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Veranstaltungen

Daphne Oram / BBC

AKTIONSTAG #4genderstudies am 18.12.2017

Immer wieder sind in den Medien heftige Debatten und scharfe Angriffe auf die Gender Studies und Gender-Theoretiker*innen zu lesen. Der Aktionstag möchte die Vielfalt, Dichte und Bedeutung der Gender Studies aufzeigen und somit ihre Wahrnehmung als Forschung für ein demokratisches Zusammenleben fördern. Vielstimmige Beiträge und Kurzstatements quer durch Disziplinen und Institutionen betonen die hohe Relevanz, Plausibilität, empirische Begründung, gesellschaftlich aufklärende Funktion und – vor allem – die wissenschaftliche Qualität dieser Arbeiten.

Dies ist ein Plädoyer! Studierende, Wissenschaftler*innen und Mitarbeiter*innen der Universität Potsdam und der Fachhochschule Potsdam erklären, warum das Nachdenken über „Geschlecht“ (und andere Differenzkategorien) für Forschung, Lehre, Hochschule, Alltag und Gesellschaft relevant, spannend und notwendig ist. Verdeutlicht werden soll erstens, dass die Gender Studies ein wichtiger Teil (kritischer) Wissenschaft sind und dass zweitens der Gender-Begriff in Forschung und Politik an reale, empirische Phänomene und Probleme ansetzt. Drittens schließlich sind die Gender Studies zwar institutionell sehr überschaubar präsent, dafür aber besonders forschungsstark. [Text als PDF]

STATEMENTS

# Prof. Dr. Marie-Luise Angerer, Professorin für Medienwissenschaft/Medientheorie, Universität Potsdam
Vergangene Woche in Dresden. Hauptbahnhof, Bücherladen. Zu früh am Bahnhof und zu kalt, um draußen auf den Zug zu warten. Gleich am Eingang ein Kartenständer mit 3D-Tierkarten – Pferde, Marder, Hunde, Eichhörnchen, Seesterne – und dazwischen immer wieder eingestreut ein rosafarbener Bikini, besser: ein Busen mit pinkfarbenem Bikini-Top. Unser Kommentar: das kann doch nicht wahr sein! Doch was ist eigentlich der Kern dieser Aufregung? Dass Frauenkörperteile wie Tierbilder angeboten werden? Dass ein Busen als Wackelbild-Objekt verkauft wird? Der Status des Weiblichen, so lautet(e) ein Mantra der feministischen Medien-, Kunst- und Filmtheorie seit den späten 1970er Jahren, ist jener des Im-Bild-Seins, der Status des Männlichen jener vor dem Bild, Träger des (voyeuristischen) Blicks. Der britischen Filmtheoretikerin Laura Mulvey, die diese Zweiteilung der Geschlechter als psychische Positionen beschrieben hatte, wurde oft vorgeworfen, eine faktische Beschreibung mit Analyse-Kategorien vermengt zu haben, wodurch die Frauen einmal mehr als passive Objekte aktiver Blicke definiert worden wären. So sehr die Gender Studies immer wieder auf den Unterschied von real, imaginär und symbolisch verwiesen haben, so sehr Pornographie nicht als (reale) Gewalt gegen Frauen bestimmt werden könne, ohne eine unzulässige Gleichung von Bild und Wirklichkeit vorzunehmen, so sehr zeigt sich an der Beharrlichkeit dieser selbstverständlichen Präsenz, dass den medialen Bildern (nicht nur den ganz offensichtlich sexistischen oder pornografischen) etwas anhaftet, welches das Begehren der Bilder vom Umfeld der BetrachterInnen nicht lösen lässt. Manchen wird der pinkige Busen nicht auffallen, manchen vielleicht doch. Manche werden sich nichts dabei denken oder schmunzeln. Andere wiederum sind vielleicht angewidert. Und wiederum andere denken nach, was es mit diesem Busen inmitten der Kartentierwelt auf sich haben könnte – hierfür braucht es Orientierung, historisches Wissen, begriffliche und andere Analyse-Instrumente, die die Gender Studies über viele Jahrzehnte entwickelt haben, ein Wissensarchiv und -netz, das für viele, weil mitunter so selbstverständlich geworden, gar nicht mehr genug geschätzt wird: doch die aktuelle Zunahme von Attacken gegen ein differenziertes Denken im Allgemeinen und gegen ein differenziertes feministisches Denken im Besonderen machen mehr als deutlich, wie sehr dieses, das Archiv und das Netz, verteidigt und beschützt werden müssen.

# Prof. Dr. Eckehard Binas, Präsident der Fachhochschule Potsdam
Die Kenntnis der sozialen und kulturellen Konstruktion respektive Überformung von Geschlecht ist eine wesentliche Voraussetzung für eine diskriminierungsfreie Arbeit in den verschiedensten Bereichen einer (großen) Institution wie unserer Hochschule. Wenn dabei auch deutlich und sichtbar wird, dass wesentliche Ursachen für Diskriminierung insgesamt in gesellschaftlichen und institutionellen Verhältnissen liegen, die Diversität eher im Sinne eines Verdrängungswettbewerbs bewirtschaften, und es in solchen Verhältnissen weniger darum geht, die Chancen für ein gelingendes Leben für Einzelne wie für Gemeinschaften zu fördern, dann sind Studien, Initiativen, ein »Nachdenken über ›Geschlecht‹ (und andere Differenzkategorien) für Forschung, Lehre, Hochschule, Alltag und Gesellschaft relevant, spannend und notwendig«. Darüber hinaus können diese Studien bestehende Disbalancen benennen und Regularien formulieren und dabei helfen, problematische Handlungen zu bewerten und zu sanktionieren. Eine anspruchsvolle Beschäftigung mit dem genannten Thema findet (oder sollte zumindest) auf mehreren Ebenen statt(finden). Allgemein kommt es auch in unserer Hochschule auf einen kulturellen Wandel an. Dieser darf nicht die Form einer Geste annehmen, die für hinreichendes Engagement steht. So bestünde die Gefahr, weniger Kraft in die Überwindung der grundlegenden Fehlentwicklungen unserer Gesellschaft zu investieren (zu können oder zu müssen !). Das Engagement bekäme einen substitutiven Charakter. Hier geht es also tatsächlich um eine große Herausforderung, das eine zu tun ohne das andere zu lassen …

# Dr. Bernd Bösel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Europäische Medienwissenschaft, Universität Potsdam
Meine wissenschaftliche Arbeit kreist seit Jahren um das Thema der Affekte, Gefühle, Emotionen und Stimmungen. Dabei lässt sich ein vergleichsweise sehr hoher Anteil von Publikationen von weiblichen Autoren feststellen, egal ob es sich um Medien- und Kulturwissenschaften, die Philosophie, Soziologie oder Ingenieurswissenschaften handelt. Aktuell erleben das meine SeminarteilnehmerInnen und ich selbst wieder bei der Beschäftigung mit »Affektökonomien«: von Arlie R. Hochschild über Sara Ahmed und Eva Illouz sind die führenden Figuren allesamt Frauen. Das mag damit zu tun haben, dass Forscherinnen aufgrund ihrer doppelten Sozialisation – als Frauen und als Akademikerinnen – tendenziell die weiterreichenden Fragen bezüglich der Art und Weise stellen, wie Menschen ihre eigenen, vor allem aber die Gefühle Anderer regulieren, und das heißt sowohl produzieren, als auch dämpfen. Denn die traditionell als weiblich konnotierten Tätigkeitsbereiche wie Kindererziehung und Pflege, aber auch Dienstleistungsberufe, die »Emotionsarbeit« beinhalten (also die kundenorientierte Beeinflussung von Gefühlslagen), deuten darauf hin, dass das Frau-Sein tendenziell mit Kompetenzen einhergeht, über die Männer entweder nicht im selben Umfang verfügen, oder die ihnen aufgrund stereotyper Rollenzuschreibungen zumindest nicht gleichermaßen zugänglich sind, weil sie möglicherweise schlicht und einfach nicht ausgeübt, also performiert werden. Die Forschung zu den Affekten führt also zumindest dann, wenn sie nicht essentialistisch betrieben wird (also nicht bloß die Frage gestellt wird, was Affekte ihrer Struktur nach sind, sondern darüber hinaus, wie Affekte im sozialen Leben produziert, reguliert und performiert werden), zwangsläufig zur Beschäftigung mit den Unterschieden ›männlicher‹ und ›weiblicher‹ affektiver Stile sowie von gegenderten Gefühlsnormen und Regeln des Aufführens oder Unterdrückens emotionaler Expressivität. Der Beitrag der Gender Studies zu den Affect Studies ist damit ein unumgänglicher, ohne den die letzteren in ihrem Forschungsinteresse sehr bald an eine unüberwindliche Grenze stoßen würden – inklusive der Gefahr, dass sie dann im schlechtesten Fall dem status quo der Ungleichverteilung emotionaler Anforderungen zuarbeiten.

# Lisa Brunk, Ronja Lipp, Studierende BA Europäische Medienwissenschaft, Universität und Fachhochschule Potsdam
Auf die Frage »Wie sind Jungs, wie Mädchen?« haben Kinder meist schon sehr genaue Antworten, was die beiden Geschlechter ihrer Meinung nach definiert. Wie kommt es dazu? Einen nicht unbedeutenden Anteil daran hat die Industrie. Von Süßigkeiten über Kleidung bis hin zu Spielzeug gibt es alle Produkte in doppelter Ausführung und geschlechtsspezifischer Rollenverteilung. So sind z.B. Lego Bausteine für Jungen in dunklen Farben mit Kampf, Konflikt und Aggression konnotiert, während die speziell für Mädchen hergestellte Reihe Lego Friends auf Beziehungspflege, Schönheit, Sorge- und Reproduktionsarbeit setzt. Hier werden veraltete, stereotype Geschlechterrollen, die unserer Meinung nach schon lange nicht mehr aktuell sind, manifestiert. Der Nutzen dieser Strategie der Ökonomie besteht in erster Linie darin, dass es auf einem genderspezifischen Markt beinahe jedes Spielzeug in doppelter Ausführung geben und somit mehr verkauft werden kann. Mit der Gender-Perspektive lassen sich solch heteronormative Geschlechterordnungen an der Schnittstelle von Medien, Produktdesign, Ökonomie und Kultur untersuchen, kritisieren und verändern.

# Sandra Cartes, Zentrale Gleichstellungsbeauftragte der Fachhochschule Potsdam
Als Gleichstellungsbeauftragte dreht sich bei mir beruflich alles um das Thema »Geschlecht«: um das Ziel einer klischeefreien Studien- und Berufswahl, um die Verankerung von Genderkompetenz als Schlüsselqualifikation in den Curricula, um Rolemodels in der Lehre und in Führungspositionen in der Hochschule, darum, dem Gender Bias in Einstellungs- und Berufungsverfahren und der gläsernen Decke in der Wissenschaft entgegenzuwirken, um Anstrengungen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Studium bzw. Beruf, um einen gendersensiblen Sprachgebrauch in der Hochschule, um Maßnahmen gegen Sexismus, um »Toiletten für alle« ... An meine Grenzen stoße ich aber vor allem im Privatem: wenn mich das Gender-Marketing für Kinder zur Verzweiflung bringt, wenn ich nach Kinderbüchern oder -Spielzeug jenseits von Rollenstereotypen suche oder meinen Sohn tröste, der aus der Schatztruhe auf dem Kindergeburtstag keinen der Ringe haben durfte, weil die »nur für Mädchen« sind... Ob die Beschäftigung mit »Geschlecht« relevant ist für uns als Hochschule, in der Lehre, in der Forschung, für mich persönlich? Keine Frage!

# Prof. Dr. Jan Distelmeyer, Professor für Geschichte und Theorie der technischen Medien, Fachhochschule Potsdam
Ende November 2017 begegnete mir in der Mensa der Universität Hamburg folgende Szenerie: Über vollen Tischen und geschäftigem Tun thronte ein ca. 2 x 4 Meter großes Werbebanner für eine Kaffeemaschine, die indes weniger als 1/4 des Bildes einnimmt; der Rest gehört einer speziell ausgeleuchteten jungen Frau mit Tablet, Brille, Kaffeetasse und T-Shirt sowie dem Spruch »Die NEUE in der WG, RICHTIG LECKER!«. Diese Szene zeigt einen Alltag, in dem an Hochschulen auch außerhalb von Lehre und Forschung Fragen aufgeworfen bzw. verhandelt werden, denen sich traditionell die Gender Studies und andere mit (Rollen-)Bildern befasste Disziplinen widmen. Die Mensa Academica gibt damit der Academia einen Auftrag. In einem Teil des Universitätsalltags zeigt sich die Präsenz einer Inszenierung von Gender, die der andere Teil in Form von Forschung und Lehre zu untersuchen herausgefordert ist.

# Dr. Daniela Döring, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Europäische Medienwissenschaft, Universität Potsdam
Wenn ich mich als Kulturwissenschaftlerin für mediale, kulturelle und soziale Gefüge interessiere, komme ich um die Geschlechterordnung nicht herum. Als zentrale Kategorie strukturiert sie – in Überkreuzung mit weiteren Differenzkategorien wie Schicht/Klasse, Ethnie, Sexualität, etc. – maßgeblich Gesellschaft. Vorstellungen von Normen und Normalitäten, Idealen und Abweichungen, Identitäten, Grenzen und Wahrheiten werden dabei immer wieder neu definiert und verhandelt. Historisch betrachtet sind viele Ungleichheiten und Differenzen variabel, vielfältig und dabei doch erstaunlich hartnäckig, sie reformulieren sich in immer neuen Konstellationen, oftmals sind sie nicht auf den ersten Blick erkennbar, sondern eingelagert in Ökonomien, Technologien, Symboliken und Alltagskulturen. An diesen Debatten mitzuarbeiten, heißt für mich, den Macht- und Herrschaftsstrukturen nicht einfach ausgeliefert zu sein, sondern sie mitgestalten, kritisieren und verändern zu können.

# Sophie Ehrmanntraut, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Fachbereich Design | Europäische Medienwissenschaft, Fachhochschule Potsdam
Anekdote: Kürzlich war ich mit einer Freundin eine Mütze für ihren 1 Jahr alten Sohn kaufen. An der Kasse schaute uns die Verkäuferin entsetzt an. Sie hielt der jungen Mutter die in unseren Augen geschlechtsneutrale dunkelblaue (!) Mütze entgegen und sagte belehrend »Das ist aber eine Mütze für Mädchen!« Meine Freundin nickte freundlich und kaufte die Mütze. Beobachtung: Im Rahmen meiner Recherchen zur Diskursgeschichte des Personal Computers habe ich mehrere Archive aufgesucht. Vorrangig waren die Sammlungen zu diesem Abschnitt der Geschichte des Computers nach Unternehmen, Forschungsinstituten oder Personen (fast ausnahmslos Wissenschaftler) benannt. Dazu ›passen‹ die durch das US Department of Education statistisch festgehaltenen Zahlen, die für das Jahr 1986 in den Computer- und Informationswissenschaften 41.889 vergebenen Bachelortitel und 316 Doktortitel. Davon gingen ca. 35% der Bachelortitel und 5% der Doktortitel an Frauen. Insgesamt stieg der Anteil der an Frauen verliehenen Bachelorabschlüsse von ca. 43% auf etwas über 50%, dies belegen Statistiken über die Vergabe von akademischen Titeln an US-amerikanischen Colleges und Universitäten. Trotz wachsender Bildungsgerechtigkeit änderte sich verhältnismäßig wenig an der Ungleichheit der Einkommen. Laut Erhebung des National Committee on Pay Equity belief sich das Jahreseinkommen einer vollbeschäftigten Frau in den USA im Jahr 1971 durchschnittlich auf 59,5 % des Einkommens eines Mannes in vergleichbarer Position, 1985 lag diese Zahl bei 64,3 %. Die Anekdote aus meinem privaten und die Beobachtung aus meinem beruflichen Alltag sind für mich beispielhaft, dass die Kategorie Geschlecht und andere Differenzkategorien (Klasse, Ethnie, Sexualität) unbedingt Gegenstand wissenschaftlicher Reflexion und Wissensproduktion und Bestandteil von Lehre und Forschung sein müssen. Solange Differenzkategorien in unseren kulturellen Archiven abgelegt und registriert werden; solange sich die Anstrengungen zur Herstellung von Bildungsgerechtigkeit nicht in der Wertschöpfung widerspiegeln; solange Ungleichheitskategorien als quasi natürlich gepflegt und reproduziert werden, und nicht als gesellschaftlich produziert in Frage gestellt werden, solange kann Geschlechterforschung oder die Reflexion ungleicher Verhältnisse nicht abgehakt werden. Ihre Kritik muss immer möglich bleiben.

# GENDER; TECHNIK; MUSEUM. Strategien für eine geschlechtergerechte Museumspraxis
Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt widmete sich von 2015 bis 2016 der Untersuchung von Genderwissen und -politiken in technischen Museen. Das Museum repräsentiert als Bildungsinstitution kulturelle Wertvorstellungen, gesellschaftliche Wahrheiten, Vorbilder und Identitätsentwürfe. In Technikmuseen dominiert bis heute das Bild des männlichen Erfinders und Genies, Frauen erscheinen hingegen zumeist als unbenannte Rand- und Hintergrundfiguren. In den Ausstellungen und Sammlungen werden bestimmte weibliche bzw. männliche Narrative, aber auch schichten- und klassenspezifische sowie ethnische Differenzen (re-)produziert. Zahlreiche Studien der Frauen- und Genderforschung haben auf die Ausschlüsse von Frauen aus den großen Geschichtserzählungen verwiesen und tiefgreifende strukturelle Ungleichheiten in Wissenschaft und Gesellschaft herausgearbeitet. Die Perspektive der Gender Studies kann dazu beitragen, neue Erzählungen, Sammlungs- und Vermittlungsstrategien zu entwickeln, die Zugänge zum Museum zu erweitern sowie neue Handlungs- und Möglichkeitsräume zu eröffnen. Weitere Infos: www.gendertechnikmuseum.de

# Naomie Gramlich, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Europäische Medienwissenschaft, Universität Potsdam
Ungleichheitskategorien in den medien- und kulturwissenschaftlichen Blick zu nehmen, verstehe ich als ein kritisches Nachhaken bei vermeintlich selbstverständlichen Gegebenheiten wie z.B. der Zugehörigkeit zu einem Geschlecht. Werden Kategorien erst einmal weder als natürlich noch als selbstverständlich verstanden (wie es gegenwärtig am Urteil zum dritten Personenstand diskutierbar ist), geraten auch andere Grenzen, die maßgeblich das gesellschaftliche, politische und ökologische Handeln strukturieren, in den Fokus: zum Beispiel, die zwischen Tieren und Menschen oder zwischen Technik und Natur. Gender-Studies beschränken sich nicht auf die Themen »Frauen« oder »Geschlecht«, sondern interessieren sich grundlegend für strukturelle Ausschlüsse sowie für die widerspenstigen Unregelmäßigkeiten bei den Einschlüssen. Nirgendwo anders in der akademischen Landschaft bin ich der Beharrlichkeit, dem Engagement für die Welt und der Originalität des immer wieder neu, nah und durchquerenden Denkens, wie es die Gender-Studies und feministischen Theorien praktizieren, begegnet.

# Marc Guckelsberger, Student, Fachhochschule Potsdam
Genderstudies haben mir geholfen mich besser mit mir selbst und meiner sexuellen Orientierung zu fühlen. Als männlich sozialisierten Menschen hat es mir geholfen, mich mit dem Thema »Geschlecht« auseinanderzusetzen. Es hat mich nicht verwirrt, sondern sicherer gemacht.

# Theresa Hartmann, Studentin BA Europäische Medienwissenschaft, Universität und Fachhochschule Potsdam
In meiner Hausarbeit »Nach Köln« habe ich Strategien der Ethnisierung von Sexismus im Anschluss an die Kölner Silvesternacht 2015 untersucht. Die Diskursanalyse widmete sich der Frage nach Wirkmächtigkeit und Produktion von Herrschaftswissen innerhalb einer hegemonialen und (post-)kolonialen Machtordnung. Dabei konnten zahlreiche sprachliche wie visuelle Engführungen, Instrumentalisierungen und Umdeutungen ausgemacht werden. Das Hauptaugenmerk der Untersuchung lag auf einem Titelbild der Süddeutschen Zeitung, das stark polarisiert und die »weiße«, »reine« und »unschuldige« Frau als zu beschützendes Objekt konstituiert. Dabei leistet eine Medienwissenschaft, die mit den Analysekategorien »Geschlecht«, »Ethnie«, aber auch »Nation« und anderen arbeitet, einen wichtigen Beitrag, um Inszenierungen und Popularisierung von Normen, Idealen, dominanten Wahrheiten, Ideologisierungen sowie Formen visueller Gewalt sichtbar zu machen.

# Magdalene Luzie Loda, Absolventin MA Europäische Medienwissenschaft, Universität und Fachhochschule Potsdam
Im Rahmen meiner Masterarbeit »Intergeschlechtlichkeit kindgerecht vermitteln. Eine theoretische und praktische Auseinandersetzung mit dem Medium Kinderbuch« realisierte ich ein selbst geschriebenes und illustriertes Kinderbuch sowie eine Theoriearbeit. Diese fokussiert die sprachliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Intergeschlechtlichkeit, um den Begriff fassen und bestehende Problematiken einzuschätzen zu können, mittels Sekundärliteratur aber auch durch Begegnungen mit intergeschlechtlichen Personen. Exemplarisch werden auch bereits existierende und in ihren Ansätzen stark differierende Kinderbücher untersucht, aus denen Aspekte für die eigene Geschichte übernommen aber auch abgelehnt werden. Das Praxisergebnis ist ein Kinderbuch mit einer in sich geschlossenen Handlung, die einen realistischen Einblick und Brüche mit typischen Geschlechterbildern versucht. Das Buch »PS: Es gibt Lieblingseis« erscheint im Januar 2018 bei Marta Press.

# Prof. Dr. Gertrud Lehnert, Professorin für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Universität Potsdam
Als ich Anfang der 1990er Jahre in meiner Habilitationsschrift mit klassischen feministischen ebenso wie mit den damals neuen Theorien von Teresa de Lauretis oder Judith Butler arbeitete, wurde mir das an meiner damaligen Universität als »unwissenschaftlich« ausgelegt. Heute, fast 30 Jahre später, werden die Gender Studies als »zu wissenschaftlich« im Sinne von elitär, nicht relevant für das wirkliche Leben diffamiert, als anti-feministisch und als überflüssig, weil sie, wie Naturwissenschaftler gern verkünden, blanken Unsinn erzählen. Ausgerechnet diese Debatten verdeutlichen aufs Schönste, wie unverzichtbar die Gender Studies tatsächlich sind. Die Gender Studies analysieren kulturelle Machtdynamiken, auch solche, die zu derart genderfeindlichen Positionen führen, an denen im Übrigen alle Geschlechter - aktiv oder passiv - teilhaben. Gendertheoretisch zu arbeiten bedeutet, genau hinzuschauen, Machtkonstellationen, Normierungen und Normalisierungsprozesse zu erkennen und zu analysieren, wer in welchem Interesse wie daran mitwirkt. Gender Studies sind immer politisch, und die Forschenden beziehen Position. Wir arbeiten in unterschiedlichen wissenschaftlichen Traditionen und verfolgen unterschiedliche Erkenntnisinteressen, die wir transparent machen. Meine Seminare (und auch meine Veröffentlichungen) zu feministischer Literatur und zu Gender/Queer-Thematiken sind von einem feministisch-queeren Interesse geleitet: aufzuklären im besten Sinne, etwas zu bewegen, und auch: zu erinnern, wie es war, wie es ist, wie es sein kann und wie schnell sich gesellschaftliche Verhältnisse ändern können, sind diese doch von wechselnden Machtverhältnissen abhängig und wurzeln nicht in »Natur«, sondern entstehen in kulturellen Zuschreibungsprozessen. Das immer wieder in Erinnerung zu rufen scheint mir gerade jetzt umso notwendiger, da vieles, was endlich erreicht ist (z.B. Gleichberechtigung, Ehe für alle, dritter Personenstand), wieder gefährdet scheint angesichts der Ausbreitung rechter Bewegungen in ganz Europa und der Aggressivität unberechenbarer und rückwärtsgewandter Machthaber weltweit.

# Karlotta Markötter, Julia Weber, Studierende BA Europäische Medienwissenschaft, Universität und Fachhochschule Potsdam
Im Rahmen eines Seminars beschäftigten wir uns mit dem Phänomen des Gender Pricings, auch Pink Tax genannt. Dahinter verbirgt sich die Tatsache, dass geschlechtsspezifische Produkte der gleichen Qualität und Herstellung für Frauen oftmals teurer sind, als für Männer. Unsere stichprobenartige Erhebung bei Drogerieartikeln ergab einen Preisaufschlag von 10 bis 68%. Diese Ungleichheit wird zudem noch verschärft, wenn wir den Gender Pay Gap berücksichtigen, nach dem Frauen durchschnittlich 21% weniger verdienen als Männer. Das Ergebnis war für uns sehr überraschend, da im studentischen Alltag das Gefühl vorherrscht, dass Gleichberechtigung längst Realität ist. Es zeigt, wie wichtig es ist, über die Zusammenhänge von Geschlecht, Medien, Ökonomie und Gesellschaft nachzudenken.

# Dr. Sebastian Möring, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Institut für Künste und Medien, Europäische Medienwissenschaft, Koordinator des DIGAREC-Digital Games Research Center der Universität Potsdam
In der Computerspieleforschung (Game Studies) sowie in der Geschichte des Computerspiels bildet die Kategorie Geschlecht ein zentrales Scharnier. Zum einen ist die Computerspielbranche (Design, Produktion, Konsumption) bis heute traditionell stark männlich dominiert. Es ist keine Frage, dass neben den streng nach Geschlecht organisierten Arbeitsbereichen, solche Beschränkungen nicht nur unfair, marginalisierend, sondern vor allem langweilig sind, denn sie beschneiden die Möglichkeiten kulturellen Ausdrucks und kultureller Teilhabe. Außerdem werden Computerspiele von allen Menschen gespielt: Frauen, Männern, Transgender, Intergender, Homosexuellen, Transsexuellen, Asexuellen, Intersexuellen, religiösen Menschen, Atheisten, Menschen mit Migrationshintergrund, Erwachsenen, Kindern, Menschen, die Mathe mögen, und Menschen, die eigentlich lieber Filme schauen sowie Menschen, die in mehrere von diesen, in andere oder in keine Kategorien passen (wollen). Ich finde es deshalb gut, dass insbesondere die kulturwissenschaftlich geprägten Game Studies Fragen der Gender Studies zu ihren Themen machen und weiterentwickeln. Ich freue mich, dass es eine diverse Indie-Game-Kultur in Europa gibt, in der alle Menschen einen sicheren Raum finden. Und ich bin froh zu sehen, dass diese Kultur uns zeigt, wie Computerspiele Themen der gesellschaftlichen Normierung wie Depression, Krebs, Alkoholismus und Geschlechtsumwandlung mit anderen als Kriegs- und Kampfmetaphern behandeln können.

# Torsten Schöbel, Lehrkraft für besondere Aufgaben, Studiengang Europäische Medienwissenschaft, Fachhochschule Potsdam
Das Nachdenken über Geschlecht für Forschung, Lehre, Hochschule, Alltag und Gesellschaft ist notwendig, nicht um Unterschiede anzugleichen oder einzuebnen, sondern um Konstruktionen von Differenz und Hierarchie in allen gesellschaftlichen Sphären aufzudecken und zu deren Überwindung beizutragen. Sie ist wichtig für die Chancengleichheit von Frauen in der Wissenschaft, für Reformprozesse in der Qualifizierungs- und Personalstruktur, für die Verbesserung der Kinderbetreuung und Flexibilisierung der Arbeitszeit und auch für eine Reform der Studienstruktur. Gender Studies tragen zur Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft bei, zur Chancengleichheit unabhängig von Geschlechtszuschreibungen.

# Dr. Geraldine Spiekermann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Künste und Medien, Universität Potsdam
Der Genderschwerpunkt im Fachbereich Kunstgeschichte untersucht Körperbilder: einerseits, wie sie aufrecht erhalten, und andererseits, wie sie durch künstlerische Interventionen dekonstruiert werden. Spätestens seit dem Surrealismus begehren Künstler*innen aktiv gegen normierte und tradierte Vorstellungsbilder auf und die stumme Rebellion der Bilder wird im feministischen Aktionismus mit realen Körpern und deutlich hörbaren Stimmen weitergeführt. In der kritischen Auseinandersetzung mit dem Bestehenden entwickeln sich neue Darstellungsstrategien und es entstehen abweichende Repräsentationsmodi von Körpern und Geschlechtern, die que(e)r zur Norm operieren und nicht selten ihrer Zeit voraus sind. Wenn 1930 ein/e Künstler*in die eigene Identität als weder männlich noch weiblich beschreibt, sondern sich als Neutrum sieht, dann nimmt er/sie damit die Begrifflichkeiten non-binary bzw. genderqueer bereits vorweg. Institutionskritische Positionen zeigen darüber hinaus, wie weit die Auswirkungen der Marginalisierung weiblicher und farbiger Künstler*innen innerhalb des Kunstsystems bis heute reichen. So lag im Jahr 1989/90 der Anteil ausgestellter Künstlerinnen im Metropolitan Museum bei weniger als 5 %, im Jahr 2017 lag er sogar bei weniger als 4 %. Ein Bewusstsein für die Macht der Bilder und die Mechanismen der vorherrschenden Blick- und Repräsentationsregimes zu wecken, ist Aufgabe der Genderstudies. Der Genderschwerpunkt ist unverzichtbar nicht nur zum Verständnis der Kunst, sondern auch zu dem der Kultur und ihrer Kämpfe insgesamt.

# Maria Weilandt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Universität Potsdam
Als Komparatistin arbeite ich in Forschung und Lehre ständig mit gendertheoretischen Fragestellungen. Besonders in der Lehre ist es mir wichtig, dass die Studierenden beispielsweise lernen, Geschlechterstereotype in literarischen Texten nicht nur zu erkennen, sondern auch genau zu analysieren, wie diese Stereotype im Text produziert werden und welche Rolle sie dort spielen. Das gehört zur guten literaturwissenschaftlichen Arbeit. Und genau durch diesen Umgang mit Gender lernen die Studierenden auch, Genderkonstrukte, die ihnen im Alltag begegnen, als solche kritisch zu hinterfragen. Gerade diese Fähigkeit habe ich während meiner eigenen Studienzeit nicht nur als wichtig, sondern auch als befreiend erlebt. Gerade in einer Zeit, in der wir national und international einen politischen Rechtsruck erleben und restriktive Geschlechterrollen wieder stärker in den Vordergrund treten, halte ich das kritische Reflexionsvermögen, das die Gender Studies vermitteln, für besonders relevant. In den aktuellen Angriffen auf die Gender Studies ist zu beobachten, dass diese auf bestimmte Themen reduziert und dafür belächelt und als unwissenschaftlich gebrandmarkt werden. Dabei zeugt diese Art der Kritik vor allem von einem: nämlich dem Unwillen, sich mit einer wissenschaftlichen Disziplin und ihren Themen auseinanderzusetzen bevor man sie kritisiert. Wie die meisten Wissenschaftler*innen, schätze ich eine gut geführte Debatte. Voraussetzung dafür muss aber gegenseitiger Respekt sein.

# Anne Weber, Absolventin BA Europäische Medienwissenschaft, Universität und Fachhochschule Potsdam
In meiner Bachelorarbeit »Die (Re-)Produktion von (Geschlechter-)Normen in Bilderbüchern. Ein Kinderbuch jenseits von Rosa und Blau« widmete mich der Frage, wie im Kinderbuch Erzählungen jenseits von hetero-normativen Geschlechterstereotypen entwickelt werden können. Im Theorieteil untersuche ich, inwiefern Bilderbücher zur Verfestigung der gesellschaftlichen Bilder von weiblich und männlich und im Umkehrschluss zu deren Veränderung beitragen können. Dabei werden neben der Auseinandersetzung mit den zentralen Begriffen exemplarisch zwei bereits vorhandene Bilderbücher analysiert. Es entstand ein Bilderbuch für Kinder von drei bis sechs Jahren, welches versucht, mittels einer geschlechtersensiblen Alltagsgeschichte, bestehende (Geschlechter-)Normen zu dekonstruieren und zu deren Veränderung beizutragen.

# Sophia Wetzke, Studierende BA Europäische Medienwissenschaft, Universität und Fachhochschule Potsdam
Meine Hausarbeit »Geschlechterrollen im Hörfunk« begann mit einer ganz persönlichen Motivation: Das Gefühl, in meiner eigenen journalistischen Tätigkeit in verschiedenen Radioredaktionen immer wieder mit Klischees konfrontiert zu sein, diese aber schwer greifen zu können und noch schwerer begründet zu bekommen. Am Ende meiner Analyse, für die ich mir Redeanteile und -inhalte von KollegInnen »on air« näher angeschaut habe, standen gleich mehrere Erkenntnisse: Moderatoren müssen überdurchschnittlich oft den wortgewandten Platzhirsch spielen, Moderatorinnen bekommen im Vergleich einen Bruchteil der Redezeit und dürfen passiv reagieren. Dies schlägt sich auch im Jahr 2017 in ungleicher Bezahlung beider bei gleicher Arbeitszeit nieder und wird von Programmverantwortlichen noch unterstützt, indem es trotz fehlender Forschungsgrundlage als das angesehen wird, was das Publikum nun einmal hören möchte. Was, wenn nicht Genderforschung, könnte die hier wirkenden Mechanismen überhaupt sichtbar machen und den maßgeblichen Einfluss von Unterhaltungsmedien auf immer wieder zirkulierende Klischees und Rollenbilder nachweisen?

 

Kontakt:

Universität Potsdam
Institut für Künste und Medien
Dr. Daniela Döring |
dadoerin@uni-potsdam.nomorespam.de | +49  331-977-4184

Naomi Gramlich  | naomie.gramlich@uni-potsdam.nomorespam.de

Am Neuen Palais 10 | 14469 Potsdam

Fachhochschule Potsdam

Fachbereich Design
Sophie Ehrmanntraut | ehrmanntraut­@fh-potsdam.de | +49 331-580-1418 

Kiepenheuerallee 5, 14469 Potsdam

 

 

 

Daphne Oram / BBC

Switches Discursive installation

Prof. Dr. Marie Luise Angerer, Johnny Golding, Alexander R. Galloway, Julian Oliver, Orit Halper, Anna Echterhölter, Morehshin Allahyari, Sarah Sharma, Sophia Roosth, Thomas Feuerstein, Elie Ayache, Giuseppe Longo, Gerald Nestler, Felix Stalder, Gerald Nestler

Switches Discursive installation 30.11.2017 19 Uhr Haus der Kulturen der Welt Berlin

 

 

International Conference Affective Transformations: Politics. Algorithms. Media.

November 1 – 3, 2017

University of Potsdam, Campus Am Neuen Palais, 14469 Potsdam, House 8

Conception: Marie-Luise Angerer, Bernd Bösel, Kathrin Friedrich, Mathias Fuchs, Gabriele Gramelsberger, Irina Kaldrack, Andreas Kaminski, Dawid Kasprowicz, Oliver Leistert, Markus Rautzenberg, Sandra Wachter, Jutta Weber, Serjoscha Wiemer

The conference is part of the Network “Affect- and Psychotechnology Studies. Emergente Techniken affektiver und emotionaler (Selbst-)Kontrolle” funded by the German Research Foundation (DFG).

Organisation: Marie-Luise Angerer, Bernd Bösel, Naomie Gramlich

The affective turn has recently come under pressure. The fascination with all things affective that emerged during the 1990s and peaked in the first decade of the 21st century has lost its former innocence and euphoria. Affect Studies and its adjacent disciplines have now to prove that they can cope with the return of the affective real that technology, economy and politics entail.

Two seemingly contradictory developments will be picked up as starting points for the conference. First, innovations in advanced disciplines such as affective computing, mood tracking, sentiment analysis, psycho­‐informatics and social robotics all share a focus on the recognition and modulation of human affectivity. Mechanisms like individual affect regulation or emotion management are being increasingly transferred onto personal digital devices. These algorithmic technologies collect affective data, process them and nudge users into normalized behavior and patterns of feeling. Affect gets measured, calculated, controlled.

Secondly, recent developments in politics, social media usage and journalism have contributed to an conspicuous rise of hate speech, cybermobbing, public shaming, “felt truths” and resentful populisms. In a very specific way, politics as well as power have become affective. In light of the rise of neo-­nationalisms, religious and conspiratorial fanaticisms and presidentially decreed patriotism, the question what affective politics does, can or should mean attains an unparalleled urgency. Affects gets mobilized, fomented, unleashed.

We thus witness, on the one hand, the emergence of what we propose to call “affective media”, i.e. technologies and applications that rationalize affects by processing them algorithmically. On the other hand, we observe that (social) media affects become irrational and seem to have disruptive effects on the political as well as social order of (not only) Western democracies. These two developments appear to be linked. For example, while social media echo chambers are part of the affective media spectrum, their effects are very real and are radically altering our socio‐political landscapes (e.g. Brexit, US election). What was invented to control affect has furthered uncontrollability on a potentially global scale.

By assembling scholars from different fields of research, we want to examine this apparent paradox and put the emphasis on its historical, transformational nature. When the ways we deal with our affectivity get unsettled in such a dramatic fashion, we obviously have to rethink our ethical, aesthetical, political as well as legal regimes of affect organization. This is not just a purely academic task, but rather an issue of responsibility.

The event is open to the public, registration requested.

Preliminary Program

November 1, 2017

2:30 pm: Registration
3:30 pm: Bernd Bösel (Potsdam): Welcome and Introduction

3:45 pm: Performance Lecture and Installation
Dina Boswank (Berlin), Timo Herbst (Berlin/Leipzig), Irina Kaldrack (Braunschweig): Transforming Political Gestures Through a Chain

4:30 pm: Opening Lecture
Marie-Luise Angerer (Potsdam): Paradoxes of Becoming Intense. On Smart Companionship, Significant Selfies and Animojis
(Chair: Bernd Bösel)

5:30 pm: Coffee break

6:00 pm: Evening Lecture

Richard Grusin (Wisconsin-‐Milwaukee): Counter-Meditations
(Chair: Marie-Luise Angerer)

November 2, 2017

10:00 am: Lecture 1
Andrew A. G. Ross (Ohio): Digital Humanitarianism and the Cultural Politics of a Planetary Nervous System
(Chair: Michaela Ott)

11:15 am: Coffee break

11:30 am: Panel 1 Aufklärung 2.0 / Enlightenment 2.0

Markus Rautzenberg (Essen): Alien Thinking. On the Return of the Sublime
Mathias Fuchs (Lüneburg): Affect Esoterics
Sandra Wachter (Oxford): Law and Ethics of Big Data, AI, and Robotics
(Chair: Jutta Weber)

1:00 pm: Lunch

2:30 pm: Lecture 2
Pierre Cassou‐Noguès (Paris): The Synhaptic Monster
(Chair: Mathias Fuchs)

3:45 pm: Coffee break

4:00 pm: Panel 2 Techno(Ir)rationalities

Jutta Weber (Paderborn): Techno(ir)rationality and Technosecurity
Oliver Leistert (Lüneburg): Effective Affects with Social Bots
Bernd Bösel (Potsdam): Affective Media Regulation
(Chair: Serjoscha Wiemer)

5:30 pm: Coffee break

6:00 pm: Evening Lecture
Michaela Ott (Hamburg): Affective Media Politics
(Chair: Markus Rautzenberg)

8:00 pm: Conference Dinner

November 3, 2017

10:00 am: Lecture 3
Paul Stenner (London): Affect on the Turn. Liminal Media for Affective Transformation
(Chair: Thomas Slunecko)

11:15 am: Coffee break

11:30 am: Panel 3 Conceptualizing Interfaces of Affection

Dawid Kasprowicz (Witten-Herdecke): Encoding Proximity. Intuition in Human-Robot Collaborations
Kathrin Friedrich (Berlin): Interfacing Trauma. Virtual Resilience Training in Military Contexts
Lisa Schreiber (Berlin): Empathy in Human‐Machine Interaction. A Concept of Interpersonal Relation in Affective Computing
(Chair: Oliver Leistert)

1:00 pm: Lunch

2:30 pm: Lecture 4

Gabriele Gramelsberger (Aachen): Promising Care, Longing for Data Irina Kaldrack (Braunschweig): Distributed Autonomy Serjoscha Wiemer (Paderborn): Affective Robots that Care
(Chair: Bernd Bösel)

4:00 pm: Coffee Break

4:30 pm: Closing Lecture

Jean Clam (Paris): Witnessing the Dismantlement of a Proven Structure of Belief. Renews the Actuality of a (“Pathological”) Grammar of Assent
(Chair: Gabriele Gramelsberger)

Contact:

info@affectivemediastudies.de

www.affectivemediastudies.de

Programm als PDF

 

 

POLARO_ID: Ausstellungsprojekt mit Beatrice Miersch, IKM: Studierende stellen aus

Ausstellungsprojekt (mit Beatrice Miersch, IKM): Studierende stellen aus // POLARO_ID // Ausstellungsprojekt mit fotografischen Arbeiten von Oliver Blohm // 14.-29. Juli 2017 @ BIKINI BERLIN, 1. OG // MO-SA: 10-20 Uhr

Kurator_innen Führung // Art meets Campus:  

So sehen die Kurator_innen die Ausstellung. Ein Rundgang. Freitag 21. Juli 2017, 17 Uhr & Samstag 29. Juli 2017, 17 Uhr

Artist Walk // Analog im Dialog: Morbide Schönheit, analog-digitale Experimente und Zerstörung //
Oliver Blohm führt durch die Ausstellung: Samstag 22. Juli 2017, 16 Uhr

Finissage: 29. Juli 2017 18-22 Uhr

http://www.polaro-id.de

 

 

Immersion. Beyond the Senses: Bodies, Technology, Environment 27.07.2017

Immersion. Beyond the Senses: Bodies, Technology, Environment 27.07.2017 19 Uhr Berlin Martin-Gropius-Bau Link

Künstler*innengespräch mit Marie-Luise Angerer, Josh Berson, David Howes, Chris Salter

Auch wenn die Rolle neuer Technologien in kunsthistorischen Darstellungen sensorischer Umgebungen oft heruntergespielt wird, gibt es eine lange Folge historischer Präzedenzfälle in der Moderne und Postmoderne, die sich damit beschäftigten, wie das menschliche Sensorium durch neue ästhetische Strategien erweitert wird – so zum Beispiel das Interesse der Künstler*innen des frühen 20. Jahrhunderts an der Synästhesie. In jüngerer Zeit jedoch machen sich die bildenden, darstellenden und nun auch die medialen und digitalen Künste gerne die sogenannte „sensorische Wende“ zunutze und richten ihre Aufmerksamkeit auf die Interaktion zwischen dem sensorisch empfindenden Subjekt und einem zunehmend „sensorisch bewussten“ Umfeld. Diese Veränderung schließt nicht nur die neuen Technologien ein, sondern auch neue Paradigmata, die aus den Kognitionswissenschaften, Medien- und Kulturwissenschaften, der Geistesphilosophie, den Ingenieurswissenschaften und der Anthropologie entstehen. Was geschieht, wenn verschiedene Sinne sich miteinander verfangen oder verweben, wenn sie verschmelzen, verschwimmen? Was passiert mit unserem Gefühl des eigenen Selbst und des eigenen Körpers in diesen neuen verstärkten, immersiven oder erhöhten „bewussten“ Umgebungen? Entstehen neue „Sinne“ – und welche könnten es sein?

Teil des Programms Limits of Knowing

In englischer Sprache

Salon für Ästhetische Experimente #2 24. April 2017

„Configuring Corporeality: Performing bodies and autonomous machines" Salon für Ästhetische Experimente #2. Montag, 24. April 2017, 19 Uhr Haus der Kulturen der Welt John-Foster-Dulles-Allee 10 10557 Berlin [Die Veranstaltung wird auf Englisch durchgeführt]

Marco Donnarumma, Künstler, Wissenschaftler sowie Stipendiat an der Graduiertenschule, wird ein Symposium über thematische Zusammenhänge zwischen Politiken des Körpers, artifizieller Intelligenz und ritueller Performance veranstalten. Diese Themen, mit denen er sich bereits im Rahmen seines aktuellen Projekts „Configurations“ beschäftigt, werden in einer Vortragsreihe und in einem Panel von Akteur*innen der Körpertheorie, Kunstkritik und kognitiver Robotik untersucht. Diese Veranstaltung wird außerdem eine Ausstellung eines neuen prototypischen Kunstwerks von Donnarumma beinhalten, sowie eine filmische Vorstellung, die den Arbeitsprozess des Künstlers und seiner Kollaborateur*innen dokumentiert.

Eingeladene Sprecher*innen:

Marie-Luise Angerer
Lehrstuhl für Medientheorie / Medienwissenschaft, Institut für Künste und Medien, Universität Potsdam, Berlin, und Autorin der bevorstehenden Publikation "Ecology of Affect" (Meson Press)
Irini Papadimitriou
Digital Programmes Manager, Victoria & Albert Museum, und Leiter des "New Media Arts Development" im Kunstzentrum Watermans, in London.

Manfred Hild
Professor für Digital Systeme an der Beuth Hochschule für Technik, und Leiter des Forschungslabors Neurorobotik in Berlin

Feeling Out of Joint: Das Unbehagen an der Affektpolitik. 27.04.–13.07.2017

Vortragsreihe: Feeling Out of Joint: Das Unbehagen an der Affektpolitik. 27.04. 2017– 13.07.2017 Veranstaltungsort: ZeM – Brandenburgisches Zentrum für Medienwissenschaften, Hermann-Elflein-Straße 18, 14467 Potsdam

Konzept und Organisation: Bernd Bösel (Universität Potsdam), Marie-Luise Angerer (Universität Potsdam) Weitere Informationen: http://affectivemediastudies.de/

Im Fokus stehen gegenwärtige Phänomene des Affektiven in den sozialen Medien und in der Politik. In Anbetracht der psychischen Gewalt im Netz und einer auf Emotionen beruhender Politik sollen Methoden der Affektregulation befragt werden. In den letzten Jahren haben sich die sogenannten social media zunehmend als Beförderer antisozialen und antisolidarischen Verhaltens entpuppt. Begonnen hat dies zunächst mit dem exzessiven Gebrauch der sozialen Medien als narzisstische (Re–)Präsentationsforen. Doch die kulturkritischen Anklagen dieses Verhaltens lesen sich heute bereits als Reminiszenzen an eine vergangene Zeit der Harmlosigkeiten. Denn die Verbreitung von Neid, Wut und Hass (also von territorialisierenden Affekten im Sinne von Deleuze/Guattari) hat im Internet zuletzt geradezu epidemische Ausmaße angenommen – und die psychische Gewalt, die hierbei ausgeübt wird, hat oftmals auch den Ausbruch physischer Gewalt zur Folge. Dazu kommt eine neuerdings auch in der Politik in Mode gekommenes Beharren auf "gefühlten Wahrheiten", die in verstörender Faktenresistenz auf die Autorität des jeweils sich meldenden Affekts pocht. Diese Entwicklungen machen die Frage nach der "Ordnung der Gefühle" wieder relevant, die im akademischen "Begehren nach dem Affekt" der letzten Dekade wohl zu wenig beachtet wurde. Warum versagen die Kulturtechniken der Affektregulation auf einmal in so massivem Ausmaß? Welche neuen Methoden der Affektregulation emergieren jetzt gerade? Handelt es sich dabei jeweils um Top-Down oder um Botton–Up–Methoden, oder lässt sich dieses hierarchische gar nicht mehr zielführend anwenden?

27.04.2017 um 18.00 Uhr
Veronika Zink: Gefühlsordnungen der Unzufriedenheit. Affektpolitiken und
Emotionsregime des Dissens

18.05.2017 um 18.00 Uhr
Pasi Valiaho: Passion, Projection, Speculation ca. 1700 (in englischer
Sprache)

15.06.2017 um 18.00 Uhr
Markus Rautzenberg: Was Affektpolitik gewesen sein wird

13.07.2017 um 18.00 Uhr
Georg Seeßlen: Trump. Populismus als Politik (angefragt)

Transmediale 3.2.-4-2.2017

Marie-Luise Angerer 3.2. 20.00-21.30 Uhr Material Flows: Rafts and Bodies at See, 4.2. 11.30-13.00 Uhr Middle Session: The Alien Middle Berlin Haus der Kulturen der Welt

Mode Queer 30.1.2017

Prof. Dr. Gertrud Lehnert und Maria Weilandt, M.A.: Vortrag Vortrag "Kann Mode queer sein?", 30.01.2017, 17 Uhr, Kunsthochschule Weißensee, Hörsaal Plakat

27.10.2016 - 9.2.2017 Bilder der Welt und Fragen der Kritik. Zu Harun Farocki

Bilder der  Welt und Fragen der Kritik zu Harun Farocki Vorträge, Vorführungen, Diskussionen. FHP, Kiepenheuerallee 5, 14469 Potsdam, Hörsaal D 011 Filmmuseum Potsdam, Breite Str. 1, 14467 Potsdam Brandenburgisches Zentrum für Medienwissenschaften – ZeM, Friedrich-Ebert-Str. 4, 14467 Potsdam Programm