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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Eötvös Loránd University in Budapest

Szia! Im letzten halben Jahr genoss ich das Privileg, in der mir bis dato unbekannten Stadt Budapest ein Semester lang Psychologie zu studieren. Ich kann direkt vorweg nehmen, dass dies eine unglaublich wertvolle und nachhaltige Erfahrung war, die mich im Umgang mit neuen Situationen und Menschen sehr geschult hat.

„Persönlich bin ich immer bereit zu lernen, obwohl ich nicht immer belehrt werden möchte.“ - Winston Churchill


Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: ELTE / Eötvös Lorránd Tudományegyetem 

Gastland: Ungarn

Der Bewerbungsprozess um einen Studienplatz in Ungarn begann per Erasmus im Vergleich zu anderen Instutionen relativ spät, mein Motivationsschreiben verfasste ich ca. acht Monate vor Studienbeginn im Januar. So bot sich genügend Zeit zu überlegen und zu recherchieren, welche der Partnerschaftsuniversitäten und welches Land Ziel meiner Reise werden sollte. Ich prüfte, welcher Fächerkanon mir an der Eötvös – Loránd University zur Verfügung stehen würde und glich die Kurse mit denen der Universität Potsdam ab, um meinen Studienverlaufsplan besser planen zu können und ggf. auf Einbußen an Studienzeit vorbereitet zu sein. Nachdem der Entschluss gefasst war, alle Bewerbungsunterlagen eingereicht waren und ich schließlich glücklich die Zusage erhielt, leitete ich alle weiteren Schritte ein, die nötig waren, um sich an der Gastuniversität zu immatrikulieren. Sicherlich gilt es dabei, sorgfältig vorzugehen und alle Fristen zu beachten. Ich bin jedoch sehr zufrieden mit der Organisation, da immer ein Ansprechpartner der Universität Potsdam für Fragen zum Ablauf o.ä zur Verfügung stand, mehrere  Informationsveranstaltungen mit Vorträgen gehalten wurden und eine sehr übersichtliche Broschüre über alle notwendigen Schritten ausgehändigt wurde. Über Email ließ sich leicht ein Kontakt zur Gastuniversität herstellen und es konnten problemlos alle notwendigen Unterlagen eingereicht werden.

Ich hatte das große Glück, dass meine beste Freundin einen weiteren Studienplatz in Budapest ergatterte und wir so zusammen in eine Wohnung ziehen konnten. Wir suchten unser Nest per 'airbnb' aus, eine Internetseite, über die hauptsächlich Ferienwohnungen, aber auch längerfristig Wohnungen vermietet werden. Das war total unkompliziert, da man verschiedene Filter bei der Suche (WLAN, Waschmaschine, etc.) einstellen konnte und die Sucheregebnisse nach den verschiedenen Vierteln in Budapest geordnet sind. So bekommt man einen Überblick über die Lage, zudem geben zahlreiche Fotos Aufschluss über das Mobiliar und Zustand der Wohnungen. Weiterer Vorteil war, dass wir uns nicht um einen Nachmieter kümmern mussten. Unser Vermieter, ein junger Ungar, empfing uns vor Ort sehr herzlich, gab Tipps und ist über die Zeit zu einem guten Freund und Vertrauten von uns geworden. Die Mietpreise sind sehr human in Budapest, sodass wir im VII. Viertel, dem jüdischen Viertel in Budapest total zentral wohnen konnten. Alles war fußläufig erreichbar, Universität, Innenstadt, Wohnungen von Freunden, Bars und Clubs - dadurch kannte ich mich nach kurzer Zeit schon gut in Budapest aus und sparte Tickets für Metro und Trams. Die günstigen Preise in Budapest verlocken dazu, oft auszugehen. Die bunten Lokale und Bars laden jederzeit dazu ein, sich einen Langos zu genehmigen oder in einer alten Ruinenbar gemütlich einen Wein zu schlürfen. Alles zu wirklich fairen Preisen. Leider sind die Supermarktpreise in Ungarn um einiges höher als in Deutschland. Ein Einkauf bei ALDI manifestierte sich plötzlich als schmerzliche Angelegenheit für den Geldbeutel und selbige Produkte werden dort mit locker 50% Preisaufschlag verkauft. Leider erst relativ spät begann ich, in den Markthallen lokal einzukaufen, was etwas günstiger war, aber immer noch nicht lukrativ genug um sagen zu können, dass es sich lohne selbst zu kochen. So ließ ich mich – zugegebenermaßen – sehr oft außerhalb kulinarisch verwöhnen und überzog sehr häufig mein Budget. Die örtliche Währung, ungarische Forint, sind bequem und per EC oder Kreditkarte an den Bankautomaten abzuheben. Wichtig jedoch dabei: Immer 'ohne Umrechnung' im Bankautomatmenü wählen und einges an Euros sparen.

Neben des Treibens in der Uni verfügten meine Freundin und ich über ungeahnte Freizeitkapazitäten. Ich bin sehr glücklich darüber, mich während meines Auslandaufenthaltes meinen Interessen und Neigungen gewidmet haben zu können, die während des Studiums in Potsdam aus Zeitnot häufig auf der Strecke bleiben. So konnte ich mich viel häufiger kreativ betätigen und mein Wissen in verschiedenen Gebieten erweitern. Ich schloss vermutlich ungewöhnlicherweise erst nach einer Weile Bekanntschaften, aus denen aber mit der Zeit enge Freundschaften heranwuchsen. Ich erwartete am Anfang nicht, so tolle Freunde zu finden. Besonders gut verstanden meine Freundin und ich uns mit zwei Dänen, ebenfalls Psychologen, die auch mit Erasmus ein Semester an der Eötvos-Loránd University verbrachten und zudem wie ein Pendant zu uns in ihrer eigenen Wohnung nicht weit weg zu zweit lebten. Von ihnen wurde unser Englisch zusätzlich zu den Kursen an der Universität gut geschult. Leider wählte ich am Anfang keinen Ungarisch-Kurs. Ich eignete mir zwar selber ein absolutes Grundvokabular an, sah aber am Anfang nicht die Notwendigkeit einen Sprachkurs zu belegen, da mir die ungarische Sprache mit 19 verschiedenen Fällen suspekt und kaum lernbar erschien. Mit Englisch kommt man zwar überall problemlos zurecht, im Nachhinein hätte ich aber trotzdem gerne ein paar Sätze auf ungarisch gebildet haben können.

Budapest selber überzeugt als Stadt mit einer wunderschönen Architektur, die es zu bewundern gilt, lange und gemütliche Spaziergänge an der Donau lassen entspannen und ein aufregendes Nachtleben vertreibt jede Langeweile. Mit der Zeit aber merkte ich, dass ich die Natur vermisste. Es gab wenig bzw. nur sehr kleine Parks, in frischer Luft durchzuatmen war nur in den Budauer Bergen möglich, die meine Freundin und ich regelmäßig erkundeten, um unsere Sehnsucht nach Natur zu stillen. Als Wochenend-Tourist fällt einem nicht auf, wie wenig Grün die Stadt zu bieten hat, permanent in der Stadt lebend merkten wir jedoch, wie sehr uns Blumen und Bäume fehlten. Die Abendplanung war immer einfach, oft spontan, ich erinnere mich an einzigartige Abende mit zahlreichen ungarischen und internationalen Bekanntschaften und schmerzenden, durchgetanzten Füßen. Mich persönlich inspirierte und faszinierte die tolle underground-Szene in Budapest, viele bekannte Künstler im Genre House, Tech, Deep und Funk und luden wöchentlich ins LÄRM oder in den TOLDI Club ein.

Ich genoss das Studium an der Eötvos-Loránd Universität sehr. Endlich bekam ich den Eindruck, in gewisser Weise bereits eine Kompetenz durch vorhergegangende Kurse entwickelt zu haben. Besuchte ich eine neue Vorlesung in Potsdam, hatte ich oft das Gefühl, nicht einen Hauch von Ahnung von Psychologie zu haben. In Ungarn wurde bereits Gelerntes wieder aufgegriffen, es wurden Beispiele gegeben und Sachverhalte verständlich und ausführlicher als zuhause erklärt statt vorgelesen. Das führte dazu, dass insgesamt weniger Stoff gelehrt wurde, ich diesen aber besser aufnehmen und verarbeiten konnte. Die Vorlesungen und Seminare sind vergleichbar klein gehalten, die Teilnahme an Vorlesungen ist nicht verpflichtend, die Teilnahme an Seminaren je nach Seminar schon. Der Fächerkanon ist deutlich spezifischer als der in Potsdam, so gibt es zum Beispiel ab nächstem Semester die Chance, ein Seminar zu Hypnotherapie zu besuchen. Der Umfang einer Vorlesung ist fachabhängig, die Klausuren werden meines Erachtens fair gestellt. Besonders entegegen gekommen wird Studenten bei der Wahl der Klausurtermine. Genau, Wahl. Oft werden für ein Fach von Dezember bis Januar fünf oder mehr optionale Klausurtermine bekannt gegeben. Auch eine Aufbesserung der Note ist problemlos möglich, indem man sich einfach noch einmal für eine Klausur anmeldet. Trotz der tollen Terminwahl von Klausuren fehlt es leider hie und da an Transparenz, was den Zugang zu Kursmaterialien angeht. Werden die Folien nun vom Dozenten hochgeladen, oder nicht? Es gibt mehrere Plattformen, auf denen Dozenten ihre Folien der Vorlesungen hochladen können. Davon erfuhren viele Erasmus-Studenten aber erst später, genauso wie von speziellen Facebookgruppen, über welche Materialien ausgetauscht werden. Und Achtung! Nicht jeder Dozent ist gewillt, Folien hochzuladen. Und schon gar nicht nach jeder Vorlesung. Zu vielen Materialien habe ich erst Zugang am Ende des Semesters gefunden.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: ELTE / Eötvös Lorránd Tudományegyetem 

Gastland: Ungarn


Rückblick

Ich freue mich schon jetzt für jeden weiteren Studenten, der seine eigene, ganz individuelle, aber mit Sicherheit aufregende Zeit in dieser schönen Stadt verbringen wird. Ich bin allen lieben Menschen dankbar, die so tolle Erfahrungen möglich machen und meinen – bzw. unseren – Aufenthalt in Budapest zu etwas ganz Besonderem gemacht haben. Für ein halbes Jahr sind ein fremde Stadt zu einem Zuhause und fremde Menschen zu einer Familie geworden.
Köszönöm szépen!  

Ungarn

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