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University of Mississippi 2014/15

Mir persönlich lag es sehr am Herzen, ein Auslandssemester in den USA zu absolvieren. Ein Großteil der Forschung aus dem Gebiet der Psychologie kommt daher und darum lag es nahe, eine Bewerbung für ein Auslandssemester an einer der Partneruniversitäten der Uni Potsdam zu versuchen. Dabei war die Auswahl zum Zeitpunkt meiner Bewerbung auf drei beschränkt. Aus fachlichen Gründen entfiel eine der Optionen, weswegen ich mich für Clarkson University und die University of Mississippi (Ole Miss) bewarb. Das Bewerbungsverfahren war durchaus angemessen: Motivationsschreiben, Lebenslauf, Leistungsübersicht sowie ein Gutachten entsprechen mehr oder weniger dem Standard für solche Vorhaben und sofern man wirklich motiviert ist, ein Auslandssemester zu absolvieren, sollte das Motivationsschreiben – die einzig wirkliche Herausforderung – eigentlich nicht schwer fallen.

Während des Bewerbungsprozesses hatte ich das Gefühl, durch die Uni Potsdam gut betreut und gerecht behandelt zu werden. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine direkte Kommunikation mit der Gasthochschule, weil die Auswahl von der Uni Potsdam getroffen wurde.


Studium an der Gastuniversität

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 08 /2014 – 12 /2014

Gastuniversität: University of Mississippi

Gastland: USA

Die Ole Miss ist eine große Universität mit einem entsprechend großen Verwaltungsapparat. Das hatte zur Folge, dass man als einer der geschätzt 200 Austauschstudierenden leider ziemlich untergegangen ist. Zwar war ersichtlich, dass sich bemüht wurde, aber so gut wie jede einzelne Kursbelegung bei jedem einzelnen Studenten war eine Einzelfallentscheidung und so wurde das System leider nicht allen gerecht. Da reguläre Studierende der Ole Miss bereits im Sommer ihre Kursanmeldung vornehmen konnten, blieben für uns nur Plätze frei, die nicht belegt wurden. Einige Dozenten machen auch Ausnahmen, aber wie gesagt das sind dann in jedem Fall Einzelfallentscheidungen. Zu beachten ist dabei, dass auch Vorlesungen eine Teilnehmerbegrenzung haben, die oft bereits bei 50 liegt. Deswegen ist es empfehlenswert, schon so früh wie möglich mit den verantwortlichen Lehrenden Kontakt aufzunehmen, ob die Belegung möglich ist. Dabei muss man sich auch nicht unbedingt von Prerequisites (Zulassungsvoraussetzungen) abschrecken lassen, weil – wie gesagt – die Belegung zumeist eine Einzelfallentscheidung ist; die reguläre Belegung ist mehr oder weniger den regulären Studierenden vorbehalten.

Sobald die Einschreibung in einen Kurs dann aber gelungen ist, wird man wie alle anderen Studierenden auch behandelt, das heißt man nimmt mit allen Rechten und Pflichten an der Lehrveranstaltung teil. Auch darüber sollte man sich bewusst sein, da es auch an der Ole Miss Kursbelegungsfristen gibt, die ja leider wegen der anfangs oft chaotischen Kursbelegung für Austauschstudierende de facto kürzer ausfällt.

Die Lehrveranstaltungen selbst laufen etwas anders ab. Nicht nur, dass die Teilnehmerzahl in aller Regel wesentlich geringer ist, es wird auch mehr Interaktion erwartet. Es gibt keine Lehrveranstaltungen (nicht einmal Vorlesungen), in denen nur eine Klausur am Ende des Semesters geschrieben wird. Normalerweise werden mehrere Leistungsnachweise gefordert. Im Schnitt hatte ich etwa 4 Written Assignments und 3 Tests pro Veranstaltung. Anfangs ist die eingeschränkte Autonomie definitiv eine starke Umstellung, aber man gewöhnt sich nach einiger Zeit daran und weiß so zumindest, was zu tun und gefordert ist.

Die technische Ausstattung der Uni ist hervorragend. Es gibt Computer in der Bibliothek und viele zentrale Einrichtungen, die kostenlos benutzt werden können. Dazu gehört nicht nur genannte Bibliothek und Computerpools, sondern auch das Fitnessstudio, Writing Center usw. Da man nach der Ankunft bis auf die Kursbelegung grundsätzlich wie normale Studierende behandelt wird, kann man auch sämtliche Angebote der Uni wahrnehmen, die auch reguläre Studierende wahrnehmen können.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 08 /2014 – 12 /2014

Gastuniversität: University of Mississippi

Gastland: USA

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Die Menschen an der Uni waren allesamt sehr freundlich. Auch wenn man vielen Klischees begegnen wird, werden andere Klischees wiederum auch widerlegt. Die USA sind ein großes und vielfältiges Land, ebenso wie deren Einwohner. Man wird auf jeden Fall viele typische Aspekte einer amerikanischen Universität erleben können und – gerade weil Oxford eine ansonsten eher überschaubare Stadt ist – zwangsläufig auch stark darin involviert.

Wer sich dazu entschließt, in dem von der Uni verwalteten Teil des Apartmentkomplexes University Trails zu wohnen, wird sehr viel Kontakt mit ausländischen Studenten haben, weil diese dort in einem von 4 ausschließlich für diesen Zweck bereitgehaltenen Gebäuden untergebracht werden. Die Uni hat, wie viele andere nordamerikanische Universitäten, viele ausländische Studenten aus Deutschland, Südamerika (insbesondere Brasilien), Südkorea und Japan. Es wird darauf geachtet, dass die Apartments in besagter Einrichtung ausgewogen belegt sind, sodass Studierende unterschiedlicher Nationalitäten ein Apartment teilen. Somit sind Kulturschock, aber auch eine Menge interessanter Erfahrungen und netter Unterhaltungen vorprogrammiert.

In den anderen Gebäuden der University Trails (10 weitere Gebäude) leben vor allem einheimische Studierende, denen man somit auch oft begegnet. Der Kontakt zu weiteren einheimischen Studierenden ist aber auch selbstverständlich in der Uni an der Tagesordnung und ich persönlich habe keine negativen Erfahrungen diesbezüglich gemacht. Studierende sämtlicher Nationalitäten waren sehr offen und interessiert und – zumindest meiner Erfahrung nach – nicht voreingenommen uns gegenüber.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich hatte bereits vor dem Auslandsaufenthalt ausreichende Sprachkenntnisse, hatte allerdings zuvor noch nie einen längeren (mehr als 4 Wochen) dauernden Aufenthalt im englischsprachigen Ausland. Man kommt aber trotzdem zurecht und ich schätze, dass sich meine Sprachkompetenz definitiv verbessert hat, vor allem im akademischen Kontext.

Wohn- und Lebenssituation

Wie erwähnt, habe ich das Angebot der Uni genutzt, ein Zimmer in einem Apartment in den University Trails zu nutzen. Rückblickend war es sicher nicht das beste Angebot, was man hätte bekommen können. Es wäre sogar in den University Trails, aber unabhängig von der Organisation der Ole Miss, möglich gewesen, ein günstigeres Zimmer zu mieten. Außerdem entsteht durch die extrem hohe Fluktuation in den Gebäuden der Austauschstudierenden eine enorme Abnutzung am Wohnraum, die in den restlichen (nicht exklusiv für ausländische Studierende reservierten) Gebäuden merklich geringer war. Nichtsdestotrotz war es angenehm, sich nicht um eine Unterkunft kümmern zu müssen und sich sicher zu sein, tatsächlich auch ein Bett zu haben. Außerdem ist dieser Apartmentkomplex für viele Freizeitaktivitäten und Ausflüge, die vom International Office veranstaltet werden, der Startund Sammelpunkt und somit ist man dahingehend immer mitten im Geschehen.

Die meisten Apartmentkomplexe verfügen über Pools, Fitnessstudios, Computer und Drucker sowie eine zentrale Verwaltung mit Poststelle. Außerdem sind die meisten auch gut mit dem Bus an die Uni angebunden.

Die Busse sind allerdings nicht unbedingt sehr verlässlich und fahren an Sonntagen gar nicht und an Samstagen stark eingeschränkt. Empfehlenswert ist das Mieten eines Fahrrads von der Ole Miss für $25 pro Semester. Ansonsten ist die Nutzung der Busse mit dem Studierendenausweis der Ole Miss kostenlos. Auch ist zu beachten, dass an Samstagen, an denen Football-Heimspiele stattfinden, ebenfalls gar keine Busse verkehren. Das liegt an dem extremen Verkehrsaufkommen von torkelnden Fußgängern und gigantischen Wohnwägen.

Besagte Game Days sind die wenigen „kulturellen“ Höhepunkte der Stadt. Die Ole Miss verfügt über ein relativ erfolgreiches College Football-Team und lockt zu Heimspielen Fans aus der Umgebung an. Dabei ist der Campus überfüllt mit Zelten (das sogenannte Tailgating), in denen Fans und Freunde zusammen trinken, essen und feiern. Das Ganze gleicht einem Volksfest und, je nach Ausgang des Spiels, können danach auch schonmal die Goal Posts von den überschnappenden Massen vom Feld gebrochen und über den Campus getragen werden. Bei diesen Events ist auch oft das Fernsehen anwesend und hin und wieder auch Celebrities, wie einmal Katey Perry.

Mit dem Ende meines Aufenthaltes endete auch die Anbindung Oxfords an das Fernbusnetz von Megabus, welches die direkte Anbindung an Memphis, Jackson und New Orleans bot. Somit ist die Stadt (und sämtliche andere Ziele von dort aus) nur noch mit Auto zu erreichen. Zum Beginn und Ende des Semesters organisiert das International Office kostenlose Shuttles vom/zum Flughafen Memphis. Auch für andere Ausflüge, die vor allem zu Beginn des Semesters vom International Office organisiert werden, werden direkte Shuttles von den University Trails aus angeboten. Hierzu gehört auch ein mehrtägiger Ausflug in ein weiter entferntes Ziel zu den Thanksgiving-Ferien, welches in der Regel von den Studenten gewählt werden kann. Die Ausflüge vom International Office sind allesamt freiwillig und einige von ihnen auch kostenlos. Definitiv aber nicht der Thanksgiving-Ausflug. Da es nunmehr keine Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln an Oxford gibt, müssen private Unternehmungen mit Autos und/oder Fahrgemeinschaften unternommen werden. Glücklicherweise musste ich das noch nicht tun, weil ich noch den Megabus nutzen konnte, welcher mit Memphis und New Orleans absolut ausreichende Ziele angeboten hat. Künftig müssen hierfür wohl Mietwagen herhalten. Da ich vermute, dass die Nachfrage hierfür in nächster Zeit steigen wird, sollte man Ausflüge gut planen und Mietwagen reservieren, um nicht ungeplant sitzen zu bleiben. New Orleans und Memphis sind meiner Meinung nach die nächstgelegenen interessanten Ziele. Hiervon ist Memphis am schnellsten zu erreichen, aber auch ein Ausflug nach New Orleans lohnt sich absolut!

Die Ole Miss verpflichtet grundsätzlich alle Studierenden, ihre Krankenversicherung zu nutzen. Die Leistungen sind überhaupt nicht vergleichbar mit einer typischen deutschen Versicherung und sogar durchschnittlich schlechter als eine mit Selbstbehalt. Wenn sich alle Austauschstudierenden einer Uni für eine (deutsche) Versicherung entscheiden und nachweisen können, dass ein bestimmtes Minimum an Leistungen erfüllt wird, kann die gesamte Gruppe von der Pflicht befreit werden. Das spart einiges an Zusatzkosten und ist dringend zu empfehlen. Aber auch, wenn die Befreiung nicht möglich ist, ist eine deutsche Auslandskrankenversicherung zu empfehlen, weil ansonsten ungewohnt hohe Kosten bei ärztlicher Behandlung auftreten. Aus eigener Erfahrung ist die HanseMerkur zu empfehlen, aber eine eigene Recherche lohnt sich in jedem Fall.

Ansonsten fallen die Lebenshaltungskosten etwas höher aus als in Deutschland. Als günstiger Mobilfunkanbieter lässt sich h2omobile empfehlen und für den Einkauf Walmart oder Kroger, die beide (von den University Trails aus mit einmal Umsteigen) mit dem Bus zu erreichen sind oder auch (von den University Trails aus in 20-30 min) mit Fahrrad.


Rückblick

Der Aufenthalt an der Ole Miss war auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung. Auch wenn für einen Psychologiestudierenden im 5. Fachsemester kaum interessante Lehrveranstaltungen angeboten werden (weil die meisten interessanten dann schon Graduate-Level sind), hat sich meine Sprachkompetenz in Englisch im akademischen Kontext definitiv verbessert. Vermutlich ist aber, wenn man nicht unbedingt ein Faible für American Football und/oder die Idylle der Südstaatenprovinz hat, eine andere Uni eine bessere Wahl. Insbesondere in Hinblick auf die Verkehrsanbindung und die eher magere kulturelle Vielfalt in der Stadt sollte man sich genau mit der Passung zwischen dem eigenen und dem Profil der Universität beschäftigen, die davon abgesehen in vielen Fachbereichen wie Wirtschaft oder Ingenieurwesen (für Potsdamer Studenten evtl. eher uninteressant) gute Optionen bietet. Auf jeden Fall wünsche ich allen Interessierten viel Erfolg bei der Bewerbung und Planung ihres Auslandsaufenthaltes und allen künftigen Ole Miss Students ein herzliches Hotty Toddy!

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