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University of Mississippi 2015/16

Im Ausland zu studieren, war schon seit meinem ersten Bachelorsemesters mein Wunsch, allerdings hatte ich es aus verschiedenen Gründen auf die Zeit im Master verschoben. Nachdem ich 2013 und 2014 eine Sprachreise in New York und Los Angeles gemacht hatte, kehrte ich mit dem festen Vorhaben für ein Auslandsstudium nach Deutschland zurück. Meine erste Ansprechpartnerin diesbezüglich war Larisa Subasic vom Akademischen Auslandsamt (AAA) der Uni Potsdam. Sie machte mich zunächst darauf aufmerksam, dass nur Duke und Mississippi Seminare für den Master (graduate) anbieten und so nur diese beiden für mich infrage kämen. Nachdem sie mir auch sagte, dass es für Duke nur zwei und für Mississippi drei Plätze gebe, wurde mir klar, dass ich mir mit der Bewerbung sehr viel Mühe geben möchte. Ich habe daraufhin den DAAD Englischtest für Hochschulpartnerschaften besucht, mir ein Empfehlungsschreiben eines meiner Professoren erbeten und war mehrmals beim Career Service, um mir Verbesserungshinweise für mein Motivationsschreiben und die Gestaltung des Lebenslaufes zu holen. Durch diesen Prozess habe ich bereits vor Bewerbungsschluss viel für mich und meine Zukunft dazugelernt. Durch das präzise Niederschreiben meiner Beweggründe und Motivation für dieses Auslandsstudium sind mir auch meine Ziele und mein aktueller Stand auf dem Weg zu diesen deutlicher geworden. Daher möchte ich diese Bewerbung nur weiterempfehlen – man kann nur gewinnen.


Studienfach: Soziologie

Aufenthaltsdauer: 08 /2015 – 12 /2015

Gastuniversität: University of Mississippi

Gastland: USA

Nach einer Vorauswahl und einem Gruppengespräch vor einer Kommission des AA habe ich dann einen Studienplatz an der University of Mississippi (UM) bekommen (November 2014). Der Kontakt zur Gasthochschule wurde zunächst ausschließlich von Frau Subasic durchgeführt. Wir mussten nun, Anfang 2015, noch einmal unseren Lebenslauf, ein neues Motivationsschreiben, eine Kopie des Bachelorzeugnisses und des Reisepasses, ein aktuelles transcript of courses sowie eine course request form einreichen, die dann vom AA nach Mississippi geschickt wurden (später mussten wir noch Impfnachweise einreichen). Danach folgte eine lange Zeit des Wartens auf eine Rückmeldung von der UM. Molly Fryman vom Study Abroad Office (SAO) in Mississippi war zwar im sporadischen Kontakt mit dem AA, allerdings vertröstete sie uns von April an bis Mitte Juli (!), dass sie sich „really soon“ bei uns melden wird. Durch diese unpräzisen Angaben war es schwierig für uns, eine verlässliche Rückmeldung zu erhalten. Diese war so wichtig, weil eine Bewerbung für das Visum nur mit den entsprechenden Unterlagen erfolgen kann, die von der Gasthochschule gesendet werden müssen. Zum Zweiten sollte das SAO uns auch mit der Wohnungssuche in Oxford, dem Standort der UM, behilflich sein, aber entsprechende Informationen kamen alle erst Mitte Juli – zwei bis drei Wochen bevor wir Deutschland verließen.

Das war für meine Kommilitonen und mich sehr nervenaufreibend; wir haben uns dann im Juni selbstständig um eine Wohnung gekümmert und sind in den University Trails untergekommen – mit einem Aufschlag von $150 monatlich. Nachdem wir mehrmals versuchten, das SAO per Email und telefonisch zu kontaktieren und jedes Mal vertröstet wurden, kamen dann Mitte Juli unsere Dokumente – zu einem sehr späten Zeitpunkt. Ich persönlich erhielt mein Visum zwei Tage bevor ich in den Flieger stieg.

Studienfach: Soziologie

Aufenthaltsdauer: 08 /2015 – 12 /2015

Gastuniversität: University of Mississippi

Gastland: USA

Studium an der Gastuniversität

Der Dienstag vor dem Vorlesungsstart war der offizielle Ankunftstag, an dem mehrere Shuttles Studierende vom Memphis Airport ins etwa anderthalb Stunden entferne Oxford fuhren. Ich selbst bin vorher etwa eine Woche an der Ostküste unterwegs gewesen und kam bereits einen Tag früher nach Oxford. Ich wohnte in einer 5-Raum Wohnung für vier Personen und mein Zimmer war natürlich komplett kahl (bis auf einen Tisch, einen Schrank und das Bett). Daher habe ich mich an meinem ersten Tag durchgefragt zum Walmart und dabei bereits das Bussystem der UM kennen gelernt. Oxford selbst ist nicht an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen, aber es gab ein kleines Busnetz, das die wichtigsten Stadtgebiete abdeckte. Ich kaufte dann ein, was ich benötigte und – anything can happen in the Walmart – lief auf erstmal an einer nicht grade kleinen Waffenabteilung vorbei. Auch das sind die USA – riesige Läden, in denen man alles, wirklich alles, kaufen kann: von der Banane und dem Fahrrad bis zur Maschinenpistole.

Die Tage danach wurden durch die Einführungswoche bestimmt. Hier bekamen wir unsere Studierendenausweise und Emailadressen und erfuhren alles über MyOleMiss (das Äquvalent zu PULS) und trugen uns für unsere Kurse ein. Letzteres sorgte für sehr viel Verwirrung, denn jeder von uns etwa 200 internationalen Studierenden hatte ja bereits eine course request form eingereicht. Auf die wurde allerdings gar nicht eingegangen, jeder musste sich einfach neu einschreiben. Das hat nicht bei jedem reibungslos funktioniert, zumal so kurz vor Vorlesungsstart bereits viele Kurse voll belegt waren. Ich persönlich kam in all meine Wunschkurse hinein, sicherlich auch weil es in den graduate programs wesentlich weniger Studierende gibt. Allerdings waren nur 14 von den 200 Gaststudierenden im Master. Darüber hinaus wurden uns global ambassadors zugeteilt, die für Fragen und Probleme zuständig und quasi unsere ersten Ansprechpartner_innen sein sollten. Ich selbst habe allerdings vom meinem ambassador nur einmal eine Email bekommen und sonst nie wieder etwas von ihm gehört, ihn auch nie gesehen. So ging es einigen anderen ebenfalls, andere hatten mehr Glück und konnten so eine verlässliche Kontaktperson finden.

Insgesamt war ich nach dem unzuverlässigen und chaotischen Start, der bereits im April 2015 in Deutschland begann und sich bis in die Einführungswoche hinzog, doch relativ erschöpft und frustriert. Kompensiert wurde das Ganze aber an dem Tag, an dem ich das erste Mal das Soziologiedepartment besuchte. Ich wurde sehr freundlich empfangen und willkommen geheißen und meine Kommiliton_innen beantworteten mir jede Frage und waren sehr hilfsbereit. Das war wirklich ein Lichtblick und ich habe ihnen im Laufe des Semesters immer wieder dafür gedankt.

Insgesamt habe ich drei Kurse besucht. Was mir besonders auffiel, war das große Interesse, das die Dozent_innen uns entgegen brachten; wie sehr sie immer wieder betonten, dass sie an allem, was wir denken, sehr interessiert sind. Die Diskussionen waren viel lebhafter als in Deutschland und dadurch, dass wir nur acht (!) graduate students im department waren, hatten die Dozent_innen mehr Zeit für längere Gespräche und individualisierte Rückmeldungen. Mir gefiel auch das Benotungssystem besser als in Deutschland. Während in Potsdam der gesamte Kurs ausschließlich durch die Hausarbeit benotet wird, setzte sich die Note an der UM aus vielen kleinen Unterpunkten zusammen: mündliche Beteiligung und professionelles Auftreten, weekly papers, Vorträge, drafts, kleinere Tests und schließlich das final paper. Dadurch hatten wir jede Woche sehr viel zu tun, aber ich kann nicht überbetonen, wieviel ich dabei gelernt habe und wie fair ich dieses Bewertungssystem finde. Vor allem, weil ich mündlich gern engagiert bin, hat mir dafür in Deutschland immer ein wenig die Anerkennung gefehlt. Darüber hinaus hatte ich den Eindruck, dass Meinungen und Einschätzungen an der UM mit viel Respekt behandelt werden. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Dozent_innen sich über die Studierenden stellten, sondern Ansichten wurden zwar manchmal auch herausgefordert, aber stets respektiert, solange man sie gut begründen und darlegen konnte. Schließlich haben die Dozent_innen in meinen Augen eine überaus hohe Begeisterung für das Fach gezeigt. An der Uni Potsdam habe ich zwar sehr qualifizierte Dozent_innen angetroffen, allerdings bei manchen auch eine gewisse Resgination und Indifferenz erlebt und daher fühlte ich mich oft etwas alleingelassen in meiner Faszination für Soziologie und Theorie. Weiterhin habe ich in Potsdam bisher keine besonders konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Lehrstühlen meines Faches erlebt (in meinem Fall zwischen Soziologie und Geschichte). An der UM hingegen konnte ich eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Soziologie- und Anthropologiedepartment sowie den angeschlossenen Instituten beobachten. Gegenseitiger Respekt und Interesse/Neugier waren einfach viel betonter als in Deutschland und das habe ich sehr genossen. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, ein geistiges Zuhause gefunden zu haben, in dem ich mit meinen Interessen, Fragen und meiner Begeisterung willkommen war.

Neben den Pflichtleistungen habe ich mich freiwillig engagiert. So habe ich eine Dozentin auf einem Konferenzpanel unterstützt, zwei Gastvorlesungen in einem Bachelorkurs gehalten und zweimal einen field trip mit einer Dozentin unternommen. Die Atmosphäre mit den Dozent_innen war dabei sehr herzlich und persönlich.

Die Ausstattung der Seminarräume in der UM ist auf einem hohen Stand. Jeder Raum hatte einen (funktionierenden) Rechner, eine Klimaanlage und Masterstudierende konnten kostenfrei drucken und kopieren. Die Bibliothek hat ein sehr breites Angebot alter und neuer Titel und sehr lange Öffnungszeiten. Mir persönlich hat der kostenfreie jstor-Zugang der UM sehr genutzt, da ich für meine final paper vor allem mit Journalartikeln gearbeitet habe.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Fast alle internationale Studierende lebten in den University Trails. Ich habe dadurch fast jede Woche bis kurz vor meiner Abreise noch neue Kommiliton_innen kennengelernt. Da jeder neu in der Umgebung war, gestaltete sich das Kennenlernen sehr einfach und unkompliziert. Auch die lokalen Kirchengemeinden haben dazu etwas beigetragen – beispielsweise haben diese Fahrten zum Walmart angeboten oder einmal die Woche Abendessen im Clubhouse der University Trails zur Verfügung gestellt. Dadurch kamen regelmäßig viele Menschen zusammen und ich habe viele Kommiliton_innen auf diese Weise getroffen. Meine Mitbewohnerinnen stellten mir außerdem auch ihre Freunde vor und so fühlte ich mich schnell eingebunden und gut aufgehoben.

Unterstützt wurde das auch durch die bereits erläuterte konstruktive Atmosphäre im Soziologiedepartment. Hier gab es zwei Studierende aus Japan im Master. Außerdem hat eine Professorin mich mit einem deutschen Kommilitonen im Bachelor aus Mainz bekannt gemacht, der auch in den Trails gewohnt hat und den ich ebenfalls regelmäßig traf. Meine amerikanischen Kommiliton_innen habe ich als sehr aufgeschlossen, neugierig und respektvoll erlebt. Da das department recht klein ist, entstand schnell eine persönliche Beziehung zu den Studierenden und da die Dozent_innen mehr Zeit für Gespräche hatten, fand ich auch in ihnen Ansprechpartner für Gedanken, Fragen und Anliegen. Unsere Theoriedozentin hat uns beispielsweise einpaarmal auf ein Bier eingeladen, meine Kriminologiedozentin hat mit mir einen Ausflug ins Mississippidelta unternommen und mich mit Literatur zur sozialen Lage in diesen Orten versorgt und eine Dozentin aus der Religionssoziologie hat uns zu Thanksgiving eingeladen.

Insgesamt habe ich also eine überaus offene, respektvolle und hilfsbereite Gemeinschaft erlebt und wenn ich heute Nachrichten aus Japan, Korea oder den USA lese, habe ich konkrete Gesichter, die mir zu diesen Ländern einfallen. Das ist ein großes Geschenk, für das ich sehr dankbar bin. Es hat auch dazu beigetragen, dass ich mehr Respekt vor den Gedanken oder Meinungen eines anderen Menschen entwickelt habe. Gespräche über Waffengesetze, Leihmutterschaft oder Atomenergie können sehr unterschiedliche Ansichten hervorbringen, die möglicherweise durch verschiedene politische Kulturen charakterisiert wurden und die deshalb aber nicht „richtiger“ oder „falscher“ sind als die eigene Meinung und Praxis. Anderen diesen Raum zu geben und die eigenen Ansichten weiter zu hinterfragen – ich denke, dass mir diese Themen bewusster und wichtiger geworden sind. Und während ich früher vielleicht etwas zu häufig den moralischen Zeigefinger geschwungen und mich über manches empört habe, bin ich heute doch eher gelassen und fokussiere mich auf das Verstehen meines Gegenübers. Ich glaube, das kann zu einem konstruktiven Miteinander sehr gut beitragen und ich wünsche mir, daran festzuhalten.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich glaube, ich habe eine Mischung aus deutschem und Südstaatenakzent entwickelt. Verbesserungen sehe ich vor allem im schriftlichen Bereich – ich habe mich an die üblichen Schreibstile (MLA, APA, ASA) gewöhnt und das hat einige Wochen gedauert. Außerdem habe ich sehr viel Theorie auf Englisch gelesen und konnte dadurch mein fachspezifisches Sprechen und Schreiben verbessern. Da ich meine Master- und Doktorarbeit auf Englisch verfassen möchte, war das Auslandssemester äußerst hilfreich auf dieser Ebene. Zum Zweiten sehe ich eine Verbesserung im Hörverstehen – der Akzent in Mississippi kann manchmal sehr schwer zu verstehen sein, aber ich habe mich dann schnell daran gewöhnt.im Hörverstehen – der Akzent in Mississippi kann manchmal sehr schwer zu verstehen sein, aber ich habe mich dann schnell daran gewöhnt.

Wohn- und Lebenssituation

Ein Zimmer in den University Trails habe ich gemeinsam mit den Potsdamer Kommilitonen durch direkte Bewerbung gefunden. Normalerweise mietet das International Office der UM Zimmer für Gaststudierende in den Trails an, allerdings für einen Aufpreis von rund $200 monatlich. Außerdem erhielten wir Informationen hierzu wie beschrieben erst Mitte Juli (!), zwei Wochen bevor die ersten von uns Deutschland verließen. Nachdem wir also mehrmals im SAO nachgefragt hatten und keinerlei Informationen zur Wohnungssituation erhielten, schrieben wir alle studentischen Wohnheime in Oxford direkt an. Die University Trails waren die einzigen, die nach einiger Zeit des Verhandelns bereit waren, statt für zwölf, nur für fünf Monate (August-Dezember) einen Leasingvertrag abzuschließen – unter der Bedingung einer Mieterhöhung von $100 bei meinen Kommilitonen und $150 bei mir. Woher diese Differenz stammte, konnte uns auf Nachfrage nicht mitgeteilt werden. Ich empfand diese Unflexibilität und Mieterhöhung als sehr ungerecht, aber war froh endlich zu wissen, wo ich unterkommen kann und der Vertrag war sogar immer noch günstiger als die obige Option über das International Office.

Im Allgemeinen waren die Vermieter nach Abschluss des Vertrages online und telefonisch sehr schlecht erreichbar für Nachfragen. Bei meiner Ankunft in Oxford konnte mein Leasingvertrag dann zuerst nicht gefunden werden. Allerdings ließ sich das relativ schnell vor Ort klären, wenn es mir auch ein mulmiges Gefühl gab. Ich erhielt dann ein Zimmer in einer Wohnung für vier Studentinnen, zwei amerikanische und eine japanische. Eine der amerikanischen Mitbewohnerinnen wohnte eigentlich in Tupelo und versuchte die ganze Zeit über, ihr Zimmer inoffiziell unterzuvermieten, was dazu führte, dass innerhalb kurzer Zeit zwei Personen ein- und wieder ausgezogen sind und manchmal ganz plötzlich fremde Personen im Wohnzimmer saßen. Mit meinen anderen beiden Mitbewohnerinnen habe ich mich hingegen von Anfang an gut verstanden und wir haben zusammen gekocht, ferngesehen und philosophiert.

Für meine Gesamtmiete von $580 (normalerweise wären es $430 gewesen) war die Wohnung allerdings in einem äußerst schlechten Zustand. Die Teppiche waren vollkommen schmutzig, stellenweise waren alte Kaugummis darin, der Flur-, Bad- und Küchenboden war ebenfalls vollkommen unsauber. Überall lagen Ameisenköder verteilt, an der Tür des Kühlschranks klebten tote Ameisenkörper, mehrere Lampen gingen nicht, die Batterien der Feuermelder waren alle, wodurch in jedem Zimmer alle paar Sekunden ein lautes Piepgeräusch ertönte (besonders nachts wird das zur Herausforderung), die Waschmaschine hatte ein Leck und sorgte bei jedem Waschgang für eine überflutete Küche. Der Herd war so schmutzig, dass man den Backofen nicht nutzen konnte. In meinem Zimmer fand ich Kerzenwachs verteilt auf Schränken und Fußboden. Im Badezimmer befand sich Schimmel (und zwar nicht wenig) an den Wänden und der Decke, in der Badewanne und an den Fliesen. Kurzum war ich sehr schockiert und irritiert. Ich habe mehrmals das Personal der Trails angesprochen, wurde aber immer vertröstet oder mit nicht hilfreichen, knappen Antworten abgewiesen; meistens wollte einfach niemand die Verantwortung übernehmen. Schließlich fand ich eine Mitarbeiterin, die mir dann doch zuhörte und zumindest der schlimmste Schimmel im Bad und der gröbste Schmutz im Herd wurden bereinigt. Den Rest habe ich selbst erledigt, indem ich eine große Grundreinigung vorgenommen habe (natürlich musste ich alle Putzmittel selbst organisieren). Der Schaden in der Waschmaschine blieb das gesamte Semester über konstant, ebenso die kaputten Glühbirnen, obwohl meine Mitbewohnerinnen und ich mehrmals um Reparatur gebeten haben und auch jedes Mal eine Zusage erhielten. Die Feuermelder wurden irgendwann auch mit neuen Batterien bestückt, sodass das Piepen wenigstens aufhörte.

Nach all den organisatorischen Schwierigkeiten im Vorfeld in eine so heruntergekommene Wohnung zu kommen und das für sagenhafte $580 im Monat, war für mich persönlich ein Tiefpunkt meiner Frustration mit der Gesamtorganisation.

In Oxford ist man im Allgemeinen auf Autos angewiesen. Für die fünf Monate meiner Anwesenheit habe ich mir keins gekauft, aber wurde oft von anderen mitgenommen. Darüber hinaus gibt es das angesprochene Bussystem, das den Großteil Oxfords abdeckt, aber sobald man die Stadt verlassen will, gibt es kein öffentliches Transportsystem. Wer schnell ist, kann sich für $25 pro Semester ein Fahrrad leihen, muss sich aber an die zahlreichen steilen Hügel anpassen, die in der Hitze mit hoher Luftfeuchtigkeit doch recht anstrengend werden können – dafür aber immerhin ein gutes Sportprogramm mit sich bringen.

Ich habe kein amerikanisches Bankkonto eröffnet, hätte es aber getan, wenn ich länger als fünf Monate dort gewesen wäre. Ich habe $300 in bar mitgebracht und alles andere mit meiner Kreditkarte zahlen können. Insgesamt sind die Lebenserhaltungskosten etwas höher als in Deutschland, vor allem für Lebensmittel. Darüber hinaus waren Bücher und gebundene Seminartexte ein hoher Kostenpunkt, wenn man es gewohnt ist Bücher sonst auszuleihen und für drei cent pro Seite drucken zu können. Als graduate student konnte ich zwar umsonst drucken, aber das hängt von jedem department ab und ist vor allem für undergraduates schwieriger. Andererseits hat die Bibliothek ein äußerst gutes Angebot, von klassischer Literatur bis zu Neuerscheinungen, sodass man mit etwas Glück nicht alle Bücher kaufen muss. In meinen Seminaren handelte es sich allerdings um sehr spezifische Fallstudien, die es nicht in der Bibliothek gab, sodass ich alle Seminarbücher gekauft habe. Hier empfehle ich gebraucht im Internet zu kaufen, da es über den Unibuchladen recht teuer ist.


Rückblick

Ein Auslandssemester erweitert den Horizont – insgesamt kann ich bestätigen, dass dieser Satz keine leere Floskel ist. Menschen aus allen Teilen der Welt an einem Ort kennenzulernen und in einer neuen Umgebung die eigenen Ansichten herausgefordert zu finden, dafür gibt es keinen Ersatz. Ich habe mich außerdem besser kennengelernt und aus den vielen Gesprächen mit Kommiliton_innen und Dozent_innen nicht nur für mein Studium, sondern auch für meine allgemeine Zukunft dazugelernt, vor allem in Bezug auf die Fragen „Wo stehe ich und wo will ich hin?“.

Ich möchte resümierend unterscheiden zwischen dem Studien- und dem Organisationsteil meines Auslandssemesters. Das Soziologiedepartment, meine Dozent_innen, das allgemeine Studienklima in meinem Umfeld, all das kann ich absolut weiterempfehlen und ich werde mein department überall, wo ich hingehe, bewerben. Sobald es aber auf die Organisation zukommt, das SAO, die University Trails, kann ich unter den jetzigen Umständen keine Empfehlung aussprechen. Im Laufe des Semesters haben sich allerdings von mehreren Seiten Beschwerden ergeben. Eine britische Studentin hat einen offenen Brief verfasst, der von etwa 50 Studierenden (inklusive mir) unterschrieben wurde und die Probleme zwischen dem SAO und uns gut zusammengefasst hat. Ich habe außerdem von mehreren akademischen Auslandsämtern in Deutschland und den Niederlanden gehört, die eine Beschwerde einreichen möchten. Natürlich habe ich auch Kontakt zu Frau Subasic gehalten, die ebenfalls die Einreichung einer Beschwerde in Betracht zog.

All diese Reaktionen und die vielen internationalen Beschwerden lassen nun hoffen, dass sich einiges verbessert. Darüber würde ich mich für meine zukünftigen Kommiliton_innen sehr freuen.

Im Ausland zu studieren kann ich im Allgemeinen aber nur weiterempfehlen – nutzen wir die Möglichkeiten, die sich uns bieten, bevor wir anfangen zu arbeiten und keine Zeit mehr dazu haben. Für mich ist auch klargeworden, dass ich wieder ins Ausland möchte, spätestens für die Promotion, aber auch für Summer Schools oder Sprachreisen. Also selbst mit den organisatorischen Schwierigkeiten, die oben angesprochen wurden, ist mir die Lust auf weitere Auslandsabenteuer nicht vergangen und ich hoffe, dass das auf andere Kommiliton_innen ermutigend wirkt. Folgende Tipps oder Anmerkungen möchte ich nachfolgenden Studierenden noch mit auf den Weg geben:

  • Seid darauf eingestellt, dass sich hinter der Vorbereitung des Auslandssemesters noch ein paar versteckte Kosten verbergen, die möglicherweise nicht von vornherein kommuniziert werden: das Visum erforderte etwa $350 an Bearbeitungsgebühren, in Mississippi mussten wir alle einen Tuberkulosetest machen, der etwa $150 kostet, falls ihr nicht über die Gastuni versichert seid (das Geld könnt ihr evtl. über eure deutsche Versicherung zurückerhalten, müsst es aber erstmal ausgeben), jeder von uns hatte außerdem etwa $150 Gebühren („insurance fee“ – niemand wusste, was sich dahinter verbirgt) auf dem studentischen Account der UM; ich musste wie oben beschrieben jeden Monat $150 auf meine Miete draufzahlen; es kann also einiges zusammenkommen, mit dem man nicht von Anfang an gerechnet hat.
  • Achtet bei der Visabewerbung (für USA) in der Botschaft darauf, alles für den Termin Benötigte dabeizuhaben, vor allem ein Passfoto, das nicht älter als zwei Jahre ist (insbesondere Letzteres war mir nicht bewusst und ich musste dann umständlich noch vor Ort ein Foto erstellen lassen und vorher die Botschaft verlassen, um Geld dafür abzuheben).
  • Falls eure Gastuniversität sehr lange benötigt, um eure Dokumente zu schicken oder euch bei der Wohnungsfindung zu helfen, scheut nicht, immer mal wieder per Email und Telefon nachzufragen. Was ihr selbst in die Hand nehmen könnt, das macht ruhig selbst – z.B. Wohnheime anschreiben oder auf Wohnplätze bewerben etc.
  • Im Gastland: In Anwesenheit nicht-deutschsprachiger Mitmenschen fand ich es immer unhöflich, auf Deutsch zu sprechen. Wenn ihr also mit anderen Deutschen unterwegs seid, achtet darauf, andere nicht sprachlich auszugrenzen (ihr lernt so außerdem auch die Gastsprache besser).
  • Einige Kommiliton_innen haben Gepäckstücke aus dem Flugzeug erst verspätet erhalten – nehmt euch daher das Wichtigste und etwas Wechselkleidung ins Handgepäck; für den Fall der Fälle.
  • Und zum Schluss das Allerwichtigste: Verliert nicht den Reisepass, achtet immer darauf, wo er ist und ob er noch da ist.

 

 

 

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