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Clarkson University 2013/14

Mit der vorbereitung habe ich schon 3 Semester im voraus begonnen. Das Empfehlungsschreiben stellte kein Problem dar. Ich habe meines von einem Professor bekommen ohne vor meiner Anfrage jemals persönlich mit ihm geredet zu haben. Ich habe lediglich eine gute Klausur in seinem Fach geschrieben. Wenn ihr von eurem Vorhaben überzeugt seid, sprecht einfach mit einem Dozenten in dessen Fach ihr einigermaßen gute Leistungen habt. Aber nicht mal das ist ein unbedingtes Kriterium.

Per Mail bekommt man dann eine Einladung zu einem Interview. Bei dem Gespräch sitzt man 4-5 Leuten gegenüber. Ich musste auch ein paar Fragen auf Englisch beantworten. Die Interviewer waren fast alle freundlich und generell sehr ermutigend was meine Ambitionen anging ein Auslandssemester im 5. Fachsemester zu absolvieren. Nur ein Interviewer brachte mich mit der Frage “Why do you want to leave us so soon” ziemlich aus der Bahn. Da viele Bewerber vom HPI waren, war auch einer der Interviewer von dort. Und dieser stellte nun mein Unterfangen “schon” im 5. Semester ein Auslandssemester zu machen in Frage. Ich wusste nicht so recht, was ich auf diese Frage antworte sollte. Aber so wie ich schienen auch die restlichen Interviewer seine Einwände gegen mein Auslandssemester nicht ganz nachvollziehen zu können. Daher glättete sich das ganze Gespräch wieder als diese wieder das Wort an sich nahmen. Insgesamt hatte ich am Ende dann doch ein positives Gefühl.


Studienfach: IT-Systems Engineering

Aufenthaltsdauer: 08 /2013 – 12 /2013

Gastuniversität: Clarkson University

Gastland: USA

Falls ihr also vom HPI seit solltet ihr euch darauf einstellen wenig Ermutigung und generell eine negative Einstellung zu eurem Vorhaben ein Auslandssemester während des Bachelorstudiums zu absolvieren von Vertretern des HPIs zu erfahren. Bei den Zuständigen von Seiten der Uni Potsdam ist dies absolut nicht der Fall. Saskia Asmus (leider nicht mehr bei dem AAA tätig) hat mich während des gesamten Bewerbungsprozesses und auch danach noch durch Emailkontakt im Ausland tatkräftig unterstützt.

Die Absage kam ebenfalls per Mail. Einige Wochen später rief mich Saskia Asmus an und bot mir meinen Zweitwunsch (Clarkson) an, da jemand abgesprungen sei. Da ich so gut wie nichts über diese Universität wusste erfragte ich mir eine Bedenkzeit von ein paar Tagen. Was ich herausfand überzeugte mich nicht auf den ersten Blick: Ein relativ kleines College (3000 Studenten) in einem Kleinen Dorf (10000 Einwohner), -20 Grad im Winter keine Seltenheit und obwohl es im Staat New York liegt ist es dennoch 10-12 Stunden mit dem Bus von New York City entfernt. Zum Glück entschloss ich mich dennoch zuzusagen.

Ab da wird man mit der Planung ziemlich gut an die Hand genommen. Man sollte sich an die empfohlenen Termine halten, das Visum also nicht zu früh und nicht zu spät beantragen. Der Termin mit dem “Interview” an der Amerikanischen Botschaft ist auch kein Grund zur Sorge. Es dauerte bei mir ganze 20 Sekunden. Um Flüge sollte man sich so früh wie möglich kümmern. Je früher, desto billiger.

Studienfach: IT-Systems Engineering

Aufenthaltsdauer: 08 /2013 – 12 /2013

Gastuniversität: Clarkson University

Gastland: USA

Kurswahl

Die Kurse soll man schon vor der Anreise wählen. Ich würde empfehlen in den ersten Wochen so viele Kurse wie möglich zu besuchen und dann noch mal den Studienplan umzustrukturieren. Die Zeitender Kurse können hier auch eine Rolle spielen wenn das Studium nicht unbedingt im Vordergrund steht. Es ist durchaus möglich seine ganzen Kurse am Dienstag und Donnerstag zu haben und sich so ein 5 Tage Wochenende zu ermöglichen.

Man muss mindestens 12 credits (z.B. 4 Kurse mit jeweils 3 credits) wählen, damit das Visum gültig bleibt. Das entspricht ungefähr 24 ECTS. Interessant für Informatiker: Es gibt die Möglichkeit selbst Kurse oder Workshops zu geben und dafür 3 credits zu erhalten. Für die Teilnahme an einem solchen Kurs gibt es 1 credit und für die Teilnahme an einem Projekt gibt es 2. Informatiker sollten generell mittwochs an dem COSI Meeting teilnehmen. Überhaupt ist COSI (Clarkson Open Source Institute) ein sehr entspannt eingerichtetes Computer Lab an dem auch Nicht-Informatiker Hilfe für ihre Computerprobleme finden können. Jeanna Matthews ist hier die Ansprechspartnerin.

Anreise

Ein Bus fährt zwei Mal am Tag von New York City über Syracuse nach Potsdam. (www.trailwaysny.com) Man kann also von Syracuse (3-4 Stunden, 35$) oder von New York aus (10- 12 Stunden, 90$) nach Potsdam fahren.

Studium an der Uni

Ankunft

Der Bus hält am Campus und man wird dort abgeholt und zur Unterkunft gebracht. Darauf hin sind wir mit einigen Studenten direkt zum Walmart (5-10 Minuten mit dem Auto entfernt) gefahren um Bettwäsche zu kaufen. In Amerika gibt es keine deutschen Bettbezüge sondern nur Laken. Wer das nicht gewohnt ist sollte vielleicht einen eigenen deutschen Deckenbezug mitnehmen.

In den folgenden Tagen kann ich nur raten sich trotz Erschöpfung durch die Reise, Jet Lag oder sonstigen Ausreden direkt Kontakt mit den andern Studenten zu suchen. Und nicht nur mit den Internationals sondern auch mit den Amerikanern. Wir haben uns am ersten Abend in der Bar mit dem Präsidenten der Sigma Phi Epsilon Fraternity angefreundet. Dieser hat uns dann prompt in deren Frat House eingeladen und über das ganze Semester hinweg waren wir, die “Internationals“, dort immer willkommene Gäste. Das soziale Gebilde von Fraternities und Sororities ist extrem interessant zu beobachten. Diese Bruder- und Schwesternschaften sind anders als in Deutschland ein großer Bestandteil des Collegelebens. Nur selten treten internationale Studenten diesen Verbindungen bei. Denn das ist mit zeitaufwändigen und oft extremen Initiationsriten die sich über mehrere Wochen erstrecken verbunden.

Gegenüber von Walmart ist ein AT&T Store. Die Telefontarife in Amerika sind nicht sonderlich Preiswert. Ich habe 45$ im Monat für eine SMS flat, 200 Freiminuten und 200 MB Datenvolumen bezahlt. Wenn einem Internet nicht wichtig ist kostet es 25$. Eine SMS Flat ist zu empfehlen, da die Amerikaner sehr gerne texten.

Transportation

Ihr solltet euch mit Craigslist (craigslist.org) auseinander setzen. Das ist das amerikanische Äquivalent der Ebay Kleinanzeigen hier. Dort habe ich mir zunächst ein Fahrrad für 25$ gekauft. Zwar war es ein rosa Mountainbike in ziemlich schlechtem Zustand, aber es funktionierte. Dann ist man zunächst ziemlich stark auf seine Mitbewohner angewiesen. Ich hatte mit meinen ziemliches Pech. Einer war ebenfalls Austauschstudent, hatte also kein Auto. Der andere war Transferstudent, kannte also auch wie wir keine Studenten dort und war leider obendrein Professioneller Computerspieler. Ein Auto hatte er auch nicht. Aber das war eigentlich die Ausnahme. Die meisten anderen wurden oft gefahren oder bekamen das Auto geliehen wenn sie es brauchten. Dann gibt es noch zipcar am Campus und ein paar Autovermietungen in Potsdam.

Ich habe mir auf Craigslist ein Auto gekauft. Das war jedoch mit sehr viel Arbeit, Stress und teuren Versicherungskosten verbunden. Daher kann ich es nicht weiterempfehlen. Abgesehen davon war es eine einmalige Erfahrung mit seinem eigenen Auto durch Amerika zu touren. Ich fasse kurz zusammen:

Die ersten drei Wochen verbrachte ich damit Craigslist Angebote zu durchstöbern, die Besitzer anzurufen und mir ein paar Autos anzusehen. Das eigentliche Schnäppchen ergatterte ich in Syracuse: Ein Ford Focus 2001 station wagon mit 140000 Meilen (200000+ km) und abgebrochenem Auspuff für 500$. Bevor ich diesen kaufen konnte benötigte ich jedoch eine Versicherung. Diese kostete 120$ im Monat. Doch für diese benötigte ich eine drivers license number. Dafür musste ich einen Theorietest bestehen und meinen Pass, eine amerikanische Kreditkarte und meinen Clarkson Studentenausweis vorlegen. Und eine social security number oder einen Nachweis, dass ich diese nicht erhalten kann wurde verlangt. Dafür musste ich in das 1 Stunde entfernte Odgensburg fahren. Ich nahm einen der Busse der ansonsten hauptsächlich von den Amish benutzt wird. Die Stationen die dem Campus am nächsten sind, sind leider 15 Minuten mit dem Fahrrad entfernt. (vor Walmart und am nördlichen Ende Potsdams). Zurück bin ich getrampt. Das ist aber auch nicht mehr üblich in Amerika und nicht sehr empfehlenswert da nicht garantiert ist, dass man mitgenommen wird.

Die Registrierung des Wagens in Syracuse gestaltete sich dann noch sehr abenteuerlich aber mit viel Glück hat dann doch alles geklappt.

Kosten:

  • 2$ Bus nach Odgensburg
  • 70$ Führerschein (Learners Permit)
  • 170$ Registrierung des Wagen (abhängig vom Gewicht des Autos)
  • 120$ monatliche minimale Versicherung
  • ...

bei dem Wagen ging die Batterie kaputt (110$) und die Bremsleitungen platzen bei einer scharfen Bremsung (80$). Zwar konnte ich das Geld für die Reparaturen zum Schluss durch den Verkauf (auch über Craigslist) wieder reinholen, aber es war alles mit einem Haufen Arbeit und viel Glück verbunden. Wünscht euch lieber, dass ihr entspannte Mitbewohner mit einem Auto bekommt. Ihr könnt auch explizit angeben, dass ihr gerne mit anderen Amerikanern zusammen wohnen wollt.

Freizeit

Clarkson bietet viele Studentenclubs. Seht euch auf jeden Fall bei der activity fair gut um. Manchmal wird man auch auf dem Campus einfach angesprochen. Ich bin so zum Rugby Club gekommen und kann diese Erfahrung nur weiter empfehlen (es gibt mens und womens rugby). Der Outdoor Club bietet Aktivitäten wie Wandern, Kanufahrten aber auch Berg- und Eis-klettern an.

Jeden Abend hat die Bar Maxfields geöffnet. Das ist der allgemeine Treffpunkt für die über 21 Jährigen. Donnerstag, Freitag und Samstag haben auch die beiden Tanzclubs Backstreets (ab 21) und McDuffs (ab 18) offen. Ab 2 Uhr nachts geht aber überall das Licht an. Man kann noch bis 3 einen Burrito bei Hot Tamales oder Einen Burger mit Home-fries bei The Hop essen. Entweder man geht jetzt nach hause oder schließt sich einer Gruppe an die den Abend noch irgendwo entspannt ausklingen lassen möchte. Fast jedes Wochenende finden Frat-Parties in den geräumigen und gut ausgestatteten Kellern der Fraternity Häusern statt. Dort findet man so gut wie immer Schwarzlicht, die berühmten solo cups, ein ocatgon (8-eckiger Tisch mit 3 Meter Durchmesser zum spielen von Beer-pong) und natürlich das dazugehörige Bier. Wer die Möglichkeit hat mit dem Auto in das 15 Minuten entfernte Canton zu fahren und dort das JavaBarn zu besuchen, der sollte das unbedingt tun. Das Barn ist eine große Garage und befindet sich auf dem Gelände der Saint Lawrence University (SLU) und dort finden fast jedes Wochenende kostenlose Konzerte statt. Dort findet man auch ein von Clarkson sehr verschiedenes Publikum. SLU ist eine Uni mit dem Schwerpunkt “liberal Arts”, also das genaue Gegenteil von Clarkson.

Ich empfehle euch jedes der oben genannten Events mal mit zu erleben. Manches möchte man nur einmal machen anderes sagt einem mehr zu. Aber keins davon sollte man verpassen.

Das Gesetz

Die Amerikaner nehmen es sehr ernst mit dem Alkohol ab 21 Gesetz. Das Abgeben von Alkohol an unter 21 Jährige ist verboten, bei unter 18 Jährigen wird das sogar als felony (Schwerverbrechen) angesehen. Dazu gibt es noch das open container law welches das Trinken von alkoholischen Getränken in der Öffentlichkeit verbietet. Ich habe selbst aber die Erfahrung gemacht, dass man als ausländischer Student über 21 mit vielem davon kommt. Ein australischer Kommilitone gerat jedoch an die state police, musste vor Gericht erscheinen und 200$ Strafe zahlen für disorderly behavior in public. Generell sind die Polizisten in Potsdam eher entspannt da dort viele Studenten wohnen. Man bekommt eher keinen Strafzettel sondern ein “wegwerfen oder austrinken” zu hören. Nur mit der State Police ist nicht zu spaßen.

Kostenübersicht:

  • knapp 4000$ (momentan ca 3000 Euro) Unterkunft
  • ca. 1000 Euro für Den Flug nach Syracuse, wenn man früh bucht. Es gibt auch billigere Schnäppchen (momentan z.B. Norwegian Airlines, 550 Euro zwischen Berlin und JFK hin und zurück)
  • 35$ von syracuse oder 90$ von New York nach Potsdam
  • ca. 200 Euro für das Visum und andere Formalitäten
  • eventuelle Arzt- (bei fehlenden Impfungen) und Krankenversicherungskosten (bei gesetzlicher Versicherung)

Insgesamt habe ich ca. 6000-7000 Euro ausgegeben. Aber ich habe eher sparsam gelebt. Bei den meisten Austauschstudenten waren die Ausgaben weit über 10000 Euro.


Rückblick

Ich bin in das Auslandssemester mit gemischten Gefühlen hineingegangen, nicht zuletzt wegen des eher langweiligen Profils von Clarkson als kleines Ingenieurs-College auf dem Dorf. Das Semester war absolut Spitze. Ich wurde ein wenig umgehauen von der amerikanischen Kultur, aber in einer guten Art und Weise. Geht hin und last euch ebenfalls umhauen.

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