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Laufende Forschung von Dr. Per-Olof Busch

Berücksichtigung von Expertenwissen

Internationale Verwaltungsstäbe als Politikexperten

Berücksichtigung von Expertenwissen

Internationale Verwaltungsstäbe als Politikexperten

Förderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft

Juni 2014 bis Mai 2017

407.300 Euro

Forschungskontext

Das Forschungsprojekt ist in die Forschergruppe „Internationale Verwaltung. Entstehung und Entwicklung von Verwaltungsmustern und ihr Einfluss auf die internationale Politikgestaltung“ eingebettet, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft von 2014 bis 2017 gefördert wird mit der Möglichkeit auf eine Verlängerung um weitere drei Jahre. Sie bringt in 6 Teilprojekten Forscherinnen und Forscher aus der Politik- und Verwaltungswissenschaft der Ludwig-Maximillians-Universität München, der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, der Freien Universität Berlin, der Technischen Universität Darmstadt, der Universität Konstanz und der Universität Potsdam zusammen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie unterschiedliche Muster in den administrativen Strukturen internationaler Verwaltungen, in ihren Rollen in politischen Entscheidungsprozessen und in ihren Beziehungen zu anderen Akteuren in Politik und Gesellschaft erklärt werden können. Administrative Stile, Autonomie, Expertenwissen, Zeitregeln und Zeithorizonte, Mehrebenenstrukturen und Einfluss bilden den Schwerpunkt der Untersuchungen der Forschergruppe. Dabei werden unterschiedliche theoretische Perspektiven aus der Verwaltungswissenschaft und den Internationalen Beziehungen verwendet.

Förderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft

Juni 2014 bis Mai 2017

407.300 Euro

Fragen und Ziele des Forschungsprojekts

Das Projekt geht von der Beobachtung in Studien der Internationalen Beziehungen aus, dass Internationale Regierungsorganisationen zunehmend versuchen, durch Expertenwissen zur Bewältigung und Steuerung nationaler und internationaler politischer Herausforderungen in den unterschiedlichsten Politikfeldern beizutragen. In diesen Bemühen werden Internationale Regierungsorganisationen von ihren jeweiligen Verwaltungsstäben unterstützt, die als eine unterscheidbare organisatorische Einheit in Internationale Regierungsorganisationen eingebettet sind und gerade in der Generierung, Verarbeitung und Verbreitung von Expertenwissen wichtige Funktionen erfüllen und Aufgaben übernehmen. So stellen internationale Verwaltungsstäbe ihr Expertenwissen ihren Mitgliedstaaten zur Verfügung. Sie leiten aber auch Handlungsempfehlungen für nationale oder internationale Politiken daraus ab und verbreiten sie. Sie erarbeiten Leitfäden und Richtlinien für die Reform bestehender oder die Einführung neuer Politiken. Diese können sich an die Staatenwelt im Allgemeinen oder einzelne Staaten richten und Reformen einzelner Maßnahmen oder Maßnahmenpakete beinhalten. Zudem sind internationale Verwaltungsstäbe in direkte Beratungen einzelner Staaten involviert oder bereiten politikfeldspezifische Treffen mit staatlichen Delegierten vor. Diese Beobachtungen werfen die Frage auf, inwieweit und wie das Expertenwissen und die daraus resultierenden Politikempfehlungen internationaler Verwaltungsstäbe in Staaten als primäre Zielgruppe wahr- und aufgenommen werden. Schließlich geht es dabei auch um die Frage, inwieweit internationale Verwaltungsstäbe damit Präferenzen, Strategien und Politiken von Akteuren in der internationalen Politik formen können. Vor diesem Hintergrund widmen wir uns in unserer Forschung aus der Perspektive der Internationalen Beziehungen folgenden Fragen:

  • In welchem Ausmaß und unter welchen Bedingungen werden das Expertenwissen und die Politikempfehlungen, die internationale Verwaltungsstäbe verbreiten, in Staaten berücksichtigt und als Ausgangspunkt weiterer Entscheidungen und Handlungen im politischen Prozess betrachtet?
  • Inwiefern variiert diese Berücksichtigung des Expertenwissen und der Politikempfehlungen zwischen unterschiedlichen internationalen Verwaltungsstäben und warum?

Der theoretische Beitrag des Projekts liegt darin, dass wir Erklärungen für die Berücksichtigung des Expertenwissens und der Politikempfehlungen internationaler Verwaltungsstäbe und ihre Varianz aus unterschiedlichen, zeitgenössischen Theoriesträngen der Internationalen Beziehungen überprüfen: rationalistischen, soziologischen und kritisch-konstruktivistischen Strängen. Bisherige Studien zu internationalen Verwaltungsstäben zeichnen sich oft durch eine ausschließliche Betrachtung einer theoretischen Perspektive aus. Methodisch leisten wir einen Beitrag, indem wir vergleichend und quantitativ vorgehen. Die bisherige Erforschung internationaler Verwaltungsstäbe ist vor allem durch qualitative Einzelfallstudien gekennzeichnet. Wir vergleichen die Varianz in der Berücksichtigung des Expertenwissens und der Politikempfehlungen zwischen mehreren internationalen Verwaltungsstäben sowie innerhalb von und zwischen zwei Politikfeldern und zwar Landwirtschafts- und Finanzpolitik (und jeweils vier Teilpolitikfeldern darin). Dazu erheben wir Daten zur Berücksichtigung des Expertenwissens und der Politikempfehlungen internationaler Verwaltungsstäbe und zu einigen ihrer Determinanten in einer Befragung von 960 VertreterInnen der Ministerialverwaltungen in 120 Staaten und analysieren diese Daten mithilfe deskriptiv- und inferenzstatistischer Verfahren.

Letztendlich soll uns dies ermöglichen, das Wissen über die Rolle internationaler Verwaltungsstäbe in der internationalen Politik fortzuentwickeln und zu bestimmen, in welchem Ausmaß und unter welchen Bedingungen sie über Expertenwissen und Politikempfehlungen zur Entwicklung internationaler Politik beitragen (können).