Verschiedene wissenschaftliche Gesellschaften (u. a. American Academy of Pediatrics) haben lange Zeit von der Durchführung eines Krafttrainings im Kindes- und Jugendalter abgeraten. Zu groß schien das Verletzungsrisiko für den passiven Bewegungsapparat der Heranwachsenden. Zudem wurden aufgrund eines Mangels an zirkulierenden, muskelaufbauenden Hormonen (z. B. Testosteron) nur geringe leistungssteigernde Effekte für Kinder und Jugendliche vermutet. Mittlerweile existiert jedoch eine Vielzahl an v. a. internationalen Studien, die eindrucksvoll belegen, dass ein altersgerechtes und adäquat durchgeführtes Krafttraining bei gesunden und kranken Kindern und Jugendlichen verschiedene Komponenten der Muskelkraft (Maximalkraft, Schnellkraft, Kraftausdauer) steigern, elementare (Laufen und Springen) und sportartspezifische (Schuss-, Schwimm- Wurfgeschwindigkeit) Fertigkeiten verbessern, Lernprozesse im Techniktraining vorantreiben sowie positive Effekte hinsichtlich des Knochenstatus (Knochendichte), der Körperzusammensetzung (Körperfettanteil), kardio-vaskulärer (Blutdruck, Blutlipide) und psycho-sozialer (Sportselbstkonzept, -wertgefühl) Faktoren hervorrufen kann (Faigenbaum, 2000; Mühlbauer, Roth, Kibele, Behm & Granacher, 2013). Vielfältige Untersuchungen belegen, dass ein professionell betreutes und altersgerecht durchgeführtes Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen als ungefährlich eingestuft werden kann und keine negativen Effekte auf biologische Reifungsprozesse zu erwarten sind (Behringer, vom Heede, Yue & Mester, 2010; Granacher et al., 2009, 2011; Hartmann, Platen, Niessen, Mank, Marzin, Bartmus & Hawener). Zudem weisen Horn, Behringer, Beneke, Förster, Gruber, Hartmann, Hebestreit, Hohmann, Jöllenbeck, Mester, Niessen, Platen und Schmitt (2012) darauf hin, dass die Belastungsverträglichkeit des heranwachsenden Körpers durch ein qualitativ hochwertiges Krafttraining gesteigert und damit zur Verletzungs- und Fehlbelastungsprophylaxe beigetragen werden kann.

Auch im Nachwuchsleistungssport ist die Relevanz des Krafttrainings inzwischen unbestritten. Das übergeordnete Ziel des Nachwuchsleistungssports ist die systematische Vorbereitung auf internationale sportliche Erfolge im Hochleistungsalter, um „die Spitzenposition Deutschlands im internationalen Vergleich zu erhalten und den Stellenwert des Leistungssports in der Gesellschaft zu erhöhen“ (Deutscher Olympischer SportBund, 2013). Mittels Krafttraining soll dafür eine Grundlage für die spätere Leistungsfähigkeit und Gesunderhaltung junger Sportlerinnen und Sportler geschaffen werden.

Aufgrund des vorhandenen Forschungsdefizits und des vielfach geäußerten Wunschs aus der Praxis des Nachwuchsleistungssports hat das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) im Jahr 2006 beschlossen, einen Schwerpunkt seiner trainingswissenschaftlichen Unterstützungsarbeit auf das Krafttraining im Nachwuchsleistungssport zu legen. So wurden in der Vergangenheit bereits verschiedene Vorarbeiten zum Thema Krafttraining im Nachwuchsleistungssport vom BISp initiiert und begleitet. Insbesondere sind dabei die beiden wissenschaftlichen Expertisen von Behringer et al. (2010) sowie von Hartmann et al. (2010), die zwei Symposien in den Jahren 2007 und 2010 sowie die Wissenschaftliche Standortbestimmung zum Krafttraining im Nachwuchsleistungssport (Horn et al., 2012) hervorzuheben. Dennoch sind die präventiven und leistungssteigernden Qualitäten des Krafttrainings mit Kindern und jugendlichen Nachwuchsathleten bislang unzureichend erforscht. Aktuelle Analysen (Behringer et al., 2010; Hartmann et al., 2010; Horn et al., 2012) zeigen, dass v. a. Forschungsdefizite im Krafttraining mit Kindern und jugendlichen Nachwuchsathleten bezüglich a) alters-, geschlechts- und sportartspezifischer Belastungsnormative, b) Dauer der Interventionsmaßnahmen sowie c) Validierung und Weiter-/ Neuentwicklung von Messverfahren zur Muskelkraftdiagnostik im Feld bestehen. Ferner ist die Integration von Krafttraining in die Rahmentrainingspläne verschiedener Sportarten bislang kaum erfolgt. Daraufhin wurde im Auftrag des Strategieausschusses des Wissenschaftlichen Verbundsystems im Leistungssport (WVL) im Jahr 2013 das Ausschreibungsverfahren eröffnet und im September 2014 mit der Vergabe an die Universität Potsdam (Sprecher: Prof. Dr. Urs Granacher) beendet.

Literatur

Behringer, M., vom Heede, A. & Mester, J. (2010). Krafttraining im Nachwuchsleistungssport unter besonderer Berücksichtigung von Diagnostik, Trainierbarkeit und Trainingsmethodik (Wissenschaftliche Expertise des BISp; Bd. 2). Köln: Sportverlag Strauß.

Deutscher Olympischer SportBund. (2013). DOSB Nachwuchsleistungssportkonzept 2020- Unser Ziel: Dein Start für Deutschland.

Faigenbaum, A. (2000). Strength training for children and adolescents. Clinics in Sports Medicine, 19(4), 593-619.

Granacher, T., Goesele, A., Roggo, K., Wischer, T., Fischer, S., Zuerny, C., Gollhofer. A. & Kriemler, S. (2011). Effects and mechanisms of strength training in children. International Journal of Sports Medicine, 32(5), 357-364.

Granacher, U., Kriemler, S., Gollhofer, A. & Zahner, L. (2009). Neuromuskuläre Auswirkungen von Krafttraining im Kindes- und Jugendalter: Hinweise für die Trainingspraxis. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 60(2), 41-49.

Hartmann, U., Platen, P., Niessen, M. et al. (2010). Krafttraining im Nachwuchsleistungssport unter besonderer Berücksichtigung von Ontogenese, biologischen Mechanismen und Terminologie (Wissenschaftliche Expertise des BISp; Bd. 1). Köln: Sportverlag Strauß.

Horn, A., Behringer, M. & Beneke, R. (2012). Wissenschaftliche Standortbestimmung zum Krafttraining im Nachwuchsleistungssport. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 63(2), [1-10].

Mühlbauer, T., Roth, R., Kibele, A., Behm, D. G. & Granacher, U. (2013). Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen: Theoretische Grundlagen und praktische Umsetzung. Schorndorf: Hofmann-Verlag.

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