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Studienreise nach Lublin 2017

Exkursionsbericht von Rolf Blase

Vom Dienstag, dem 14.02.2017, bis zum Samstag, dem 18.02.2017, machte sich unsere Gruppe, bestehend aus 20 Studierenden der Universität Potsdam, sowie den beiden Reiseleitern Frau Dr. des. Agnieszka Hudzik und Dr. Lothar Quinkenstein auf den Weg nach Lublin. Organisiert wurde die Fahrt von Frau Hudzik, gebürtige Lublinerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Slavistik. Daher nahmen vor allem Studierende der Polonistik und des Masters Osteuropäische Kulturstudien an der Exkursion teil. Jedoch konnten auch Studierende anderer Institute teilnehmen, daher waren u.a. auch eine Studentin der Jüdischen Theologie, sowie zwei Studierende der Jüdischen Studien mit dabei.

Aufgrund der langen Fahrtdauer von über neun Stunden waren der erste und er letzte Tag der Reise allein der An- und Abfahrt gewidmet. Untergebracht wurden wir in zwei Studentenwohnheimen auf dem Campus der Maria-Curie-Skłodowska-Universität (UMCS), welche anlässlich der Unterzeichnung einer Erasmuskooperation zwischen der Universität Potsdam und der UMCS im Vorfeld unserer Fahrt auch die Unterbringungskosten für unsere Gruppe übernahm.

Das Programm am Mittwoch war schwerpunktmäßig dem Kennenlernen der Maria-Curie-Skłodowska-Universität gewidmet. So besichtigten wir die Produktionsräume des Lubliner Studentenradios, besuchten das Institut für Germanistik und Linguistik, sowie das Zentrum für polnische Sprache und Kultur (Centrum Języka i Kultury Polskiej) und lernten dessen Kursangebote im Bereich „Polnisch als Fremdsprache“ kennen. Während diejenigen unserer Gruppe mit Polnisch-Kenntnissen (die Mehrheit) an einem Workshop zum deutsch-polnischen Dolmetschen teilnahmen, erhielten die anderen eine Führung durch die Universitätsbibliothek und bekamen deren Schätze, so etwa alte Drucke aus dem 17. Jahrhundert, gezeigt. Abschluss und Höhepunkt unserer Campustour bildete das Treffen mit der Vizepräsidentin der UMCS Prof. Dr. Alina Orłowska im Senatssaal der Universität. Überraschend war die mediale Aufmerksamkeit, die uns auf unserer Campustour zuteilwurde: Wir wurden von einem Foto- und Filmteam begleitet und konnten noch am selben Abend einen Beitrag über unseren Besuch in den Lubliner Nachrichten sehen. Auch die UMCS veröffentlichte einen Beitrag mit Fotostrecke.

Am Mittwochnachmittag besichtigten wir neben der Stadt auch die Kulturinstitution „Dom Słów“ (Das Haus der Wörter), wo die Herstellung von Büchern vom Schöpfen des Papiers, bis hin zum fertigen Buch nachvollzogen werden konnte. Abschluss dieses ereignisreichen Tages bildete ein literarischer Abend der Lubliner Bruno-Schulz-Gesellschaft, bei dem der Autor und Exkursionsteilnehmer Dr. Lothar Quinkenstein den Anwesenden das Werk von Bruno Schulz und dessen Bezüge zur Kabbala näherbrachte.

Das Programm am Donnerstag stand im Zeichen des ehemaligen jüdischen Lebens von Lublin. So besuchten wir die einstmals größte Jeschiwa der orthodoxen Welt (Jeszywas Chamej Lublin), den alten Jüdischen Friedhof und erhielten eine Führung durch das Kulturzentrum „Brama Grodzka. Teatr NN“, welches der Erinnerung an das von den Nazis vollständig zerstörte Jüdische Viertel Lublins und an die ehemalige jüdische Bevölkerung Lublins gewidmet ist. Dort fand auch ein Vortrag der Lubliner Professorin Monika Adamczyk-Garbowska zum Werk von Isaac Bashevis Singer statt. Dieser bot auch die Möglichkeit zur gemeinsamen Diskussion, die allerdings aufgrund unseres vollen Zeitplans etwas knapp ausfiel, da sich an den Vortrag die Vorführung von zwei kurzen Stücken des Teatr NN anschloss, welche auf Kurzgeschichten von I. B. Singer basierten.

Am Freitagvormittag bestand die Möglichkeit an einer Führung durch die Gedenkstätte des KZ Majdanek teilzunehmen, welche auch von den meisten ExkursionsteilnehmerInnen genutzt wurde. Am Nachmittag bestand die Möglichkeit zur individuellen Stadterkundung, die beispielsweise von einigen dazu genutzt wurde, sich das Museum im Stadtschloss und die kulturhistorisch bedeutsamen Fresken der Schlosskapelle anzuschauen. Den Abschluss des Programms bildete eine Untergrund-Führung durch Lubliner Kellergewölbe, bei der anhand von Modellen die Stadtgeschichte erklärt wurde.

Aus meiner Sicht war es eine sehr eindrückliche Exkursion, die einen idealen Start für die Erasmuskooperation der beiden Universitäten darstellt. Das vielfältige Exkursionsprogramm, die engagierte Organisation von Frau Hudzik, sowie der herzliche Empfang, der uns von allen Seiten bereitet wurde, tragen sicher dazu bei, dass diese Exkursion den TeilnehmerInnen noch lange in gutem Gedächtnis bleiben wird.