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Foto: Veronica Bohm

Kompetenz – Funktion – Variation. Linguistica Coseriana V.   Internationale Tagung an der Universität Potsdam, 8.-10. Oktober 2015

Foto: Veronica Bohm

Call for Papers

In der nichtformalen Linguistik haben die Begriffe ‛Kompetenz’, ‛Funktion’ und ‛Variation’ in den letzten Jahrzehnten eine beachtliche Weiterentwicklung und Diversifizierung gefunden. Einige Ansätze gehen dabei von Eugenio Coseriu (1921-2002) aus, verbinden dessen theoretische Skizzen jedoch mit empirischen Untersuchungen und stellen Verbindungen zu anderen Erklärungen sprachlicher Kompetenz, Theorien der funktionalen Linguistik und Modellen der Variationslinguistik her.

In den letzten Jahren haben bereits vier dem sprachtheoretischen Erbe von Eugenio Coseriu gewidmete internationale Tagungen stattgefunden: 2007 in Aix-en-Provence (Frankreich), 2009 in Cluj (Rumänien), 2001 in Almería (Spanien) und 2013 in Udine (Italien). Wir greifen das Anliegen dieser Tagungen nicht nur auf, sondern wollen die Diskussion zum heutigen Stand der Forschungen im Umfeld der Konzepte ‛Kompetenz’, ‛Funktion’ und ‛Variation’ anregen.

Der Begriff der Kompetenz umfasst nicht nur die Kenntnis des Systems der Einzelsprache, sondern neben diesem idiomatischen Wissen auch das allgemein-sprachliche, elokutionelle Wissen und das expressive Wissen der Diskurskompetenz. Der für eine Linguistik der parole zentrale Kompetenzbegriff wurde von Coseriu – angeregt durch die Generativistik – geprägt; Sprachliches Wissen wurde von ihm im Leibnizschen Sinne als cognitio clara distincta inadaequata bestimmt, d.h. als nicht reflexiv, jedoch als deutlich und den Erkenntnisgegenstand sicher identifizierend, begründet. Hält diese Erklärung angesichts des heutigen Forschungsstands zur sprachlichen Kompetenz noch stand und wie ist der prozedurale Charakter der Sprachkompetenz erklärbar? Auch die zu historisch tradierten Normen gewordenen Diskurstraditionen werden als Bestandteil sprachlicher Kompetenz erworben und weitergegeben. Welches Erklärungspotential kommt Diskurstraditionen zu? Inwiefern sind sie als mehr oder weniger einheitliches Phänomen in verschiedenen Sprachen wiedererkennbar?

Den Anspruch der Beschreibung der Funktion sprachlicher Einheiten erheben viele Richtungen der Sprachwissenschaft, häufig ohne sich gegenseitig zur Kenntnis zu nehmen oder ein Bewusstsein der Polysemie des Wortes Funktion in der Linguistik zu entwickeln. Bei Coseriu gründen sich Funktionen auf Strukturen, darüber hinaus behandelt er aber auch funktionale Kategorien und Funktionen von Formen. Das Konzept einer ‛funktionellen Sprache’ verbindet die sprachinternen Funktionen von Strukturen der langue mit den sprachexternen, kommunikativen Funktionen der funktionellen Sprachen in der parole. Das Konzept der funktionellen Sprache ermöglichte Coseriu eine elegante Lösung für die Annahme eines Sprachsystems: nur die in sich homogene, nicht variierende funktionale Sprache stellt sich in ihrer Struktur als systematisch dar, während eine historische Sprache eine Architektur hat, in der zahlreiche funktionale Sprachen kombiniert und kombinierbar sind. Was leisten strukturell-funktionale Ansätze mit dieser Perspektive, und in welchen Richtungen wurden sie in den letzten Jahren weiterentwickelt? Welche Möglichkeiten bieten Korpora für die Beschreibung sprachlicher Funktionen? Wie hat sich die generative Linguistik durch die Einbeziehung funktionaler Kategorien verändert?

Mit seinem Modell der diatopischen, diastratischen, diaphasischen und diachronischen Variation hat Coseriu einen Ansatzpunkt für variationslinguistische Forschungen geschaffen, der vielfach aufgegriffen und weiterentwickelt wurde. Insbesondere mit der Annahme distinkter, aber als Gradata ineinandergreifender Übergangsformen zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit, Nähe- und Distanzsprache erweiterten sich die Möglichkeiten einer differenzierten Betrachtung sprachlicher Variation. Auf der Objektebene sind Sprachvariation und Sprachwandel als Auswirkungen der Historizität natürlicher Sprachen identisch. Auf der Betrachtungsebene erscheint Sprachwandel als Voraussetzung für Sprachvariation oder Variation als Bedingung für künftigen Wandel. Welche Entwicklungen in der Sprachgeschichtsschreibung tragen einer Zusammenführung von Objekt- und Betrachtungsebene Rechnung? Wenn ein Idiolekt über mehrere funktionale Sprachen verfügt, ist diese Variationskompetenz dann mit dem Beherrschen mehrerer Sprachen vergleichbar? Wie ist die sprachliche Kompetenz eines mehrsprachigen Individuums zu erklären? Wie ist sprachliche Variation in Sprachkontaktsituationen zu beschreiben?

Erwünscht sind Beiträge, die theoretisch orientierte Antworten auf einige der genannten und weitere Fragen geben, die auch empirisch fundiert sein können. Es geht uns nicht primär um eine Exegese der Texte Coserius, sondern um produktive Weiterentwicklungen einer kompetenzorientierten, funktionalen und sprachliche Variation berücksichtigenden Linguistik.

Bitte teilen Sie uns ein Arbeitsthema Ihres Beitrags bis zum 31. Juli 2014 an folgende Adressen mit: hassler@uni-potsdam.nomorespam.de / stehl@uni-potsdam.nomorespam.de

Wenn wir Ihnen dann Ihre Teilnahme bestätigt und die Länge des Beitrags mitgeteilt haben, bitten wir Sie um Zusendung des genauen Themas und eines Abstracts bis zum 31.Oktober 2014.

Tagungsort

Campus am Neuen Palais der Universitat Potsdam

Arbeitssprachen

Arbeitssprachen des Kongresses sind  Deutsch, Englisch sowie romanische Sprachen.