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Universidad de Sevilla 2015/16

Das Auslandssemester stellte seit Jahren für mich ein Highlight in meiner Bachelorkarriere dar, ein Ereignis auf das ich mich seit langem gefreut habe. Aufgrund meiner bisherigen vorherigen Aufenthalte in Italien und Frankreich war mir bewusst, dass es sich um einen unvergleichlichen kulturellen Zugewinn und persönliche Weiterentwicklung handeln würde. Insbesondere war mir bewusst, dass man während eines Aufenthaltes im Ausland auf der einen Seite zahlreiche neue Kenntnisse etc. erwirbt. Insbesondere handelt es sich jedoch um eine Zeit in der man persönlich wächst und weiterentwickelt und dies noch dazu im selben Moment am eigenen Leib bemerkt. Ebendiese Erfahrungen die ich bereits bei meinen vorherigen Aufenthalten im Ausland gemacht hatte erhoffte ich mir auch von meiner Zeit Aufenthalt in Spanien.


Studienfach: Politik und Verwaltung
Aufenthaltsdauer: 09 /2015 – 04 /2016
Gastuniversität: Universidad de Sevilla
Gastland: Spanien

Aufgrund meines Zweitfachs „Spanische Philologie“ war ein Aufenthalt in Spanien für mich fast schon obligatorisch. Die Wahl fiel mir um so leichter, da mir die südländische Kultur, welche ich in Italien kennengelernt hatte sehr gefallen hatte. Zum einen vermutete ich in Spanien natürlich ähnliche Verhaltensweisen und Gepflogenheiten. Zum anderen reizte es mich ebenfalls die kleinen aber wichtigen Unterschiede zwischen der italienischen und spanischen Kultur kennenzulernen.

Dass die Wahl auf die Universidad de Sevilla fiel, obwohl diese nicht im offiziellen Angebot der Uni Potsdam geführt wurde hing mit einem 10 Jahre zurückliegenden Besuch in der andalusischen Metropole zusammen, von dem mir zwar sehr wenige aber gleichzeitig sehr intensive und positive Erinnerungen geblieben waren, weshalb es mich sehr reizte mir diese erneut auf den Prüfstand zu stellen.

Mit entsprechend hohen Erwartungen kam ich in Sevilla an, welche vom ersten Tag an in keiner Weise enttäuscht und in fast jeder Hinsicht übertroffen wurden. Mit meinen bisherigen Erfahrungen, einer dem Kampf des Don Quijote gleichenden Wohnungssuche in Berlin und ohne jeglicher Vorbereitung reiste ich in Sevilla an. Jedoch schon nach ein paar Tagen wurde mir bewusst, dass sich die Wohnungslage in Sevilla ungleich entspannter gestaltete. Genau aus diesem Grund sah ich keinen Grund zur Eile geboten, weshalb ich ein paar Tage länger als geplant im Hostel verblieb bis ich die für mich perfekte Wohnsituation gefunden hatte. Die ganze Stadt schien sich in diesem Moment über die Ankunft der Erasmusstudenten bewusst, sodass mir sogar die erste Person mit der ich ernsthaften Kontakt hatte, der Empfangschef des Hostels ein Zimmer anbot. Letztendlich stellte sich das Hostel als ein Schmelztiegel der Wohnungsangebote heraus, sodass ich den Tip für meine finale Wohnung ebenfalls von einer anderen Erasmusstudentin erhielt, die sich dort ein paar Tage einquartiert hatte.

Meine neue Uni zeigte sich erstaunlich gewappnet und erfahren im Umgang mit der Ankunft und Betreuung der neuen Erasmusstudenten.

Besonders aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen mit der italienische Bürokratie war ich auf ein bürokratisches Chaos gefasst, was sich leider teilweise bestätigte. Nach etwa 2-3 Wochen hatte ich die Einsicht und Lesart des Studienangebots des aktuellen Semesters begriffen. Nicht nur für Erasmusstudenten sondern auch für einheimische spanische Studenten erschienen mir dieses sehr unübersichtlich organisiert und generell wurden wie erwartet die meisten Dinge schriftlich und nicht online abgewickelt. Auch die Einschreibung in die jeweiligen Kurse erschien mir sehr kompliziert da man sich für jede Ein- und Ausschreibung eines Kurses in einer Schlange anstellen musste um sich diese schriftlich bestätigen zu lassen.

Die Leistungsanforderungen unterscheiden sich vor allem durch die Tatsache, dass die Kurse nicht einmal sondern dreimal wöchentlich stattfinden.

Im Gegensatz zum teilweise überforderten bürokratischen universitären Apparat stand das generelle Studienklima. Die einheimischen Studenten nahmen mich mit einer kaum vorstellbaren Wärme auf. Die meisten Studenten und Professoren waren anders als an der Universität Potsdam sehr an den Kontakt mit den ausländischen Studenten gewöhnt. Dies ist vor allem im positiven Sinne zu verstehen, denn die meisten Studenten zeigten großes Interesse an den Erasmusstudenten und ich hatte stets den Eindruck, dass sie ihrerseits versuchten von der Situation durch einen interkulturellen Austausch zu profitieren. Manchmal wurde ich schon so häufig zu etwas zu trinken eingeladen, dass es mir schon fast unangenehm war nicht jeden Einladungen zusagen zu können. Neben den zahlreichen informellen Treffen und Freundschaften gab es auch ein offiziell organisiertes Sprachtandem dass einen linguistischen Austausch zwischen einem Erasmusstudenten und einem einheimischen Studenten organisierte. Obwohl ich, auf Grund der Tatsache, dass ich mich gründlicher meinen anderen Kurse widmen wollte, dieses Prgoramm nicht bis zum Ende durchführte, entwickelte sich, wie bei vielen meiner Mitstudenten eine tiefe Freundschaft zwischen mir und der mir zugeordneten Tandempartnerin.

Darüber hinaus bildeten sich zahlreiche Tandempärchen ohne offizielle Organisation. Viele einheimische Studenten in Sevilla bereiten sich mit Aussicht auf ihre eigenes Erasmusstudium im Ausland mit einem Erasmusstudenten sprachlich auf diesen vor.

Das Bibliothekssystem in Spanien verliert gegenüber den in meiner heimischen deutschen Uni ein wenig. Vor allem die Ausstattung lässt ein wenig zu wünschen übrig, da beispielsweise keine öffentlichen Computerplätze zur Verfügung stehen. Das Bibliothekssystem der Uni ist mir bis heute noch schleierhaft, da jeder Fakultätsbereich seine eigene Bibliothek besitzt. Allein in meinem Campus gibt es wohl rund 25, teils sehr kleine Bereichsbibliotheken. Diese Aufteilung hat allerdings den Nachteil, dass sich selten Bücher über ein Thema in einer einzigen, sondern wahrscheinlicher in 5-6 verschiedenen Bibliotheken befinden und sich die Suche nach diesen zu einer wahren Schnitzeljagd entwickeln kann. Vor allem während der Prüfungszeit waren die Unibibliotheken teilweise hoffnungslos überfüllt, sodass sich teilweise Schlangen vor den Wartesälen auf der Suche nach neuen Plätzen bildeten. Fairerweise muss man dazu sagen, dass diese doch eher kleineren Mängel der Universitätsbibliotheken durch ein sehr gutes Angebot an öffentlichen Bibliotheken in Sevilla aufgefangen werden, welche nicht nur größer und moderner, sondern auch besser ausgestattet und für jedermann zugänglich sind.

Zu Beginn meines Erasmusaufenthalts war ich hochmotiviert Unisport zu betreiben, wurde jedoch durch ein sehr karges Programm und hohe Preise enttäuscht. Ebenso traurig ist das Angebot der Unimensa für Studierende: Die Mensa und die Cafeteria werden nicht von einem studieneigenem Studentenwerk/-organisation sondern von einem privatem Cateringservice betrieben, was zur Folge hat, dass ein normales Mittagsmenü dem Studenten satte 4,10 Euro zu stehen kommt. Zwar muss man dem hinzufügen, dass zu dies eine Vorspeise, eine Hauptspeise, einen Nachtisch und Obst beinhaltet. Nichtsdestotrotz stellt für mich der Preis eine für Studenten nicht zu stemmende finanzielle Hürde dar, einen Preis den weder ein durchschnittlicher spanischer noch normaler Erasmusstudent zu zahlen vermag.

Das zu wünschen übrig lassende Freizeitprogramm wird jedoch durch ein um so besseres Programm der Stadt aufgefangen. Für eine mittelgroße Stadt bietet Sevilla eine von mir nicht möglich gehaltene kulturelle Bandbreite. Besonders auf Grund der Tatsache, dass man in Berlin grundsätzlich kulturell verwöhnt wird reiste ich mit entsprechend niedrigen Erwartungen in Sevilla an und wurde in allen Belangen positiv überrascht. Tag für Tag locken zahlreiche Theater-, Kino- und Konzertveranstaltungen. Verglichen mit der Berliner Musikszene beispielsweise ist das Angebot auf der einen Seite natürlicherweise wesentlich kleiner, auf der anderen jedoch wesentlich ausgewählter. Als ich im Sommer ankam, gab es eine themenorientierte, für jedermann gratis zugängliche Konzertreihe in den wunderschönen öffentlichen Parks Sevillas. Oftmals präsentierte sich die Musikszene hier dadurch qualitativ hochwertiger, offener und unkonventioneller als in Berlin. Ein weiteres kulturelles Highlight war für mich das Filmfestival Sevillas, welches im November stattfand und mit zahlreichen verbilligten Angeboten für Studenten bis hin zu gratis Kinobesuchen lockte.

Neben dem gibt es zahlreiche kulturelle Vereine und Assoziationen welche sich die preiswerte Organisation von Musik-, Tanz-, Theater- und Sprachkursen zum Ziel gesetzt haben. Die kulturelle Szene ist klein aber anspruchsvoll und überschaubar bis hin zu familiär, was heißen soll, dass man an bestimmten Orten immer wieder dieselben Personen trifft. Dies stellte für mich eine in Berlin, wo Anonymität und Individualität an erster Stelle stehen, kaum vorstellbare Facette des Kleinstadtlebens dar, welche ich in allen Zügen genoss. Diese familiäre Athmosphäre wirkt sich in meinen Augen unter anderem positiv auf mein soziales Umfeld und Verhalten aus, welches sich weitaus natürlicher und direkter, fern von allen sozialen Netzwerken etc. gestaltete.

Nicht nur die persönliche, sondern auch die lokale Nähe nahm ich als sehr angenehm war. Meine Universität befand sich zwar rein theoretisch auf der entgegengesetzten Seite des Stadtkerns und nichtsdestotrotz doch nur 10 Minuten per Fahrrad entfernt. All dies hatte zur Folge, dass ich im Alltag wesentlich weniger Zeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln verlor, mich mit weniger Hast und Stress durch den Alltag bewegte und mir wesentlich mehr Zeit für meine persönlichen Vorhaben und Projekte blieb. Ich hatte zwischendurch das Gefühl all das was ich in Berlin schon immer machen wollte, aber auf Grund einfacher Zeitmägel und zu großem Aufwands nicht umsetzen konnte, hier mit Leichtigkeit verwirklichen zu können und dies ohne dabei gestresst zu wirken. Ich bin mir auf keinen Fall sicher, ob man dies auf eine zu verallgemeinernde Differenz der Lebensqualität zurückführen kann. Sicher ist jedoch, dass mir Sevilla in allen Belangen sehr gut tat.

Ein wichtiger Aspekt der sich während meines Erasmusaufenthals natürlich nachhaltig verbessert hat ist mein Sprachvermögen. Ich reiste mit meinen, sozusagen im universitären Labor der „Spanischen Philologie“, rein theoretischen Sprachkenntnissen, denen es natürlicherweise an praktischer Erfahrung fehlte an. Eine der wichtigsten Faktoren bei der Sprachentwicklung spielten natürlicherweise meine Mitbewohner. Ich hatte Glück, denn in meiner WG wurde trotz unterschiedlichster Nationalitäten konsequent Spanisch gesprochen, was letztendlich dazu führte, dass ich jetzt natürlich nicht nur das Standardcastellano sondern vor allem das weitaus dreckigere, die meisten Enden und überflüssige Buchstaben verschluckende sevillano einigermaßen beherrsche.

Das in der Uni gesprochene akademische Spanisch machte mir nur in meinem ersten Monat ein wenig zu schaffen. In Spanien ist Land auf Land ab die Weisheit bekannt, dass wenn man das Andalúz beherrscht, man mit den anderen Akzenten weitaus weniger und mit dem Verständnis des Standardspanisch keine Probleme mehr haben sollte.

Studienfach: Politik und Verwaltung
Aufenthaltsdauer: 09 /2015 – 04 /2016
Gastuniversität: Universidad de Sevilla
Gastland: Spanien


Rückblick

Zusammenfassend ist ein Erasmusbesuch in Sevilla in meinen Augen mehr als empfehlenswert. Besonders auf Grund der Wärme und Nähe der Menschen, dem Leben in der calle, dem guten Wetter aber auch dem guten studentischen Klima und dem breiten kulturellen Angebot lohnt Sevilla mehr als einen touristischen Besuch!