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Universidad de Sevilla 2015/16

Das erste Mal habe ich von Erasmus schon vor einigen Jahren gehört, durch diverse Erfahrungsberichte und verschiedene Studienmessen. Mit Beginn des Studiums bin ich wieder darauf gestoßen, als regelmäßig die Erinnerung zu Bewerbungsfristen und Restplätzen vom Romanistikinstitut versendet wurden. Auf der Uni Potsdam Internetseite sind Infos und Kontakte bei Interesse oder Fragen leicht zu finden. https://www.uni-potsdam.de/studium/ausland/studium/erasmus/


Studienfach: Spanische Philologie
Aufenthaltsdauer: 09 /2015 – 03 /2016
Gastuniversität: Universidad de Sevilla
Gastland: Spanien

Ich nahm vor Beginn des Bewerbungszeitraums Kontakt zur Koordination auf und bewarb mich kurz darauf für das kommende Wintersemester 2015/16 auf einen ERASMUS-Platz in Spanien, Erstwunsch Sevilla. Der erste Schritt ist unkompliziert und schnell durchgeführt, da es sich nur um ein kurzes Bewerbungsformular handelt, das man per Mail senden kann. Mit der Zusage, ein paar Monate später kam dann alles ins Rollen und der bürokratische Aufwand, sowie die Vorbereitungen konnten Schritt für Schritt angegangen werden.
Die Gastuni sendete im Falle Sevilla einige Monate vor Ausreise die Zugangsdaten für die Webseiten, zusammen mit einigen Begrüßungsmails und Listen mit entsprechenden Ansprechpartnern heraus. So entstand der erste Kontakt. An die jeweiligen Adressen sollten später auch alle Dokumente vor Ankunft im Gastland gesendet werden. Der Austausch ging immer gut und es wurde einem sehr schnell geholfen.

Ende des Sommersemesters und einige Wochen vor Antritt des Auslandssemesters fand in Potsdam eine Infoveranstaltung statt, in der wir alle noch nicht beantworteten Fragen und Zweifel anbringen konnten. Außerdem wurden einige Formulare und To-Do-Listen vor, während und nach dem Aufenthalt ausgehändigt. Trotz etwas Durcheinander und allgemeiner Aufregung fand ich die Veranstaltung sehr sinnvoll und hilfreich. Nicht zuletzt, um einen Eindruck davon zu bekommen, wer noch alles mit einem ausreisen würde, um eventuelle Kontakte für seine Region oder bezüglich organisatorischer Fragen zu knüpfen.
Mein Flug ging am 9ten September- und damit war ich, wie ich in späteren Vergleichen bemerkte, schon eine der Letzten die ankamen. Ich wohnte die ersten Tage in einem Hostel, da ich mir vorher online noch nichts Festes zum Wohnen gesucht hatte. Von dort aus vereinbarte ich direkt am ersten Tag verschiedene Besichtigungen von Zimmern, die ich im Internet oder durch Aushänge in den Straßen oder Universitätsgebäuden gefunden hatte. Das System ist einfach und funktioniert gut: man schreibt auf verschiedenen Seiten die Leute an und macht meistens für denselben oder die kommenden Tage einen Termin aus. Bei den Aushängen läuft es ähnlich. Anrufen, Vereinbaren, Vorbeigehen.

Die Zimmer werden oft einzeln vermietet, weswegen man bei Interesse meistens direkt zusagen kann und sich nicht gegen viele weitere Bewerber durchsetzen muss.
Ich fand sehr schnell eine schönes, kleines Zimmer in einer spanisch-koreanischen vierer WG. Dass ich versuchen würde, mit Muttersprachlern zusammenzuziehen, war einer meiner höchsten Prioritäten bei meiner Ankunft in Andalusien. Auf der einen Seite, weil ich die Stadt und Kultur intensiv und von verschiedenen Standpunkten aus kennenlernen und erleben wollte, andererseits natürlich wegen der Sprache. Gerade im Süden Spaniens ist der Akzent zu Beginn nicht leicht zu verstehen und deswegen die Übung, sei es auch nur das Zuhören umso wichtiger. Der Stadtteil, in dem die Wohnung lag heißt Triana und ist „ auf der anderen Seite des Flusses“. Für einige war das sehr weit vom Zentrum entfernt, ich fand es aber sehr angenehm. Nach Triana verirren sich kaum Touristen und alles wirkt sehr familiär, da in dem Teil fast nur Sevillanos leben. Zur Uni ist der Weg auch perfekt, im Schnitt zu Fuß ca. 10 Minuten. Etwas zentraler und beliebt, aber dadurch von der Uni entfernter liegen zum Beispiel die Gegenden Alfalfa und Macarena. Die Mietspanne ist dabei recht groß. Ich habe Leute getroffen, die für ähnliche Wohnsituationen 220€ bis hin zu 380€ gezahlt haben. Man muss sich denke ich vorher ein bisschen überlegen, wo man seine Prioritäten setzt. Cooles Viertel, Unianbindung, Größe der WG oder Mitbewohner etc. Will man in einer Art „ ERASMUS WG“ wohnen, wo des Öfteren auch mal höhere Mieten pro Zimmer verlangt werden oder sucht man sich etwas anderes, vielleicht aber auch weniger zentrales. Wobei der Begriff ´zentral´ hier schwierig ist, da man in Sevilla alles zu Fuß oder auch gut mit Fahrrad erreichen kann. Für die Lebenshaltungskosten muss man ungefähr so viel einplanen wie in Berlin/Potsdam bzw. etwas weniger. Supermärkte etc. haben ähnliche Preise wie bei uns, dafür kann man auswärts vor allem Tapas und Café um einiges billiger konsumieren. Verkehrsmittel und die damit zusammenhängenden Kosten fallen kaum an. Denn wie schon vorher erwähnt, kann man in Sevilla das Meiste in maximal 30 Minuten Fußweg erreichen. Muss man doch mal zu einem weiter entfernten Campus oder zum Sprachzentrum, kann man zwischen vielen Bussen, einer Metro oder der Straßenbahn wählen.

Das Studiensystem würde ich als recht unterschiedlich zum Deutschen beschreiben. Beziehungsweise traf dies beim Studiengang der spanischen Philologie zu. Ich habe zu Beginn des Semesters, noch online aus Deutschland, fünf Kurse belegt und besucht. Bei einem wurde direkt zu Beginn darauf hingewiesen, dass das erforderliche Sprachniveau und die Inhalte für Nicht-Muttersprachler nicht zu empfehlen bis nicht zu bestehen seien. Bei den anderen Kursen und dem Sprachkurs lief es in dieser Hinsicht besser! Das einzige womit ich Schwierigkeiten hatte, war der geringe Austausch zwischen Dozenten und Studenten. Mir fällt besonders im Rückblick auf, wie wenige Dialoge, Präsentationen von studentischer Seite oder Diskussionen Raum gefunden haben. Dadurch fiel der Kontakt zu spanischen Kommilitonen auch nicht so leicht, was denke ich aber zudem dadurch bedingt wurde, dass im Studiengang der Philologie über Semester die Gruppen nicht gemischt werden. Bedeutet, dass man in vielen Seminaren eingespielte Strukturen und Dynamiken vorgefunden hat. Generell fand ich das aber nicht allzu problematisch, denn Kontakt zu Spaniern hat man trotzdem viel gehabt. Sei es durch Tandems, Theatergruppen oder allgemein in der Freizeit.

Eine Anwesenheitspflicht gab es nicht, dafür aber Hausaufgaben und einige Abgaben. Benotet wurde aber dennoch nur Anfang Februar, zum Ende des Semesters anhand von Klausuren oder Abschlussarbeiten, die einzureichen waren. Innerhalb der Kurse war die Organisation gut und die Dozenten bei Nachfragen per Mail schnell zu erreichen.
Auch wenn ich einigen Kursen gegenüber nicht rein positiv gestimmt war, habe ich trotzdem viel mitgenommen und fand es sehr spannend den Studienalltag in einem anderen Land zu beobachten und daran teilzuhaben. Besonders zu empfehlen ist der „ Curso Monográfico de Teatro Hispanoamericano“, in dem man zur Verbesserung der Note und aus Interesse ein Theaterstück aufführen kann. Dieses Projekt fordert einen sprachlichen enorm heraus, da man natürlich auf Spanisch probt und spielt. Ich fand es eine hervorragende Möglichkeit nochmal einen anderen Kontakt zu einer Gruppe von Kommilitonen aufzubauen und meine eigenen Sprachfertigkeiten zu prüfen und zu verbessern. Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man in Spanien mit Spaniern ein Theaterstück auf Spanisch aufführt und es auch noch sehr gut ausgeht.

Neben der Uni habe ich mein Spanisch natürlich vor allem im Privaten mit Freunden oder in der Wohnung mit den Mitbewohnern anwenden und verbessern können. Des Weiteren sind Tandempartner oder sogenannte ´Intercambios´ für weitere Übung oder nur aus Spaß, sehr einfach zu finden. Es gibt diverse Bars oder Restaurants die so gut wie jeden Tag in der Woche Veranstaltungen zum sprachlichen und kulturellen Austausch anbieten. Einfach vor Ort die Aushänge in den Straßen, Cafés oder im Unigebäude beachten oder auf Facebook nach Gruppen Ausschau halten. Spätestens wenn man einige Leute kennt, hört man automatisch immer, wo was los ist.

Studienfach: Spanische Philologie
Aufenthaltsdauer: 09 /2015 – 03 /2016
Gastuniversität: Universidad de Sevilla
Gastland: Spanien


Rückblick

Abschließend kann ich sagen, dass mich meine 6 Monate in Andalusien der spanischen Kultur und Sprache noch viel näher gebracht haben, als ich es vorher für möglich gehalten hätte. Der Kontakt mit einigen Leuten vor Ort wird mir denke ich noch lange erhalten bleiben und bietet die Möglichkeit für eine baldige Rückkehr. So kann ich bei aufkommendem Fernweh und wenn mir die Sprachpraxis fehlt gut für einen Besuch zurückkehren in den schönen Süden, nach Sevilla maravilla.