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Geschichte der Jüdischen Gemeinde in Neuruppin

Foto: Nicole Schmitz
Gebäude der ehemaligen Synagoge in Neuruppin

Jüdisches Leben ist in Neuruppin bereits im Jahre 1315 belegt. Dem Schutz und der Gerichtsbarkeit den Grafen von Lindow unterstellt, zahlten die Neuruppiner Juden Abgaben zum Erhalt der Bürgerschaft, für die Synagoge und das Recht zur Viehhaltung, den Erwerb von Korn sowie für das Recht Handel zu treiben. In der Judenstraße, unweit der Marienkirche, befanden sich sowohl die Synagoge als auch Wohnhäuser der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde von Neuruppin.

Nach den Vertreibungen der Jahre 1571 und 1573 kam es entsprechend kurfürstlichem Edikt erst ab dem Jahre 1671 zu einer Wiederansiedlung von Juden im Ruppiner Land. So sind im 18. Jahrhundert Juden in Gransee, Wusterhausen, Kyritz, Lindow und Rheinsberg belegt, nicht aber in Neu- und Alt Ruppin. Erst im Zuge der Befreiungskriege gegen Napoleon kam im Jahre 1816 mit Joel Hirschfeld und seiner Familie das Judentum zurück nach Neuruppin.

Im Jahre 1858 konstituierte sich die jüdische Gemeinde, im Statut der Synagogengemeinde aus dem darauffolgenden Jahr ist deren räumliche Ausdehnung von Fehrbellin im Süden bis Basdorf im Norden sowie von Neustadt/Dosse und Wusterhausen im Westen bis Wulkow und Radensleben im Osten festgelegt. Im Lauf der Jahre begründeten die hier sesshaft gewordenen Juden eine Schule, eine Synagoge, drei Friedhöfe und eine Begräbnis-Sozietät. Eine Schriftquelle zum Etat der Gemeinde aus dem Jahr 1862 gibt den einzigen Hinweis auf die Existenz eines rituellen Bades. Den orthodoxen Ritus pflegte man in der im Jahre 1868 erbauten Synagoge, die sich im Hinterhaus der Ferdinandstraße 10 (heute Virchowstraße) befand. Ab dem Jahr 1879 stieg die Mitgliederzahl der Neuruppiner Synagogengemeinde durch die Juden aus Lindow, Rheinsberg und Gransee, in deren Wohnorten infolge von Säkularisierung und Landflucht keine eigenen Gemeinden mehr existierten. In den Folgejahren verursachten ebendiese Gründe jedoch auch die Verkleinerung der Neuruppiner Gemeinde. So wurde die Neuruppiner Synagoge 1928 aufgeben und das Gebäude 1965 abgerissen.

Die Stadt Neuruppin ist im 19. Jahrhundert vor allem für die Produktion der Neuruppiner Bilderbögen bekannt. In den Druckereien Oehmigke und Riemschneider wurden in den Jahren 1855-1860 auch polychrome Bilderbögen wie das Misrachbild (Steinnummer 2774) produziert, die sich an ein jüdisches Publikum wandten. Das Neuruppiner Stadtbild prägten seit dem 19 Jahrhundert auch jüdische Geschäfte, erwähnt sei hier das zentral gelegene Kaufhaus „Anker“ in der Friedrich-Wilhelm-Straße 34 (heute Karl-Marx-Straße), welches von 1904 bis zur Enteignung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1938 von der Familie Anker geführt wurde.

Die Zeit des Nationalsozialismus überlebten nur wenige Juden des Neuruppiner Synagogenbezirks, meist durch Emigration ins Ausland oder durch eine sogenannte „Mischehe“. Neben der Ermordung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung betrieben die Nationalsozialisten auch eine juristische Auflösung der Gemeinde, die im Jahr 1941 umgesetzt wurde.

Heute ist ein jüdisches Leben in Neuruppin (noch) nicht wieder existent. Zahlreiche Stolpersteine und Denkmäler erinnern an die ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger. Deren hier ansässigen Nachfahren praktizieren den jüdischen Glauben nicht bzw. nicht öffentlich.

Nicole Schmitz

 

Quellen

http://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/m-o/1417-neuruppin-brandenburg [letzter Aufruf: 23.04.2017]

www.alemannia-judaica.de/brandenburg_friedhoefe2.htm (OPR) [letzter Aufruf: 23.04.2017]

http://www.kirchenkreis-wittstock-ruppin.de/93.html [letzter Aufruf: 23.04.2017]

Weißleder, Wolfgang: Der gute Ort. Jüdische Friedhöfe im Land Brandenburg. Potsdam 2000.

Schürmann, Uwe: Lindow. In: Diekmann, Irene (Hg.): Jüdisches Brandenburg. Geschichte und Gegenwart. Berlin 2008, 219-245.

Meier, Brigitte: Fontanestadt Neuruppin. Kulturgeschichte einer märkischen Mittelstadt. Karwe 2004.

Arlt, Klaus [u.a.]: Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Berlin 1992.