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Ein Semester in Hull

Zum Auslandssemester habe ich durch die Informationsveranstaltung der Universität Potsdam gefunden. Ursprünglich wollte ich eigentlich nicht ins Ausland gehen, da ich sehr introvertiert und oft ängstlich bin, wenn es um große Veränderungen geht. Nachdem ich eine Freundin während ihres Auslandssemesters in Irland besucht und ihre Wohn- und Studiensituation kennengelernt habe, war das Ganze nicht mehr so erschreckend. Da ich erst im Januar 2017 nach Hull gehen wollte, hatte ich drei Monate zwischen Ende des Sommersemesters an der Universität Potsdam und Beginn des Auslandssemesters in Hull zu überbrücken. Deshalb habe ich mich für ein Auslandspraktikum an der Universität Bristol entschieden, welches ich auch über die Universität Potsdam vermittelt und durch ein Leonardo-Stipendium der Universität Cottbus finanziert bekommen habe. Gerade diese Erfahrung hat mich so positiv überrascht, dass ich all meine Angst vor dem Auslandssemester verloren habe. 


Studienfach: Anglistik / Amerikanistik

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 06/2017

Gastuniversität: University of Hull

Gastland: Großbritannien

Die Bewerbung an der University of Hull erfolgte ganz einfach über die Webseite, auf der auch alle erforderlichen Dokumente aufgelistet waren. Nachdem ich dann akzeptiert wurde, musste ich noch die erforderlichen Unterlagen für die Universität Potsdam und das Erasmus+-Stipendium ausfüllen. Ich habe mich außerdem im Vorfeld über den DAAD versichern lassen, da ich mich dadurch um rein gar nichts kümmern musste und für jeglichen Notfall komplett versichert war. Die Anmeldung für diese Versicherung funktionierte ganz einfach und schnell im Internet.

Und dann konnte es auch schon losgehen. Die University of Hull hat im Vorfeld einen festgelegten Tag angeboten, an dem Studenten kostenlos von den Flughäfen Manchester und Humberside oder dem Fährhafen in Hull abgeholt und zu ihren Unterkünften gebracht wurden. Dieses Angebot habe ich angenommen und bin dann nach Manchester geflogen, wo ich freundlich von Studenten und Helfern der Universität empfangen wurde. Nachdem ich mit anderen Studenten mit Getränken und Snacks auf den Bus gewartet habe, der uns nach Hull bringen sollte, ging es dann auf die knapp zweistündige Reise. Am Wohnheim angekommen, wurden wir auch alle sehr freundlich und hilfsbereit begrüßt und zu unseren Zimmern gebracht. Ein paar Tage später gab es dann den Orientation Day auf dem sich wichtige Bezugspersonen vorgestellt haben und uns etwas über die Universität, unsere Kurse und das Leben in Hull unterrichtet haben. Vor Studienbeginn hatte man also noch ein paar Tage, in denen man sich einfinden und eventuelle Unklarheiten oder Änderungen der Kurse klären konnte. Circa vier Tage nach Ankunft ging dann das Semester offiziell los.
Die Kurse, die ich besuchen wollte, konnte ich vorab auf der Universitäts-Webseite einsehen und in meinem Learning Agreement Before Mobility vermerken. Allerdings ist es hierbei wichtig, zu wissen, dass die gewählten Kurse auch nicht unbedingt stattfinden müssen, deshalb muss man auf eventuelle Änderungen vorbereitet sein. Ich habe mich für die Kurse „Literary Stylistics“, „Literatures of Slavery and Freedom“ und „American Revolutionary Readings“ entschieden. Diese Kurse waren sehr interessant gestaltet und sind von den Anforderungen her ähnlich wie die Kurse der Universität Potsdam. Sie haben mir sehr gefallen, allerdings war aber das Arbeitspensum etwas gewöhnungsbedürftig. Obwohl ich zeitlich gesehen nur circa sechs Stunden die Woche in Lehrveranstaltungen gesessen habe, musste ich sehr viel Zeit mit Lesen (circa ein Buch pro Woche pro Kurs) und der Aufbereitung der Kurse verbringen. Insbesondere haben hier die vielen Essays an meinen Nerven genagt. Auf die drei Kurse kamen insgesamt sechs Essays im Umfang von 1500 bis 3000 Wörtern. Dennoch habe ich viel Unterstützung bekommen, um alles pünktlich und zufriedenstellend abgeben zu können und konnte so auch gute bis sehr gute Noten erreichen. Gerade dies hat mir jetzt kurz vor der Bachelorarbeit noch einmal sehr geholfen, meine Recherche-, Argumentations- und Schreibfähigkeiten zu verbessern. Ein besonderes Lob muss ich allgemein nochmal den Dozenten aussprechen, die immer außerordentlich freundlich, passioniert, hilfsbereit und sehr kompetent waren. Hier hat das Lernen wirklich Spaß gemacht. So viel, dass ich mich tatsächlich viel am Unterricht und den Diskussionen beteiligt habe, was ich so noch gar nicht von mir kannte.
Nicht nur das Lehrpersonal, sondern auch die Mitarbeiter an der University of Hull waren sehr freundlich und hilfsbereit. Selbst wenn sie etwas nicht wussten, standen sie mit Rat und Tat zur Seite und haben mich an die richtige Person weiterverwiesen.    
Besonders aber hat das International Office einen wunderbaren Job geleistet. Man hat sich immer gut aufgehoben gefühlt und konnte mit jeglichem Problem zu ihnen kommen. Obwohl es kein schönes Thema ist und ich lange überlegt habe, es in meinen Bericht aufzunehmen, muss ich doch erwähnen, dass gerade nach den Anschlägen in Manchester und London dafür gesorgt wurde, dass es auch allen gut geht. Es wurde sich danach erkundigt, ob wir wohlauf sind und unsere Familienmitglieder kontaktiert haben, damit sich diese keine Sorgen machen müssen. Gerade dies hat in einem das Gefühl erweckt, dass man mehr als nur ein Student ist. Des Weiteren wurde uns auch vor Semesterbeginn eine Impfung gegen Meningitis ans Herz gelegt, da diese Krankheit gerade im Vereinigten Königreich unter jungen Menschen die Reihe macht. Nach Anmeldung bei einem ortsansässigen Allgemeinarzt war die Impfung kostenlos und konnte schnell hinter sich gebracht werden.
Was die Universität betrifft, ist diese wirklich auf einem hohen allgemeinen und technischen Standard. Die Bibliothek macht den Eindruck, eines der größten Häuser in ganz Hull zu sein und hat viele interessante Bücher zu bieten. Sie ist sehr modern und verfügt über mehrere verschiedene Lernräume. Man kann in einem ruhigen Studienzimmer studieren, sich Gruppenlernräume mieten oder auf sieben Etagen auf Sesseln oder auf Stühlen an geräumigen Tischen sitzen. Sollte man keinen eigenen Computer zur Verfügung haben, kann man die PCs in der Bibliothek nutzen. Steht am nächsten Tag ein Essay an, was man vergessen hat, kann man sich auch 24 Stunden in der Bibliothek aufhalten, da diese rund um die Uhr geöffnet hat. Des Weiteren verfügt die Universität über diverse Gemeinschaftsräume in denen sich auch noch einmal Computer und Drucker, aber auch Sitzmöglichkeiten und Freizeitaktivitäten finden. Im Allgemeinen hat mich das Bild der Uni ein wenig an amerikanische High-School-Filme erinnert. Ich habe sie sozialorientierter erlebt, als die Universität Potsdam. Man kann sich wirklich den ganzen Tag dort aufhalten, ohne dass einem langweilig wird. Sollte man sein Essen vergessen haben, ist dies kein Problem, da die Uni über ein eigenes kleines Lebensmittelgeschäft verfügt. Auch ein Pub, ein Restaurant, ein Café, ein Friseur und ein Bücherladen gehören zur Universität. Sollten manche also behaupten, dass Hull eine eher altmodische und industrielle Stadt ist, trifft dies jedenfalls nicht auf die Universität selbst zu.    
Leider konnte ich während meines Studienaufenthaltes zu einheimischen Studenten keine Kontakte aufbauen. Ich habe zwar in den Kursen mit ihnen zusammen Aufgaben bearbeitet, aber darüber hinaus haben sich kaum Gespräche ergeben. Dennoch war ich nicht auf mich allein gestellt. Über eine der vielen Societies, in die man eintreten und andere Menschen kennenlernen konnte, habe ich einen guten Freund gefunden. In meinem Wohnheim, was zu einer Hälfte mit englischen und zur anderen Hälfte mit internationalen Studenten bestückt war, habe ich nach der ersten Woche sofort Freunde gefunden. Unsere kleine Gruppe bestehend aus zwei Amerikanerinnen, zwei Niederländerinnen, einer Schwedin und zwei Deutschen war schon nach kurzer Zeit unzertrennlich. Wir haben nicht nur jeden Abend miteinander zu Abend gegessen, sondern haben auch oft abends noch zusammengesessen und Karten gespielt oder sind sogar mal verreist. Die Freundschaften sind so intensiv geworden, dass wir geplant haben, auch nach dem Auslandssemester noch miteinander zu skypen und uns in unseren jeweiligen Heimatländern zu besuchen.
Da ich bereits vor dem Auslandssemester drei Monate ein Auslandspraktikum in England absolviert habe, hat sich an meinem generellen Englischlevel nicht mehr all zu viel getan, aber ich muss sagen, dass ich nun wesentlich sicherer und flüssiger spreche. Gerade die Zusammensetzung meines Freundschaftskreises und die Unterrichtssprache haben mich dazu gezwungen, mich ausnahmslos in Englisch zu verständigen. Des Weiteren habe ich durch Einkaufen und Arztbesuche oder Freundschaften zu Einheimischen viel über die alltäglichen Sprachkonventionen gelernt, die einem nicht in der Schule oder dem Studium beigebracht werden. Ich kann nun also ohne Probleme in verschiedenen Kontexten Englisch sprechen, was mich sehr froh und stolz macht.
Was meine Wohn- und Lebenssituation betrifft, wollte ich mich zunächst selbst um eine Unterkunft kümmern, habe mich aber dann für den einfachen Weg entschieden und mich für ein Wohnheimzimmer der Universität beworben. Dies ging ganz einfach über eine übersichtlich eingerichtete Webseite, über die per E-Mail informiert wurde. Man konnte je nach Budget aus unterschiedlichen Unterkünften auswählen, über die per virtuellen Rundgang auf der Webseite unterrichtet wurde. Als ich dann die Zusage per Mail bekam, konnte ich auch noch ein „Bedding-Pack“ (Decke, Kissen und Bezüge) dazu bestellen, dass dann bei Ankunft zur Verfügung stand. Dies war sehr praktisch, da ich dann mehr Platz für wichtigere Dinge in meinem Koffer hatte. Untergebracht war ich dann also in der Ferens Hall, die circa 20 Minuten mit dem Bus von der Uni entfernt war. Diese Unterkunft behauste sowohl englische, als auch internationale Studenten. Das Gebäude und die Zimmer waren zwar eher alt, aber verfügten über alles, was man für die Studienzeit dort brauchte. Auf dem Gelände befand sich außerdem ein hochmodernes Zentrum, in dem sich eine Bar, ein Essenssaal, ein Gym, ein Sportplatz, der Waschsaal und ein Gemeinschaftsraum mit Tischtennisplatten befanden. Des Weiteren waren im Mietpreis von circa 2000 Pfund für die Gesamtzeit eine tägliche Abendmahlzeit und das Busticket für ganz Hull inbegriffen.   
Die Busse Nummer 103, 105 und 115 fuhren direkt vom Wohnheim und waren die Hauptverbindung zu Universität (20 Minuten) und Hauptbahnhof (40 Minuten). Sie fuhren etwa alle 10 Minuten unter der Woche, sodass man also nicht lang auf eine Verbindung warten musste. Des Weiteren gab es in dem Ort des Wohnheims (Cottingham) und im Stadtzentrum Zug-Bahnhöfe. Oft bin ich von dort zu Städten wie Manchester (2 Stunden), Scarborough (1 ½ Stunden), Bridlington (40 Minuten), Bempton (1 Stunde) und London (2 ½ Stunden) gefahren. Gerade hierbei lohnt es sich, sich eine Jahreskarte namens „16-25 Railcard“ für 30 Pfund zuzulegen, da man hiermit massiv bei den vergleichsweise teuren Zugtickets spart.
Dadurch, dass ein Abendessen im Mietpreis mit inbegriffen war, musste ich mich finanziell nicht mehr um so viel kümmern. Mir persönlich hat eine weitere Mahlzeit ausgereicht, sodass ich im Monat bei circa 60 Pfund für Nahrungsmittel lag. Natürlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass man es in England mit dem Pfund und nicht dem Euro zu tun hat. Es ist also alles ein wenig teurer, aber man sollte auf keinen Fall im Kopf umrechnen, da man sich sonst nur verrückt macht. Insgesamt habe ich im Monat deshalb wahrscheinlich maximal 100 Pfund für Alles drum und dran ausgegeben.   
Da Hull während meines Auslandssemesters UK City of Culture (2017)  war, gab es eine Vielzahl an Angeboten in der Stadt, denen man kostenlos oder für einen kleinen Preis nachgehen konnte. Viele oder fast alle der Museen sind außerdem kostenlos und sehr interessant. Insbesondere das Wilberforce Museum, das Geburtshaus von William Wilberforce, dem Mann, der sich für die Abschaffung der Sklaverei eingesetzt hat, hat mich aufgrund meines Studiums sehr interessiert. Falls einem das alles noch nicht reicht, gibt es auch sehr viele Freizeitangebote die problemlos von der Universität organisiert werden. Diese beinhalten Kurztrips zu interessanten Orten (Beverley, Cambridge, Oxford, Liverpool), Konzerte und kleinere Freizeitaktivitäten (Lach-Yoga). All dies war günstig und super organisiert und stellte eine Abwechslung zum Studienalltag dar. Eine weitere Sache, die ich sehr gut fand, war das Sportangebot. Es gab viele verschiedene Angebote aus denen man auswählen und kostenlos oder zu einem kleinen Aufpreis daran teilnehmen konnte. Dadurch habe selbst ich als Sportmuffel zum Sport gefunden. Alles in allem konnte einem also auf keinen Fall langweilig werden, so wie es viele von Hull behaupten.

Studienfach: Anglistik / Amerikanistik

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 06/2017

Gastuniversität: University of Hull

Gastland: Großbritannien


Allgemein kann ich jedem ein Auslandssemester wärmstens ans Herz legen. Diese Episode in eurem Leben werdet ihr wahrscheinlich nie wieder vergessen, da sie auch noch für bereits erwachsene Menschen sehr prägend ist. Man erfährt nicht nur viel über sich selbst, sondern lernt auch mit anderen Menschen aus verschiedensten kulturellen und sozialen Hintergründen umzugehen. Auch wenn nicht alles immer optimal ablaufen wird, ist es im Allgemeinen doch eine sehr positive Erfahrung von der man nur profitieren kann.

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