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Corvinus University of Budapest 2012/13

Da ich in meiner bisherigen schulischen Ausbildung nicht die Möglichkeit wahrgenommen habe, ein paar Monate im Ausland zu verbringen, war mir schon zu Beginn meines Studiums klar, dass ich in meinem Bachelorstudium definitiv die Möglichkeit nutzen muss, ein Semester in einer anderen europäischen Stadt zu verbringen. In meiner persönlichen Wahl als Wunschzielort lagen Madrid und Budapest. Durch die vielen persönlichen Erzählungen positiver Art und der insgesamt viel billiger zu erwartenden Lebensunterhaltskosten, entschied ich mich für Budapest als Wunschziel. Nur so viel im Voraus: eine Entscheidung, die ich nicht einmal bereut habe.


Studienfach: Politik und Verwaltung

Aufenthaltsdauer: 08 /2012 – 01 /2013

Gastuniversität: Corvinus University of Budapest

Gastland: Ungarn

Da man sich für einen Aufenthalt im Wintersemester bereits ein Jahr vorher bewerben muss, sind die Bewerbung im 3. Semester und der Aufenthalt im 5. Semester eine ideale Wahl, um eine Auszeit aus dem Potsdamer Studierendenalltag zu nehmen. Die Bewerbung an der Universität Potsdam gestaltete sich als unproblematisch. Der Potsdamer Erasmuskoordinator hat nach Vergabe der Erasmusplätze relevante Informationen an die Corvinus Universität weitergeleitet, sodass keine weiteren Daten per Postweg nach Ungarn geschickt werden mussten und die weitere Koordination einfach per Internet vollzogen werden konnte. Man sollte darauf achten, dass ein englisches Sprachzeugnis offiziell Bedingung für ein Studium an der Corvinus Universität ist, welches man auch auf dem Uni-Portal in seinem persönlichen Konto hochladen musste. Zu empfehlen ist ein Unicert 3/II – Zeugnis oder ein DAAD-Test, welcher von der Uni Potsdam und dem Sprachzentrum angeboten werden.

Die Corvinus Universität versorgte mich zudem frühzeitig mit allen wichtigen Informationen, die man für ein bevorstehendes Auslandssemester benötigte. Falls man den Plan hat sich für das Auslands-Bafög (höherer Berechnungssatz als das normale Bafög und keine Rückzahlung nötig) zu bewerben und vorher kein Bafög-Empfänger war, empfehle ich frühzeitig mit der Bewerbung zu beginnen, da der Vorgang sich über Monate zieht und man seine finanzielle Situation und die der Eltern einmal komplett transparent machen darf. Ich habe im März mit der Bewerbung begonnen und hatte im November das erste mal Geld auf dem Konto.

Studienfach: Politik und Verwaltung

Aufenthaltsdauer: 08 /2012 – 01 /2013

Gastuniversität: Corvinus University of Budapest

Gastland: Ungarn

Studium an der Gastuniversität

Die generellen Bedingungen an der Universität sind sehr gut und müssen sich in Sachen technischer Ausstattung und Zustand der Gebäude im Vergleich zur Uni Potsdam definitiv nicht verstecken.

Die Universität hat ein altes Hauptgebäude direkt an der Donau und ist sehr gut zu erreichen. In dem finden auch regelmäßig große Veranstaltungen und Partys (z. B. Promotionsball – definitiv zu empfehlen den mitzunehmen!) statt und das Gebäude hat einen gewissen Charme. Die meisten meiner Veranstaltungen hatte ich im neuen Gebäude, das 50m hinter dem Alten liegt und in dem auch die Bibliothek und Computerpools zu finden sind. Die Ausstattung ist brandneu und das Gebäude optisch ein Hingucker. Da macht das Studium gleich mehr Spaß.

Zu einem „Wohlfühlklima“ und einer besseren Integration in den Universitätsalltag hat das Erasmus Student Network (ESN) der Corvinus Universität beigetragen. Mit Einführungsveranstaltungen, einem welcome Camp am Balaton, welcome Parties und Führungen oder Bartours hatte jeder die Möglichkeit von Beginn an Leute kennen zu lernen, die genau so alleine und ahnungslos in Ungarn gestrandet sind, wie man vielleicht selber. Die Angst, dass man Probleme hat Leute kennen zu lernen kann ich daher direkt widerlegen. Auch der Tandem-Partner kann eine gute Stütze zu Beginn sein. Das ist allerdings absolute Glückssache.

Die Qualität der Lehrveranstaltungen kann man nicht pauschal beurteilen und ist stark vom Dozent abhängig. Generell kann ich jedoch mit Hilfe meiner Erfahrungen nichts Schlechtes über meine Kurse berichten und die Anzahl der TeilnehmerInnen war im Normalfall sehr angenehm. Das Angebot an sozialwissenschaftlichen bzw. politischen Kursen ist aber meiner Meinung nach etwas ausbaufähig. Im Normalfall sind die Anforderungen an Leistungen ähnlich wie in Deutschland. Ein Seminar teilte sich meistens in vorlesungsähnlichen Veranstaltungen und normalen Seminaren mit Präsentationen auf. Dazu kamen eventuelle mid-terms (Zwischenprüfungen), Essays und Klausuren. Die Klausuren fanden in den zwei Wochen vor Weihnachten statt, sodass man prinzipiell nach Weihnachten/Silvester nicht zurückkehren muss, wenn man nicht will.

Einer meiner Kurse war mit dem ehemaligen Industrieminister (1990-91) Péter Ákos Bod und drehte sich um das Thema „Transition and Post Transition Challenges in Hungary“. Definitiv ein zu empfehlender Dozent. Sehr freundlich und ein Opa-Typ aus dem Bilderbuch, mit vielen persönlichen Geschichten und gutem Humor. Zudem ziemlich locker und kein Studienterror zu befürchten. Die Klausur war allerdings nicht einfach, aber definitiv machbar. Generell haben die Klausuren in Deutschland im Normalfall einen größeren Lernumfang, was jedoch auch damit zu tun hat, dass man oftmals midterms hat.

In den Kursen befindet man sich oftmals ausschließlich mit anderen Erasmusstudenten oder Amerikanern, die ein spezielles CIEE-Programm an der Universität besitzen, dass auch gesonderte Veranstaltungen anbietet. Im Rahmen des CIEE Programms kann man sich aber auch ganz normal als Erasmusstudent einschreiben. Ich habe dort zwei Kurse beim Dozenten Bánk L. Boros belegt.

  1. Hungary, European Integration and European Security
  2. Political Problems of Transition in Eastern Europe

Auch ein lockerer und lustiger Typ, der politischer Berater des aktuellen Verteidigungsministers ist und viele interessante Geschichten mit sich bringt, von denen man sonst nichts hören würde und gern auch mal mit den Studierenden ins Fußballstadion geht. Seine Seminare waren hauptsächlich Vorlesungen mit kleinen Referaten, mid-terms und final Exam. Zwischendurch ab und an ein paar Fragen und Diskussionen. Durchaus zu empfehlen.

Mein vierter Kurs hieß „The new European underclass“ mit einem älteren Soziologen. Inhaltlich wurde sein eigenes Buch behandelt, bei dem es um die Situation der Roma in Ungarn und anderen mittel- und osteuropäischen Staaten ging. Er organisierte interessante Trips, bei dem sich der Kurs die Lebenssituation der Roma in Budapest und auf dem Land (+ in Pécs) hautnah ansehen konnte. Hört sich im ersten Moment natürlich recht merkwürdig an. Die Erfahrung möchte ich jedoch nicht missen. Mit einem Bus in einem Elendsviertel auszusteigen, war kein tolles Gefühl, aber die Menschen begrüßten uns total herzlich und die Kinder waren ganz normale kleine Spinner, wie man sie auch aus Deutschland kennt. Der einzige Unterschied ist, dass man direkt wusste, dass ein Großteil dieser Kinder niemals aus diesem Dorf und ihrer jetzigen Lebenssituation rauskommen würden, da in einem relativ großen Teil der ungarischen Gesellschaft noch ein Anti-Roma Bild herrscht, dass den Roma als diebischen und nicht integrierbaren Menschen darstellt und zu wenig Gelder eingesetzt werden, um Romakindern gleiche Startchancen im Bildungsbereich oder auf dem Arbeitsmarkt zu gewährleisten. Ziel des Dozenten war es, die europäischen Studierenden auf die Situation der Roma aufmerksam zu machen. In den Seminaren scheute er nicht davor zurück, seine Rolle als Regierungskritiker zu zeigen und politische Fehlentscheidungen anzuprangern, die zu meiner Zeit fast im Tagesrhythmus geschahen. Die Seminare an sich waren jedoch besonders zu Beginn grausam. Montags 16.10 – 19.30, der Prof hat sich nicht auf die Seminare vorbereitet und seine Kommunikation war oftmals sehr langsam und leise. Zum Schluss wurde es dann besser und auch interessanter. Glücklicherweise war eine aktive Teilnahme an den Seminaren und Teilnahme an den Exkursionen die einzigen Leistungsvoraussetzungen, wodurch die Benotung allerdings auch zu einem Glücksspiel wurde.

Generell kann ich im empfehlen, vor dem Uni Beginn einen EILC Sprachkurs zu belegen um ungarische Grundkenntnisse zu erwerben, auch wenn die Uni-Kurse allesamt auf Englisch sind und man keine Chance hat die ungarische Sprache innerhalb der ein oder zwei Semester wirklich zu erlernen. Die Basics sind dennoch sehr hilfreich. Ich habe vor Studienbeginn einen dreiwöchigen intensiv Sprachkurs in Piliscsaba (ca. 40 Minuten entfernt von Budapest) belegt. So hatte man bereits die Möglichkeit andere Erasmusstudenten von diversen anderen Budapester Universitäten kennen zu lernen und zu gleich mögliche Mitbewohner. Hinzu kam die Erlernung von wichtigen ungarisch Basics (wie bestelle ich ein Bier auf Ungarisch, Gemüse/Obst, Zahlen etc.) und ein paar Trips in andere ungarische Städte. Dadurch, dass ca. 44 Studierende im selben Haus auf dem Campus lebten und in dem Dörflein sonst nicht viel los war, hat man seine ganze Zeit mit den anderen verbracht und hatte durch die gewonnen Freundschaften erhebliche Vorteile gegenüber anderen Erasmusstudenten die erst zwei Wochen später nach Ungarn kamen, und nebenbei die Möglichkeit schon Wohnungen in Budapest zu besichtigen.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Budapest ist definitiv eine absolute Erasmusstadt! Der Kontakt zu ausländischen Studierenden stellt somit absolut kein Problem dar. Allein an der Corvinus Universität waren wir 370 Erasmus-Studierende + ca. 40 Amerikaner und TeilnehmerInnen anderer Austauschprogramme. Hinzu kommt, dass Budapest gefühlt unendlich viele andere Universitäten hat. Unter anderem zwei weitere große staatlichen Unis mit vielen Erasmusstudenten und etlichen kleineren Universitäten. Im Wintersemester kommen also mal ganz easy 1000-1500 Studierende aus der ganzen Welt zusammen. Dementsprechend gibt es auch eine Vielzahl von Angeboten an Partys, Reisen und kulturellen Veranstaltungen durch die Erasmus-Networks der verschiedenen Universitäten.

Der Kontakt zu einheimischen Studierenden ist leider nicht so einfach. Wenn man Glück hat, hat man in seinen Kursen mal ein paar UngarInnen oder hat direkt Kontakt zu dem Tandem-Partner oder zu den Tandem-Partnern anderer Erasmus-Studenten. Auch die Möglichkeit in Clubs etc. UngarInnen kennen zu lernen ist durchaus vorhanden. Also insgesamt ist es nicht sehr einfach mit vielen einheimischen Studierenden in Kontakt zu kommen, aber es ist definitiv möglich und auch zu empfehlen. Alles in allem auf jeden Fall sehr nette Leute, es gibt natürlich auch Ausnahmen ;).

Wohn- und Lebenssituation

In Budapest ist ein großer Markt an Wohnungen mit möblierter Ausstattung vorzufinden, da Erasmusstudenten nicht in Wohnheime untergebracht werden. Viele ungarische Studierende wohnen noch zu Hause oder in Wohnheimen, da das Lohniveau deutlich niedriger als in Deutschland ist. Das Preisniveau ist je nach Lage, Ausstattung, Größe und Glück sehr unterschiedlich. Generell kann man von 150-300€ für ein Zimmer ausgehen. Eigentlich ist es jedoch nicht nötig über 250€ auszugeben. Es gibt massig Wohnungen von 1-Zimmer bis 5- Mann Zimmer. Der Großteil der Studierenden beginnt mit der Zimmer Suche für das Wintersemester Ende August. Wenn man also um 20. August mit der Suche beginnt ist man auf der sicheren Seite. Die Hostels sind zu dieser Zeit fast ausschließlich von Erasmusstudenten belegt, die auf Wohnungssuche sind. Das stellt also auch eine Möglichkeit dar, direkt mögliche Mitbewohner kennen zu lernen. Ich habe zum Beispiel in einer 130 m² Wohnung mit drei weiteren Personen gewohnt, hatte ein 30 m² Zimmer und habe in den Sommermonaten für alles 215€ bezahlt.

Das ÖPNV-Netz ist in der Innenstadt generell ziemlich gut und für einen Studierenden sehr billig. Eine Monatskarte kostet umgerechnet ca. 14 Euro. Nachts fahren nur noch Busse und die Tram 4&6. Ich würde bei der Wohnungssuche also darauf achten, dass man eine Wohnung in der Nähe dieser Tram Linie findet. Speziell in den Wintermonaten ein absoluter Segen ;)

Wenn man jemanden kennt der ungarisch spricht, kann er bei der Hilfe nach einer Wohnung behilflich sein, die dann oftmals auch billiger sind.

Lebensmittel im Supermarkt sind grundsätzlich nicht wirklich billiger als bei uns. Dafür sind die Preise in Bars und Clubs für Bier und Wein jedoch sehr günstig und auch das Essen in Restaurants ist im Normalfall deutlich günstiger.


Fazit und Rückblick

Meine fünf Monate in Ungarn würde ich als perfekte Kombination zwischen Studium, Freizeitleben mit vielen Partys und kulturellen Ereignissen, sowie etlichen Reisen durch Gebiete Europas, die sonst wohl möglich nicht auf der oberen Liste der Agenda stehen würden, beschreiben. Auch der Fakt, dass ich Bekanntschaften mit Leuten, die quer über dem Globus verstreut sind, gemacht habe lässt mich ein positives Fazit ziehen.

Im Endeffekt kann ich somit von unbezahlbaren persönlichen, kulturellen, und auch akademischen Erfahrungen berichten. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass sein Studium dadurch eher verlängert werden könnte. Das ist es aber definitiv Wert!

Hinzu kommt, dass man mal aus dem Alltagsleben eines deutschen Studierendens ausbrechen kann, was sich in der Studienhalbzeit ganz gut macht. Außerdem gibt es sicherlich wenig Orte an denen man so oft Freizeitaktivitäten nachgehen und abends weggehen kann und trotzdem finanziell gut bei wegkommt. Das können Erasmusstudenten aus Spanien, Frankreich, Skandinavien etc. definitiv nicht von sich behaupten. Somit ein weiterer nicht zu vernachlässigender Pluspunkt, für ein Erasmusstudium in Budapest.

Budapest ist eine fabelhaft schöne und aufregende Stadt mit sehr internationalem Flair. Der Sommer ist ein absoluter Traum. Sonne und warme Temperaturen durchgängig. Innerhalb von August bis Oktober hat es maximal drei Mal geregnet. Hinzu kommt, dass die Ungarn gastfreundliche, hilfsbereite Menschen sind, die sich über Interesse an ihrem Land, seiner Kultur und Sprache geradezu übertrieben freuen. Allein dafür lohnt es sich einen Ungarisch Grundkurs zu belegen!

Die ungarische Kultur ist reich, es gibt viel zu entdecken und die Corvinus-Universität ist definitiv eingestellt auf ausländische Studenten. Alles in allem ist also ein Erasmus Semester in Budapest absolut zu empfehlen!

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