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Bahcesehir University Istanbul 2014/15

Die Vorbereitung für mein Erasmussemester lief sehr entspannt ab. Zuerst kam die Bewerbung in Potsdam bei meinem Fachkoordinator. Anschließend kam die Bewerbung in Istanbul an der Uni. Die Internetseite ist recht übersichtlich, was die benötigten Unterlagen betrifft. Generell lohnt es sich, bei Fragen proaktiv vorzugehen, da das International Office in Istanbul recht chaotisch ist. Mich hat bei der Bewerbung irritiert, dass 8 Fotos gefragt waren. Das macht im Endeffekt aber Sinn, da Fahrkarte und Ausweis vor Ort getrennt sind und für die Residence Permit auch mehrere Passbilder benötigt werden. Hier sorgt die Uni also gut vor. 


Studium an der Gastuniversität

Studienfach: Klinische Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09 /2014 – 01 /2015

Gastuniversität: Bahçeşehir Üniversitesi

Gastland:  Türkei

Zur Studienorganisation vor Ort lässt sich sagen, dass Geduld und Flexibilität wünschenswerte Eigenschaften darstellen. Von meinen ausgewählten Lehrveranstaltungen existierte praktisch keine mehr. Es gibt ein System, ähnlich wie Puls, in dem die Kurse online belegt werden. Bürokratisch gibt es gerade für Masterstudenten einige Hindernisse, und es fühlt sich niemand zuständig. Es ist also recht normal, die ersten Tage nur mit Hin-und Herlaufen zu verbringen. Es gibt allerdings keinen Grund zur Panik, die ersten zwei Wochen sind sehr chaotisch, im Endeffekt sind aber doch alle sehr hilfsbereit und es klappt. Sehr schön ist die „DropWeek“. Hier kann man sich alle Kurse anschauen, und hinterher entscheiden. Das ist auch sehr empfehlenswert, da die Kursbeschreibungen doch manchmal von der Realität abweichen, und manchmal findet der Kurs doch auf Türkisch anstatt Englisch statt.

Die Dozenten an der Bahcesehir sind sehr zuvorkommend und freuen sich tendenziell immer über Erasmusstudenten, gerade deutsche Studenten haben einen sehr guten Ruf. Man wird in den Kursen also wirklich sehr nett aufgenommen. Die Bibliothek ist recht klein und voll und für unsere Verhältnisse extrem laut, daher bin ich meistens in die Salt Galata Bibliothek zum lernen gegangen. Unschlagbar an der Uni ist natürlich die Lage direkt am Bosporus, mit Dachterasse.

Studienfach: Klinische Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09 /2014 – 01 /2015

Gastuniversität: Bahçeşehir Üniversitesi

Gastland:  Türkei

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Die BAU gibt sich wirklich sehr viel Mühe für ihre Internationals. Es gibt eine komplette Orientierungswoche mit Kennenlernaktivitäten und Sprachkurs. Man lernt also sehr schnell die anderen Erasmusstudenten kennen. In den Kursen selbst ist der Kontakt zu türkischen Studenten etwas schwierig, da viele sich mit englisch nicht sonderlich wohl fühlen. Das lässt sich aber garnicht verallgemeinern, ich habe auch sehr viele sehr offene und interessierte Studenten vor Ort kennengelernt. Ich war am Anfang leider sehr überfordert von all den neuen Menschen und Eindrücken, und da ich die anderen Erasmusstudenten zuerst kennengelernt habe, bin ich etwas da hängen geblieben. Das ist etwas, wo ich beim nächsten Mal auf jeden Fall einen anderen Fokus legen würden. Generell muss man sich aber definitiv keine Sorgen machen, während des Erasmus einsam oder gelangweilt zu sein.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

An der BAU wird offiziell auf Englisch unterrichtet. Praktisch ist das Englisch der Dozenten oft so medium verständlich. Außerhalb der Uni sollte man zumindest milde darauf vorbereitet sein, dass man mit Englisch nicht immer weiter kommt, gerade bei Behörden. Unter den Austauschstudenten wurde natürlich viel Englisch gesprochen. An der BAU waren wesentlich mehr Deutsche als ich gedacht hätte, sodass ich viel mehr deutsch gesprochen habe, als erwartet. Ich kann wirklich nur empfehlen, türkisch zu lernen, am besten schon vorher. Es erleichtert einem das Leben wirklich enorm und versüßt den Aufenthalt wirklich, weil Türken jedes Mal total erfreut reagieren, auch wenn man nur hilflos vor sich hinstammelt. Es ist auf jeden Fall dann nochmal eine komplett andere Erfahrung. Mir persönlich macht türkisch auch wirklich Spaß und ich werde auf jeden Fall dabei bleiben. 

Wohn- und Lebenssituation

Wohnungen in Istanbul sucht macht am besten über entsprechende FacebookGruppen oder Craigslist. Ich habe mir vor meinem Flug ein paar rausgesucht und dann vor Ort angeschaut. Es gibt eigentlich 2 Möglichkeiten: ein WG-Zimmer bei Türken oder Erasmuswohnungen. Beides kann Vor- und Nachteile haben. Erasmuswohnungen sind tendenziell teurer. Hier würde ich wirklich darauf achten, vertraglich abgesichert zu sein, gerade mit der Kaution. Üblich ist es, dass die Kaution dann als Miete für den letzten Monat verwendet wird, darauf würde ich auch bestehen. Ich kenne mehrere Studenten, die ihre Vermieter dann mysteriöserweise nie wieder erreichen konnten, als es um die Kaution ging. Üblich ist es, dass es einen festen Mietpreis gibt, und dann entweder inklusive oder exklusive Bills, also Nebenkosten. Bills extra bedeutet, dass man selbst die Rechnungen aus dem Hausflur einsammelt und zum Büro geht, um sie zu bezahlen. Das kann aufwendig sein, hat aber den Vorteil, dass man selbst die Kontrolle hat.

Istanbuls Verkehr ist generell das pure Chaos. Ich habe in Kadiköy gewohnt und bin daher mit der Fähre zur Uni gefahren, das war sehr entspannt. Ansonsten hat Istanbul ein Metronetz und eine Straßenbahn. Ich persönlich habe versucht Busse so gut wie es geht zu vermeiden, da die Straßen oft so verstopft sind, dass man für eine 15-minStrecke schon mal 1,5 Stunden brauchen kann. Abends sind Dolmusse eine gute Idee, das sind Großraumtaxis mit Festpreis.

Die Krankenversicherung ist ein heikles Thema. Ich musste bei meiner Bewerbung eine Auslandsversicherung nachweisen. Dann erhielt ich eine Mail von meiner Uni, dass wir vor Ort noch eine türkische Versicherung abschließen sollten für die Residence Permit. Das Ganze ist ein ziemliches Hin- und Her, das deutsche Konsulat sagt dazu „wir können leider keine verbindliche Aussage machen, kommt auf den Beamten drauf an“. Das trifft die Situation ganz gut. Ich persönlich habe keine zusätzliche türkische Versicherung abgeschlossen und hatte keine Probleme. Ich kenne auch niemanden aus Deutschland, der im Endeffekt Probleme hatte. Gesetzlich versicherte sind sowieso auf der sicheren Seite, es gibt das sogenannte TL/11Formular. Dies am besten schon vor der Abreise organisieren.

Die Lebenskosten in Istanbul lassen sich sehr schlecht verallgemeinern. Ein Zimmer kostet zwischen 600 und 1200 Lira. Alkohol ist etwas teurer, Zigaretten wesentlich günstiger. Ich habe praktisch kaum gekocht, da es überall immer leckeres und wirklich günstiges Essen gibt.


Rückblick

Rückblickend (und auch vor Ort ;)) war es eine wirklich tolle Zeit. Istanbul ist definitiv die schönste und spannendste Stadt in der ich je war. Die Menschen vor Ort sind super herzlich, offen und hilfsbereit, sodass ich mich schnell wohlgefühlt habe. Istanbul ist eine Geschmackssache, ganz klar, weil Istanbul laut, chaotisch und voll ist. Für mich macht das allerdings den Charme aus, ich würde Istanbul einfach als unfassbar lebendig beschreiben.

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