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Ege Üniversitesi 2012/13

Ich habe durch die Restplatzbörse von der Möglichkeit erfahren, nach Izmir zu gehen und habe mich für das Sommersemester 2013 beworben. Die Bewerbung war sehr unkompliziert, ich musste nur einen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben bei der Koordinatorin Frau Freywald abgeben. Sie hat mir auch bei der weiteren Vorbereitung sehr geholfen. Die Ege Universität hat eine englische Website für ausländische Studenten, auf der man alle wichtigen Informationen findet (http://ebys.ege.edu.tr/ogrenci/ebp/index.html). Die Uni Potsdam hat im Voraus mehrere Veranstaltungen organisiert, bei denen man umfassend über das Bewerbungsprozedere informiert wurde.


Studienfach: Politische Bildung und Deutsch

Aufenthaltsdauer: 02 /2013 – 07 /2013

Gastuniversität: Ege Üniversitesi

Gastland: Türkei

Bis Anfang Dezember musste ich dann meine Unterlagen in der Ege Universität einreichen. Für die Unterlagen sollte man etwas Zeit einplanen, weil man verschiedene Unterschriften benötigt. Das International Office der Ege Universität war sehr hilfsbereit und konnte mir alle Fragen beantworten. Mit meiner Fachkoordinatorin habe ich erst vor Ort Kontakt aufgenommen. Vom ESN in Izmir gibt es jedes Semester eine Facebookgruppe für Erasmusstudenten, in der man seine Fragen stellen kann und in der man viele nuetzliche Tipps bekommt.

Wichtig ist auch, dass man für die Türkei als Student mittlerweile ein Visum braucht. Früher konnte man einfach nach 90 Tagen aus- und wieder einreisen, das ist jetzt aber nicht mehr möglich. Die Ausstellung des Visums dauert ca. eine Woche, man muss allerdings auch dafür einige Unterlagen vorbereiten, wie z.B. ein Führungszeugnis und eine Bestätigung der Krankenkasse.

Wer Auslandsbafög beantragen will, muss dass ungefähr ein halbes Jahr im Voraus machen.

Studienfach: Politische Bildung und Deutsch

Aufenthaltsdauer: 02 /2013 – 07 /2013

Gastuniversität: Ege Üniversitesi

Gastland: Türkei

Studium an der Gastuniversität

Zu Beginn des Semesters wurde eine Einführungswoche organisiert, in der wir eine Universitätsführung hatten und uns unsere Fakultäten gezeigt wurden. Außerdem gab es eine kleine Stadtführung. Um die wichtigen Erledigungen wie das Studententicket für den Nahverkehr oder die Registrierung beim Einwohnermeldeamt der Polizei musste man sich allerdings alleine kümmern. Außerdem wurden einem schon im Voraus Buddys zugeteilt, die einem in der Anfangszeit helfen sollten. Die Studenten waren sehr hilfsbereit und haben sich immer ich immer Zeit für einen genommen.

Die Uni beginnt in der Türkei schon früher als in Deutschland. Das Sommersemester begann schon Ende Februar. Den akademischen Kalender findet man hier (http://oidb.ege.edu.tr/DesktopDefault.aspx?tabindex=0&tabid=17#_EGE_%DCN%DDVERS%DDTES%DD_2011).

In der Türkei ist das Studium anders strukturiert als in Deutschland. Die Studenten haben einen Großteil der Kurse mit ihrem Jahrgang zusammen. Es gibt daher feste Stundenpläne und nur einige Wahlfächer. Als Erasmus-Student kann man allerdings prinzipiell alle Kurse belegen. Es ist aber sinnvoll, diese mit den Fachbereichskoordinatoren abzusprechen. In der Germanistik waren die meisten Kurse auf Deutsch, wenn auch in einigen sehr viel Türkisch gesprochen wurde. Dennoch konnte man gut folgen. In den anderen Fächern gibt es einige englische Kurse. Außerdem kann man bei manchen Dozenten in den Kursen, in denen hauptsächlich Türkisch gesprochen wird, auch eine andere Prüfungsleistung erbringen und z.B. eine Hausarbeit schreiben. Die Stundenpläne der einzelnen Fächer hängen in den Fakultäten aus. Die Belegung in Internationale Politik war etwas chaotisch, da manche Kurse erst einige Wochen nach Semesterbeginn anfingen.

Die Kurse sind meist interessant und meiner Erfahrung nach einfacher als in Deutschland. Das liegt aber vor allem an der Sprache. Dass die Germanistik in Deutschland anspruchsvoller ist, mag wohl niemanden überraschen. Viele Studenten haben erst im ersten Semester angefangen, Deutsch zu lernen. Es gibt aber auch einige, die aus Deutschland in die Türkei zurückgekehrt sind und dementsprechend perfekt Deutsch sprechen. Das sprachliche Niveau der Studenten ist daher sehr verschieden und die Dozenten versuchen, das zu berücksichtigen.

Es werden zwei Prüfungen pro Semester geschrieben, eine nach der Hälfte und eine am Ende des Semesters. Die Note ergibt sich dann ausden Ergebnnissen beider Prüfungen. In manchen Kursen wurden zusätzlich Referate gehalten oder man musste eine Hausarbeit abgeben.

Sowohl die Studenten als auch die Dozenten waren sehr hilfsbereit und freundlich. Ich habe mich immer sehr willkommen gefühlt. Es gab viele Leute, die direkt auf mich zu gekommen sind und mir beispielsweise die Uni zeigen wollten oder mir ihr Hilfe bei eventuellen Problemen anboten.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Durch das Buddy-Programm kannte ich von Anfang an einige einheimische Studenten und habe mit ihnen und ihren Freunden öfter etwas unternommen. Auch in meinen Kursen habe ich mich mit einigen Kommilitonen angefreundet, auch wenn das wegen der Sprachprobleme manchmal etwas schwieriger war. Ich konnte nur wenig Türkisch und viele sprechen nur schlecht Englisch bzw. Deutsch. Allerdings hatte ich auch zwei Tandempartnerinnen, mit denen ich mich öfters getroffen habe. Meine Freunde waren alle sehr nett, offen und unglaublich hilfsbereit.

Zu ausländischen Studenten habe ich sehr schnell Kontakt geknüpft, da man durch die Orientierungswoche sofort viele Leute kennengelernt hat, die alle sehr offen waren. Wir haben während des Semesters viel unternommen und sind viel zusammen gereist, z.B. nach Istanbul, Chios, Kappadokien, Fethiye usw. Auch wenn ich eigentlich viel mehr Zeit mit Einheimischen verbringen wollte, war es schlussendlich doch schwer, der „Erasmus-Blase“ zu entkommen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich habe vor meinem Auslandssemester bereits ein Jahr Türkisch gelernt und hatte das Niveau A 2.1. Die Sprachkenntnisse waren auf jeden Fall hilfreich, da viele Türken kein Englisch sprechen. In der Uni kann man natürlich alles auf Englisch organisieren, aber in Geschäften oder Cafes hat es mir sehr geholfen und vieles erleichtert. Außerdem freuen sich alle, wenn man Interesse an der Sprache zeigt, da nur die wenigsten Eramus-Studenten im Voraus Türkisch gelernt haben. Viele Dinge haben so einfacher funktioniert. Ich würde jedem empfehlen, wenigstens einen Anfängerkurs zu belegen, um ein paar Grundlagen zu lernen. Für Studenten, die in die Türkei gehen, gibt es auch vor jedem Semester gratis einen vierwöchigen EILC-Sprachkurs in verschiedenen türkischen Städten.

An der Ege-Universität gab es einen sehr schlecht organisierten Sprachkurs, der allerdings nur für Anfänger war und auch erst im Mai anfing. Man kann darüberhinaus auch Kurse an anderen Unis besuchen. Für diese bekommt man allerdings keine ECTS-Punkte. Außerdem bietet das Sprachinstitut TÖMER Sprachkurse für alle Niveaus an.

Ich habe mir daher Tandempartner gesucht und mit denen geübt. Viele Studenten der Ege Universität machen Erasmus in Deutschland, es ist daher nicht schwer, jemanden zu finden, der an einer Sprachpartnerschaft interessiert ist. Ausserdem habe ich so zwei gute Freundinnen gewonnen.

Mein Englisch hat sich auch verbessert, da man durch den Kontakt mit Studenten aus ganz Europa natürlich hauptsächlich Englisch spricht.

Wohn- und Lebenssituation

Mit der Bewerbung für die Uni kann man sich auch gleich für das Wohnheim bewerben. Dieses ist allerdings im Vergleich zu normalen Wgs relativ teuer. Außerdem waren die ersten Wochen dort sehr chaotisch. Viele Studenten hatten ein Einzelzimmer beantragt und landeten dann doch in Doppelzimmern. Die Verwaltung spricht schlecht Englisch und konnte auch nicht sagen, wie lange dieses Problem dauern würde. Außerdem gab es immer wieder Probleme mit der Internetverbindung, den Duschen etc. Darueberhinaus ist es geschlechergetrennt und wird von Sicherheitsleuten ueberwacht, was auch etwas gewoehnungsbeduerftig ist. Aus dem Wohnheim kann man alle zwei Wochen ausziehen, deswegen kann man auch einfach die ersten Wochen dort wohnen und sich dann vor Ort ein Zimmer suchen. Ein Zimmer kann man u.a. bei Facebook in der Gruppe „Izmir Erasmus rent a room“ finden.

Ich habe bis Mitte April im Wohnheim gewohnt und bin dann in eine Wg gezogen, die ich über eine Freundin gefunden habe. Für mein Wohnheimzimmer musste ich 600 TL (ca. 240 Euro) zahlen, während mein Wg-Zimmer weniger als die Hälfte kostete.

Insgesamt sind die Lebensunterhaltungskosten geringer als in Deutschland. Auch mit einem begrenzten Studentenbudget kann man hier sehr gut leben. Auf den Basaren kann man sehr günstig eine Vielzahl von frischem Obst und Gemüse kaufen. Auch Essen gehen ist recht preiswert. Im Studentenviertel Bornova gibt es eine zentrale Straße mit einer Vielzahl von Cafes. Dort kostet ein leckeres und großes Mittagessen mit Getränk ca. 4 Euro. In diesen Cafes kann man außerdem sehr schön Cay trinken, Shisha rauchen und Tavla (Backgammon) spielen, was eine Art türkischer Nationalsport ist. Außerdem gibt es einige Lokale, die gutes hausgemachtes Essen mit einem Cay für ca. 3 Euro anbieten. Einen Dürüm plus Ayran gibt es schon für 1,20 Euro. Alkohol ist etwas teuer als in Deutschland. Ein Bier kostet meistens ca. 4 Euro. Das Ausgehviertel ist Alsancak, in dem es jede Menge verschiedener Kneipen gibt. Sehr schön ist es auch am Kordon, wo man direkt am Meer sitzen kann und dank der Tallage von Izmir nachts die Lichter der Stadt sehen kann.

In Izmir und im Umland benutzt man für die öffentlichen Verkehrsmittel die sogenannte Kent-Kart. Auf diese muss man Geld laden und bezahlt dann pro Fahrt. Diese umfasst 90 Minuten und man kann mehrmals umsteigen. Als Student kann man sich eine Studentenfahrkarte besorgen. Damit bezahlt man ca 50 Cent pro Fahrt. Es gibt eine Metro und eine Izban und eine Vielzahl von Bussen, deren Strecken für Außenstehende manchmal schwierig zu durchschauen sind. Die Menschen sind aber generell alle sehr hilfsbereit. Eine Erfahrung sind auch die Dolmuse, die wie Sammeltaxis funktionieren. Sie fahren feste Strecken ab und man kann dort jederzeit ein- und aussteigen. Eine Fahrt kostet abhängig von der Strecke meist um die 0,80-1,50 Euro. Außerdem gibt es noch mehrere Fähren.

Für längere Distanzen gibt es ein gut ausgebautes Fernbusnetz. Die Busse fahren eigentlich alle größeren Städte an. Sie sind sehr komfortabel und auch recht preiswert. Eine Fahrt nach Istanbul, die ca. 9 Stunden dauert, kostet ca. 20 Euro. Dafür kriegt man sogar mehrere Getränke (Tee, Saft, Cola, Kaffee usw.) und kleinere Snacks. Die Busse starten meistens vom Otogar in Bornova. Die Tickets kauft man vorher in den Läden der Busgesellschaften. Diese bieten außerdem einen Shuttle-Service von ihren Läden aus zum Otogar an.

Außerdem gibt es auch in Izmirs näherer Umgebung viele Orte, die einen Ausflug wert sind, wie das Fischerstädtchen Foca, der Badeort Cesme oder die Augrabungsstätten Ephesos und Pergamon.

In der Türkei sollte man sich am Besten ein gebrauchtes Handy besorgen. Benutzt man eine türksiche SIM-Karte in einem ausländischen Handy, wird diese nach einem Monat gesperrt. Man kann sein Handy allerdings auch registrieren lassen, was ca. 70 Euro kostet.

In Izmir gibt es Automaten von den verschiedensten Banken. Daher sollte man sich einfach im Voraus erkundigen, was es für Partnerschaften bei der eigenen Bank gibt.


Rückblick

Mein Aufenthalt in Izmir war eine großartige Erfahrung. Ich habe so viele nette Menschen aus der Türkei und ganz Europa kennengelernt, was ich im Nachhinein nicht missen möchte. Und die Herzlichkeit und Warmherzigkeit der Menschen hier ist beeindruckend!

Auch die Türkei selbst ist ein spannendes Land, das extrem vielseitig ist. Auf der einen Seite gibt es die großen Städte wie Izmir oder Istanbul, die sehr modern sind, auf der anderen Seite fuehlt sich der Besuch oestlicherer Gegenden wie eine Zeitreise an. Izmir gilt als die weltoffenste und toleranteste Stadt der Tuerkei, darauf sind die Izmirer auch sehr stolz.

Das beste oder beeindruckendste Erlebnis waren defintiv die Proteste im Juni nach der Raeumung des Gezi-Parks in Istanbul. Innerhalb kuerzester Zeit waren im ganzen Land zehntausende Menschen auf den Strassen, die trotz anhaltender Polizeigewalt fuer ihre Rechte und mehr Demokratie kaempften.

Als negativ habe ich eigentlich nur empfunden, dass man als offensichtliche Auslaenderin immer auffaellt. Ich als Blondine habe mich immer sehr wahrgenommen gefuehlt, was irgendwann nerven kann.

Dennoch war das Semster in Izmir insgesamt eine wunderbare Zeit und eine Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann!

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