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Duke University 2015/16

Bereits vor Beginn meines Master-Studiums an der Universität Potsdam im Fach Anglophone Modernities stand für mich fest, dass ich einerseits gerne einen Auslandsaufenthalt in mein Studium integrieren würde und ich anderseits auf gar nicht darum herumkommen würde, da meine Studienordnung einen solchen vorsieht. Ich habe mich dementsprechend frühzeitig über die Möglichkeiten an der Universität Potsdam informiert und da ich mich bereits im Bachelor auf American Studies und African-American Studies spezialisiert hatte, war es für mich sehr naheliegend ein Studium in den USA ins Auge zu fassen. Glücklicherweise hat die Universität Potsdam ja einige Hochschulpartnerschaften mit US-amerikanischen Universitäten, darunter die Duke University. Letztere war in fachlicher (herausragendes African-American Studies Department) und personeller Hinsicht (Fredric Jameson, Walter Mignolo, Michael Hardt etc.) mein absoluter Wunschkandidat. Im Auswahlverfahren, an dem ich bereits im Oktober 2014 teilgenommen habe wurde dieser Wunsch zum Glück berücksichtigt und die Zusage von der Duke für den Studienbeginn im August 2015 folgte alsbald. Mit der Zusage sollte man sich, sollte man dafür infrage kommen, bereits für Auslandsbafög bewerben bzw. um andere Finanzierungsmöglichkeiten, wie z.B. Promos, bemühen.


Studienfach: Literature (Cultural Studies)

Aufenthaltsdauer: 01 /2016 – 05 /2016

Gastuniversität: Duke University

Gastland: USA

In der Zwischenzeit hatte sich bei mir aber einiges verändert und zwar hatte ich ein 1-jähriges Verlagsvolontariat angeboten bekommen––eine einmalige Chance, für die ich mein Studium erstmal unterbrochen habe. Zum Glück hatten sowohl die Zuständigen an der Universität Potsdam als auch an der Duke University Verständnis hierfür. Ich konnte also mein Studium einfach ein Semester später––im Spring 2016 statt wie ursprünglich geplant im Fall 2015––beginnen. Dies war zwar mit etwas zusätzlichen organisatorischen Aufwand verbunden und nicht immer habe ich zeitnah Antwort von der Duke- Administration erhalten, aber im Endeffekt hat alles geklappt und das Potsdamer Akademische Auslandsamt hat mich großartig unterstützt. Generell sind die Bewerbungsmodalitäten an der Duke recht kompliziert und außerdem mit einigem finanziellen Aufwand verbunden. So muss man für die Bewerbung einen umfassenden Fragebogen der Universität ausfüllen, beglaubigte Kopien aller bisher erworbenen Transcript of Records, ein Motivationsschreiben, drei Referenzschreiben von Professoren sowie einen von der Bank beglaubigten Nachweis über ausreichend finanzielle Mittel (Höhe der kompletten (!) Semestergebühren obwohl hiervon ja ein Großteil durch das Hochschulpartnerschaftsabkommen wegfällt) einreichen. Alle Dokumente müssen in Englischer Sprache verfasst sein, d.h. ggf. fallen Übersetzungskosten an. Das Abschicken der Online-Bewerbung kostet ebenfalls eine Gebühr (ca. 80 Dollar) und da einige Dokumente im Original (z.B. das Bank Statement) vorliegen müssen, muss man zusätzlich die Porto-Kosten für den Versand in die USA bedenken. Nachdem dann vor Ort alle Unterlagen geprüft wurden, kriegt man irgendwann die für die Visumsbeantragung benötigen Dokumente (da ich ein F1-Visum hatte, das Formular I-20) sowie einen Duke account. Sobald man diese Unterlagen hat––die bei mir leider sehr sehr knapp eingetroffen sind, sollte man einen Termin im Konsulat vereinbaren, einen Flug buchen, seinen Stundenplan erstellen und Kurse belegen sowie sich spätestens jetzt um die Wohnungssuche (z.B. über Duke List) kümmern. Die Visumsbeantragung ist ebenfalls relativ kostenaufwändig und erfordert einige Formalia. Hierauf wurden wir durch einen von der Universität Potsdam organisierten Visums-Workshop aber ausreichend vorbereitet.

Von Vorteil war für mich persönlich, dass ich durch eine Bekannte, die zu einem früheren Zeitpunkt an der Duke studiert hatte, schon im Vorfeld ein WG-Zimmer gefunden hatte––mit vier amerikanischen Mitbewohnern. Dass sich diese an der Uni und in der Stadt gut auskannten und mich sogar vom Flughafen abgeholt haben, war sehr hilfreich zum Ankommen in einer fremden Umgebung. Außerdem war mein Vorgänger auch noch vor Ort als ich ankam und konnte mir wertvolle Tipps für die Gestaltung des Unialltags geben. Letzteres war extrem hilfreich, da ich leider keine Orientierungswoche wie mein Vorgänger hatte. Das mag entweder am Spring Term gelegen haben oder aber daran, dass ich an einem anderen Department studiert habe––jedenfalls galt es viele Dinge allein herauszufinden. Hier einige Dinge, die den Start erleichtern: als erstes sollte man sich im Visa Office melden, um seine Ankunft zu bestätigen, man sollte schnellstmöglich eine Duke Card beantragen (ermöglicht Zugang zu den Bibliotheken, Gym etc), man sollte sich eine amerikanische Handynummer und evtl. ein amerikanisches Konto zulegen (ich war beim Ressource Fair des International House, dort präsentieren sich verschiedene Telefonanbieter aber auch Banken etc.), man sollte sich einen Go-Pass besorgen (ermöglicht kostenlosen Transport in öffentlichen Verkehrsmitteln) und ich würde auch den Kauf eines Fahrrads empfehlen. Wenn man nicht direkt am Campus wohnt ist das sehr hilfreich, aber auch um Downtown zu erkunden oder um zu Supermärkten zu gelangen bietet sich das an. Noch kurz eine Anmerkung zur Krankenversicherung: hier muss man sich um nichts weiter kümmern, sondern wird als Austauschstudent automatisch im Plan von Duke Blue eingeschrieben. Nach der Ankunft vor Ort, wird man dann irgendwann zur Kasse gebeten und muss die Krankenkassengebühr sowie eine General bzw. Recreational Fee (insg. ca. 1900 Dollar) bezahlen.

Studienfach: Literature (Cultural Studies)

Aufenthaltsdauer: 01 /2016 – 05 /2016

Gastuniversität: Duke University

Gastland: USA

Studium an der Gastuniversität

Wie bereits erwähnt sollte man sich bereits in Deutschland mit dem Stundenplan befassen und seine Kurse über das Studienportal Aces auswählen. Hier gilt je früher desto besser, da einige Kurse sehr beliebt und daher schnell belegt sind. Man kann sich außerdem ruhig in mehr Kurse als man eigentlich belegen möchte einschreiben, da es eine Drag/Drop-Period gibt. Das heißt, man kann vor Ort in den ersten drei Wochen des Semesters die Kurse besuchen / Professoren kennenlernen und sich dann am Ende der Drag/Drop-Period final entscheiden, welche Kurse man tatsächlich belegen möchte. Die Mindestanzahl der zu belegenden Kurse ist durch die Visabestimmungen vorgegeben. So müssen mindestens drei Kurse (d.h. neun graded units) belegt werden. Ich würde empfehlen nicht mehr als diese drei Kurse zu belegen, da der Arbeitsaufwand erheblich höher ist als an deutschen Universitäten. So fanden z.B. zwei meiner Kurse zweimal wöchentlich statt und die Kurse, die sich nur einmal wöchentlich trafen dauerten dafür 2,5 Stunden. Zudem mussten zumindest für die Kurse, die ich belegt hatte pro Sitzung mind. 100-200 Seiten gelesen werden, wöchentliche Sakai-Posts (Sakai ist das örtliche Analog zu Moodle) verfasst werden, Mid-Terms (ca. 6 Seiten) und ein Final Paper (à 20 Seiten) geschrieben werden. Sollte man sich also für mehr als drei Kurse interessieren gilt es gut abzuwägen ob das realistisch zu schaffen ist. Es gibt außerdem die Option Kurse zu als „audit“ zu belegen, d.h. man ist im Kurs eingeschrieben, muss aber keine Leistungsnachweise erbringen. Ich persönlich habe zwei Kurse auf Graduate Level beleget, einen Kurs auf Undergraduate Level (hier sollte man vorher absprechen ob er in Potsdam als Master-Kurs anerkannt wird) und einen Kurs als „audit“. Obwohl ich am Literature Department eingeschrieben war, konnte ich auch Kurse aus anderen Departments belegen, so habe ich etwa einen Kurs im African-American Studies Department, einen im Women´s Studies Department und zwei am Literature Department belegt. Generell gilt, dass der Betreuungsschlüssel wesentlich besser ist als in Deutschland. So hatte ich etwa einen Kurs, in dem wir nur zu dritt waren. Daraus resultierend nehmen sich die Professoren auch viel Zeit, um ausführlich Feedback auf Paper oder Sakai-Posts zu geben. Alle meine Professoren waren auch außerhalb der Kurse gut zu erreichen und haben sich viel Zeit genommen, um auf Fragen einzugehen. Auch am Department selbst hatte ich schlussendlich eine Ansprechpartnerin, die mir bei Fragen weiterhelfen konnte. Alles in allem, habe ich mich also (außer ganz am Anfang) durch Department und Professoren gut betreut gefühlt.

Die Duke Universität bietet aber auch außerhalb der Kurse ein umfassendes Lehr-und Freizeitangebot. Es gibt an beiden Campi (die Uni hat einen East und einen West Campus) eine Bibliothek und eine Gym sowie Cafés und Restaurants––wobei die facilities am West Campus neuer und zahlreicher sind. Ich habe vor allem die gut ausgestattete Bibliothek, Zugänge zu diversen Datenbanken aber auch die Gym (inklusive Kletterwand, Schwimmbad und vielen Group Fitness Angeboten) zu schätzen gelernt. Außerdem gibt es zahlreiche Konzerte, Film Screenings, Vorträge, Konferenzen an der Duke, die man als Duke Student kostenfrei besuchen kann. Wie hier bereits anklingt, muss man den Campus nicht unbedingt verlassen und durch den hohen Arbeitsaufwand verbringt man auch tatsächlich sehr viel Zeit auf dem Campus. Dennoch hat auch Durham Downtwon mit schönen Cafés, Bars, Geschäften und auch kulturell (Art of Cool Festival, Full Frame Film Festival, Moogfest) einiges zu bieten und auch landschaftlich ist North Carolina wirklich sehenswert, weshalb man unbedingt dennoch hin und wieder den Campus verlassen sollte––auch um die USA außerhalb der akademischen Blase kennenzulernen.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden / Wohn- und Lebenssituation

Wie eingangs schon erwähnt habe ich in einer WG mit vier amerikanischen Mitbewohner_innen gelebt und hatte dadurch gleich Kontakt zu Einheimischen. Dadurch haben sich viele spannende Gespräche über interkulturelle Differenzen aber auch Gemeinsamkeiten ergeben. Außerdem habe ich gleich Insider-Tips zu Duke und Durham bekommen, da alle vier schon seit mehreren Jahren hier leben. Neben dem sozialen Faktor––alle vier würde ich mittlerweile als gute Freunde bezeichnen––hat das gemeinsame Wohnen auch praktische Vorteile. So sind WGs hier definitiv kostengünstiger, als allein eine Wohnung zu mieten. Generell sollte man ca. 400-600 Dollar für Miete sowie zusätzlich ca. 100 Dollar für utilities (Gas, Strom, Wasser, Internet) rechnen. Meine Mitbewohner und ich haben gemeinsam eingekauft und Car-sharing betrieben und konnten dadurch zusätzlich sparen (e.g. Benzinkosten). Generell gilt, dass die Lebenshaltungskosten hier etwas höher als in Berlin sind. Vor allem Obst und Gemüse sind teuerer und günstigere Supermärkte (z.B. Kroger/Target) sind oft leichter mit dem Auto (oder ggf. Bus) zu erreichen als mit dem Rad. Es gibt aber auch (leider etwas teurere) Supermärkte, die gut zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar sind z.B. Whole Foods oder Harris Teeter in der Nähe des East Campus.

In meinen Seminaren und an der Uni hat sich z.B. durch Gruppenarbeiten auch schnell Kontakt zu anderen Studierenden ergeben. Hier habe ich aber definitiv mehr Kontakt zu anderen Austauschstudierenden gehabt, da viele der amerikanischen Studierenden schon gefestigte Freundeskreise hatten. Aber auch hier gab es natürlich einige Ausnahmen, so haben sich auch mit ein oder zwei amerikanischen Studierenden Freundschaften entwickelt. Generell gilt, dass Duke ein sehr internationaler Campus ist und in meinen Seminaren waren viele Studierende aus Asien, Südamerika aber auch aus anderen europäischen Ländern. Um schnell andere Leute kennenzulernen und gleichzeitig auch etwas von der Umgebung zu sehen, kann ich vor allem die Ausflüge des Duke Outpost bzw. Duke Outdoor Adventures empfehlen. Eine weitere Anlaufstelle, die ich persönlich nicht wirklich genutzt habe, ist das International House, die ebenfalls regelmäßig Treffen ausländischer Studierender organisieren.


Rückblick

Ich würde jederzeit wieder die Entscheidung treffen, in den USA und an der Duke zu studieren. Die kulturellen und auch fachlichen Erfahrungen, die ich hier vor Ort sammeln konnte, sind für mich als Amerikanistik/African-Amercian Studies-Studentin extrem wertvoll und haben mich bestärkt weiter in diesem Fachgebiet forschen zu wollen. Der enge Kontakt zu Professoren sowie der Austausch mit Studierenden aus anderen Kulturkreisen haben mich aber nicht nur fachlich bereichert, sondern auch persönlich––so habe ich mit manchen Vorurteilen aufräumen können und neue Sichtweisen auf globale Zusammenhänge entwickelt. Dennoch gilt auch zu sagen, dass das extrem anspruchsvolle Studium, die hohe Arbeitsbelastung und die teilweise doch erstaunlich fremde US-amerikanische Kultur nicht immer einfach zu händeln sind und es definitiv Phasen––gerade zu Anfang meines Aufenthalts––gab, in denen ich mich überfordert gefühlt habe. Es gilt meiner Erfahrung nach unbedingt, eine Balance zwischen den Unialltag und Freizeit zu finden. Da man sich in einem sehr kompetitiven Umfeld befindet und scheinbar jeder jederzeit arbeitet (so hat die Bibliothek etwa 24h geöffnet und man trifft auch zu jeder Uhrzeit Studenten an), war es für mich sehr wichtig sich dieser work ethic zwar anzupassen, aber eben nicht vollständig zu unterwerfen und mir auch Zeit für Sport, Freunde und andere Aktivitäten außerhalb der Uni zu nehmen. Es war ebenfalls sehr wichtig für mich zur Halbzeit (Springbreak) zu verreisen und die USA auch außerhalb der akademischen Blase kennenzulernen. Denn diese kann gerade an der Duke zu Höchstleistungen anspornen, aber teilweise auch sehr einengend wirken. Fazit: Wer Lust hat sich in einem internationalen Umfeld auf akademischen Höchstniveau herauszufordern und bereit ist, in Kauf zu nehmen, dass sich das Leben für 5 Monate hauptsächlich auf das Studium konzentriert, der ist an der Duke richtig!

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