uni-potsdam.de

You are using an old browser with security vulnerabilities and can not use the features of this website.

Here you will see how you can easily upgrade your browser.

Erasmus in Southampton

Bevor es los ging...

Die Idee, ein Auslandssemester zu machen während der Bachelor- Zeit spukte schon eine ganze Weile in meinem Kopf, ehe ich den Mut fasste, mich intensiv mit den notwendigen Bedingungen zu beschäftigen. Was mich ein ganzes Jahr lang abgehalten hatte, war die viele Bürokratie, die ich dafür bearbeiten würde. Ich entschloss mich dann aber doch dazu, mich meiner Trägheit zu stellen und schrieb dem Erasmus-Koordinator meines Studiengangs - der Psychologie.
Genau einen Tag bevor ich mich meldete, war allerdings die Bewerbungsfrist für das folgende akademische Jahr abgelaufen und so teilte er mir mit, dass ich leider zu spät war. Als ich jedoch weiter las, stellte sich heraus, dass die Kandidatin für genau meinen Erstwunsch, den ich in meiner E- Mail angegeben hatte, abgesagt hatte. Außerdem wollte ich erst im Sommersemster ins Ausland gehen, sodass der Koordinator mir den Platz an der University Southampton anbot und sogar zusicherte, wenn ich ihm ganz schnell alle Unterlagen zukommen lassen würde, die notwendig waren. So eifrig und motiviert hatte ich noch keine Formulare ausgefüllt, aber ich stand am nächsten Tag in seinem Büro und übergab ihm alle Dokumente. Damit war der erste Schritt getan.


Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 06/2017

Gastuniversität: University of Southampton

Gastland: Großbritannien

Unterkunft

Die nächste Schicksalsfügung ergab sich aus einem Gespräch mit einer Freundin, die jemanden kannte, die jemanden kannte, der gebürtiger Southamptoner war (wie das gelegentlich so ist...). Sie erkundigte sich nach einer Unterkunftsmöglichkeit für mich, noch bevor ich mir überhaupt Gedanken über eine Studenten-WG oder ein Wohnheim machen konnte. Ich erfuhr nur kurze Zeit später, dass ich bei den Eltern des gebürtigen Engländers unterkommen könnte und kontaktierte die Dame, die sich angeboten hatte, mich bei sich aufzunehmen. Wir hatten ein langes Telefonat, um alle Erwartungen an den jeweils anderen zu klären und regelten die finanziellen Vorstellungen. Ich war sehr, sehr dankbar für diese "Zufälle", die mir da so leicht vor die Füße zu fallen schienen, da ich um einen großen Teil des Kopfzerbrütens entlastet worden war, ohne viel dafür getan zu haben. Meine erste Hürde war somit im Februar 2016 schon bewältigt und erst zu Beginn des Wintersemesters befasste ich mich wieder mit Dokumenten, die ich im psychologischen Department, beim Akademischen Auslandsamt oder in Southampton einreichen musste. Vorher hatte es wenig Sinn, da die Sachbearbeiter befürchteten, dass meine Unterlagen im Sumpf der Dokumente derer, die schon im Herbst ins Ausland gehen würden, verschollen gehen könnten. Es war natürlich ein kleiner Aufwand, alle Unterschriften der einzelnen Institutionen zu holen, das Transcript of Records (also eine Leistungsübersicht der bisher belegten Kurse) zu erstellen, usw., aber eigentlich war er doch geringer, als ich ihn erwartet hatte.

Anreise

Da das Sommersemester in England im Februar beginnt und bis Ende Juni dauert, buchte ich meinen Flug für den 26. Januar 2017 von Berlin nach London Gatwick. Ich wollte nur einen Koffer mitnehmen und das erwies sich als (zwar voll, aber) ausreichend. Von dort aus würde ich mit dem Zug nach Southampton fahren und meine "Gasteltern" wollten mich dann vom Bahnhof abholen, was ich sehr nett fand. Alles funktionierte prima und ich merkte auch schon nach den ersten 5 Minuten mit meiner "Hostmum", dass die Chemie zwischen uns zu stimmen schien. Ich hatte mir nämlich noch die Option offen gelassen, einer Unterkunft in einer Studenten- WG zuzusagen, falls sich die familiäre Unterkunft als Reinfall aus diversen Gründen entpuppen sollte. Das war aber überhaupt nicht der Fall: Ich fühlte mich von Anfang an sehr wohl in diesem Haushalt, weswegen ich der anderen nach einer Woche absagte.

University Southampton

Zur Universität musste ich direkt am Tag nach meiner Ankunft, was sehr gut war, da ich dort gleich Menschen kennenlernte, mit denen ich Freundschaft schloss und Zeit am folgenden Wochenende verbringen könnte. Die Erasmus-Verantwortlichen vor Ort kümmerten sich um uns mit allerlei Informationsveranstaltungen zur bürokratischen Verwaltung der Dokumente, zu den Online-Systemen der Universität, den Angeboten auf dem Campus außerhalb der Kurse und Kennlern-Parties speziell für uns internationale Studierende. Ich fühlte mich gut aufgehoben und wusste, an wen ich mich für etwaige Fragen vor Ort zu wenden hatte.

Kurse

Meine Kurse begannen zu Beginn der folgenden Woche. Ich hatte sie nach meinen Interessen und weniger nach meinem Wissensstand nach bereits 2 Jahren als Psychologie-Studierende gewählt und saß deshalb auch in 2 Kursen, die eigentlich für Erstsemester gedacht waren. Ich dachte, ich hätte möglicherweise einen Vorteil, viele Inhalte schon ein mal in Potsdam behandelt zu haben, jedoch lernte ich in speziell diesen Modulen noch viel umfassendere oder vertierendere Theorien und Studienergebnisse kennen, was ganz und gar nicht von Nachteil war. Einen der vier Kurse wechselte ich nach den ersten Wochen, jedoch verlief das völlig unkompliziert. Meine größte Sorge war die Sprachbarriere, doch dies entpuppte sich als völlig unbegründet. Natürlich kannte man nicht jede Vokabel und musste gelegentlich einmal nachschlagen im Wörterbuch, aber die Inhalte und Zusammenhänge der Veranstaltungen verstand ich sehr gut. Auch die Notizen auf den Folien der Dozenten waren kein Hindernis. Leider gibt es jedoch in Southampton wie sicherlich überall auch Dozenten, die ihre Lehrveranstaltungen nicht sehr spannend gestalten, was sehr schade ist, da der Inhaltsgehalt manchmal verloren geht und sich erst vor der Prüfung offenbart, wenn man sich intensiv mit dem Thema auseinander setzen muss.

Prüfungsleistungen

In 2 Modulen musste ich vor den Osterferien Midterm Exams schreiben, die auf Multiple Choice- Aufgaben basierten. In den 2 anderen hielt ich vor den Ferien noch 2 Referate und für eines musste ich ein Essay abgeben. Letzteres verursachte mir die größten Bauchschmerzen, da ich bis dahin nie im Studium eine ähnliche Leistung erbringen musste. Ich hatte keine Erfahrungen, wie man ein psychologisches Paradigma kritisch untersucht und wusste noch recht wenig über die APA-Form. Doch auch hier gab es an der Uni Angebote für Studierende, Workshops für akademisches Lernen und Schreiben zu absolvieren, welches auch ich nutzte und sehr hilfreich empfand. Die Termine fanden sogar nur im One-to-One-Stil statt, sodass sich die Experten genau auf das spezifische Thema fokussieren konnten. Dass es in Southampton mehr Leistungsnachweise gibt, die es zu erbringen gilt, hat Vor- und Nachteile: man muss das ganze Semester hindurch "am Ball" bleiben; ein Lernen eine Woche vor der Endjahresklausur wie in Potsdam ist nicht möglich. Ich hatte viel zu Lesen unter der Woche und lernte eigentlich erst in Southampton, welche Aspekte ich in wissenschaftlichen Studien betrachten sollte. Ich kann jedem Studierenden wärmstes empfehlen, sich wirklich diszipliniert täglich mit dem Stoff für einige Stunden zu beschäftigen. Ein Vorteil ist jedoch, dass die Note in der Klausur am Ende des Semesters nicht so viel Gewicht hat wie in Potsdam. Durch relativ gute Leistungen in den anderen Leistungsnachweisen im Semester kann man sich eine gute Basis schaffen und sogar in der Klausur durchfallen, aber den Kurs dennoch bestehen. Die Prüfungen am Ende des Semesters waren sehr lernaufwendig, da es nicht nur MC-Fragen anzukreuzen galt, sondern auch Essayfragen zu beantworten. Diese hatten genauso viel Gewichtung wie die richtigen Antworten der MC-Fragen, sodass man sich ein umfassendes Wissen aneignen musste - samt Namen der Wissenschaftler und im besten Falle auch Jahreszahl der Veröffentlichung der Studie. Teilweise waren die Prüfungen computer-, teilweise Papier und Stift- basiert. Ich persönlich bin durch alle Endjahresprüfungen gut durchgekommen und kann jedem ausländischen Studierenden die Angst nehmen vor dem Schwierigkeitsgrad. Es ist sehr gut machbar, wenn man sich früh genug vorbereitet und im Stoff steht.

Studentenleben

Was mir außerdem an der Universität gefiel, war das rege Studentenleben auf dem Campus, das sich deutlich von dem in Potsdam unterschied. Es gibt ein Fitnesstudio mit Schwimmbad, einen Uni-Shop, einen Lebensmittelladen, viele Cafeterias, gemütliche Cafés, einen Pub, einen Theater- und Konzertsaal, einen Gebetsraum, ein Kino und sogar eine Campus-Katze. Wöchentlich fand ein Obst- und Gemüsemarkt statt und allerlei andere Veranstaltungen für die Studierenden. Auch gibt es über 100 Societes gegründet durch die Studierenden, die sich mit allen möglichen Themen befassen. Es sind entweder Sportgruppen, literarische oder musikalische Zusammenkünfte, religiöse, archäologische, politische, computerspiel- basierende Gruppen oder Menschen, die Interesse an einer bestimmten Kultur oder einen Migrationshintergrund haben. All dies wird mir in Potsdam fehlen.

Einheimische

Kontakt zu einheimischen Studenten hatte ich leider wenig. Die meisten haben im 3. Studienjahr schon ihre Freundeskreise gefunden und wir internationalen Studierenden bildeten eine eigene Gruppe mit allen möglichen Nationalitäten. Freundschaften mit den Briten schloss man eher in den Societies, die sich regelmäßig trafen.

Freizeit

An den Wochenenden war ich außerhalb der Prüfungszeit viel unterwegs mit den anderen Erasmus- Studenten. Wir erkundeten viele Städte an der Südküste Englands, die man prima mit dem Zug erreichen konnte, London, Oxford und noch viele andere touristische Städte und Stätten. Außerdem kann ich Canterbury, Brighton und Bath sehr empfehlen! Die Stadt Southampton hat leider nicht allzu viel zu bieten, was Kulturerbe betrifft, jedoch sind die Anbindungen in "spannendere" Orte ganz gut. Auch mit meiner Gastfamilie unternahm ich viel und wurde vollkommen in ihren Alltag integriert. Ich lernte die Kinder des Ehepaares kennen und freundete mich mit ihnen an. Ich fühlte mich nach wie vor sehr wohl und führte oft sehr gute Gespräche mit ihnen. Ich genoss die familiäre Atmosphäre sehr und empfand mich nicht als zahlender Hotelgast, sondern mehr als zusätzliches Kind. Ich bin mir sicher, dass wir noch lange in Kontakt bleiben werden!

Finanzen

Der einzige Nachteil sind die Reisekosten, die in England generell recht hoch angesetzt sind. Das Doppelte zu zahlen für die öffentlichen Verkehrsmittel als in Deutschland ist keine Seltenheit. Jedoch gibt es ab und zu wirkliche Schnäppchen, zu sehr beliebten Orten durch den Veranstalter "Megabus". Finanziell bezog ich Auslandsbafög und kam so ganz gut über die Runden. Die Lebenshaltungskosten waren in der Gastfamilie generell aber nicht sehr hoch. Leider kann ich nichts dazu sagen, wie es in Studentenwohnheimen oder WGs gewesen wäre.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 06/2017

Gastuniversität: University of Southampton

Gastland: Großbritannien


Rückblick

Alles in allem war mein Auslandssemester in Southampton eine durchweg positive Erfahrung, in der ich über mich selbst hinaus wachsen konnte. Ich habe viele schöne Orte und Städte gesehen, die ich schon immer mal sehen wollte, tolle Freundschaften geschlossen mit Menschen aus aller Welt, eine liebe Gastfamilie gefunden, bei der ich mich sehr gut aufgehoben fühlte und die ich des Öfteren besuchen werde. Am wichtigsten ist jedoch, dass ich viele Impulse und Denkanstöße bekommen habe in den Monaten an der University Southampton, die es mir ermöglichen werden, mein Interesse an der Psychologie weiter zu vertiefen, mich mit diversen Theorien kritisch auseinander zu setzen und auch bestimmte Sachverhalte in meinen zukünftigen wissenschaftlichen Arbeiten zu untersuchen.
Ich kann jedem Studierenden Southampton als Wahl für ein oder zwei Auslandssemester wirklich von ganzem Herzen empfehlen.

Irland

zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland.

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier.