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Universidad de Sevilla 2014/15

Von Anfang an fühlte ich mich durch das AAA der Uni Potsdam sehr gut vorbereitet und informiert. Frau Kettmann hielt uns mittels ihrer zahlreichen Mails und der Infoveranstaltung sehr gut auf dem Laufenden und ich hatte das Gefühl, das man sich sehr bemüht, das Beste für die Erasmus-Studenten herauszuholen (auch was die Höhe des Stipendiums angeht). Gleiches kann ich leider von den Verantwortlichen des Instituts für Romanistik nicht berichten. Nachdem ich festgestellt hatte, statt an der Facultad de Filología Hispánica an der Uni Sevilla in die Facultad de Filosofía eingeschrieben zu sein, konnte ich nicht auf konstruktive Hilfe zählen; vielmehr wurde mir der Versuch, mich nachträglich noch in die Facultad de Filología einzuschreiben, durch ungeschickte Aktionen seitens der potsdamer Erasmus-Koordinatoren noch zusätzlich erschwert. Auch der schriftliche (per Mail im Voraus) und persönliche Kontakt mit dem International Office der Universidad de Sevilla erwies sich als nicht wirklich fruchtbar, da ich teilweise nur ungenaue Antworten auf meine Fragen erhielt, teilweise gar keine Antwort, oder diese um Wochen verspätet. Ich wollte mich jedoch nicht damit zufrieden geben, als eigentliche Spanische Philologie-Studentin, ein Jahr lang Philosophie zu studieren und lediglich Leistungen aus drei Filología Hispánica Kursen (die Universidad de Sevilla hat die Anzahl des Besuchs von Lehrveranstaltungen außerhalb der zugewiesenen Fakultät auf zwei pro Semester und drei pro akademischem Jahr limitiert) anrechnen lassen zu können. Schlussendlich habe ich zu Beginn (ca. drei Wochen lang) sowohl Lehrveranstaltungen der philologischen als auch der philosophischen Fakultät besucht, geraume Zeit im International Office und mit den Erasmus-Verantwortlichen der Facultad de Filología Hispánica verbracht. Glücklicherweise konnten ich und eine weitere potsdamer Philologie-Studentin aus den Wirren der Philosophie befreit werden und dank eigenen Engagements noch in die Facultad de Filología Hispánica eingeschrieben werden. Ich rate also jedem, dran zu bleiben!!! Das wird einem zwar nicht gerade leicht gemacht, da man oft von einem Ahnungslosen zum nächsten geschickt wird und der Großteil der Koordinatoren - so traurig es klingt - den größeren Arbeitsaufwand umgehen möchten und deshalb alles negieren oder ihre Kompetenzen herunterspielen.


Studienfach: Spanische Philologie
Aufenthaltsdauer: 09 /2014 – 06 /2015
Gastuniversität: Universidad de Sevilla
Gastland: Spanien

Auch die Kurswahl an der Universidad de Sevilla erscheint einem zunächst leider unübersichtlich, da diese über ein Blatt Papier, welches man im International Office erhält, erfolgt, die gewählten Kurse später jedoch auf der Online-Plattform der Secretaría Virtual erscheinen. Der Rest verlief mehr oder weniger reibungslos; ich denke, dass es normal ist, dass man sich erst in die unterschiedlichen Systeme einfinden muss und dass das auf einer fremden Sprache natürlich erst einmal eine Herausforderung darstellt.

Da ich selbst nicht auf anhieb das Kursangebot der Universidad de Sevilla finden konnte, hier der Zugang: www.us.es/ Estudios y Acseso/ Grados/ Listado completo de Grados/Filología Hispánica/ Grado en Filología Hispánica/ Plan de Estudios.

Die Einschreibung in die Universidad de Sevilla läuft nach Bestätigung des Studienplatzes von potsdamer Seite über die Plattform Secretería Virtual, den Zugang dazu erhält man per Mail. Über diese Seite kann man Sprachzertifikate einreichen und später auch den sevillanischen Studentenausweis beantragen (wichtig für Ausleihungen in den Bibliotheken, die Fahrradparkplätze in einigen Fakultäten und vergünstigte Eintritte zu den Sehenswürdigkeiten).

Studienfach: Spanische Philologie
Aufenthaltsdauer: 09 /2014 – 06 /2015
Gastuniversität: Universidad de Sevilla
Gastland: Spanien

Studium an der Universidad de Sevilla

Das Studium an der Universidad de Sevilla hatte für mich verschiedene Gesichter. Nach meinem Fakultätswechsel kam ich in den Genuss, im wundervollen Gebäude des Rectorados zu studieren. Die Vorlesungssääle und Bibliotheken bieten einen ganz besonderen Charme, die Kaffeepausen in den schönen Innenhöfen werde ich ebenso wenig vergessen, wie die zahlreichen Picknicks, die wir zur Mittagspause im Garten des Gebäudes machten. Es gibt eine Cafeteria mit günstigen Frühstücksangeboten und preiswerten Tapas sowie eine Mensa, in der man ein Mehrgänge-Menü schon für 4,20 Euro ersteht.

Das Studium selbst ist mir nicht immer leicht gefallen. Ganz im Gegenteil: die Dozenten lassen einen ziemlich schnell wissen, dass die Anforderungen an einen Erasmus-Studenten gleich hoch sind, wie die an die spanischen Kommilitonen. Außerdem hatte ich ein paar Probleme, mich auf das spanische, eher verschulte Lehrsystem mit 4,5 Stunden Vorlesungszeit pro Woche einzustellen. In vielen Kursen hat man die Möglichkeit, eine schriftliche Arbeit oder sonstige Aufgaben einzureichen, um ein paar Extra-Punkte für die Endnote zu sammeln. Leider empfinde ich die Gewichtung dieser Arbeiten in Relation zu ihrem Aufwand als zu gering, da man sich damit oftmals nur um einen Punkt (10 Prozent) verbessern kann. Ich würde das Niveau in der Filología Hispánica der Universidad de Sevilla als hoch einschätzen; gerade im Literatur-Bereich wird die Lektüre vieler Werke in den einzelnen Kursen verlangt. In den Linguistik-Kursen steht die Anfertigung praktischer Arbeiten auf dem Programm. Die Klausuren können eine Dauer von bis zu 4 Stunden haben und beinhalten dementsprechend viel Lernstoff und einen hohen Lernaufwand. Ich würde jedem empfehlen, sich bei der Kurswahl auch am Klausuren-Kalender der Fakultät zu orientieren. Dieser wird bereits am Anfang des akademischen Jahrs für das ganze Jahr veröffentlicht (www.siff.us.es). Ich hatte teilweise vier Klausuren pro Woche, einmalig sogar zwei oder drei an einem Tag; es war somit unmöglich, mich auf alle Prüfungen gleich gut vorzubereiten. Das passiert gerade, wenn man Kurse aus unterschiedlichen Semestern belegt. Manche Professoren lassen sich auch auf individuelle Alternativ-Termine ein, aber eben nicht alle.

Im Rectorado gibt es eine Vielzahl an Bibliotheken, deren Standort, Öffnungszeiten und Bestand ist jedoch nicht ganz einfach zu überblicken. Die Biblioteca General ist die einzige des Gebäudes, die auch am Samstag geöffnet hat. Wer auch am Sonntag den Kopf über die Bücher halten möchte, muss sich in die Studiensääle (Salas de estudio) in den anderen Fakultäten für Jura, Wirtschaft bzw. Medizin verziehen.

Ich habe ein paar spanische Kommilitonen über einen Theater-Kurs, in dem wir ein Stück aufführen konnten, kennengelernt. Generell besteht eine hohe Bereitschaft, dir als Erasmus-Student zu helfen. Von sich aus wurden mir die Mitschriften angeboten. Ein Großteil der Studenten tippt das Vorgetragene mit, das kann im Anschluss beim Lernen behilflich sein. Man sollte sich einfach trauen und die Mitstudis ansprechen, die meisten haben kein Problem damit, ihre Mitschriften zu teilen bzw. den ein oder anderen Tip zu geben. Alle Professoren bieten darüber hinaus wöchentliche Tutoriums-Termine an, an denen man sich bei Zweifeln und Problemen mit dem Dozenten über den Unterrichtsstoff austauschen kann.

Sprachkompetenz und Anforderungen an das Sprachniveau

Durch das reichhaltige Angebot an Sprach-Intercambios in Sevilla dürfte so gut wie jeder die Chance haben, mit Einheimischen in Kontakt zu treten. Ich habe über Freunde eine Gruppe Sevillaner kennengelernt und viel Zeit mit ihnen verbracht, was sicherlich auch mein Spanisch noch einmal gepusht hat.

Ich bin mit einem C1-Zertifikat der Universität Potsdam in Sevilla angereist und habe dementsprechend an keinem Sprachkurs teilgenommen, da diese nur bis zum C1-Niveau angeboten werden und man mir sagte, dass ich an keiner Prüfung mehr teilnehmen könne. Im Nachhinein habe ich jedoch erfahren, dass ich das durchaus hätte machen können. Viele Sprachkursteilnehmer haben den Unterricht als sehr hilfreich empfunden, die anschließende schriftliche und mündliche Prüfung sollen es jedoch ordentlich in sich haben.

Auch wenn ich mir größere Fortschritte, was mein Spanisch-Niveau angeht, erhofft hatte, spreche ich heute deutlich fließender, konnte Wortschatz und Grammatik definitiv verbessern.
Gerade in der Filología Hispánica wird, wie schon beschrieben, ausdrücklich wenig Rücksicht auf die ausländischen Studenten genommen. Die Universität fordert meines Wissens offiziell ein B1-Niveau für das Studium an. Dieses reicht meiner Meinung nach jedoch nicht aus um den Vorlesungen folgen und vor allem den Anforderungen in den Klausuren entsprechen zu können.

Wohnen in Sevilla

Ich habe mich mit wahnsinniger Freude auf mein Sevilla-Jahr bereits im Vorhinein über diverse Wohnungsangebots-Seiten über Zimmer und Preise informiert und bin auch schon mit einigen potenziellen Mitbewohnern in Kontakt getreten. Auch für mich war es wichtig, eine zentrale Bleibe mit spanischen Mitbewohnern zu finden. Schlussendlich habe ich doch etwas abgelegen und mit einer Ungarin in La Macarena gewohnt. Das Viertel gefällt mir nach wie vor, doch musste ich einen Monat vor Aufenthaltsende dann die Wohnung verlassen, da meine Mitbewohnerin und Untervermieterin spontan die Wohnung aufgeben wollte. Auch das Zusammenleben war nicht ganz so angenehm, wie es andere Erasmus-Freunde erfahren haben... Die vorzeitige Suche hat mir also nicht wirklich Vorteile gebracht. Die Miete lag 240 Euro plus Gas und Strom. Ich würde sagen, dass das ungefähr das Mittelmaß an Miete ist; ich habe von günstigeren (160 Euro plus Nebenkosten), aber evtl. nicht ganz so gut ausgestatteten Zimmern/Wohnungen, als auch von teureren Mieten um 300 Euro gehört. Zum Ende habe ich im freien Zimmer der Wohnung einer Freundin gewohnt, für 200 Euro plus ca 40 Euro für Strom/Internet/Gas/Wasser und das in Triana, zentrums- und universitätsnah. Geht ruhig vor Ort auf die Suche und lasst euch nichts vorsäuseln!

Nicht zu unterschätzen ist die feuchte Kälte, die einen in den Monaten Dezember bis Februar in Sevilla erwartet. Da die meisten Wohnungen im Zentrum keine Heizung haben und schlecht gedämmt sind, kann es in ihnen ungemütlich kalt werden. Eine dicke Winterdecke war während dieser drei Monate unumgänglich. Im Gegensatz dazu, habe ich auch heiße Tage um die 40 Grad in Sevilla erlebt, an denen einem wirklich nichts anderes übrig bleibt, als an den Strand zu fahren oder das Haus nicht zwischen zwölf und 18 Uhr zu verlassen.

Ich habe mich trotz des guten Angebots der städtischen Leihfahrräder (Sevici, 30 Euro im Jahresabo, damit freie Fahrt für die ersten 30 Minuten; die Fahrräder erschienen mir jedoch nach Selbsttest schwerfällig und nicht selten klagten Freunde über Probleme bei der Ausleihe an den zahlreichen Sevici-Stationen oder an den Fahrrädern selbst) für ein eigenes Fahrrad entschieden, welches mir jedoch nach nicht allzu langer Zeit direkt am Rectorado geklaut wurde. Auch das zweite Fahrrad wurde mir leider aus dem Innenhof meines Wohnhauses entwendet. Dennoch habe ich mir einen dritten zweirädrigen Begleiter angeschafft, mit noch besserem Schloss (Empfehlung: Bügelschloss).

Vor Beginn des Aufenthalts habe ich mich zu Zusatz-Auslandskrankenversicherungen informiert, mich aber schlussendlich dagegen entschieden. Aufgrund zweier Sportverletzungen habe ich die Krankenhäuser in Virgen del Rocío y La Macarena kennengelernt. Beidmals wurde freundlich Rücksicht auf mein „Ausländertum“ genommen und ich war mit der Standart-Europakrankenversicherung (die gesetzliche, Rückseite der normalen Versicherungskarte) gut beraten. Mir wurde auch gleich ein Familienarzt zugewiesen („por si acaso“) und tatsächlich habe ich diesen auch konsultieren müssen. Eine Zusatzkrankenversicherung war meines Erachtens also nicht notwendig.


Rückblick

Diese Stadt lässt dich niemals los, davon bin ich überzeugt. Ich habe großartige einheimische und ausländische Menschen kennengelernt und möchte die Zeit in Andalusien niemals missen. Nach Unterhaltungen mit mehreren Leuten kamen wir jedes Mal zu dem Fazit, dass es keinen besseren Ort für Erasmus als Sevilla (und Granada) geben kann. Ich bin viel gereist, habe Freunde fürs Leben gefunden und die spanische Kultur von fast allen Seiten kennengelernt; habe viel studiert und meinen Wissensschatz erweitert, aber auch die langen sevillanischen Barnächte überaus genossen.