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Fatih Üniversitesi 2012/13

Die Entscheidung zu einem Auslandsaufenthalt traf ich sehr spät, weshalb die Vorbereitungsphase recht kurz ausfiel. Die meiste Zeit und Mühe nahm - wie wohl bei vielen ERASMUS-studenten - der administrative Teil in Anspruch. Das Akademische Auslandsamt der Universität Potsdam war dabei sehr hilfsbereit und zuvorkommend, auch wenn ich mit meinem Antrag spät dran war und die Informationsveranstaltungen allesamt verpasst hatte. Wenn der Kontakt zur Gastuniversität hergestellt ist, kann man sich um die Formalien kümmern und die sogenannte Checkliste abarbeiten: Learning Agreement, Urlaubsantrag, Befreiung von den Semestergebühren, Auslands-BAföG-Antrag usw. Alle anderen Vorbereitungen sind eher individuell und von der Abenteuerlust des Studenten abhängig. Ich würde dringend zu einer Auslandskrankenversicherung raten, denn Notfallbehandlungen in türkischen Krankenhäusern können teuer werden und die steilen Istanbuler Straßen laden geradezu zum Stolpern ein. Wenn man möchte kann man sich auch bereits im Voraus um eine Wohnung kümmern. Von den Wohnheimen der Unis, insbesondere der Fatih-Universität, rate ich dringend ab! Man kann aber auch erst einmal in einem der vielen Hostels im Stadtzentrum einchecken und spontan nach einer WG suchen.


Studienfach: Soziologie, Religionswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 02 /2013 – 06 /2013

Gastuniversität: Fatih University

Gastland: Türkei

Außerdem empfiehlt sich ein Türkischkurs, in dem man vorher die wichtigsten Dinge lernt, um im Alltag zurecht zu kommen. Der Anfänger-Sprachkurs an der Fatih Universität soll sehr schlecht sein und die meisten machen ihn nur, weil man dafür fünf Leistungspunkte bekommt. Aber auch andere Universitäten bieten Sprachkurse an, bei denen man sich vielleicht auch als Student einer anderen Uni einschreiben kann.

Studienfach: Soziologie, Religionswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 02 /2013 – 06 /2013

Gastuniversität: Fatih University

Gastland: Türkei

Gastuniversität

Die Fatih Universität wurde im Zuge der Fethullah Gülen Bewegung gegründet und ist eine dementsprechend konservative Universität mit traditionalistischem Blickfeld und möglicherweise auf Grund dessen, dass sie eine private Institution ist mit eher niedrigem akademischen Niveau. Mein ERASMUS-Koordinator hat mich im Vorfeld bereits über die Verhältnisse an dieser Uni gewarnt und auch mit der „Fetullah Gülen- Thematik “ war ich vertraut. Ich wusste also worauf ich mich einlasse und habe es als eine Art Herausforderung gesehen und als Möglichkeit meine Erfahrungen um einen weiteren Aspekt zu erweitern. Zudem war diese Universität die einzige Möglichkeit so spontan nach Istanbul zu gehen, bei einer Bewerbung über eine andere Fakultät an einer anderen Universität hätte ich es erst 1 Jahr später dorthin geschafft.

Positiv überrascht war ich von der gut funktionierenden Emailkorrespondenz mit dem ERASMUS Büro der Fatih. Die Koordinatorin hat sich sowohl vorher, als auch während meines Aufenthalts in Istanbul große Mühe gegeben alle Formulare rechtzeitig zu unterschreiben und zu verschicken und den Aufenthalt für die ERASMUS Gruppe angenehm zu gestalten, indem regelmäßige Ausflüge veranstaltet wurden.

In einer Einführungsveranstaltung wurden wir auch in den Gebrauch des E-Learning Systems eingewiesen, um die Kurse zu wählen oder abzuwählen. Aus unbekannten Gründen werden die Kurse an dieser Universität in 2 Blöcke aufgeteilt, was bedeutet, dass man einen Kurs zweimal in der Woche hat, wobei der erste Block aus 1 ½ Std. und der zweite dann aus 45 Minuten besteht. Manchmal sind die Dozenten kulant und bestehen nicht auf eine Anwesenheit im 2. Block, wenn man z.B. nur für diesen extra zur Universität kommen müsste. Im Allgemeinen ist das akademische Niveau dieser Universität jedoch eher niedrig. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass es sich um eine private Universität handelte, in der die Dozenten ihre Studenten als Klienten ansehen, oder ob es dem Bildungssystem in der Türkei zu schulden ist. Es besteht die Möglichkeit die Kurse auf englisch oder auf türkisch zu besuchen. Die meisten türkischen Studenten kommen in dem Vorbereitungsjahr für die Universitäten (nach der Oberschule) das erste Mal mit der englischen Sprache in Berührung. Mit diesem einjährigen Schulenglisch kommen sie dann an die Universität. Erstaunlicherweise wählen viele Türken die Kurse auf englisch, in denen dann doch größtenteils auf türkisch unterrichtet wird. Erschreckend ist, dass viele der Dozenten ebenfalls kaum englisch sprechen und doch einen fachspezifischen Kurs in englischer Sprache leiten. Zum Nachteil der ERASMUS Studenten, die mit ihren Fremdsprachenkenntnissen womöglich noch nicht so weit sind, um sich an Gruppendiskussionen auf türkisch zu beteiligen. Oft müssen dann türkische Studenten mit gebrochenem Englisch als Dolmetscher einspringen. Man hat aber 2 Wochen Zeit, in denen man Kurse auch wieder abwählen kann, wenn man mit ihnen unzufrieden ist. Ich war immer wieder aufs neue überrascht, dass viele türkische StudentInnen im Alter von ca. 23 Jahren keinen zusammenhängenden Satz auf englisch zustande bringen. Darunter leidet dementsprechend auch die Kontaktaufnahme zu Fatih-Studenten. Wie schon erwähnt ist die Universität sehr konservativ ausgerichtet und die türkischen Studenten blieben unter sich. Kontakt zwischen einem türkischen Mädchen und einem ausländischen Jungen ist absolut unerwünscht. Auch gleichgeschlechtlicher Kontakt beschränkt sich höchstens auf kursinhaltliche Gespräche. Eine Ausnahme bilden diejenigen Türken, die selbst schon einmal für einen ERASMUS-Aufenthalt im Ausland waren und daher nicht nur sprachlich sondern auch sozial aufgeschlossen sind. Oder eben Internationale Studenten, von denen es an der Fatih viele gibt.

Das schlimmste am Studium an der Fatih Universität ist der unglaublich lange Weg. Auch darüber wurde ich vorab informiert. In weiser Voraussicht habe ich ein WG-Zimmer in der nähe des Busbahnhofs bezogen, um den Weg zur Uni zu verkürzen und doch nicht zu weit weg vom Stadtzentrum zu wohnen. Der Bus E-60 (später hieß er anders) braucht von Mecidiyeköy bis zur Uni ca. 45 Minuten, allerdings fährt der Bus nur zweimal am Morgen dorthin und erst am späten Nachmittag zurück. Alternativ kann man den Metrobus nehmen, muss aber dafür 2 Stunden Fahrtzeit in Kauf nehmen. Entscheidet man sich für den „Schulbus“ muss man mit einer langen Warteschlange schon sehr früh an der Bushaltestelle rechnen, denn die wenigen Sitzplätze sind begehrt, und im Gegensatz zur Metro steht man hier nicht auf – weder für alte Frauen noch für offensichtlich versehrte Menschen mit Krücken.

Wohnen und Leben

Am besten (er)lebt man Istanbul mit anderen. Das WG-Angebot ist recht groß, die Stadt wimmelt nur so von ERASMUS-Studenten und es kann bereichernd sein in einem Haus zu wohnen, in dem ausschließlich andere Studenten wohnen, allerdings kann dort die Miete auch teurer sein, da die meisten Hausbesitzer es gut verstehen, mit viel zu überteuerten Mietpreisen in heruntergekommenen Häusern und zahlungswilligen Ausländern ein lukratives Geschäft zu machen. Die Preise sind ähnlich wie in Berlin, essen und wohnen kann man schon sehr preiswert, aber auch luxuriöser. Für mein WG-Zimmer habe ich monatlich 700 TL gezahlt, was im Durchschnitt liegt, je weiter man in Richtung Taksim-Platz kommt erhöhen sich die Mietpreise und man kann auch schon mal 1000 TL für ein Zimmer in einer 3er-WG bezahlen. Einkaufen kann man am besten (und am günstigsten) auf einem der zahlreichen Wochenmärkte.

Istanbuls negativste Eigenschaft ist der Verkehr. Egal von wo nach wo man fahren möchte – man sollte immer genügend Zeit einplanen. Busse und Metro sind zu jeder Tageszeit überfüllt, genau wie die Straßen. Die Metro fährt nur bis ca. 0:00 Uhr, aber ein Taxi ist immer leicht zu finden und nicht teuer. Obwohl Istanbul eine moderne Stadt und bei Touristen beliebte Metropole ist, sollte man sich im Alltag anpassen. Besonders nachts und in konservativen Stadtteilen wie Fatih oder in Außenbezirken sollten Frauen aufmerksam sein. Aber auch tagsüber sind ausländisch-aussehende Frauen beliebtes Ziel für Annäherungsversuche, daher sollte man auf kurze Hosen und weit ausgeschnittene Oberteile verzichten, besonders in vollen Bussen, in denen enger Körperkontakt unvermeidbar ist.

Auch in der Universität ist allzu aufreizende Kleidung nicht gerne gesehen. Ob es verboten ist, weiß ich nicht, aber man fühlt sich nicht sehr wohl, wenn man als einzige Person ohne Kopftuch, geschweige denn ohne lange Hose, alle Blicke auf sich zieht.

Ansonsten hat die Stadt viel zu bieten, zu jeder Tages- und Nachtzeit ist das Freizeitangebot äußerst vielfältig und die Menschen sind grundsätzlich aufgeschlossen und hilfsbereit, sofern man ihnen freundlich begegnet. Ein paar türkische Worte und ein Lächeln sind oft schon der Schlüssel zu einer Einladung zum Tee, die man bedenkenlos annehmen kann und sollte. Fragt man nach dem Weg kann es gut sein, dass der Gefragte andere Passanten dazu holt und am Ende 5 Leute einem den besten Weg erklären.

Taschendiebe und Betrüger gibt es wie in jeder anderen Großstadt, doch man sollte sich weder von positiven, noch von negativen Berichten beeinflussen lassen, sondern Istanbul einfach selbst erleben.


Fazit

Ich empfehle jedem ein Auslandssemester in Istanbul, ein Praktikum oder mindestens einen Urlaubsaufenthalt. Einziger Wermutstropfen war die Universität. Ich würde Studenten der Universität Potsdam empfehlen, sich über eine andere Fakultät und somit an einer anderen Istanbuler Universität zu bewerben. Es war Interessant auch diese Seite von Istanbul kennenzulernen, der Versuch einer Vereinbarung von Tradition und Moderne, Wissenschaft und Religion. Bei einem Auslandsaufenthalt ist der wohl größte Gewinn der Einblick, den man in „andere Kulturen“ erhält und die Selbstständigkeit, die man erlernt. In der Türkei, jedoch insbesondere in der Fatih Universität, treffen Sichtweisen aufeinander, die man entweder miteinander vereinen und seinen Horizont erweitern, oder sie anderenfalls gegenseitig ausschließen und sein möglicherweise eindimensionales Weltbild verfestigen kann. Die lange Warteschlange vor dem E-60-Bus ist Sinnbild für das nicht hinterfragen und blind-annehmen aufgestellter Regeln und Traditionen und meiner Meinung nach repräsentativ für das System und das Klima an der Fatih Universität. Nach einem Trimester an dieser Universität war ich froh, diese wieder verlassen zu können, erschrocken, wie schnell sich bestimmte Denkmuster in die eigene Gedankenwelt gestohlen haben und erstaunt über meine nunmehr erwachte Sensibilität gegenüber geschlechterspezifischen Problematiken. Wer dennoch an der Fatih-Universität studieren möchte, sollte sich vorher über die Dozenten gut informieren, es gibt einige sehr empfehlenswerte, auch internationale Dozenten, die gute Kurse anbieten.

Der Interkulturelle Kontakt ist auch für die Verbesserung der Sprachkenntnisse von großer Bedeutung, auch wenn viel häufiger englisch gesprochen wird. Wenn man auch fachlich nicht besonders viel mitnehmen kann, ist das Selbstvertrauen, das man durch das „zurecht kommen“ in einem fremden Umfeld erlangt, von großem Wert.

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