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Zwei Semester in Plymouth

Auf das Erasmus-Programm bin ich durch Kommilitonen aufmerksam geworden. Nach Gesprächen mit dem Erasmus-Koordinator meines Faches Geographie entschied ich mich kurzerhand und spontan für Plymouth als Ziel. Da es keine weiteren Bewerber für diesen Standort gab, trennten mich nur das Bewerbungsformular und alle anderen notwendigen Dokumente vom Erasmus-Aufenthalt. Und so erhielt ich Ende März dann den Vertrag für den Erasmus-Aufenthalt und hörte dann bereits im Mai von der Gastuniversität in Plymouth zurück. Die dortige Erasmusbeauftragte der Faculty of Science and Engineering bat mich, noch weitere Formulare, die für die Einschreibung wichtig waren, auszufüllen. Das verlief alles sehr reibungslos und die Beauftragte stand auch immer für Nachfragen und Hilfe zur Verfügung. Kontaktaufnahme erfolgte unkompliziert per E-Mail und Antworten erhielt ich immer innerhalb einer Woche. Ich habe mich von Anfang an sowohl von der Universität Potsdam als auch von der Universität in Plymouth sehr gut informiert und betreut gefühlt.


Studienfach: Geographie

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 06/2017

Gastuniversität: University of Plymouth

Gastland: Großbritannien

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem an einer britischen Universität ist deutlich anders als an einer deutschen Universität. Ich wählte pro Semester drei Module aus. Leider hatte ich keine direkte freie Auswahl, da viele Module nur für britische Studierende reserviert waren, wie zum Bespiel spezifische Praktika. Meine Erasmusbetreuerin der Fakultät erklärte mir geduldig welche Module ich auswählen kann und wie ich mich dafür anmelden kann. Man füllte eine sogenannte Module Choice Form aus, die man sich von einem weiteren Betreuer der internationalen Geographiestudenten bestätigen lassen musste. Man wurde hier also an die Hand genommen und erhielt bei allen administrativen Hürden Unterstützung. Ich konnte zwischen physisch-geographischen Modulen und humangeographischen Modulen auswählen. Ich entschied mich im ersten Semester für drei humangeographische Module, die allesamt sehr interessant klangen. Die Module bestehen meistens aus zwei Veranstaltungen pro Woche, was sich insgesamt also in etwa sechs Veranstaltungen pro Woche niederschlug. Das klingt erstmal nicht viel, aber man muss für die jeweiligen Module viel lesen, um die Leistungserfassungen zu bestehen. Die Lehrveranstaltungen an sich haben – selbst wenn sie als Seminare beschrieben werden – Vorlesungscharakter. Power Point Präsentationen sind hier das Herzstück der Veranstaltungen. Die Inhalte der Veranstaltungen sind abhängig von den Dozenten – einige Dozenten kommen hier aus der Praxis – waren beispielsweise vorher im Urban Planning tätig und können somit interessante Impulse bringen. Die Anforderungen hier sind auch je nach Modul unterschiedlich: Einige Module waren relativ einfach und oberflächlich; Wiederum andere verlangten viel Lesearbeit und Vorbereitung ab. Die Leistungserfassung erfolgt in jedem Modul zweistufig: Meistens ist der erste Teil ein Essay oder Report (2000-3000 Wörter) oder eine Präsentation und der zweite Teil ist entweder noch ein Essay oder Report oder eine zweistündige Klausur, in der jeweils aus einer Reihe an Fragen in Form eines Essays zwei beantwortet werden müssen. Und diese Klausuren sollte man nicht unterschätzen – die Bewertung dort ist doch relativ streng und Noten sind meistens nicht besser als 60% (was eine Second Class ist). In den Essays hingegen ist es durchaus möglich mit etwas Fleiß 70 % zu erreichen, was eine First Class ist.

Die Dozenten hier sind immer für Fragen offen – sei es persönlich oder per E-Mail. Studenten und Dozenten pflegen hier ein lockeres und sehr freundliches Verhältnis, was das Studium hier sehr angenehm machte. Auch die Verwaltungsmitarbeiter sind sehr hilfsbereit und die Fakultät ist für Nachfragen jeder Art täglich von 8:30 bis 17 Uhr erreichbar – also man fühlt sich nie im Stich gelassen und mögliche Probleme werden immer sofort gelöst.

Der Kontakt mit Studierenden in Geographie war sehr oberflächlich. Es ist schwierig in den Veranstaltungen als Erasmusstudent mit den Studierenden in Kontakt zu kommen, da sich alle bereits seit mehr als zwei Jahren kennen (ich war in den Final Year Modulen). Hin und wieder hat man Gespräche, wenn eine Gruppenarbeit gefordert ist, aber man bleibt im Fach schon eher der Eindringling. Das habe ich persönlich aber absolut nicht als negativ wahrgenommen, denn man lernt an einer britischen Universität außerhalb der Fächer unglaublich viele Menschen kennen.

Die technische Ausstattung der Universität ist sehr gut: Man hat eine große Anzahl an Computern in der Bibliothek und auch Computerpools sowie Drucker und Kopierer an zahlreichen Standorten auf dem Campus. Ein großer Vorteil sind die Öffnungszeiten der Bibliothek, welche 24/7 geöffnet hat.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Die Kontakte zu ausländischen Studierenden haben sich bereits in der International Week im September ergeben. Nicht einmal drei Tage war ich hier und schon lernte ich viele Menschen aus allen Ländern kennen – alle waren sehr offen und so verbrachte man die zwei Wochen bevor die Universität losging viel Zeit miteinander und machte Ausflüge. Das ist vor allem am Anfang unglaublich hilfreich zunächst einmal eine „Community“ mit anderen ausländischen Studierenden aufzubauen, da alle ähnliche Erfahrungen und Probleme am Anfang haben. Der Kontakt zu britischen Studieren kann durch verschiedene Dinge zustande kommen: Beim Feiern sind Briten sehr offen und unterhalten sich angeregt mit einem sobald sie herausfinden, dass man deutsch ist. Die beste Möglichkeit mit Briten in Kontakt zu kommen sind dennoch die unzähligen Sport Clubs und Societies, die die Universität anbietet. In der Induction Week im September stellen sich auf einer Art Messe alle Clubs vor und man bekommt einen Eindruck davon, was man alles machen kann neben der Uni. Ich entschied mich dafür, dem Yacht Club und dem Tennis Club beizutreten. Durch den Yacht Club habe ich viele meiner besten Freunde und Bekannte kennengelernt – man segelt nicht nur zusammen sondern trifft sich auch am Abend (meistens Mittwochabend) für sogenannte Socials, die meistens mit Feiern verbunden sind. Diese Abende stehen oft unter bestimmten Mottos wie zum Beispiel „Neon“, „Army“ oder „Hippie“. Diese Abende bringen Clubmitglieder zusammen und bieten die Möglichkeit völlig in die britische Universitätskultur einzutauchen. Ich persönlich war durch meine überwiegend britischen Freunde und durch mein Engagement im Yacht Club eher weniger in der Erasmus Community involviert. Da dies mein zweiter Auslandaufenthalt war, war es auch mein gesetztes Ziel vor allem mit Briten in Kontakt zu kommen. Wer aber interessiert daran ist, vor allem mit anderen Erasmusstudierenden in Kontakt zu kommen, kann in die Erasmus-Society eintreten. Diese organisiert viele internationale Abende und Ausflüge.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Mein Englisch-Level war bereits vor meinem Aufenthalt hier auf dem Niveau C1. Dennoch fühlte ich mich im gesprochenen Englisch zunehmend unsicher. Diese Unsicherheit ist jetzt nach meinem Aufenthalt verschwunden. Durch englischsprachige Universitätsveranstaltungen und durch meine vielen britischen Freunde war ich täglich von Englisch umgeben – und das zeigt sich jetzt darin, dass ich völlig natürlich Englisch verwende und nicht mehr darüber nachdenke. Die Universität bietet aber auch kostenlose Sprachkurse an und auch das sogenannte Language Café bietet den ausländischen Studierenden die Möglichkeit andere Sprachen außer Englisch zu lernen. Ich habe keines dieser Angebote in Anspruch genommen, da mein Englisch bereits bei meiner Ankunft relativ gut war und unkomplizierte Konversationen ermöglichte.

Wohn- und Lebenssituation

Teil der Vorbereitungen war natürlich auch das Nachdenken über die Unterbringung vor Ort: von der Universität Plymouth erhielt man das Angebot in „Student Accommodation“ (sog. „Halls“) zu wohnen. Ich entschied mich aus verschiedenen Gründen dagegen: Erstens sind diese „Halls“ mit etwa 100 bis 150 Pfund/Woche deutlich teurer als private Anbieter (70-90 Pfund/Woche je nach Größe und Lage). Zweitens sind „Halls“ vornehmlich für die Freshers (die Erstis) gedacht und es ist keine Übertreibung diese als Partyhäuser zu beschreiben. Wer also eine echte britische Erfahrung haben möchte, also in einem privaten britischen Haus zusammen mit anderen Studenten leben möchte, sollte sich definitiv für ein privates Zimmer entscheiden. Ich persönlich habe mich Anfang September vor Ort auf die Suche nach einem Zimmer gemacht. Im Internet wimmelt es auf Seiten wie „gumtree“ oder „sparerooms“ nur so vor Zimmern, die die private Landlords anbieten. Darunter gibt es auch schwarze Schafe: Also man sollte lieber auf Nummer sicher gehen und vor Ort sogenannte Letting Agencies (Plymouth Letting, Unity Lets) kontaktieren. Diese haben zwar häufig Gebühren aber die Vermittlung klappt sicher und unkompliziert und man hat immer Ansprechpartner vor Ort. Auch die Universität Plymouth bietet Vermittlung zu privaten Zimmern an und hat auch ein Vermittlungsportal, das durch die Student Union kontrolliert wird. Die britischen Häuser entsprechen leider in den meisten Fällen nicht den deutschen Standards – da muss man definitiv ein paar Abstriche machen. Und sollte dabei auf keinen Fall vergleichen, was man in Deutschland für den gleichen Preis bekommen würde. Die Unterkünfte sind hier mit im Schnitt 80 Pfund pro Woche sehr teuer – aber man hat einfach gesagt keine andere Wahl als das zu bezahlen. Die Mitbewohner kann man sich dabei – vor allem als internationaler Studierender – nicht aussuchen. Da man erst dazukommt und sich viele Gruppen von Freunden bereits im Jahr davor zusammen für ein Haus entscheiden bekommt man meist eines der Restzimmer in Häusern mit Leuten, die sich alle untereinander kennen. Die Größen der Häuser reichen von drei Betten bis zu zehn Betten im Durchschnitt. Ich hatte in meinem ersten Haus mit sechs anderen Briten zusammengelebt – das war eine interessante Erfahrung – dennoch sind die hygienischen Standards vieler britischer Studenten sehr gewöhnungsbedürftig. Doch dieses Zusammenleben mit anderen Studenten hat definitiv positiv zu meiner kulturellen Erfahrung beigetragen und ich bereue es definitiv nicht mich gegen „Halls“ entschieden zu haben. 

Das schönste Studentenviertel der Stadt ist definitiv Mutley – man hat zahlreiche Pubs, Clubs, Restaurants, Shops, Supermärkte und die Universität in der Nähe. Ansonsten ist alles, was in der Nähe der Lipson Road oder in der Nähe des Bahnhofes liegt sehr gut und nahe der Uni gelegen.

Öffentliche Verkehrsmittel habe ich im Alltag nicht benutzt – Plymouth ist eine Stadt in der alles fußläufig zu erreichen ist. Anfangs musste ich mich etwas an das viele Laufen gewöhnen, aber mittlerweile genieße ich es etwa 30 Minuten bis an das Meer zu laufen. Vom Campus aus erreicht man die Innenstadt in weniger als fünf Minuten und auch Supermärkte und Pubs und Clubs sind rund um den Campus finden.

Die Lebenshaltungskosten hier sind um einiges höher als bei uns in Deutschland, obwohl ich zugeben muss, dass der Lebensstil an einer britischen Universität auch dazu beiträgt. Die Supermärkte hier sind alle um einiges teurer als bei uns – einzig Aldi und Lidl bieten eine günstigere Alternative und haben ein umfassendes Sortiment an allem, was man so braucht. An der Uni selbst gibt es keine Mensa, sondern nur Cafés, die Mittagessen für etwa 4 -5 Pfund und Snacks für etwa 2-3 Pfund anbieten. Restaurants und Pubs sind auch relativ teuer, selbst diejenigen die eigentlich auf Studenten ausgelegt sind. Für einen „Pint“ Bier oder Cider bezahlt man meistens 2-4 Pfund und für ein Essen auswärts bezahlt man etwa 8-12 Pfund. Plymouth bietet von studentischen Pubs, Hafenkneipen, sämtlichen Ketten (McDonalds, KFC, Burger King, Pizza Hut…) über kleine individuelle Cafés mit ausgezeichnetem Barista Kaffee alles was das Herz begehrt. Für ausgiebiges Shoppen sollte man dann aber doch lieber nach Exeter, Bristol oder London fahren – Plymouth hat zwar ein Einkaufszentrum und Einkaufsstraßen mit vielen Second Hand Shops aber ausgefallene Labels fehlen. Doch die Busverbindungen in andere Städte sind durch lokale Busanbieter und durch Megabus günstig und zuverlässig.

Das Freizeitangebot in und um Plymouth ist meiner Meinung nach unerschöpflich. Durch die Lage am Meer und in unmittelbarer Nähe zu Cornwall und Dartmoor gibt es für Naturliebhaber immer etwas zu tun. Wassersport aller Art wird durch die Clubs der Universität angeboten – von Stand Up Paddling, Rudern, Windsurfen, Surfen und Segeln ist alles vertreten. Auch Wanderungen am South West Coast Path sind tolle Möglichkeiten die Schönheit der Natur hier kennenzulernen. Immer nur eine kurze Fährfahrt entfernt findet man sich an wunderschönen Orten wieder. Möchte man mal etwas weiter weg so kann man vom Bahnhof mit dem Zug ins schöne Cornwall fahren – sei es für einen Strandtag in St. Ives oder für einen Surftag in Newquay. Auch Dartmoor ist nur eine halbstündige Busfahrt entfernt und bietet Wanderern alles was das Herz begehrt – steiniges Terrain, Mooswiesen und Berge, die bestiegen werden können. Für alltägliche Freizeit in Plymouth bietet sich das Life Centre an, welches Klettern, Schwimmen und Fitness ermöglicht. Ansonsten gibt es zwei Kinos, ein großes Theater sowie Pubs, die mehrmals in der Woche Live Konzerte und Quiz-Nächte anbieten.

Mir war in Plymouth nie langweilig und ich habe nicht einmal den Fernseher angemacht oder Zeit gehabt Serien zu schauen – Plymouth ist der perfekte Ort, um viel Zeit draußen zu verbringen.

Rückblick

Einen Ratschlag, den ich allen Studierenden geben würde: Lasst euch auf Plymouth und die interkulturelle Erfahrung ein – geht ohne Vorurteile an diese auf den ersten Blick „nicht so aufregende“ Stadt und seine Universität heran. Man muss offen sein und auch unangenehme Situationen als „Neuer“ am Anfang durchstehen. Es lohnt sich – ich kann mir nach einem Jahr Aufenthalt nur schwer vorstellen diese Zeit zurückzulassen – zu sehr habe ich meinen Club und meine Freunde ins Herz geschlossen. Briten sind unglaublich herzliche Menschen – gebt das zurück und zeigt euch offen und kommunikativ. Das Motto eures Aufenthalts sollte sein „Don’t be a stranger“: Geht auf Leute zu und teilt eure deutsche Kultur – Briten sind überraschenderweise sehr interessiert am kulturellen und auch politischen Austausch.  Ich kann glücklicherweise keine negativen Seiten benennen – aber das war bei mir vor allem eine Einstellungssache. Geht man positiv an diese Erfahrung heran und öffnet sich der neuen Kultur so gewinnt man selbst und auch alle involvierten Freunde und Kommilitonen daran.

Studienfach: Geographie

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 06/2017

Gastuniversität: University of Plymouth

Gastland: Großbritannien


Sonstige Hinweise

Plymouth ist eine meiner Meinung nach sehr sichere Stadt: Ich habe mich selten unsicher oder bedroht gefühlt. Natürlich gibt es in Plymouth auch Obdachlosigkeit und eine große Drogenszene – die allerdings unter sich bleibt und andere nicht involviert oder bedroht. Als Student kommt man damit aber nicht in Kontakt, da man sich größtenteils im 1-km-Radius rund um den Campus bewegt.
Vorsicht sollte auch bei den privaten landlords (Vermietern) der privaten Studentenhäuser geboten werden. Viele versuchen einen durch hohe Mieten für kleine Zimmer abzuzocken oder setzen einen bei der Entscheidung, ob man das Zimmer nehmen möchte unter Druck. Es gibt genug Zimmer und Angebote in Plymouth: Es ist keine Eile oder Druck bei dieser Entscheidung notwendig. Bei Problemen diesbezüglich sollte man sich an den Accommodation Service der Universität wenden oder direkt an eine Letting Agency, wie bereits oben erwähnt.

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