uni-potsdam.de

You are using an old browser with security vulnerabilities and can not use the features of this website.

Here you will see how you can easily upgrade your browser.

Erasmus in Manchester

Ich habe 6 Monate an der MMU in Manchester studiert. Ich wurde von meinem eigenen Institut dazu ermutigt ein Auslandssemester zu machen und bin dieser Empfehlung sehr dankbar, da es mir sehr gut gefallen hat. Die nötigsten Informationen gab mir Herr Dr. Mussil und stellte auch den Kontakt mit dem Gastuniversität-Institut und Erasmus Büro her. Die ersten allgemeinen Informationen erhielt ich bei einem Infoveranstaltung des International Office und half mir bereits sehr die nötigen Schritte vorherzusehen. Der hohe Bürokratieaufwand war hierbei bestimmt eine Herausforderung, wobei mir allerdings Dr. Mussil und Frau Kettmann gut helfen konnten. Ich habe auch festgestellt, dass ein derartiges bürokratisches Vorgehen leider sein Gutes hat, da die meisten offenen Fragen ausgeräumt werden.


Studienfach: Anglistik

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 04/2017

Gastuniversität: University of Manchester

Gastland: Großbritannien

Die Kontaktaufnahme mit der MMU war in der Folge sehr gut, da das International Office sehr umfassend und freundlich antwortete. Die Erasmus-Beauftragten ermutigten mich Fragen zu stellen. Ich lernte auch gleich die entwaffnende Freundlichkeit der Mancunians kennen. Als deutscher Student wird man an einen sehr förmlichen Ton gewöhnt, wenn man Emails schreibt. Die Beauftragten schrieben mir in einem freundschaftlichen Ton zurück und nannten mich beim Vornamen. Ich muss sagen, dass mich das zuerst irritierte, da ich dachte, dass es den Vorgang der Bewerbung nicht ernst nehmen würde. Allerdings passierte nichts derartiges; im Gegenteil. Der Vorgang der Kontaktaufnahme, die Übersendung der Unterlagen und die allgemeine Kommunikation wurden äußerst professionell und pragmatisch durchgeführt.

Das Studiensystem führte diese Pragmatismus dann weiter. Die Anmeldung für die Module erfolgte schnell und unkompliziert. Ich musste zuerst einige Kurse vorab belegen; mir wurde aber versichert, dass ich diese dann vor Ort noch einmal Wechseln konnte, allerdings nur bis zu 2 Wochen. Mir wurde ein Sprachkurs ans Herz gelegt, den ich aber nicht belegte, da ich ihn nicht anerkennen lassen konnte und belegte stattdessen eine Didaktik Vorlesung und Seminar und 3 Englische Kultur Kurse. Die Kurse an der MMU liefen immer in ähnlichen Schemata ab. Nach einer 1 stündigen Vorlesung folgte ein 2 stündiges Seminar, meist direkt im Anschluss, dass die Fragen der Vorlesung und den Stoff noch einmal aufgriff. Dabei war der Stil des Seminars verschulter als an meiner Heimatuniversität, was aber nicht schlecht war. Die Dozenten waren dabei aber so kompetent, exakt, unakademisch im Auftreten und Gehabe und vor allem unaufgeregt, dass ich sagen kann, dass ich in einem Jahr möglicherweise selten so viel gelernt habe wie hier. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass ich Zeit hatte nachzudenken und frei zu denken. Nie habe ich mich gestresst gefühlt, obwohl die Stoff Anforderungen teilweise höher in Hinblick auf die meiner Heimatuniversität. Der Anspruch an die Themen und das Englischniveau waren sehr hoch. Und ich freue mich sagen zu können, dass ich trotz anfänglicher Bedenken, ob ich einen Essay in Englisch verfassen kann bei dem ich selbst im Deutschen Schwierigkeiten gehabt hätte, meistern konnte. Die Leistungsbewertungen waren darauf äußerst transparent und ansprechend, da die Dozenten umfangreiches Feedback gaben. Ich bin auch glücklich sagen zu können, dass ich exzellente Noten geschrieben habe. Die Struktur der Vorlesungen und Seminare behandelte jede Sitzung ein neues Thema, z.B. das Lesen eines ganzen Buchs und Analyse. Auch wenn ich es teilweise nicht schaffte, alle Bücher zu Ende zu lesen, waren die Vorlesungen und Seminare trotzdem sehr interessant. Die Themen in der Englisch Didaktik Vorlesung waren mir zum Teil auch schon bekannt, doch half mir dieser Kurs, mein gelerntes Wissen noch einmal kritisch zu reflektieren und zu wiederholen. Auch wenn ich diesen Kurs möglicherweise auch nicht anrechnen lassen kann, fühle ich mich mittlerweile sehr viel wohler über Englisch Didaktik Themen zu sprechen. Die Betreuung von uns Erasmus Studenten in den Kursen und allgemein war sehr gut. Weitere allgemeine Fragen, wie Stundenplan etc. wurden über eine App und den Student-Hub geregelt, der direkt im Seminargebäude ist und einlädt vorbeizukommen, wenn man eine Frage hat. Die inhaltliche Betreuung war sehr gut. Bei jeglichen Fragen bekam ich teilweise am selben Tag noch eine umfassende Antwort mit Literaturempfehlungen etc. Der Umgang der Dozenten mit den Studierenden, die Nettigkeit bei gleichbleibender Kompetenz sollten sich die deutschen Akademiker mal bitte abgucken.

Die MMU vermittelt einem ein Gefühl gebraucht zu werden und sperrt einen nicht nur in die Bibliothek. Die sozialen Angebote, Jobmöglichkeiten, der Umgang der Studenten untereinander usw. vermitteln einem wirklich das Gefühl, dass man nicht seine Zeit verschwendet, wie das leider so häufig an deutschen Unis empfunden wird, und dass obwohl MMU nun wirklich keine Kleinstadt-Uni ist. Der Kontakt mit den einheimischen Studenten und anderen Erasmus Studenten war demnach so unkompliziert, einladend und freundlich, dass ich schweren Herzens die Uni verlasse. Ich würde mir einen derartigen Umgang miteinander an deutschen Unis wünschen. Mir scheint es, als wären sich deutsche Studenten teilweise sogar zu schade, „Hallo“ zu sagen, während man in der MMU in jeder Pause miteinander in Gespräch kommen kann. Und ich möchte keine Floskeln vom „deutschen Klima“ oder was auch immer hören.

Wenn die Uni Potsdam an etwas arbeiten könnte, um den Studienstandort attraktiver zu machen, braucht man keinen Elite-Uni-Status oder sonstiges. Sondern Mitarbeiterschulungen in Freundlichkeit und Mediation im Arbeitsalltag oder so was. Die Angestellten und Mitarbeiter der MMU haben nicht weniger zu tun und bekommen nicht mehr Geld (im Gegenteil) und sie schaffen es immer noch derartig freundlich zu erscheinen, dass man sich wohl fühlt. Ich glaube, wenn die Mitarbeiter der Uni Potsdam ein derartiges Klima verkörpern würden, würde sich das auf die Studenten auswirken.

Ich muss leider feststellen, dass sich meine Englischkenntnisse im Test der EU scheinbar verschlechtert haben sollen. Ich kann das nicht ganz glauben und würde der Kommission, die den vorhandenen Test entworfen hat mal vorschlagen, darüber nachzudenken, dass es Bereiche des Englischen gibt, die außerhalb von utilitaristischem Wirtschaftsdenken liegen; doch was soll man auch anderes von euch erwarten. Ich kann den Sachverhalt von verschlechtertem Englisch allerdings auch so erklären, dass es mir mittlerweile schwerer fällt, eine eindeutige Antwort in manchen Formulierungen zu geben. Das rührt daher, dass mir viele Muttersprachler für manche grammatikalischen Probleme teilweise Verständnis entgegengebracht haben, und selber nicht genau wussten, was das Problem im gegebenen Fall war. Außerdem habe ich viel Mancunian Mundart in meinen Wortschatz eingebaut, den ich, glaube ich, noch nicht ganz kontrollieren kann. Ich glaube außerdem, dass mein Englisch derartig neue Facetten und Bezeichnungen bekommen hat, dass ich mittlerweile schon überfragt bin mich in einer einfachen Weise auszudrücken, weil ich so viele Möglichkeiten wüsste mich auszudrücken. Darüber hinaus haben sich, glaube ich, meine Schreib- und Lesekompetenz und mein Vokabular des Englischen sehr verbessert, was allerdings nicht abgefragt werden soll. Ich würde die Verantwortlichen des Englischtest deshalb gerne einladen Texte auf dem Niveau meiner Seminare zu lesen und zu erklären. Ich glaube, sie würden aufgeben, weil ihre Englischtests beweisen, dass sie ideologisch-ökonomistisch verklärt sind.

Meine Zeit hier in Manchester habe ich in einem tollen Haus mit 5 tollen Menschen verbringen dürfen. Ich hatte das Glück, dass ich eine saubere und relativ frisch sanierte Unterkunft bekommen habe und das zu einem akzeptablen Preis. Leider sind die britischen Wohnstandards nicht mit den deutschen vergleichbar. Als Stadtkind, das immer in einer Wohnung gewohnt hat, waren die roten Backsteinhäuser zuerst befremdlich. Aber mittlerweile liebe ich sie. Die Zustände in anderen Häusern waren nicht immer akzeptabel aber meine Unterkunft war wundervoll. Ich habe die Unterkunft über die Universitätsvermittlung ‚Manchester Student Homes‘ gefunden. Die spanische Mitarbeiterin konnte mir sehr gut weiterhelfen und ich durfte mein Haus mit: 1 Chinesen, 1 weiteren Deutschen, 1 Ungarn, 1 Engländerin und einer Portugiesin teilen. Im Verlauf dann noch mit einem Spanier und 1 Mädchen aus Malaysia. Der Umgang mit meinen Mitbewohnern hat mir Möglicherweise meinen Aufenthalt noch weiter versüßt, da ich nicht nur auf unterschiedliche Kulturen gestoßen war, sondern auf wundervolle Menschen.

Die öffentlichen Verkehrsmittel begrenzen sich meistens auf Busse und waren sehr gut. Die Züge zum und vom Flughafen und um Ausflüge zu unternehmen waren aber auch sehr gut und günstig. Etwas komisch ist die Tatsache, dass es unterschiedliche Betreiber von Bussen, Zügen und Trams gibt und dass die Tickets nicht übertragbar sind. Andererseits brauchte ich auch nur die Busse und habe mich sonst mit dem Fahrrad fortbewegt. Das kann ich allen sehr empfehlen. Das Fahrrad ist der schnellste Weg sich in Manchester fortzubewegen. Ein Mountainbike ist aber auch zu empfehlen, nicht wie ich ein Rennrad. Leider sind die Straßenverhältnisse in Manchester sehr schlecht; schlechter als in manchen Entwicklungsländern in denen ich war wie Kambodscha oder Laos. Krankenversicherung und ärztliche Versorgung sind sehr gut, auch wenn ich sie nicht in Anspruch nehmen musste. Freunde, die ich in Manchester getroffen habe, haben allerdings sehr von der Versorgung profitiert. Ein Land in dem eine Packung Ibuprofen umgerechnet 0,30€ (Eurocent) kostet, kann wohl auch keine Schmerzen haben.

Ich glaube, das zeigt schon, dass die Lebenshaltungskosten teilweise sehr gering sind, was wundervoll war. Essen gehen ist sehr günstig und teilweise sehr gut!! Ich musste auch einige meiner Vorurteile über englisches Essen grundlegend überdenken und hatte hier nie Probleme wundervolles Essen zu bekommen. Die unterschiedlichen Kulturen machen es außerdem möglich viel Neues zu entdecken. Einkaufen im Supermarkt, Kleidung und sonstige Sachen waren teilweise günstiger als in Berlin. Selbst die Miete und die Kosten für den Nahverkehr waren in Ordnung. Und Studentenrabatte überall, also ging man teilweise nur noch essen, weil es so günstig ist. Teurer wird es beim Alkohol, was aber auch nicht immer schlecht war. Ein Bier im Pub kostete teilweise das gleiche wie im Supermarkt (im günstigen Pub 2,xx Pfund vs. Supermarkt 1,50P). Deswegen ging man vorzugsweise in den Pub wenn man etwas zusammen trinken wollte und musste praktisch immer das Haus verlassen. Die schicken Clubs kann man sich meiner Meinung nach schenken, aber wer 18Pfund für einen Cocktail ausgeben kann, der soll es machen. Ein weiteres Vorurteil war trotzdem damit aus der Welt geschaffen: dass England besonders teuer ist. Ich glaube das beschränkt sich nur auf London.

Zu machen gab es so viel: Wenn man nicht grade 100 Einladungen hatte mit jemandem Essen zu gehen oder etwas zu unternehmen, weil einen alle mit offenen Armen dahaben wollten (besonders die Einheimischen, aber auch die anderen Erasmus Studenten) dann konnte man einfach in ein Museum gehen, da diese freien Eintritt haben, alle! Von der Art Gallery übers Technikmuseum war für alle etwas dabei. Ich war noch nie in so vielen Museen wie in Manchester, da sie einfach nur einladen hinzugehen auch wenn man es vielleicht nicht zu 100% mag. Sight-seeing, nach Liverpool fahren, nach Chester, in den Lake District, Edinburgh usw. Ich habe noch nicht mal alles geschafft. Dann noch Fußball spielen von der Uni organisiert und frei oder locker eine Runde Tischtennis oder Meditation zwischen zwei Seminaren usw. überall musste man nur seine Chipkarte zeigen und schon ging es los.

Studienfach: Anglistik

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 04/2017

Gastuniversität: University of Manchester

Gastland: Großbritannien


Ich fange fast an zu weinen, wenn ich diese Zeilen schreibe, weil ich nicht weg will. Nicht mal über das Wetter konnte man sich beschweren. Ich hatte gehofft, dass mir wenigsten dieses Vorurteil noch geblieben wäre, aber leider war es einer der mildesten Winter, die ich jemals hatte. Worüber ich froh bin, es nicht gemacht zu haben, ist in Manchester zu arbeiten. Ich bin dem Erasmus Programm hierbei auch sehr dankbar und um ehrlich zu sein hat man mich hier an der richtigen Stelle bestochen. Das Erasmus Programm mit dem Stipendium hat es mir ermöglicht, diese tollen Erfahrungen zu machen, und dafür werde ich immer dankbar sein. Ich musste feststellen, dass die Lebensverhältnisse in Deutschland und die Arbeitsverhältnisse um ein vielfaches angenehmer sind als in England. Arbeiten zu einem harten Lohn von 7,20-9 Pfund die Stunden blieb mir erspart; und das Bewusstsein, dass es für die nächste Miete nicht reichen könnte und dass man 9.000 Pfund für ein Studienjahr bereits bezahlt hat und sich möglicherweise auf Lebenszeit verschuldet; das Schicksal mancher meiner Kommilitonen. Auch das hat mir ein anderes Bild auf die Besonderheit des Erasmus Programms gegeben und auf Gebührenfreiheit von deutschen Universitäten ohne große Unterschiede der Qualität der Lehrinhalte. Ich würde jedem davon abraten in England nebenbei zu arbeiten. Wenn man kann, lieber Erspartes aufbrauchen, sich verschulden oder Kredit aufnehmen und die Zeit genießen, als sich den harten Bedingungen von Arbeit hier auszusetzen. Minitipps: Die Mensa der Universität ist sehr gut, hab ich leider erst so spät gemerkt. Das ‚Revolution‘ hat keine Preise auf der Getränkekarte; aus gutem Grund! Manchester ist was für fortgeschrittene Stadtliebhaber, nichts für Grünflächen-Junkies.

Irland

zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland.

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier.