Gemeinplätzige des Schmerzes entpuppt sich als produktives Untersuchungsfeld einer Archäologie der Moderne.

Über den Schmerz bei Amazon

 

Rezensionen:
Ralf Konersmann, Ein anderes Gefühl von Schmerz, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.1999.
Michael Mayer, Hermeneutik des Schmerzes, in: Neue Züricher Zeitung, 03.08.1999.
Maria Behre, in: Germanistik Bd. 40 (1999), Heft 3/4, S. 781f.

 

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Herausgaben/Editionen

Hans Arnold: Das Magische des Films. Ein Beitrag zur Frage der Wirksamkeit magischer Einflüsse in der Gegenwart unter besonderer Berücksichtigung des Films (1949), 2., vom Verf. durchges. Aufl. (neu herausgegeben und mit einer Einleitung versehen von Heiko Christians und mit einem aktuellen Nachwort des Verfassers). Bielefeld: Transcript (2015).

Hans Arnolds Studie »Das Magische des Films« von 1949 ist ein zentrales Dokument aus der Frühgeschichte der deutschen Film- und Medienwissenschaft. Diese 1949 in der Volkskunde bei Rudolf Kriss eingereichte Dissertation analysiert den europäischen Film der 1920er und 1930er Jahre auf breiter Materialbasis als ein Stück Volkskultur unter dem volkskundlichen Gesichtspunkt magischer Praktiken und Wirkungen. Wieder zugänglich wird hier ein origineller Beitrag zur deutschsprachigen Wissenschaftsgeschichte der Medien und des Films, der programmatisch an Béla Balázs' »Der sichtbare Mensch« (1924) und Siegfried Kracauers »From Caligari to Hitler« (1947) anschließt.

Hans Arnold (Dr. phil.), geb. 1923, ist deutscher Diplomat und Publizist. Er war u.a. Botschafter in Den Haag und Rom, Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen in Genf und 1966-68 Büroleiter von Willy Brandt. Seit 1987 ist er im Ruhestand. Er hat einen Lehrauftrag an der Hochschule für Politik München.

Inhaltsverzeichnis/Leseprobe

Das Magische des Films beim Transcript-Verlag

 

Rezensionen:
Hans Helmut Prinzler: Das Magische des Films (vom 9. April 2015).

 

 

Historisches Wörterbuch des Mediengebrauchs. Heiko Christians, Matthias Bickenbach und Nikolaus Wegmann (Hg.): Historisches Wörterbuch des Mediengebrauchs. Wien – Weimar - Köln: Böhlau (Oktober 2014), 720 S.

"Wir werden das Telefon neu erfinden", verkündet Steve Jobs 2007. Dabei geht es ihm nicht um die Verbindung diverser Komponenten in einem materiellen Gehäuse, sondern um eine neuartige, magische Benutzungsgeste: wischen. Die Geschichte der Medien ist nicht die Geschichte ihrer technischen Apparate. Signifikante Neuerungen entstehen vielmehr dort, wo Medien in Gebrauch sind. Erst im Umgang mit Medien entscheidet sich, was wir tun, wenn wir vo(r)m Fernseher abhängen, ein Buch lesen oder eine Nachricht twittern. Das HISTORISCHE WÖRTERBUCH DES MEDIENGEBRAUCHS erzählt anregende und kuriose Geschichten aus der Welt der medientechnischen Apparate, die erst durch ihren Gebrauch zu je besonderen Medien geformt werden.

Inhaltsverzeichnis

Leseprobe

Zum HWMG beim Böhlau-Verlag

 

Rezensionen:
Ute Seiderer: H. Christians u.a. (Hrsg.): Historisches Wörterbuch des Mediengebrauchs, auf: H-Soz-Kult.
Michael Wedel: Heiko Christians, Matthias Bickenbach, Nikolaus
Wegmann (Hrsg.): Historisches Wörterbuch des Mediengebrauchs. In: tv
diskurs. Verantwortung in audiovisuellen Medien. 19. Jg., 3/2015
(Ausgabe 73), S. 123.

Irmela Schneider, in: MedienWissenschaft 2/2015, S. 215-17.
Wilbert Ubbens, in: IFB, Informationsmittel. Digitales
Rezensionsorgan für Bibliothek und Wissenschaft (März 2015).

Philipp Wampfler: [Rezension] Historisches Wörterbuch des
Mediengebrauchs, in: Schule Social Media (März 2015)

Volker Michel: Rez. „neu und nützlich“, in: AVL digital, 30. Januar 2015.

 

 

 

Die Parallelstraße/La route parallèle (1962). Regie: Ferdinand Khittl. Hrsg. v. Filmmuseum München, Goethe-Institut München, Choses Vues Paris, Europäische Medienwissenschaft Potsdam (2010).

Die Parallelstraße ist ein nahezu vergessener, einzigartiger Klassiker des deutschen Films: Gedreht 1961, uraufgeführt 1962 im Jahr des berühmten "Oberhausener Manifests", das den Aufbruch des Jungen Deutschen Films markierte und von Regisseur Ferdinand Khittl (1924-1976) persönlich verlesen wurde, gezeigt auf den Filmfestivals in San Sebastian, Cannes und Knokke, vielfach preisgekrönt und vor allem von französischen Kritikern hochgelobt: "Die Parallelstraße ist ein philosophischer Thriller, ein Western der Meditation, der uns für ein ganzes Jahr voll unvermeidlicher Manifestationen des Schwachsinns entschädigt." (Robert Benayoun) Die DVD präsentiert den Film im Kontext mit kurzen Industrie- und Kulturfilmen von Khittl, die meist von der Gesellschaft für Bildende Filme (GBF) produziert wurden, darunter zwei Filme über die Stadt München und über das Oktoberfest.

 

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Weitere Publikationen (Auswahl)

Aufsätze

Gesicht, Gestalt, Ornament: Überlegungen zum epistemologischen Ort der Physiognomik zwischen Hermeneutik und Mediengeschichte, in: Deutsche Vierteljahresschrift f. Literaturwissenschaft u. Geistesgeschichte, 74. Jg., H.1 (2000), S.84 - 110.


zum Download (PDF)

Mißhandlungen der Fabel. Eine kommunikologische Lektüre von Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas (1810), in: Kleist-Jahrbuch (2000), S.161 - 179.


zum Download (PDF)

Edgar Reitz' Die zweite Heimat (1993), in: Weimarer Beiträge 3 (2001), S.374 - 386.


zum Download (PDF)

Die Form der Gemeinschaft. Communitasmodelle zwischen Eposideal und Romangeschichte, in: Literaturwissenschaftliches Jahrbuch der Görres-Gesellschaft, 43. Bd. (2002), S.213 - 247.


Der Roman vom Epos. Peter Handkes Poetik der Verlangsamung, in: Hofmannsthal-Jahrbuch zur europäischen Moderne Bd. 10  (2002), S.357 - 389.



Mythische Reinheit und reziproke Gewalt. Lektüren zu Herman Melvilles Billy Budd. Foretopman (1891), in: Annette Simonis/ Linda Simonis (Hg.), Mythen in Kunst und Literatur. Tradition und kulturelle Repräsentation, Köln: Böhlau (2004), S.318 – 330.



Kriegsbilder. Hölderlins Hyperion und das Gattungssystem um 1800, in: Torsten Hahn/ Erich Kleinschmidt/ Nicolas Pethes (Hg.), Kontingenz und Steuerung. Literatur als Gesellschaftsexperiment um 1800 (= Kulturpoetik, Bd.2), Würzburg: Königshausen und Neumann (2004), S.167 - 176.



Es liest sich noch schlechter, als ich gehofft hatte. Leutnant Jünger und Oberst Lawrence erzählen vom Krieg, in: Navigationen. Siegener Beiträge zur Medien- und Kulturwissenschaft, H.1/2 (2004), S.61 – 68.


zum Download (PDF)

Werthers Brüder oder: Was ist ein Kultbuch?, in: Wirkendes Wort, H.1 (2005), S.15-27.


zum Download (PDF)

Die Gunst der Stunde und die Gunst des Publikums oder Warum eine echte Diva keinen handfesten Skandal provoziert, in: Claudia Gerhards/ Stephan Borg/ Bettina Lambert (Hg.), TV-Skandale, Konstanz: UVK (2005), S.91-102.



Die Schmerz-Szene. Zum Bildrepertoire der Schmerzhermeneutik seit 1900, in: Ottmar Ette/ Gertrud Lehnert (Hg.), Große Gefühle. Ein Kaleidoskop, Berlin: Kadmos (2006), S. 176 - 200.



Der verweigerte Bildungsroman. Amok zwischen Avantgarde, Genre und Ritual, in: Lili. Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik, Heft 143 (Sept. 2006), S.151 – 164.



Stimmung, Raum, Landschaft. Mediale Verschiebungen der Kulturphysiognomik bei Florens Christian Rang, Leo Spitzer und Hans Gaitanides, in: Archiv für Mediengeschichte Nr. 7: Stadt – Land – Fluss. Medienlandschaften (2007), S.213 - 222.


zum Download (PDF)

Lebenszeichen 1818/1968. Werner Herzog verfilmt Achim von Arnims Novelle Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau (1818), in: Athenäum. Jahrbuch der Friedrich-Schlegel-Gesellschaft 19 (2008), S.51 - 79.


zum Download (PDF)

Entflammen, Aufwallen, Entbrennen. Kleine Medienkulturgeschichte des Zorns, in: Tumult. Zeitschrift für Verkehrswissenschaft. Nr. 36: ‚Katachoc’. Vom Beutewert des Desasters (2010), S.137 - 147.



Verschwörung oder Krieg der Rassen? Überlegungen zur Logik des Imaginativen zwischen Gesellschaft und Roman im 19. Jahrhundert, in: S. Hänsgen/ M. Krause/ A. Meteling/ M. Stauff (Hg.), The Parallax View – Zur Mediologie der Verschwörung, Köln (2011), S.171 - 181.
zum Download (PDF)



Topik, Etymologie, Emblematik. Überlegungen zu einer Medienanthropologie nach Pierre Legendre, in: Manfred Schneider (Hg.), ‚Die Zivilisation des Interpreten’. Zum Oeuvre Pierre Legendres, Wien (2011), S.119 - 153.



‚In der Verzifferung sind die Amerikaner von jeher unsere Schrittmacher.‘ Zur rhetorischen Struktur der Kulturkritik Ernst Jüngers, in: Matthias Schöning/ Ingo Stöckmann (Hg.), Der Solitär und die Zeitgeschichte. Ernst Jünger und die Bundesrepublik, Berlin/ New York (2011), S.248 – 260.


zum Download (PDF)

Theorie oder Theologie der Namen? Anmerkungen zu Eugen Rosenstock, Johann Georg Hamann und Vilém Flusser, in: Stefan Börnchen (Hg.), ‚Ich habe dich beim Namen gerufen.‘ Metaphern der Welt- und Selbstreferenz, München (2012), S.73 - 89.


zum Download (PDF)

Fantasy und Ritterroman – ein ‚Sitz im Leben’? in: Claudia Liebrand (Hg.), Gattung und Geschichte. Literatur- und medienwissenschaftliche Ansätze zu einer neuen Gattungstheorie, Bielefeld (2012), S.313 – 331. 



‚Reflexionen über Wiederholung‘. Oder: Welche Disziplin ist eigentlich zuständig für Kurt Tucholskys Pyrenäenbuch (1927)? in: Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung, H. 2 (2012), S.13 - 34.


zum Download (PDF)

Angelesene Radikalitätsromantik oder ‚Heroischer Realismus‘ der Tat? Grundsätzliche Überlegungen zum Frühwerk der Gebrüder Jünger anlässlich neuer Veröffentlichungen, in: Athenäum 22. Jahrbuch der Friedrich-Schlegel-Gesellschaft (2012), S.181 – 220.


zum Download (PDF)

Edgar Reitz‘ Cardillac oder Anmerkungen zur Kollektivierbarkeit der Arbeit am Epos, in: Charlotte Krauss (Hg.), Das wiedergefundene Epos, Münster: LIT-Verlag (2012), S.17 – 30.

Überschwemmung. Zirkulation. Praktik. Zum Verhältnis von Markt und Medienkonsum. Eine Thoreau-Lektüre, in: Wilhelm Amann/ Natalie Bloch/ Georg Mein (Hg.), Ökonomie – Narration - Kontingenz. Kulturelle Dimension des Markts, München: Fink (2014), S.137 – 153.
zum Download (PDF)

Begriffsgeschichte und Gebrauchsgeschichte, in: H. Christians/ Matthias Bickenbach/ Nikolaus Wegmann (Hg.), Historisches Wörterbuch des Mediengebrauchs, Wien – Weimar – Köln: Böhlau (2014), S.11-32.


Filmwissenschaft und Volkskunde? Eine Verortung, Einleitung in: Hans Arnold, Das Magische des Films (1949), Bielefeld: Transcript (2015), S.1 - 30.

 

im Erscheinen:

„Daß der wirkliche Vielfraß vor dem gezeichneten Vielfraß sitzt“. Rolf Buschs Fernsehspiel Ami go home oder Der Fragebogen (1985) nach Ernst von Salomons Bestseller von 1951, in: Julia Schuhmacher/ Andreas Stuhlmann (Hg.), "M-O-N-K" – Egon Monk, Autor, Regisseur, Produzent (Frühjahr 2016).

Die Museumsbesucher. Annäherungen an das filmische Werk Konstantin Lopuschanskis, in: Norbert Franz (Hg.), Andrej Tarkowskij (2016).

Münchhausen im Vergleich. Vom Volksbuch zum Volksfilm, in: Annette Simonis/ Linda Simonis (Hg.), Kulturen des Vergleichs, Heidelberg: Winter (2016).

 

Essays/Feuilleton

Ein Langzeitstudent wird zum Mörder. In: Tages-Anzeiger, 30. Juli 2011, S. 29.
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Bildschirm beerbt den Bildungsroman. In: Literarische Welt, 22. August 2015, S. 7.
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Sneak Preview. In: Die Welt, 12. Dezember 2015, S. 26.
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Lehrveranstaltungen (aktuell)

WS 2015/16
Bildung. Ein vorläufiger Rückblick. BA-Seminar.
Experimentelle Medienwissenschaft: Perspektiven auf Medium und Medialität (Grundlagen der Medienkulturwissenschaft). MA-Vorlesung.
Moderne. Modernität. Modernisierung. Oberflächenlektüren 1920 - 1960. BA-Seminar.
Stunde Null. Zur medialen Repräsentation von Latenz. BA-Seminar.

SS 2015
BA - Kolloquium
Einführung in die Medienkulturwissenschaft 2: Medienkulturgeschichte. BA-Vorlesung.
Produktion und Distribution. Einführung in die Verlagsgeschichte 1750 bis heute. BA-Seminar.

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Sekretariat Prof. Dr. Heiko Christians

Professur für Medienkulturgeschichte

 

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Bürozeiten: Mo bis Mi 10.30-17.30 Uhr

 

Am Neuen Palais 10
14469 Potsdam
Tel.: 0331 - 977 4183

 

E-Mail: medienkulturgeschichte@uni-potsdam.de

 

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