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Universidad de Sevilla 2013/14

Schon lange vor dem Beginn der Bewerbungsfrist hatte ich die Unterlagen für die Erasmus-Bewerbung zusammengestellt, da ich wusste, dass es für meine Wunschuniversität (Universidad de La Laguna, Tenerife) nur sehr wenige Plätze gab. Das Auffinden und Ausfüllen der erforderten Unterlagen war sehr einfach, da alles auf der Erasmus-Seite der Romanistik zu finden und gut erklärt war. Allerdings wurde genau zu meinem Bewerbungsjahr die Erasmus-Partnerschaft zwischen Potsdam und Teneriffa aufgelöst, wodurch ich meine Auslandserfahrung nicht auf den Kanaren sondern doch auf dem spanischen Festland verbrachte. Dadurch hatte ich mich auch nicht besonders über Sevilla informiert, doch ich sollte diesen „Schicksalswink“ nicht bereuen.


Studienfach: Romanistik – Spanische Philologie
Aufenthaltsdauer: 09 /2013 – 07 /2014
Gastuniversität: Universidad de Sevilla
Gastland: Spanien

Die Kontaktaufnahme mit der Universität in Sevilla war recht einfach und erfolgte per Mail. Der gesamte Bewerbungsprozess lief online ab und war im Großen und Ganzen auch verständlich. Mein Problem war nur, dass ich keinen Nachweis über das geforderte B1 Sprachniveau vorweisen konnte. Um also unnötiges Verrücktmachen zu verhindern, rate ich jedem Erasmus-Kandidaten, sich vorher über alle drei Wunschuniversitäten und deren Anforderungen zu informieren. Ein weiteres Problem war allerdings auch, dass ich schon in der Bewerbung Kurse, die ich belegen wollte, vorab wählen musste und überhaupt nicht wusste, was angeboten wurde. Das Studienangebot auf der Website der Universität (www.us.es) zu finden, erwies sich auch als etwas komplizierter, angefangen bei der Tatsache, dass „Bachelor“ in Sevilla „Grado“ heißt. Unter „Estudios y Acceso“ - „Grados“ - „Listado completo de grados“ und „Grado en Filología Hispánica” (Endresultat: http://www.us.es/estudios/grados/plan_159) fand ich dann den Punkt “Plan de Estudios”, unter dem ich alle zu belegenden Fächer mitsamt Kursbeschreibung einsehen konnte. Ich wählte also ein paar Kurse, die vom Inhalt den Kursen in Potsdam ähnlich schienen, um sie mir später anrechnen zu lassen. Bei der Wahl muss man allerdings beachten, dass einige Kurse nur im Winter- bzw. nur im Sommersemester angeboten werden und andere über zwei Semester gehen. Doch da man die endgültige Wahl der Kurse erst mit der offiziellen Einschreibung macht, wenn man in Sevilla angekommen ist, kann man das dann immer noch ändern. Bei der endgültigen Wahl habe ich von anderen deutschen Studenten mitbekommen, dass es Probleme gab, wenn man mehr als drei Kurse einer anderen Fakultät wählen wollte. Für mich war das zum Glück kein Problem, da ich an der Philologischen Fakultät eingeschrieben war. Die Internetseite der Fakultät ist auch sehr hilfreich (www.siff.us.es), da man hier unter „Horarios/Exámenes“ die Zeiten der Vorlesungen findet und sich so schon vorab einen möglichen Stundenplan zurecht legen kann. Als Erasmus-Student darf man nämlich aus allen vier Studienjahren Veranstaltungen belegen, doch aufgrund der sehr verschulten Struktur (für jedes Jahr sind die zu besuchenden Kurse genau festgelegt) und der Tatsache, dass jeder Kurs zwei bis dreimal die Woche stattfindet, kann es schwierig werden, sie miteinander zu kombinieren.

Was das System und die Organisation der Lehrveranstaltungen angeht, kann ich nur sagen, dass ich Potsdam sehr vermisst habe. Alle Kurse, die ich besucht habe, waren im Stil von Vorlesungen gehalten, das heißt, der Dozent spricht und die Studenten (oder viel mehr die Klasse, da die meisten Studenten von Anfang bis Ende ihres Studiums im Klassenverband zusammen bleiben) hören zu. Zum Glück hatte ich größtenteils sehr interessante Dozenten, die auch mal Witze gemacht haben, sodass das Zuhören und das (meistens gewünschte wortwörtliche) Mitschreiben ab und zu mal aufgelockert wurden. Da meine Veranstaltungen ausschließlich im sogenannten Rectorado, also der ehemaligen Tabakfabrik und dem Hauptgebäude der Universität, stattfanden, kam ich kaum in Kontakt mit Erasmus-Studenten anderer Fachrichtungen; deshalb kann ich nur über die Anforderungen im Bereich der Philologie sprechen. Diese sind recht hoch, wenn man Spanische Philologie (oder auch Philosophie) studiert, allerdings eher niedrig, wenn es sich um andere Philologien handelt. Ich habe auch Kurse der Germanistik belegt und meine Erfahrungen dort deckten sich mit den Aussagen der Anglistik-Studenten: vom Niveau absolut nicht mit Potsdam zu vergleichen. Die Veranstaltungen der Spanischen Philologie hingegen hatten es mitunter in sich. In den Literaturkursen muss sehr viel gelesen werden und schriftliche Arbeiten zu den Werken sind nicht selten. Aber auch in den Linguistikkursen können Hausarbeiten oder Übungen verlangt werden. Vorträge der Studierenden hingegen sind eher die Ausnahme. Fast alle Kurse enden mit einer mehrstündigen Klausur, die vor allem für Nichtmuttersprachler schwer sein kann, da dozentenabhängig schon Akzentsetzungsfehler zu Punktabzug führen können. Jedoch habe ich mit anderen Erasmus-Studenten festgestellt, dass es vor allem am persönlichen Einsatz und am Lernen liegt, ob man besteht. Viele von „uns“ hatten sogar bessere Noten als die Spanier, weil wir das Lernen ernster genommen haben.

Von den Mitarbeitern und Dozenten fühlte ich mich größtenteils gut aufgenommen. Wenn ich jemanden um Hilfe bat, wurde immer versucht, mir zu helfen, auf wenn das mitunter auch für die Mitarbeiter nicht einfach war. Denn gerade zu unserer Ankunft wurde zum Beispiel das System der Kursbelegung umgestellt, sodass auch die Betreuer damit nicht ganz zurechtkamen und es für uns in langem Warten und einer Menge Unsicherheit endete. Doch schlussendlich hatte ich es geschafft, alle meine Kurse zu belegen, da man auch innerhalb der ersten paar Vorlesungswochen noch Kurse tauschen konnte. Allerdings war es einfacher, bereits gewählte Kurse wieder zu streichen als Neue zu wählen, also empfehle ich, am Anfang mehr zu wählen, sich alles anzuschauen und dann die zu streichen, die einem nicht gefallen.

Die meisten Kurse in Sevilla bringen 6 ECTS. Um mir also einen solchen Kurs für zwei Potsdamer Kurse á 3 LP anrechnen zu lassen, erbrachte ich in fast allen Kursen eine doppelte Leistung (das heißt zum Beispiel einen freiwilligen Vortrag oder eine Hausarbeit neben der obligatorischen Klausur) und ließ mir diese durch ein Zertifikat bestätigen. Ob mir die Kurse angerechnet werden, werde ich erst sehen, sobald das Transcript of Records ankommt; das wird nämlich direkt von der Universidad de Sevilla nach Potsdam geschickt.

Das Studienklima war meiner persönlichen Erfahrung nach nichtsdestotrotz sehr angenehm und ich habe mich in Sevilla wohl gefühlt, auch wenn ich froh bin, mal wieder eine andere Art der Lehrveranstaltung in Potsdam besuchen zu dürfen. Die technische Ausstattung der Universität ist vergleichbar mit Potsdam (Wlan an allen Standorten), auch wenn mir in den Vorlesungsräumen Steckdosen für die Laptops der Studenten gefehlt haben. Die Bibliotheken sind zahlreich (und mitunter verwirrend, weil im labyrinthartigen Gebäude verteilt) und größtenteils gut zum Lernen und Arbeitenschreiben ausgestattet. Jedoch wird es vor allem in der Prüfungszeit so voll, dass man ab neun Uhr morgens kaum noch einen Platz bekommt. Da ist es dann besser, wenn man ein ruhiges Plätzchen am Fluss oder im eigenen Zimmer Platz und Ruhe findet.

Meine Wohnsituation hat das zum Glück hergegeben. Obwohl einem ja immer geraten wird, nicht das erste Angebot anzunehmen, entschied ich mich doch gleich für die erste Wohnung, die ich mir ansah. Ich hatte vorab drei Nächte in einem Hostel gebucht, um von dort aus eine WG zu suchen, und fand direkt am zweiten Tag diese tolle Wohnung. Ich hatte recht hohe Ansprüche: Klimaanlage, Wlan, Zentrumsnähe, gut isolierte Fenster (da es im Winter ohne Heizung bitter kalt werden kann) und vor allem ausschließlich spanische Mitbewohner. Ich vermute, dass ich eine solche Wohnung gefunden habe, lag mit daran, dass ich bereits am 1. September und somit vor dem großen „Erasmus-Ansturm“ in Sevilla angekommen bin. Allerdings war diese Wohnung auch nicht ganz billig (240€); es gab Erasmus-Studenten, die nur die Hälfte meiner Miete zahlten. In der Miete inbegriffen sind meistens agua y comunidad, oft auch Internet und Telefon, aber luz (also Strom) und Gas müssen extra gezahlt werden. Die Kaution in Höhe einer Monatsmiete wurde dann mit der Miete des letzten Monats verrechnet. Insgesamt lief bei mir alles sehr gut, doch ich habe auch andere Sachen gehört: von Streitigkeiten mit Mitbewohnern oder Vermietern über Kakerlaken bis hin zu Rohrbrüchen war fast alles dabei. Aber vor allem der letzte Punkt meiner Liste, spanische Mitbewohner, hat mir extrem dabei geholfen, meine Sprachkenntnisse zu verbessern, weil ich in den alltäglichsten Situationen gezwungen war, spanisch zu sprechen und zu denken. Außerdem hatte ich bereits die ersten Kontakte zu Einheimischen. Meine beiden Mitbewohnerinnen haben mich sehr herzlich aufgenommen und mir viel in Sevilla und ihrem Heimatdorf gezeigt, sodass ich die Möglichkeit hatte, die Traditionen und Feste Sevillas aus der spanischen Perspektive kennen zu lernen. Das hat mir vor allem bei der Semana Santa geholfen. Deren pompöses Spektakel kam mir anfangs völlig übertrieben vor, doch diese Abneigung wandelte sich in Interesse und sogar ein wenig Euphorie, als ich erlebte, wie sehr sich einige Spanier von diesen Festlichkeiten mitreißen lassen.
Durch die Reisen und Partys des ESN Sevilla lernte ich auch andere ausländische Studenten kennen, aber ich versuchte eher, mich mit Spaniern anzufreunden, um zu verhindern, dass ich mehr Englisch als Spanisch sprechen würde. Dazu kann ich nur empfehlen, an einem der verschiedenen Tandem-Programme teilzunehmen. Es gibt an der Universidad de Sevilla mehrere Angebote, einige strikter, andere eher frei gestaltet. Zum Beispiel ist das offizielle Tandemangebot der Fakultät sehr streng: man muss eine bestimmte Anzahl von Stunden ableisten, verschiedene Veranstaltungen wahrnehmen und ein Lerntagebuch führen. Es kostet einen kleinen Obolus, aber am Ende bekommt man dafür Leistungspunkte. Das Tandemangebot des Spracheninstituts, das Instituto de Idiomas (http://institutodeidiomas.us.es/, http://institutodeidiomas.us.es/espanol-intercambios), hingegen ist sehr frei und eigentlich eher eine Art Kontaktbörse. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden mir gleich zwei Spanier zugeteilt, mit denen ich mich bestens verstand. Es sind vor allem diejenigen Spanier, die Interesse an fremden Kulturen und Sprachen haben, mit denen man leicht in Kontakt kommt; in den Kursen der Germanistik hat man sich schnell angefreundet, in den Kursen der Hispanistik war das etwas schwerer, was aber auch an der großen Kursstärke liegen kann.

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind recht gut ausgebaut, doch vor allem im Zentrum kann man sich vieles erlaufen. Für „weitere“ Strecken empfehle ich den Bus, dafür gibt es auch eine tarjeta multiviaje, mit der man anstatt der 1,40€ pro Fahrt nur 70 Cent zahlt. Die günstigste Variante ist allerdings vermutlich das Fahrrad. Es gibt einen regen Austausch von Gebrauchträdern; man kann aber auch einfach ein Sevici-Abo machen (http://www.sevici.es/) und dann die öffentlichen Räder nutzen. Das hat zum Vorteil, dass einem das Rad nicht gestohlen werden kann, was leider mehreren meiner Erasmus-Kollegen passiert ist. Das Abo hatte mich 30€ für ein Jahr gekostet, damit kann man immer die ersten 30 Minuten kostenlos fahren. Sollte man mal länger als 30 Minuten brauchen, kann man das Rad in die nächste Station schieben und gleich danach wieder herausnehmen, um nichts extra zu zahlen. Für den Bus sowie für die Sevici-Stationen gibt es hilfreiche Apps für Smartphones und ich kann eine Vodafone-Prepaid-Karte nur empfehlen: zehn Monate problemfrei für zehn Euro monatlich Internet auf dem Handy. Andere Anbieter wie zum Beispiel Yoigo bieten dasselbe geringfügig günstiger an, machen aber zum Beispiel bei der Abbuchung des Geldes Probleme.

Die Lebenshaltungskosten in Sevilla sind normal, aber vor allem das Ausgehen und auswärts (Tapas) essen ist recht günstig. Mein Lieblingsort für das Nachtleben war die Alameda de Hércules, da ich im Bezirk La Macarena gewohnt habe und das für mich sehr gut zu Fuß zu erreichen war. Dort ist abends immer eine Menge los und auch tagsüber am Wochenende gibt es dort Märkte, Konzerte oder andere Veranstaltungen. Weitere beliebte Orte zum Ausgehen sind die Plätze Alfalfa und San Salvador, der ESN macht ganz gerne Botellón am Torre del Oro, und Bier und Wein (Tinto de Verano) für einen Euro gibt es in der Bar Marbella in der Nähe der Metrostation San Bernardo. Weitere Freizeitangebote gibt es zahlreich in und um Sevilla: kulturelle Angebote wie Kino, Theater oder Flamencoshows (für letzteres kann ich die Carbonería sehr empfehlen: http://www.levies18.com/, Tanz- und Kochkurse (http://www.groupon.es/browse/sevilla), (Tret)Boot- oder Kanufahren auf dem Guadalquivir, Wandern und Reiten in den ländlicheren Gebieten um Sevilla und natürlich kann man auch ans nahegelegene Meer in Matalascañas oder ein bisschen weiter Richtung Cádiz fahren. Auch das schöne Portugal, Marokko und Gibraltar sind nicht zu weit entfernt für einen Ein- bis Zwei-Tagestrip, wenn man sich mit Freunden ein Auto mietet. Und natürlich sollte man sich die anderen großen Städte Andalusiens wie Granada und Córdoba nicht entgehen lassen.

Um den ganzen Spaß zu bezahlen, kann ich die Deutsche Kreditbank (DKB) sehr empfehlen, da man mit der kostenlosen Kreditkarte von jedem Automaten der Welt gebührenfrei Geld abheben kann. Außerdem kommt man bei vielen Angeboten (wie zum Beispiel Auto mieten oder Busfahrkarten im Internet buchen) ohne Kreditkarte nicht weit. Allerdings sollte man sich diese nicht stehlen lassen, denn auch wenn die sevillanische Polizei sehr freundlich ist, ist es doch eher nervenaufreibend, einige Tage ohne Geld leben zu müssen. Neben der Polizei durfte ich in den zehn Monaten auch Bekanntschaft mit dem Krankenhauspersonal machen, aber da es nur eine ambulante Behandlung innerhalb Europas war, musste ich nicht mal von meiner Auslandskrankenversicherung Gebrach machen; Schmerztabletten sind in Spanien erfreulicherweise bedeutend günstiger als In Deutschland.

Studienfach: Romanistik – Spanische Philologie
Aufenthaltsdauer: 09 /2013 – 07 /2014
Gastuniversität: Universidad de Sevilla
Gastland: Spanien


Rückblick

Rückblickend kann ich sagen, dass ich trotz kleiner Zwischenfälle und anfänglichem Organisationschaos an der Uni eine wundervolle Zeit in Sevilla hatte, sehr viele tolle Menschen kennen gelernt habe und am liebsten da geblieben wäre, wenn sich an den Lehrveranstaltungen einiges ändern würde. Vor allem rate ich jedem Erasmusinteressierten dazu, zwei Semester Auslandsaufenthalt zu planen, da man sich nach einem Semester gerade erst so richtig eingelebt hat. Und gerade Sevilla hat im Sommersemester so viel zu bieten, was einem entginge, wenn man nur im Winter in dieser wunderschönen Stadt wäre.