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Mein Erfahrungsbericht Südafrika

Neue Länder kennenlernen. In fremde Kulturen eintauchen. Interessante Gespräche mit faszinie- renden Menschen aus aller Welt führen. – Na klar, mal schnell ‘nen Kurztrip um die Welt! Ein Land, eine Woche und weiter geht’s!? – Den eigenen Horizont erweitern eben. Manch einem mag das als die beste Form des Reisens vorkommen. Stunden um Stunden in Warteschlangen an Check-in-Schaltern auf der ganzen Welt verbringen, abertausende Kilometer im Auto zurücklegen, hier und dort ein Foto schießen, um sie im Anschluss in den Weiten des digitalen Netzes  zu archivieren. – Aber soll’s das wirklich sein?


Studienfach: Bachelor of Arts Politik und Verwaltung

Aufenthaltsdauer: 01/2013 - 07/2013

Gastuniversität: School of Public Leadership der Stellenbosch University

Gastland: Südafrika

Bereits während meines Freiwilligendienstes, welchen ich nach dem Abitur in Peru absolvierte, entwickelte sich mir ein starkes Bewusstsein für die Wichtigkeit des interkulturellen Austausches und der Herausbildung eines Verständnisses für unterschiedliche Denk- und Herangehensweisen. Ich begann mich intensiver für politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenhänge  vor allem im globalen Süden zu interessieren und mir wurde klar, dass kurze Aufenthalte im Ausland zwar sehr schön sein können, einem aber tiefergehende Einblicke und Erkenntnisse verwehrt bleiben.

Durch die Partnerschaft der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam mit der südafrikanischen School of Public Leadership bot sich mir im vergangenen Sommersemester erneut die Chance auf einen länger andauernden Aufenthalt im außereuropäischen Ausland – dieses Mal auf dem afrikanischen Kontinent. In diesem Bericht möchte ich meine Erfahrungen mit euch teilen.

Studienfach: Bachelor of Arts Politik und Verwaltung

Aufenthaltsdauer: 01/2013 - 07/2013

Gastuniversität: School of Public Leadership der Stellenbosch University

Gastland: Südafrika

Allgemeine Informationen zu Stellenbosch

Stellenbosch ist eine kleine studentische Stadt am Westkap, in unmittelbarer Umgebung zu Kapstadt. Sie liegt idyllisch inmitten einer weiträumigen Weinanbauregion, was sie zu einem begehrten Ausflugsziel für Touristen macht. Als zweitälteste durch Europäer gegründete Siedlung in Südafrika zeichnet sich ihr Stadtbild bis heute durch ihre kappholländische Architektur und den von Eichen gesäumten Straßen aus. In Südafrika ist es gängig die Bevölkerung in 4 Hauptgruppen ethnischer Zugehörigkeit einzuteilen, welche sind: Black African, Coloured, White und Indian. Mit nur einem Anteil von 37 Prozent der Black Africans an der Gesamtbevölkerung kann man Stellenbosch zu einer der „weißesten“ Städte des Landes zählen. Von besonderer Signifikanz am Westkap ist der hohe Anteil der Coloureds.

Allgemeine Informationen zur Stellenbosch University

Die Universität von Stellenbosch gehört zu einer der renommiertesten Hochschulen in  ganz Afrika. Internationale Rankings platzieren sie als die zweit- bzw. drittbeste Universität des Landes. Gegründet wurde sie bereits 1866. 2012 waren hier 27 823 Studierende eingeschrieben.

Sowie die Universität Potsdam teilt sich auch die Stellenbosch University auf mehrere Standorte auf. Neben den Hauptcampus im Herzen von Stellenbosch, an dem gut 80 Prozent der Studierenden eingeschrieben sind, befinden sich weitere Faktultäten in Kapstadt, Elsenburg und Saldanha. In Stellenbosch befinden sich die Universitätsgebäude alle auf einem Campus. Der Campus nimmt einen großen Teil des Stadtzentrums ein. In bis zu 20, maximal 30 Minuten, ist in der Regel alles per Fuß zu erreichen, wenn auch die meisten Studenten mit dem Fahrrad oder Auto unterwegs sind.

Das Universitätsgelände ist äußerst schön. Die Fassaden der Gebäude glänzen in der Sonne, Wege werden gefegt, der Müll aufgepickt und kleine Grünflächen gepflegt. Eine Bibliothek und das studentische Einkaufszentrum Neelsie sind sehr zentral gelegen. Im Neelsie kann man  alles finden, was das Studentenherz begehrt: Schreibwarenladen, Apotheke, Friseur, Reisebüro, Banken, Computerräume, Supermarkt, Imbisse und sogar ein Kino. Auf dem Universitätsgelände befindet sich auch ein Sportzentrum mit Fitnessstudio und Schwimmhalle. Die Räume für Vorlesungen sind gut in Schuss. Die Ausrüstung entspricht derer deutscher Universitäten.

Bewerbung an der Stellenbosch University

Zwischen der Universität Potsdam und der Stellenbosch University gibt es keine Hochschul- partnerschaft. Ein Abkommen besteht lediglich zwischen der Sozial- und Wirtschaftswissen- schaftlichen Fakultät der Universität Potsdam und der School of Public Leadership der Stellenbosch University. Ich selbst bin durch eine Kommilitonin auf das Abkommen aufmerksam geworden, großartig beworben wird es im Gegensatz zu Partneruniversitäten in Europa oder den USA nämlich nicht.

Nachdem der Entschluss ein Semester an der Stellenbosch University zu verbringen feststand, suchte ich Herrn Prof. Christoph Reichard am Lehrstuhl für Public und Nonprofit Management auf. In Rücksprache mit ihm und seiner Unterstützung machte ich mich auf der Internetseite der Stellenbosch University schlau. Um an der Stellenbosch University studieren zu können muss man so einigen Papierkram auf sich nehmen. Das alles geschieht in Eigenregie. Der Antrag ist bis zu einem halben Jahr vor geplanten Studienbeginn mit allen nötigen Nachweisen direkt an der Stellenbosch University online einzu- reichen.

Die vorläufige Zusage, mitsamt Immatrikulationsnummer und einem Bescheid über den zu zahlenden Semesterbeitrag, erhielt ich per eMail im Oktober, also 3 Monate vor Studienbeginn. Nun konnte es losgehen mit all den weiteren Vorkehrungen.

Visum

Den Antrag auf eine Studienerlaubnis, der sogenannten study permit, findet man auf der Inter- netseite der Südafrikanischen Botschaft. Der Visaantrag ist recht umfangreich. Es wird um die Freigabe zahlreiche Informationen gebeten, wie zum Beispiel den Nachweis über ausreichende finanzielle Mittel, wobei „ausreichend“ nicht genauer spezifiziert wird. Um sicher zu gehen, bin ich einen Tag zur Botschaft gefahren um Informationen direkt vor Ort zu erhalten. Dort wurde mir gesagt, dass es sein kann, dass 5.000€ nicht ausreichen. Wie der Finanznacheis am Ende tatsächlich berechnet wurde weiß ich nicht. Zusätzlich müssen dem Antrag Dokumente beigefügt werden, wie diverse ärztliche Nachweise, ein polizeiliches Führungszeugnis, Ein- und Ausreisedaten etc. – Den Flug muss man nicht vorher buchen, eine Krankenversicherung muss aber bereits abgeschlossen sein. Acht sollte auf die Gelb- fieberimpfung gegeben werden.

Zu beachten ist die Barhinterlegung. Im Dezember 2012 waren es noch 767,00€, inzwischen ist die Kaution auf 900,00€ angestiegen. Das Geld bekommt man nach der Rückkehr zurückerstattet, - aber Achtung - nur bei Vorweis des Originalbescheids! Diesen sollte man sich also sehr gut abheften.

Der Antrag sollte rechtzeitig eingereicht werden, nach Angaben der Botschaft spätestens 6 bis 8 Wochen vor Ausreise. Bei mir ging alles sehr schnell. Ich musste nicht einmal 2 Wochen auf den Bescheid warten, obwohl er zur Weihnachtszeit bearbeitet wurde.

Kleiner Tipp: Ich habe das Visum so ausstellen lassen, dass ich im Anschluss des Studiums noch in Südafrika verweilen konnte. Die Dauer meines Visums betrug also knapp 8 Monate. Andere inter- nationale Studierende haben das nicht getan.

Auslandskrankenversicherung

Zur Beantragung einer Studienerlaubnis benötigt man bereits im Vorfeld eine abgeschlossene Auslandskrankenversicherung. Der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung sollte also der erste Schritt nach Erhalt der Studienzusage sein. Fragt am besten bei eurer regulären Kranken- versicherung oder im Reisebüro nach.

Ich selbst war für meinen Aufenthalt in Südafrika über die HanseMerkur Reiseversicherung AG versichert. Bis auf die späte Rückzahlung meiner getätigten Ausgaben gab es keine Probleme und ich habe jeden Cent zurückerstattet bekommen. Zu beachten ist lediglich, dass nur Medikamente erstattet werden, die zuvor von einem Arzt verschrieben worden sind. Es sollten also alle Kassen- zettel mitsamt Verschreibungen aufbewahrt werden.

Flug

Meine Empfehlung ist sta travel. Eine Beratung im Reisebüro kostet nichts, alternativ kann man natürlich im Internet bei einer der zahlreiche Flugsuchmachinen vergleichen. Mein Flug ging mit British Airways über London direkt nach Kapstadt, dauerte 16 Stunden, mit einem Aufenthalt von 2 Stunden in London. Von Vorteil ist, dass es bei British Airways keine Handgepäckgrenze gibt. Bei meinem Rückflug musste ich es dennoch aufgeben, da ich es selbst kaum noch tragen konnte. Inmitten von Schneechaos und Flugausfällen im Januar 2013 kam ich mit 3 Stunden Verspätung in Kapstadt an. In Südafrika lag das alles schnell in weiter Ferne.

Wohnung

Ganz Stellenbosch ist voller Studentenwohnheime, bzw. Residenzen für Studierende. Die meisten Austauschstudenten leben in Studentenwohnheimen, die direkt von der Stellenbosch University oder privaten Eigentümern vermietet werden. Die Mietpreise sind sehr gesalzen, umso glücklicher bin ich in direkter Nähe zur Universität eine kleine Wohnung gefunden zu haben, die ich mit einer anderen Deutschen bewohnte. Es hat Vor- und Nachteile nicht im Studentenwohnheim zu wohnen. Wer sich gern mal zurückzieht und etwas unabhängiger leben möchte ist in einer Wohnung genau richtig. Wenn man sich dann aber spontan mit seinen Kommilitonen treffen möchte, geht das natürlich nicht so schnell und unkompliziert wie im Wohnheim. Ein südafrikanisches Pendant zu www.wg-gesucht.de ist www.gumtree.co.za. Hier kann man sein Glück versuchen. Ich selbst bin auf die Wohnung durch eine Gruppe auf Facebook aufmerksam geworden: International Students Stellenbosch.

Falls man bei Anreise noch kein Zimmer haben sollte, wird sich auf jeden Fall etwas ergeben. Es wurde niemand obdachlos. Zur Not bleibt man eben die ersten ein oder zwei Wochen in einem Backpackers. Viel teurer als eine Wohnung ist das nämlich gar nicht. Die Uni ist sehr behilflich bei der Suche. Wenn man außerdem aufmerksam durch die Universitätsgebäude geht und an die Schwarzen Bretter guckt, findet man immer wieder Mitbewohnergesuche.

Impfungen

Lasst euch möglich rechtzeitig von eurem Hausarzt bzw. Tropeninstitut beraten. Ich selbst hatte durch diverse Auslandsaufenthalte bereits gut vorgesorgt. Gibt acht, viele Krankenkassen über- nehmen sogar die Kosten für die Impfungen!

Beurlaubung an der Uni Potsdam

An der Uni Potsdam muss man den Antrag auf ein Urlaubssemester rechtzeitig einreichen. Sehr unpraktisch ist, dass sich die Semester überschneiden, weshalb ich 2 Urlaubssemester nahm. Am Ende habe ich je Semester nur 5,11€ bezahlt.

Finanzen und wichtige Dokumente

Vor eurer Ausreise solltet ihr einer Vertrauensperson die Nummer zur EC-/Kreditkartensperrung hinterlegen, so dass im Falle des Verlustes euer Geld schnell gesichert werden kann. Zudem ist es sehr ratsam einer Zweitperson Zugriff auf euer Konto zu gewähren, zum Beispiel einem Elternteil. Vergesst nicht wichtige Dokumente (wie Reisepass, Impfpass etc.) zu kopieren und am besten auch gescannt in eurem eMail-Fach zu hinterlegen.

Außerdem ist es ratsam sich ein Konto bei der DKB, comdirekt oder Postbank einzurichten. Bei diesen Banken erspart man sich die ansonsten im Ausland fällige Abhebegebühr. Ich habe erst zu spät daran gedacht und musste für jede Bankabhebung 5,50€ zahlen.

Man muss sich gut überlegen, ob man die Ausgaben auf sich nehmen kann oder möchte. In der Regel muss man viel vorstrecken, selbst wenn man Auslands-BAföG erhält. Ich habe von vielen gehört, wie sie zu kämpfen hatten, da sich die Auszahlung des Geldes Monate hinzog! Für mich kam AuslandsBAföG nicht mehr in Frage, da ich mich nicht mehr in der Regelstudienzeit befinde. Ich habe das Semester mit einem Kredit der KfW finanziert und wurde zusätzlich durch PROMOS unterstützt.

Ankunft der Gastuniversität

Das was wohl die größte Aufregung verursacht, wenn man sich auf in ein fernes, noch fremdes Land begibt, ist die Ankunft am Flughafen. Die Stellenbosch University kommt einem hier sehr entgegen. Kurz vor Abflug muss man dem International Office nur mitteilen wann man mit welchem Flug in Kapstadt landet und man wird mit einem kostenfreien Shuttle abgeholt. Da man mit Sicherheit nicht der einzige Ankömmling ist, lernt man bereits am Flughafen die ersten Austauschstudenten kennen.

Studiengebühren

Vor der Einreise erhält man per eMail den Letter of Admission vom International Office. Dieser erhält die schriftliche Zusage über das Auslandssemester und die Angabe über die Academic Fee. Es gibt keinen festen Semesterbeitrag für internationale Studierende, da die Stellenbosch University mit jeder Partneruniversität ein anderes Abkommen vereinbart. Ich musste ZAR 5.450,00 (also ca. 450€) zahlen. Das ist der Standard. Es ist nicht wenig, aber wenn man bedenkt wie viel man als Freemover, also ohne Partnerschaft, bezahlen würde - nämlich über ZAR 44.000 (ca. 3.700€) - hält sich der Beitrag einigermaßen in Grenzen.

Der Flughafenshuttle lässt einen vor der Universität raus, so dass man sich direkt in der Empfangshalle anmelden kann. Ich wollte die Überweisungsgebühren sparen und deshalb die Studiengebühren vor Ort in bar zahlen. Erschöpft vom langen Flug war das Prozedere dann aber sehr anstrengend. Schließlich kennt man sich nicht aus, muss den Geldautomaten suchen, das abgehobene Geld dann mit sich tragen und sich in eine lange Warteschlange am Schalter der Uni einordnen.

Wenn man es etwas stressfreier mag, sollte man den Betrag zuzüglich der Überweisungs- gebühren doch lieber von Deutschland aus zahlen oder - nicht wie ich - erst einen Tag vor Beginn der Einführungsveranstaltungen anreisen, sondern ein paar Tage mehr einplanen.

Einführungswoche

Eine Woche vor Vorlesungsbeginn veranstaltet das International Office eine von Mittwoch bis Freitag andauernde Einführung für alle internationalen Studierenden. Diese sollte man sich keineswegs entgehen lassen. Einheimische Studenten machen eine Führung über den Campus und es gibt mehrere Veranstaltungsblöcke, zu Themen wie Finanzen, Unterkunft, Fahrradverleih, Freizeit und Freiwilligenengagement. Nicht zuletzt lernt man besonders hier andere Austausch- studenten kennen. Zum Abschluss der Einführungswoche gab es eine große Feier in der Town Hall mit viel Tanz und Essen. Am Wochenende wurde sogar ein kostenfreier Ausflug nach Kapstadt angeboten. Uns brachte man an die V&A Waterfront und anschließend an den Strand von Clifton. Es war ja südafrikanischer Hochsommer.

Studium

Wie in Deutschland wird in Südafrika das Studium in ein grundständiges Studium von 3 Jahren und ein  weiterführendes Studium von 2 Jahren unterteilt. Im Gegensatz zu Deutschland wird das weiterführende  Studium aber in zwei aufeinanderfolgende Abschlüsse unterteilt, so dass ein Student am Ende seines Studiums 3 Abschlüsse besitzt:Bachelor`s Degree, Honours Degree und Master Degree.

An der Stellenbosch University gibt es ein großes Kursangebot, das hauptsächlich auf Afrikaans unterrichtet wird. Auf Englisch werden die Kurse meist erst im fortgeschrittenen Studium angeboten. Außerdem gibt es Kurse, in denen zu je 50 Prozent auf Englisch und zu je 50 Prozent auf Afrikaans unterrichtet wird. Diese Sprachpolitik führt unmittelbar dazu, dass ausländische Studenten, oder südafrikanische Studenten, welche kein Afrikaans sprechen, benachteiligt werden. Sie haben zwar die Möglichkeit Hausarbeiten und Klausuren auf Englisch zu verfassen, das Studium wird ihnen dennoch erschwert. Deshalb bevorzugen viele junge Südafrikaner, die dem Afrikaans nicht mächtig sind, das Studium an einer anderen Universität.

Des Weiteren gibt es noch ein erweitertes Kursangebot für ausländische Studierende, welches ausschließlich auf Englisch angeboten wird. Das sind die sogenannten IPSU-Kurse. Angeboten werden hier vor allem politikwissenschaftliche, betriebswirtschaftliche und künstlerische Kurse, wie Fotografie und Schmuckdesign. Die Uni hat in ihrer Einführungswoche ordentlich die Werbetrommel für die IPSU-Kurse gerührt, was dazu geführt hat, dass viele Austauschstudenten ausschließlich diese belegten. Soweit ich es einsehen konnte, sind sie allesamt undergraduate, also Bachelorniveau.

Insofern ich mich richtig erinnere war es erlaubt Kurse so zu wählen, dass 32 European Credits pro Semester nicht überstiegen werden. Für jeden zusätzlichen (IPSU-)Kurs hätte man zwischen ZAR 2.277 (ca. 190,00€) und ZAR 7.750 (650,00€) zahlen müssen.

Meine Kurswahl

Ich besuchte 3 Kurse aus dem normalen Lehrangebot der Universität im Studiengang Public and Development Management. Leider waren alle 3 Veranstaltungen Vorlesungen. Seminare wurden nicht angeboten. Interaktion gab es kaum, obwohl das zu diesen Themen sehr wünschenswert gewesen wäre. Die Kurse hießen:

  • Orientation to Society, Development and State
    Inhalte: Akteure und Institutionen in der Entwicklungszusammenarbeit, Einführung in Entwicklungstheorien
    Sprachpolitik: Der Kurs wurde sowohl auf Englisch als auch Afrikaans angeboten. Es fanden also 2 Veranstaltungen parallel statt.
    Auswertung: Der Kurs hat trotz fehlender Interaktion Spaß gemacht. Einem wurde ein sehr guter Einblick in den Bereich Entwicklungspolitik gegeben.
  • Development Theories and Paradigms
    Inhalte: Entwicklungstheorien, Konzepte und Messbarkeit von Ungleichheit und Armut Sprachpolitik: Der Kurs wurde zu 50 Prozent auf Englisch und zu 50 Prozent auf Afrikaans abgehalten, was bedeutet, dass sowohl auf den Folien, als auch in der Vorlesung nach jedem 2. Satz in die jeweils andere Sprache geswitcht wurde.
    Auswertung: Wahrscheinlich war der Kurs ganz interessant. Doch durch das sehr schnelle Wechseln der Sprache, zum Teil sogar innerhalb eines Satzes, habe ich nicht folgen können. Wenn sich Studenten meldeten, sprachen sie auch fast ausschließlich auf Afrikaans. Übersetzt wurde nicht. Deshalb habe ich den Kurs zur Hälfte des Semesters leider verlassen.
  • Public Management Strategies
    Inhalte: Public Value – Konzept nach Mark H. Moore
    Sprachpolitik: In diesem Kurs wurde fast ausschließlich auf Englisch unterrichtet und gesprochen. Folien und Materialien wurden auf Englisch und Afrikaans zur Verfügung gestellt.
    Auswertung: Auch dieser Kurs hat Spaß bereitet. Es gab viele neue Inhalte, die gut vermittelt wurden.

Dann besuchte ich noch 2 Kurse für internationale Studierende:

  • Economic and Development Problems in Southern Africa
    Inhalte: Finanz- und makroökonomische Herausforderungen, Entwicklungshilfe, Bildung im südlichen Afrika: Dossiers und Datenanalyse etc.
    Sprachpolitik: Da es ein Kurs für internationale Studierende war, wurde er ausschließlich auf Englisch angeboten.
    Auswertung: Dieser Kurs war ein Seminar. Teilgenommen haben Studenten aus aller Welt, vor allem Deutschland, den Niederlanden und den USA, was die Diskussionsbeiträge interessant gestaltet hat. Die Inhalte waren sehr vielseitig und konnten dadurch oft nicht sehr vertieft werden.
  • Afrikaans
    Inhalte: Erwerb von Grundkenntnisse im Umgang der afrikaanischen Sprache
    Auswertung: Der Kurs war sehr interaktiv und hat viel Freude bereitet. Da Afrikaans dem Deutschen sehr ähnelt, war es zudem sehr interessant, die Sprache zu erlernen. Der Kurs ist ein absolutes Muss für alle die länger als ein Semester am Kap verweilen möchten.

Obwohl ich ursprünglich gern andere, fortgeschrittene Kurse in Kapstadt an der School of Public Leadership besucht hätte, meine Bewerbung für diese aber anscheinend verlegt wurde, bin ich mit den von mir letztendlich in Stellenbosch belegten Kursen zufrieden.

Das Studium an der Stellenbosch University war sehr interessant und hat mir viel Spaß bereitet. Ich studierte praktisch Verwaltung, aber mit einem grundsätzlich entwicklungspolitischen Blick- punkt. Grob gesagt ging es darum, wie Good Governance betrieben wird, um so zur Bekämpfung von Armut beizutragen und Entwicklung zu fördern. Dank des Studiums in Stellenbosch wurden mir weitere Zusammenhänge zwischen Verwaltung und Politik bzw. Entwicklungspolitik, aber auch Wirtschaft deutlich.

Kleine Anmerkung: Es gibt Liveschaltungen. Man hat also die Möglichkeit Kurse an anderen Studienstandorten zu belegen und diese per Liveübertragung am Hauptcampus in Stellenbosch zu sehen.

Leistungsbewertung

Die Abschlussklausuren entsprechen dem Niveau in Deutschland, der Arbeitsauswand ist aber viel zeitintensiver. Für 6 Leistungspunkte schreibt man eine Abschlussklausur, mindestens eine Zwischenklausur, verfasst eine Hausarbeit und hält manchmal sogar noch einen Vortrag.

Die Notenvergabe ist streng. Es gibt insgesamt 100 Prozent, die anscheinend niemand, auch nicht ansatzweise, erreicht. Wer wirklich ordentlich studiert hat, bekommt im Schnitt 65 Prozent, wer 80 Prozent erreicht ist bereits ein Überflieger. Wie in Deutschland braucht man 50 Prozent zum bestehen, 60 Prozent benötigen die einheimischen Studenten aber um in den Master übergehen zu können. Wenn man 75 Prozent erhält, besteht man bereits „with distinction“.

Studienklima

Mit vielen Südafrikanern in meinen Vorlesungen war es schwer in Kontakt zu kommen. Das lag zum einen wohl daran, dass es sich um Vorlesungen handelte, zum großen Teil aber wohl eher an der Sprachbarriere. Anscheinend spricht einfach niemand gern Englisch, auch wenn die Studenten es einwandfrei beherrschen.

In einem Kurs haben wir als Gruppe das ganze Semester über ein Projekt erarbeiten müssen. Zuerst dachte ich, dass das eine gute Gelegenheit wäre, um Kontakte mit den einheimischen Studenten zu knüpfen, doch sehr schnell verlor ich den Spaß an der Zusammenarbeit. Es war nicht nur so, dass die Koordination unter allen Gruppenmitgliedern mangelhaft war, sondern dass obwohl der Kurs auf Englisch unterrichtet wurde (siehe Public Management Strategies), niemand auf Englisch sprechen wollte.

Die Vorlesungs- bzw. Seminargröße ist mit der an der Universität Potsdam vergleichbar. Der Kontakt zu den Lehrenden war gegeben.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Mein Englisch habe ich während meines Auslandsaufenthaltes nicht wirklich verbessert, wenn auch ich die Scheu verworfen habe und jetzt einfach darauf los reden kann, ganz egal, wie ich die Wörter ausspreche, welchen grammatikalischen Fehler ich mal wieder einbaue, oder mir das passende Wort nicht einfällt. Insofern werte ich das als kleinen Fortschritt. Vor meiner Ausreise hatte ich mir das anders vorgestellt. Ich hatte hohe Erwartungen hinsichtlich der Verbesserung meiner Englischkenntnisse, doch hatte ich keine Vorstellung von dem Sprachenwirrwarr, welcher mich erwarten würde.

Wenn auch ein jeder in Stellenbosch Englisch sprechen kann, tun es viele nicht gern. Wie bereits zu Beginn beschrieben, leben in Stellenbosch besonders viele Whites und Coloureds, weshalb 56 Prozent der Einwohner Afrikaans als Muttersprache sprechen. Die schwarze Bevölkerung spricht in der Kapregion vor allem isiXhosa.

Für mich, als Person mit weißer Hautfarbe, wurde es zum Alltag auf Afrikaans angesprochen zu werden. Das konnte ganz lustig sein, wenn ich zum Beispiel an der Supermarktkasse gefragt wurde, ob ich gern einen sakkie, also eine kleine Plastiktüte, hätte.

Betreuung der ausländischen Studierenden

Ich habe mich sehr, sehr gut betreut gefühlt. Trotz der großen Anzahl an ausländischen Studierenden, wusste die Koordinatorin Olga Wyngaard fast jeden mit dem Namen anzusprechen. Gab es Fragen, wurden diese unmittelbar beantwortet, gab es Probleme wurden diese direkt angegangen.

Lernzentren: Computerpools und Bibliothek

Jede Fakultät verfügt über einen sehr großen Computerraum. Es gibt immer ausreichend Computer für alle rund um die Uhr verfügbar – 24 Stunden am Tag, auch am Wochenende oder an Feiertagen. Das Internet ist nicht kostenfrei, sondern wird vom Studentenaccount abgezogen. Gleiches gilt fürs Drucken.

Alternativ zum Internet in der Uni gibt es auch Internetcafés in der Stadt, die allerdings ziemlich teuer sind. Außerdem kann man seinen eigenen Computer an der Universität registrieren lassen. In Südafrika muss man genau überlegen, was man im Internet macht, da es keine Flatrates gibt, sondern die verbrauchten Megabytes abgerechnet werden. Das ist zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Die Universitätsbibliothek war groß und bot viel Raum zum Studieren. Leider schloss sie freitags und samstags sehr früh und öffnete sonntags gar nicht.

Freizeit

Gleich zu Beginn habe ich sehr viele Austauschstudenten kennen gelernt. Mit ihnen kann man sehr viel Spaß haben, da jeder versucht in der kurzen Zeit möglichst viel zu erleben. Das hat viele Vorteile, da es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Freunde fürs Leben findet man hier zwar eher nicht, aber das ist in Ordnung.

In meiner Freizeit habe ich auch Kontakte zu einheimischen Studenten geschlossen, wenn auch zugegebenermaßen weniger, als ich es mir erhofft hätte. Das ist wirklich schade!

ISOS – International Student Organisation Stellenbosch

Die International Student Organisation befindet sich im International Office. Aufgabe der ISOS ist es vor allem das Freizeitprogramm für die ausländischen Studenten zu gestalten. Das Angebot wird bereits zu Beginn der Einführungsveranstaltung verkündet. Dazu gehörte alles, was man in und um Stellenbosch gesehen und getan haben sollte. Das Preis-/Leistungsangebot war fair, so dass ich oft am Angebot teilgenommen habe.

Societies

Es gibt viele politische, religiöse und anderweitige freizeitgestaltende Societies. Sie sind zwar alle kostenpflichtig, da man aber bei der Immatrikulation eh Geld für solche Zwecke auf sein Studentenaccount gezahlt hat, kann ich die Teilnahme in einer oder mehrerer solcher Socientes nur empfehlen. Ich selbst habe es leider nicht getan, da ich erst viel zu spät dahinter gestiegen bin. Von Interesse für internationale Studierende waren vor allem: Habitat for Humanity, Maties Dance Society, PULP (Kino!) und Berg- en Toerklub.

Freiwilliger werden

Vor allem für ausländische Studierende ist Freiwilligenarbeit eine gute Möglichkeit, seine Umgebung auch außerhalb des Campus besser kennenzulernen. An der Stellenbosch University gibt es 3 verschiedene Freiwilligenprogramme für internationale Studierende. Für mich wäre nur das „Community Engagement Program“ in Frage gekommen, es hat aber leider nicht in meinen Stundenplan gepasst. Da ich trotzdem Interesse hatte mich sozial zu engagieren, habe ich mich mehrmals an das allgemeine Freiwilligenprogramm der Uni gewandt, bekam aber leider nie eine Rückmeldung.

Was tatsächlich hinter den Freiwilligenprogrammen der Stellenbosch University steckt, weiß ich nicht. Ich glaube, dass es sogar eine Art Verpflichtung der Universität bzw. der Dozenten gibt, sich sozial zu engagieren. Es wäre sicherlich interessant die Hintergründe in Erfahrung zu bringen.

2-Räder, 4-Räder, 6-Räder

Die meisten Austauschstudenten leihen sich ein Matiebike aus. Das sind Fahrräder von der Stellenbosch University. Es gibt viele, sie sind aber auch sehr beliebt. Wenn man sich nicht gleich eins besorgt, bleibt man ohne. Ich habe alles mit dem Fahrrad erledigt. Es ist sehr simpel und nicht immer gut in Schuss. Es ist auch nicht gut für Ausflüge in die Umgebung geeignet. Es gibt keine Gangschaltung und auch keine Vorderbremsen. Es reicht aber aus, um durch die Innenstadt und dem Campus zu fahren. Man bezahlt ZAR 1.000 und bekommt davon am Ende des Semesters ZAR 600 zurück. Alternativ kann man auch ein gebrauchtes Rad beim Fahrradhändler kaufen. Matie- bikes werden anscheinend nicht so gern geklaut, wie andere Fahrräder.

Das öffentliche Verkehrsnetz ist sehr schlecht ausgebaut, so dass Ausflüge in die nähere Umgebung ohne Auto schwer machbar sind. Ich habe das vorher schon gehört, konnte es aber nicht so recht glauben. Wenn es dann also mal nicht nach Kapstadt gehen sollte, sondern in die nähere Umgebung habe ich mich mit anderen zusammengetan und wir haben gemeinsam ein Auto gemietet. Einige Austauschstudenten haben sich für die kurze Zeit sogar ein Auto gekauft.

Mit dem Minibus bin ich von Stellenbosch aus nur einmal gefahren, da es wirklich keinen Spaß machte. Die Fahrt war äußerst umständlich, da wir zweimal umsteigen mussten und auf den Anschlussbus sehr, sehr lange warten mussten. So haben wir über 2 Stunden benötigt um in die 30km entfernte Stadt Franschhoek zu gelangen.

Mit dem Zug hingegen ist die Fortbewegung einfach, auch wenn einem die Fahrt von vielen Einheimischen, vor allem hellerer Hautfarbe, abgeraten wird.

Die Fahrt nach Kapstadt dauert etwas länger als eine Stunde. Der Zug ist im Winter recht kalt, im Sommer heiß. Die Chipsverkäufer sind nervig. Die Züge sind oft sehr unpünktlich oder fallen gar aus. Im Zug gibt es 2 Klassen, die 1. Klasse und die 3. Klasse. Viele fahren nur in der 1. Klasse, wenn überhaupt. Den einzigen Vorteil den ich hierin sehe, sind die wesentlich bequemeren Bänke. Vor allem dann, wenn ich alleine gefahren bin, habe ich es bevorzugt in der 3. Klasse zu sitzen. Man sollte immer darauf achten sich in einen Wagon mit vielen Menschen zusetzen. Ich als Frau habe mich auch zu anderen Frauen gesetzt. Nachts sollte man nicht mehr fahren. Klar hat man hier und dann von anderen von unangenehmen Zugvorfällen gehört, dennoch ist der Zug eine akzeptable Arte der Fortbewegung.

Kriminalität

Generell sollte jeder auf seinen eigenen Sicherheitssinn vertrauen. Nichts riskieren, aber  auch nicht zitternd und voller Angst durch die Straßen laufen.

Die Uni bietet einen Sicherheitsservice. Ich habe ihn zweimal gerufen. Dieser hat mich dann nach Hause begleitet. Gekostet hat er nichts, man kann aber ein kleines Trinkgeld zahlen, wenn man möchte. Nebenbei ist es sehr interessant sich mit den Begleitern zu unterhalten.

Sonstiges

Gleich zu Beginn des Semesters haben sich alle ausländischen Studenten eine SIM-Karte für ihr Handy gekauft. Ich hatte Vodacom, wie die meisten anderen. Welcher Anbieter der Beste ist weiß ich nicht. Eine SIM-Karte ist kostenlos bzw. für wenige Cent erwerblich. Kauft man sich ein Handy, gibt es automatisch eine SIM-Karte dazu. Pre-paid Guthaben kann an jeder Ecke erworben werden, in Supermärkten, Handyshops, Tankstellen etc.

Eine Bank gibt es an jeder Ecke. Meist hatte ich auch keine Probleme bei der Abhebung. Acht sollte man lediglich vor Menschen in der Nähe des Automaten legen. Schon einige sind ihre Kreditkarte wohl schneller los geworden sein, als es ihnen lieb war.

Ich wurde krank und habe noch am selben Tag einen Termin beim Universitätsarzt bekommen. Die Ärzte und das Personal sind sehr freundlich, vorzeitig konnte das Problem  zumindest behoben werden.

Im Juni hat es nur geregnet, was bedeutet, dass meine zuhause gewaschenen Sachen unmöglich trockneten. Ich musste sie also zu einem Waschsolon, gleich bei mir um die Ecke des Hauses bringen und in den Trockner werfen. In die großen Trocknertrommeln passen gut 3 Wasch- maschinenladungen. Dafür musste ich ca. ZAR 30 (ca. 2,50€) zahlen.


Rückblick

Seit einem halben Jahr bin ich wieder in Deutschland und ein richtiges Fazit mag mir noch immer nicht einfallen. Ich habe unvergessliche Erfahrungen gesammelt und interessante Kontakte geknüpft. Ich habe viel gesehen und mich noch mehr gefragt. Es hat mir vor allem zu denken gegeben. Soll ich euch verraten, ob mich das Studiensemester in Stellenbosch geprägt hat? – Ja, das steht fest!

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