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Mein Auslandssemester in Luzern

Als ich Anfang September mit all meinem Gepäck in Luzern eintraf, hatte ich gemischte Gefühle. Zum einen freute ich mich auf die vor mir liegende Zeit und die neuen Erfahrungen, die ich sammeln würde. Zum anderen hatte ich Sorge, dass dieses Semester meinen Erwartungen und Vorstellungen nicht entsprechen würde und dass es schwierig werden könnte, Anschluss bei Kommiliton(inn)en zu finden. Eine sprachliche Barriere erwartete ich nicht, da Luzern in der deutschen Schweiz liegt und neben dem schweizerdeutschen Dialekt auch Hochdeutsch gesprochen wird.


Aufenthaltsdauer: WS 2011/12

Gastuniversität: Pädagogische Hochschule Luzern

Gastland: Schweiz

Bei den Vorbereitungen für das Semester habe ich mich durch zeitnahe Antworten und personalisierte E-Mails sehr gut informiert und unterstützt gefühlt. Zudem war ein Treffen mit meiner Vorgängerin, die ein Semester zuvor an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (PHZ) studiert hatte, aufschlussreich und ich wusste bereits von Vielem, was mich in der Schweiz erwarten würde.

Vor Ort angekommen, hatte ich leider kleine Startschwierigkeiten. Im Voraus wurde mir mitgeteilt, dass vor dem Semesterstart in der Regel Einführungsveranstaltungen stattfinden würden, weswegen ich möglichst eine zusätzliche Woche einplanen sollte. Diese fanden jedoch nicht statt und die Benachrichtigung darüber erhielt ich erst in Luzern. Hier lag anscheinend ein Missverständnis durch eine unglückliche Kommunikation vor. Um mir trotzdem einige Informationen zukommen zu lassen, fuhr ein Mitarbeiter des International Office meinetwegen nach Luzern und nahm sich die Zeit für ein Einführungsgespräch. Dafür war ich sehr dankbar und außerdem erhielt ich durch das außerordentliche Engagement einen guten Eindruck von der Hochschule.

Aufenthaltsdauer: WS 2011/12

Gastuniversität: Pädagogische Hochschule Luzern

Gastland: Schweiz

Beim Eröffnungsgespräch erfuhr ich, dass ich die einzige Erasmusstudentin der PHZ sein würde, was für den ersten Moment enttäuschend für mich war und hieß, dass ich vorerst auf mich allein gestellt sein würde. Eine Patin bekam ich nach wenigen Tagen, worüber ich sehr dankbar war, da ich so auch eine studentische Ansprechpartnerin hatte. Die Stadt hatte ich jedoch zu diesem Zeitpunkt bereits selbstständig erkundet, die Hochschulgebäude entdeckt und mich in den meisten Sachen zurechtgefunden.

An der Universität Potsdam wird vor Beginn jedes Semesters per E-Mail an alle Studierenden nach „Tandem-Partnern“ für Erasmusstudierende gesucht. Diese können sich bei den zuständigen Personen melden und eine Patenschaft übernehmen. Da die PHZ wesentlich kleiner ist und Erasmusstudenten selten sind, wird dies hier anders gehandhabt. Einzelne Student(inn)en werden diesbezüglich angesprochen und gefragt, ob sie eine Patenschaft übernehmen möchten. Das zeigt den persönlichen Charakter der Hochschule.

Meine Patin war zusätzlich die Patin einer Südafrikanerin und durch das Schreiben an ihrer Masterarbeit zeitlich etwas eingebunden. Trotzdem standen wir in Kontakt, haben uns gut verstanden und führten bereichernde Gespräche. Zusammen mit ihr und zwei südafrikanischen Austauschstudentinnen fuhr ich mit finanzieller Unterstützung der PHZ bei fantastischem Wetter für einen Tag nach Tessin. So konnten wir einen Teil der italienischen Schweiz näher kennenlernen, worüber ich mich unheimlich gefreut habe. Zudem nahm sich meine Patin die Zeit, mit mir Ski zu fahren, was nahezu jeder Schweizer liebt und mir somit einen Einblick in ihre Kultur erlaubte.

Die Unterkunftssuche gestaltete sich aufgrund der weiten Entfernung sehr schwierig. Den Vorbereitungsgesprächen in Potsdam hatte ich entnommen, dass sich die Gasthochschule um eine Unterkunft kümmern würde und dann Bescheid geben würde, was jedoch ein Missverständnis war. So kam es, dass ich mir bis Mitte Juli diesbezüglich keinerlei Sorgen machte. Nachdem ich nachgefragt hatte, wann ich darüber Bescheid bekäme, wo ich wohnen werde und welche Kosten auf mich zukommen würden, kam die Nachricht, dass sich die Gaststudierenden selbstständig darum bemühen müssen. Das war ein großer Schock für mich, da nur noch eineinhalb Monate zum Finden einer Unterkunft blieben, was aus der Ferne umso schwieriger war. Im Anhang dieser Mail wurden mir Links für Internetseiten geschickt, die ich kontaktieren könnte. Allerdings war es zu spät, um sich für Wohnheime zu bewerben. Glücklicherweise ergab es sich, dass ich ein möbliertes Zimmer in Kriens bewohnen durfte.

Meine Koordinatorin nahm sich stets für Fragen und Gespräche Zeit, war verlässlich und sehr gut per E-Mail zu erreichen, sodass ich jederzeit eine Ansprechperson hatte. Sie hat ein überaus gutes Studienprogramm für mich zusammengestellt, das meinen Interessen sehr entsprach. Zudem fühlte ich mich auch bei den anderen betreuenden Personen ernstgenommen und fand viel Unterstützung beim Finden von Problemlösungen. Für die Offenheit gegenüber positiver wie negativer Kritik bin ich sehr dankbar.

Die Inhalte der Seminare und Vorlesungen haben mir äußerst gut gefallen. Vor allem die heilpädagogischen und (entwicklungs-)psychologischen Veranstaltungen haben mich sehr interessiert und persönlich weitergebracht. Daher bin ich auch gern zur Hochschule gegangen und habe es genossen mit vielen neuen Inhalten, die in meinem Studienfach weniger thematisiert werden, konfrontiert zu werden. Besonders die Spezialisierungswoche, die den Titel „Verhaltensauffälligkeiten“ trug, war für mich spannend. Ich konnte fachlich sowie persönlich enorm viel aus diesem Blockseminar für mich mitnehmen und fand es gut, eine ganze Woche lang nur ein Thema zu behandeln. Diese Zeit war außerdem eine gute Möglichkeit, meine Kommiliton(inn)en und die Mentalität der Schweizer näher kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Die praktische Orientierung an der PHZ war anfangs etwas ungewohnt für mich, da sich meine Heimatuniversität oftmals auf die theoretischen Aspekte bezieht. Umso bereichernder war für mich der Blick in den Alltag und die Umsetzung der theoretisch erworbenen Kompetenzen. Mit Sicherheit wird diese Praxisnähe etwas sein, das ich in Potsdam vermissen werde. Weiterhin war die Anwesenheitspflicht fremd für mich und bei Krankheit sehr nachteilig für die Studierenden. Die Vorzüge bestehen jedoch in einem planbareren Unterricht sowohl für die Dozenten wie auch für die Studierenden bei der Präparation von Unterrichtsstunden und Referaten mit interaktiven Bestandteilen wie beispielsweise Gruppenarbeit.

Ich hatte oftmals das Gefühl, dass die kleine Studentenanzahl der Hochschule es ermöglichte, dass Dozenten und Studenten näher in Kontakt miteinander kamen und demnach auch persönlicher zusammengearbeitet werden konnte. Es kann wesentlich individueller bezüglich Ressourcen und Bedürfnissen auf die Studierenden eingegangen werden, was aus meiner Sicht ein großer Vorteil gegenüber großen Universitäten ist.

Die Anzahl der Leistungspunkte ist an der PHZ wesentlich geringer als an meiner Heimatuniversität, sodass ich zahlreiche Kurse besuchte, um in etwa die gewünschte Punktezahl für ein Erasmussemester zu erhalten. Nachdem ich meine Bedenken diesbezüglich äußerte, war ich positiv über das starke Entgegenkommen der Dozenten und Verantwortlichen überrascht. So konnten beispielsweise zwei Fächer, die ähnliche Themenschwerpunkte hatten, in einer Prüfung abgefragt werden oder sogar Prüfungstermine nach vorne verschoben werden, um eine Häufung dieser zum Ende des Semesters zu vermeiden. Diese Kooperation und Kompromissbereitschaft hat mich gefreut und erleichterte meinen Aufenthalt besonders bezüglich des Zeitmanagements. Insgesamt konnte ich an der PHZ sehr viel für mein erziehungswissenschaftliches Studium lernen und meine persönlichen Kompetenzen erweitern.

Weiterhin war ich begeistert, dass ich sogar einen Soziologiekurs an der Universität Luzern sowie einen Spanischkurs an der Hochschule Luzern in Horw besuchen konnte. So konnte ich meine Sprachkenntnisse erweitern und einen Einblick in die Universität Luzern gewinnen, die nochmals anders strukturiert ist als die PHZ. Bezüglich der Prüfungstermine ergaben sich jedoch Schwierigkeiten, da diese an der Hslu erst im Januar stattfinden, das Semester an der PHZ allerdings bereits am 16. Dezember beendet war. Somit musste ich wegen dieses Termins erneut in die Schweiz reisen, was mir von der zuständigen Lehrperson des Spanischunterrichts früher hätte mitgeteilt werden können, um die nachfolgende Zeit genauer planen zu können.

Da ich anfangs viel auf mich allein gestellt war, habe ich gelernt, meinen Erasmusaufenthalt selbstständig zu strukturieren und zu organisieren. Das war eine Herausforderung, mit der ich im persönlichen Bereich wachsen konnte. Weiterhin sehe ich den Vorteil, dass ich die einzige Erasmusstudentin der PHZ in diesem Semester war, darin, dass ich die Schweizer/innen näher kennenlernen durfte und somit einen kleinen Einblick in ihre Kultur erhalten habe. Ich stellte trotz gleicher Sprache einen großen Unterschied in Gewohnheiten und Mentalität fest, den ich bereichernd fand. Zudem habe ich die tolle Landschaft mit Bergen und Seen genossen und mich in Luzern sehr wohl und sicher gefühlt. Der Großteil der Innenstadt ist mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreichbar, was aufgrund der Verteilung der verschiedenen Hochschulgebäude in der Stadt von Vorteil ist. Da ich in Kriens wohnte, was etwa fünf Kilometer von der Innenstadt Luzerns entfernt ist, war ein Fahrrad sowohl zeitlich als auch finanziell überaus praktisch. So war ich von den Bussen größtenteils unabhängig.
Besonders genossen habe ich den Hochschulsport, an dem die Studierenden der PHZ teilweise sogar kostenlos teilnehmen können. Das Angebot ist hierbei sehr vielfältig und bat eine weitere Chance, mit den Schweizern in Kontakt zu kommen.

Studierende, die sich für ein Erasmussemester an der PHZ entscheiden, sollten sich möglichst zeitnah um eine Unterkunft bemühen. Auch für eine Auslandskrankenversicherung und die Beurlaubung sollte vor der Ankunft gesorgt werden. Nach Eintreffen an der Gastuniversität ist es wichtig, sich in der Gemeinde anzumelden und eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten und dem Sprung ins kalte Wasser, war der Aufenthalt an der PHZ insgesamt bereichernd und hat mir gut gefallen.

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