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Erasmus an der University of Kent at Canterbury

Ich habe die Möglichkeit wahrgenommen, gleich zwei Terms /Trimester, welche zeitlich fast genau einem Semester entsprechen, dort zu sein. Dies ist auch durchaus empfehlenswert, da ich bei jenen, welche nur für einen Term dortblieben, fast ausschließlich großes Bedauern erlebt habe, und man was die Anwesenheitszeiten angeht quasi ein ganzes akademisches Jahr miterlebt (der dritte Term ist Prüfungszeitraum).


Studienfach: Philosophie

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 04/2017

Gastuniversität: University of Kent

Gastland: Großbritannien

Vorbereitungen

Ich kam durch den Erasmus-Beauftragten unseres Fachbereiches auf den Austausch. Als ich erfuhr, dass zum ersten Mal auch der Austausch mit einer britischen Universität ermöglicht wurde, habe ich unverzüglich um einen Termin gebeten. Ich habe sofort Zuspruch und späterhin umfassende Unterstützung bei den Formalien erhalten. Auch der Austausch mit der Kontaktperson an der Gastuniversität und die notwendige Onlinebewerbung waren problemlos, die entsprechenden Dokumente wie Zeugnisse und Sprachzertifikat sollten allerdings natürlich elektronisch vorliegen. Auch ein Motivationsschreiben wird verlangt. Man wird allerdings auf alle nötigen Unterlagen hingewiesen und hat während des Bewerbungszeitraumes durch einen temporären Account jederzeit noch die Möglichkeit, die bereits gespeicherten Informationen und Dokumente zu ergänzen. Man kann sich im Rahmen dessen auch unmittelbar für einen Wohnplatz auf dem Campus bewerben, was sehr zu empfehlen ist, da man einfach näher am Campusleben dran ist. Allerdings sollte man wissen, dass dies mit über 100 Pfund pro Woche ca. 30-40% teurer ist, als eine private Unterkunft in der Stadt. Die Unterkunft auf dem Campus ist für jeden Term im Voraus zu bezahlen, also etwa 1.650£. Auch ein mit 210£ (Stand 2016, Unterkunft bereits enthalten, ohne Verpflegung) recht günstiger, einwöchiger Sprachkurs im Voraus ist sehr zu empfehlen, da man sich bereits akklimatisieren, sich mit Sprache, Stadt und Campus besser vertraut machen, und andere internationale Studenten kennen lernen kann, bevor der Campus sich füllt und der Term beginnt.

Studium in Canterbury

Die erste Woche

Es gibt zu Beginn eine sogenannte Fresher’s Week, bei der ankommenden internationalen und nationale Studierenden ein reichhaltiges Angebot seitens der Fachbereiche, aber auch der zahlreichen Sportclubs und Vereinigungen, angeboten wird. Spätestens diese ist dringend anzuraten, so dass man Zeit hat alles kennen zu lernen und Formalien zu klären, wo nötig. Zudem wird in diesem Zeitraum auf dem Campus (und im Internet) ein vergünstigtes Studierendenticket angeboten (170 statt 210 Pfund), welches bis zum August des nächsten Jahres für den Busverkehr in ganz Kent und East Sussex gültig ist. Sehr zu empfehlen für Fahrten in die Stadt (Fußmarsch ca. 30 Minuten), Besuche am Strand, Fahrten nach Dover an die Kreidefelsen, oder in einen der Tierparks.

Studienaufbau

Das Bachelorstudium ist unterteilt in Erstjahres und aufbauende Module. Sie bestehen grundsätzlich aus Vorlesung und Übung bzw. Seminar mit Diskussion. Erstere sind einführend, werden mit Klausur abgeschlossen und umfassen 15 Credits (7,5 ECTS), letztere sind thematisch sehr weit gefächert und umfassen 30 Credits (15 ECTS). Sie werden meist über eine Kombination von Vortrag und Essays (oder andere schriftliche Beiträge) unterschiedlicher Länge bewertet, die während oder kurz nach der Vorlesungszeit abzugeben sind. Masterstudenten haben sehr unspezifische Module, welche so gedacht sind, dass sie relativ frei aus dem Katalog der aufbauenden Bachelormodule wählen können. Sie müssen allerdings nicht die Kursarbeit machen, was sie natürlich zu Übungszwecken trotzdem tun können, sondern vielmehr bis zum Beginn des folgenden Terms einen etwas umfangreicheren Essay verfassen, der natürlich an höheren Standards gemessen wird als jene, welche die Bachelorstudenten schreiben müssen. Die Themenwahl und Ausarbeitung erfolgt in direkter Eins-zu-Eins-Betreuung eines Dozenten durch den Studierenden. Der Inhalt der Bachelormodule ist neben dem edukativen Aspekt daher auch als Anregung für die Findung eines Essaythemas gedacht. Zusätzlich gibt es noch ein Kolloquium und eine Art Ringvorlesung, in der Mitarbeiter des Fachbereichs ausgewählte Literatur ihres eigenen Forschungsschwerpunktes diskutieren. Darüber hinaus gibt es ein Work in Progress (WIP) Kolloquium für Institutsangehörige und institutsnahe Gäste, sowie die Royal Institute of Philosophy (RIP) Lectures, eine Vorlesungsreihe mit Vortragenden aus aller Welt.

Studienklima

Unter den Studierenden herrscht ein lockerer Umgang. Es gibt zudem ab und zu Veranstaltungen, die durch den Fachbereich in Zusammenarbeit mit der Fachschaft organisiert werden, z.B. ein Pub-Quiz oder ein philosophisches Wochenende an der Küste mit Vorträgen und Wanderungen. Nach den RIP Lectures und dem WIP Seminaren wird zudem meist in einen der Pubs auf dem Campus gegangen, ggf. danach noch zu einem Dinner in der Stadt. Die Dozenten sind dabei und insgesamt sehr umgänglich, nahbar und persönlich interessiert.  Insgesamt trifft man oft auf dem Campus Bekannte und sitzt für ein Schwätzchen, Essen oder einen Kaffee zusammen in einer der zahlreichen Locations, besonders wenn man in Sportclubs oder Vereinigungen engagiert ist. Es kann jedoch schwierig sein, mit Kommilitonen höherer Jahrgänge engeren Kontakt zu pflegen, da diese sich natürlich schon länger kennen und außerhalb des Campus leben. Ich empfehle für möglichst viel Anschluss generell ein Engagement in extracurriculären Angeboten, sowohl vom Fachbereich selbst, als auch darüber hinaus.

Support

Als Student hat man Zugang zu zahlreichen Beratungsangeboten. Man kann jederzeit in Kontakt mit Dozenten treten, welche im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr hilfsbereit sind, aber es gibt auch für psychische Probleme, Lernschwächen und Schreibtrainings je eigene Anlaufstellen und Angebote seitens der Universität. Generell ist der Umgang mit jeder Art von Problemen in Studium und Leben etwas offener und weniger tabuisiert als dies leider häufig noch in Deutschland der Fall ist.

 

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Zunächst: Man wird definitiv auf deutsche Studierende treffen. Nicht im Fachbereich Philosophie vermutlich, aber auf dem Campus. Nimmt man oben erwähnten Sprachkurs wahr, so lernt man dort bereits einige kennen, wohnt man auf dem Campus, so sind in Parkwood (das Studierendendorf, wo Erasmus-Studierende untergebracht werden) internationale Studierende konzentriert, wenn auch nicht ausschließlich. In Bezug auf den Kontakt mit internationalen und inländischen Studierenden kann ich nur empfehlen, sich in Sportclubs und Vereinigungen zu engagieren. Dies ist meiner Meinung nach mit Abstand die beste Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre in Kontakt zu kommen. Es gibt auch immer sogenannte „socials“ zum Kennenlernen (Achtung: Nicht selten mit Bezug zum Alkohol, aber niemand muss!).  Ich persönlich habe zusätzlich einen lokalen Judoclub besucht. Dies hat für mich vor allem zusätzlich viel Umgang mit Menschen gebracht, die wirklich von dort kamen und sehr geholfen, sich an den lokalen Dialekt zu gewöhnen. Aber auch, wenn man diesen Schritt nicht gehen möchte, vermisse ich die vielen Angebote, die Offenheit und Freundlichkeit, und dass man ständig Freunden über den Weg läuft. Eine Anmerkung: Es ist extrem hilfreich, wenn man Facebook und Whatsapp nutzt. Viele Kontakte und Veranstaltungen werden darüber organisiert. Eine inländische SIM-Karte ist je nach Roaming-AGB sehr zu empfehlen, auch wenn es fast überall ein kostenloses WLAN gibt, in das man sich einloggen kann. All dies hat mir persönlich auch sprachlich sehr geholfen. Nicht unbedingt vordergründig in akademischer Sprache, sondern vor allem in Bezug auf Alltagssprache und britischem Dialekt, so dass gegen Ende des Aufenthalts zumindest schon einmal nicht mehr erraten werden konnte, wo ich herkomme.

Lebenssituation

Die Wohnsituation ist, unabhängig davon, ob man auf dem Campus oder in der Stadt lebt, ähnlich: Meist ein Zimmer von ca. 10-15qm, wenn man Glück hat ein gemeinsamer Aufenthaltsraum, wenn nicht auf jeden Fall eine Gemeinschaftsküche und ein Gemeinschaftsbad mit Dusche (ggf. noch zweite Toilette). Wie bereits erwähnt stand die Miete für ein Zimmer auf dem Campus bei 109 £ pro Woche, d.h. je ca. 1.650£ pro Term, im Voraus zu bezahlen. Zimmer in der Stadt bekommt man ab 300£ pro Monat inklusive Rechnungen, ist aber entsprechend weiter weg vom Campusleben. Dadurch, dass Miete, Ticket, ggf. Abo für das Fitnesscenter auf dem Campus (240£/Jahr, notwendig für manche Sportarten) und auch Mitgliedschaften für die Clubs und Vereinigungen (große Unterschiede, zwischen 5 und 60£) am Anfang oder vor dem ersten Term gezahlt werden müssen, laufen hier schnell hohe Kosten auf.
Die Busanbindung zwischen Campus und Stadt ist innerhalb des Vorlesungszeitraumes sehr gut. Wenn man zwei Terms bleibt, ist die Anschaffung eines sog. Campustickets wie oben erwähnt sehr zu empfehlen. Hauptargument hierfür ist, dass ein Einkauf in einem der zwei kleinen Supermärkte auf dem Campus zwar bequem, aber eben auch gern mal 20-30% teurer ist. Das schlägt bei Lebenshaltungskosten von gut und gerne 300-400€ pro Monat (plus Miete) durchaus ins Budget.
Banken sind in der Stadt und auf dem Campus selbst zu finden, auf dem Campus befinden sich zudem Geldautomaten für kostenlose Abhebungen. Wenn man eine Kreditkarte mit kostenloser Abhebung und Einsatz im Ausland sein Eigen nennt, ist ein ausländisches Bankkonto nicht notwendig, ansonsten gibt es spezielle Konditionen für (internationale) Studierende.
Bei dem staatlichen Krankenversicherungssystem NHS muss man sich anmelden, ist aber ansonsten ganz normal krankenversichert. Es gibt für Kleinigkeiten ein medizinisches Zentrum mit Allgemeinärzten auf dem Campus, ansonsten können allerdings in den meisten Fällen auch die Apotheker schon weiterhelfen, die deutlich mehr Medikamente frei verkaufen dürfen als in Deutschland und sich meist auch die Zeit für ein kurzes Beratungsgespräch unter vier Augen nehmen.
Canterbury selbst und Kent im Allgemeinen bieten wunderschöne Landschaft, zahlreiche Pubs und viele uralte Gebäude. Im Umland gibt es Tierparks, Strände, die Steilküste von Dover und Dover Castle und noch vieles mehr. Wenn man etwas erleben möchte, ist London kein zwei Stunden Zugfahrt entfernt (Expresszug eine Stunde, aber teuer).

Studienfach: Philosophie

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 04/2017

Gastuniversität: University of Kent

Gastland: Großbritannien


Abschließende Worte

Die Zeit in Canterbury war die schönste Studienzeit meines Lebens. Mit Abstand. Ich bin sehr froh, dass ich diese Möglichkeit hatte und mein nächster Besuch ist schon geplant. Zu meinem Geburtstag besucht mich ein Italiener, den ich dort kennenlernte. Ich bin zu einer Hochzeit in Cornwall eingeladen. Ich habe tanzen gelernt und viele, viele wundervolle Menschen getroffen. Durch die hervorragende Betreuung und internationale Ausrichtung der Universität und die offene und freundliche Art der Briten haben auch Studierende mit sprachlichen Problemen Anschluss gefunden. Ich denke daher, dass dieser Standort, wenn auch vielleicht nicht unbedingt fachlich, so doch auf jeden Fall menschlich und organisatorisch ein hervorragender Partner für deutsche Studierende ist. Das Klima ist übrigens eher nordfranzösisch als „britisch“, also nur keine Angst vor übermäßig viel Regenwetter. Was man allerdings wissen sollte,ist, dass dies trotz allem Großbritannien ist. Die Kosten, in diesem Land zu leben, sind enorm. Alles in allem schätze ich, dass dort gut und gerne 8.000€ (mindestens) geblieben sind, eher deutlich mehr, also gut 1.000€ pro Monat. Und ich habe einige Sachen, wie häufiger mal nach London, einige Sightseeings, und Ausflüge der Erasmus-Society nach Leeds Castle oder Edinburgh, gar nicht mitgemacht. Die 2.100€ Stipendium sind hier also eher als Zuschuss zu verstehen. Spätestens, wenn finanziell alles geklärt ist, steht einer unvergesslichen Zeit in England allerdings nichts mehr im Wege.

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