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Universitat de Valencia 2015/16

Vorab kann ich sagen, dass das Erasmus-Programm eine tolle Sache ist und sich das Semester im Ausland definitiv gelohnt hat, auch wenn es Bedenken gab, dass man möglicherweise ein Semester nach hinten geworfen wird. Meine Wahl fiel auf die Universität Valencia. Ich habe mich bei dem Koordinator für die Sportwissenschaft beworben und musste so einige Unterlagen einreichen. Das Learning Agreement war dabei das Heiligtum der Erasmusbürokratie. Es ist wichtig, Kurse in Spanien zu wählen, die einigermaßen mit der Studienordnung der Uni Potsdam übereinstimmen. (Die Kurswahl: http://www.uv.es/uvweb/physical-sport-activity/en/undergraduate-degreestudies/degrees/degree-programmes-offered/degrees/degree-physical-activity-sports-science- 1285850182207/Titulacio.html?id=1285847455580&p2=2). 


Studium an der Gastuniversität

Studienfach: Sportmanagement

Aufenthaltsdauer: 09 /2015 – 01 /2016

Gastuniversität: Universität Valencia

Gastland: Spanien

Das Studiensystem und die Organisation in Spanien sind kaum vergleichbar mit dem deutschen System. Alles ist total ungeplant und vieles geht drunter und drüber. Ich kam im Sekretariat der Sportfakultät an und musste erstmal zu hören bekommen, dass alle meine Kurse auf dem Learning Agreement bereits voll sind. Ich habe drei Kurse gewechselt und nach ca. einem Monat war ich in allen meinen Kursen dann plötzlich eingeschrieben. Man sollte sich also nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn etwas auf dem Learning Agreement nicht ganz passt.

Die Anforderungen in den Praxiskursen sind deutlich höher als an der Uni Potsdam. Ich hatte Fußball und Schwimmen jeweils vier Stunden die Woche (2 Stunden Theorie und 2 Stunden Praxis). Dennoch habe ich von niemandem gehört, der in einem Praxiskurs durchgefallen ist. Die Schwimmhalle ist sehr weit weg von der Uni. Je nachdem, wo man wohnt, sollte man sich vorher überlegen, ob man die 30 Minuten Fahrradfahrt auf sich nehmen möchte. In Valencia sind die Module immer in Theorie und Praxis aufgeteilt. Große Unterschiede habe ich dazwischen allerdings nicht gesehen. Sportmanagement war sogar in 4 Theoriestunden und eine Praxisstunde aufgeteilt. Dazu kamen sechs kleine Hausarbeiten über 5-10 Seiten in Partnerarbeit über das Semester verteilt und eine Klausur am Ende. Das fand ich schon heftig, hat das Spanisch aber sehr vorangetrieben. Die Fakultät ist eine reine Sportfakultät und gut mit Sportstätten ausgestattet. Die Bibliothek liegt gleich nebenan. Bücher habe ich allerdings nie ausgeliehen, da sich die Klausuren nur auf die Vorlesungsfolien bezogen.

Generell musste ich über das Semester hinweg mehr arbeiten als in Deutschland. Das akademische Level war dabei allerdings geringer und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass man an der falschen Stelle arbeitet. Nie wurden konkrete Theorien behandelt, sondern vieles musste man sich aus den Fingern ziehen, um zum Beispiel diese fünf Seiten für die Hausarbeit irgendwie vollzubekommen. Während der Stunden waren die Professoren sehr nett und nachsichtig mit den Erasmusstudenten. Für die Klausur gab es jedoch keinen großen Bonus und man musste genauso viel tun wie die Spanier. Obwohl der Stundenplan recht voll war, empfand ich das Studienklima als sehr angenehm. Ich bin dort gerne in die Uni gegangen.  

Studienfach: Sportmanagement

Aufenthaltsdauer: 09 /2015 – 01 /2016

Gastuniversität: Universität Valencia

Gastland: Spanien

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Kontakte zu anderen Erasmusstudenten zu knüpfen war gar kein Problem. Es gab in der ersten Woche offizielle Erasmusveranstaltungen, um neue Leute kennen zu lernen. Alle Studenten hatten schließlich die gleiche Intention, einen ersten Freundeskreis aufzubauen. Insofern kam man leicht in Gespräche. Bei den Einheimischen war das schon etwas schwerer. Vor allem mit dem niedrigen Spanischlevel. In den Kursen blieben die Spanier meist unter sich. Mit der Zeit aber wurde man sozusagen akzeptiert und man hat sich näher kennen gelernt. In dieser Hinsicht ist ein Semester eigentlich zu wenig. Man hat sich gerade erst richtig akklimatisiert, spricht immer fließender Spanisch, lernt die anderen Studenten erst so richtig kennen und da zieht es einen auch schon wieder nach Hause. 

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Spanischkenntnisse sind nicht vorausgesetzt, aber ein bisschen Spanisch sprechen sollte man schon. Natürlich wurde es gerne gesehen, wenn man schon ein Zertifikat vorzuweisen hatte. Ich habe ein Jahr vorher angefangen in der Uni Spanisch zu lernen und habe unserem Koordinator versichert, das Level B1 zu erreichen. Anfangs verstand ich nur bruchstückhaft etwas, aber man verbessert sich sehr schnell. Das Level sagt aber auch nur wenig über die eigentliche Sprachkompetenz aus. Klar spricht man nach dem Aufenthalt viel flüssiger und hat einen größeren Wortschatz, aber für eine Verbesserung auf B2 reicht das nicht.

Es gibt auch die Möglichkeit, einen Intensivkurs vor dem Aufenthalt im „centro de idiomas“ zu machen. Dieser beginnt bereits im August und man hat drei Wochen jeden Tag Unterricht in einem Ort nahe Valencia. Hier lernt man gleich erstmal viele Leute kennen, sodass einem der Einstieg in das neue Leben leichter fällt. Leider habe ich mich zu spät eingeschrieben und habe nur den semesterbegleitenden Kurs belegt, der sich aber auf jeden Fall auch lohnt. 

Wohn- und Lebenssituation

Die Wohnungssuche hat mir so einige Nerven geraubt. Ich habe mich dafür entschieden, zuerst in einem Hostel zu wohnen und von Spanien aus eine Wohnung zu suchen. Zur Ankunftszeit der Erasmusstudenten hängen viele Wohnungsanzeigen an Laternen oder Hauswänden, weil die Vermieter auch ein wenig auf Erasmusstudenten angewiesen sind. Im Hostel habe ich meinen Mitbewohner kennen gelernt und so sind wir zusammen auf die Suche gegangen. Idealista.de oder Facebookgruppen waren sehr hilfreich. Allgemein wäre es vorteilhaft, wenn man mit jemandem zusammenzieht, der für ein Jahr in Spanien bleibt. Das erleichtert die Wohnungssuche deutlich. Nach einer anstrengenden Woche konnten wir einziehen und uns die anderen Mitbewohner aussuchen, da es zahlreiche Bewerbungen gab. Andere haben bereits aus Deutschland eine Wohnung gemietet. Natürlich hat man dann mehr Sicherheit, aber man kennt die Wohnung nur von Bildern und man weiß nicht, mit wem man zusammenziehen wird. Insofern empfehle ich den etwas risikoreicheren Weg, sich erst in Spanien eine Wohnung zu suchen, da man größeren Problemen mit Vermietern oder Mitbewohnern besser aus dem Weg gehen kann. Die Wohnung an sich und die Mitbewohner haben schließlich einen großen Einfluss auf den gesamten Aufenthalt.

Preislich gesehen sind die Mieten in Valencia gering anzusehen. Die Spanne geht von 100€ bis 350€ im Monat, wo noch Strom, Wasser und Internet hinzukommen. Im Schnitt ist man aber mit 220€ monatlich gut bedient. Die meisten Studenten wohnen entweder im Bezirk Benimaclet oder an der Straße Blasco Ibanez. Benimaclet ist etwas ruhiger, bietet aber auch viele Ausgehmöglichkeiten. Blasco Ibanez ist die größte Straße Valencias. Dort siedeln sich Clubs und Bars an. Beides ist aber nicht weit entfernt voneinander und mit dem Fahrrad kommt man schnell von A nach B. Ich habe mir einen Valenbici-account zugelegt. Damit konnte man einfach Fahrräder an Stationen mieten und sie für eine halbe Stunde benutzen. Spätestens dann muss man sich kurz wieder an der nächsten Station anmelden und man kann das Fahrrad für eine weitere halbe Stunde mieten. Für ein Jahr kostet die Valenbici-Karte 30€. Andere haben sich ein Fahrrad gekauft. Allerdings werden in Valencia viele Fahrräder geklaut, sodass viele Studenten wahrscheinlich ein geklautes Fahrrad billig erworben haben. Ein Bankkonto habe ich dort nicht eröffnet. Eine VISA Karte von der heimischen Bank zu beantragen hat völlig ausgereicht. Die Lebenserhaltungskosten sind ähnlich wie in Deutschland. Die Preise in Supermärkten weisen keine großen Unterschiede auf. 


Rückblick

Das halbe Jahr war genau die richtige Entscheidung. Es war ein ganz anderes Leben, was ich geführt habe, und ich weiß nicht, wann man wieder die Chance bekommen wird, solch eine Erfahrung machen zu dürfen. Man lernt super viele Leute aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Kulturen kennen. Man lernt mehr über sich selbst und wird viel unabhängiger. Das hört sich zwar wie übliche Phrasen an, aber da steckt echt etwas Wahres dahinter.

Die Uni ist eher weniger anspruchsvoll und wenn man die ersten drei Wochen überstanden hat und alles Mögliche wie Unterkunft und das Learning Agreement geklärt hat, verbringt man in Valencia echt eine tolle Zeit. Die Stadt ist super schön und bringt an einigen Stellen auch dieses entspannte spanische Flair mit sich. Außerdem hat sie auch einen großen, naheliegenden Strand, was die Lebensqualität nicht gerade verschlechtert.