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Persönlicher Erasmus+ Erfahrungsbericht - Örebro Universitet

Während meines Bachelorstudiums hatte ich öfter das Gefühl, meinem Studium würde noch etwas fehlen. Mich reizte es zu sehen, was es außerhalb meiner „kleinen Welt“ gibt und wie Studieren und Leben woanders ist. Als ich mich hierzu auf der Homepage der Uni informierte, stieß ich auf die Uni-Partnerschaften im Rahmen des Erasmus+ Programms. Bei dem Bereich der Erziehungswissenschaften entdeckte ich schließlich, dass es Partnerschaften mit Universitäten in Schweden gibt. Hierzu ließ ich mich von der Erasmus-Koordinatorin der Erziehungswissenschaften, Frau Bittersmann beraten und entschied mich für ein Auslandssemester in Örebro.


Studienfach: Lehramt - Deutsch und Politische Bildung

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 06/2017

Gastuniversität: Örebro Universitet

Gastland: Schweden

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Der Bewerbungsprozess an der Uni Potsdam und die Kontaktaufnahme mit der Gastuni liefen sehr unkompliziert ab. Die Uni in Örebro ist sehr gut organisiert und man wird über jeden Schritt via E-Mail informiert. Die Bewerbung erfolgt über ein Portal. Hier gibt man bereits seine Wunschkurse, die man in der Uni belegen möchte an und auch, ob man eine Unterkunft im Studentenwohnheim wünscht. Dass die Uni Örebro den internationalen Studierenden Unterkünfte anbietet, war für mich ein wichtiger Grund, mich eben für diese Uni zu entscheiden. Zudem erkundigte ich mich bereits vor meiner Abreise beim Prüfungsausschuss der Erziehungswissenschaften, welche Kurse ich mir für mein Studium anrechnen kann. Auch das lief schnell und unkompliziert ab. Bereits sehr früh nahmen auch die einheimischen Studierenden Kontakt zu mir auf, die sogenannten Fadder (sozuagen unsere Paten). Diese begleiteten mich und die anderen Auslandsstudierenden meiner Gruppe für die nächsten Monate. Während des gesamten Semesters verlief die Kommunikation über Facebook. Hier werden Gruppen erstellt mit aktuellen Infos für alle Auslandsstudierenden, z.B. für den Kauf- und Verkauf von Sachen sowie Veranstaltungen.
In Schweden wird, anders als in Deutschland, nur wenig bis kaum mit Bargeld bezahlt, das gilt auch für kleinere Beträge. Ein Busticket kann z.B. gar nicht, bar bezahlt werden. Ich hatte mir deshalb vor meinem Aufenthalt in Schweden eine VISA-Kreditkarte besorgt und habe sie zum Bezahlen auch so gut wie immer genutzt, weshalb ich das jedem ans Herz lege. Gerade in Skandinavien packt einem schnell die Abenteuerlust und es bieten sich viele Outdoor-Aktivitäten an, die wirklich erlebenswert sind. In Anbetracht dessen hatte ich auch eine extra Auslandskrankenversicherung abgeschlossen.

Finanzierung

Der Vorteil am ERASMUS-Programm ist sicherlich der Mobilitätszuschuss, den man bekommt, aber auch, dass man keine Studiengebühren an die Gastuni zahlen muss. Studieren in Schweden ist, aufgrund der höheren Lebenshaltungskosten, teurer als in Potsdam. Ich hatte deshalb die Monate vorher mehr gearbeitet und mir auch viel Geld angespart. Zudem wird das Studieren im Ausland auch vom BAföG gefördert. Dies war für mich eine wichtige Finanzierungsquelle. Man sollte darauf achten, dass man den Antrag sechs Monate vorher stellt, damit man rechtzeitig eine Antwort auf seinen Antrag erhält. Auch wenn ich zu Beginn große Bedenken hatte, was die Finanzierung meines Studiums in Schweden angeht, war ich überrascht, denn mit der Zeit lernt man doch an vielen Sachen zu sparen.

Studium an der Gastuniversität

Ankunft

Die Uni hatte für die Ankunft der internationalen Studierenden einen „Welcome Day“ organisiert. An diesem Tag kam jeder individuell an und man erhielt am Campus wichtige Informationen für die kommenden Wochen und einen Umschlag mit dem Schlüssel für die Unterkunft. Ich wurde hier sehr herzlich von den einheimischen Studierenden empfangen und sogar bis zu meiner Unterkunft gebracht. Am Abend lernte ich dann auch beim gemeinsamen Essen meine Fadder-Gruppe kennen. In den ersten drei Wochen bot schließlich das Orientierungsprogramm, bei welchem meist mehrere Aktivitäten an einem Tag organisiert wurden, eine spannende Abwechslung, wobei man die anderen Auslandsstudierenden sowie die Stadt und die Uni kennenlernte.

Studium

Das Studium in Schweden ist anders als in Deutschland. Die Kurse laufen nicht alle parallel ab, sondern hintereinander. Erst wenn ein Kurs abgeschlossen wird, folgt der nächste. Ich belegte während meines Semesters in Örebro vier Kurse, davon drei aus dem Bereich Education mit jeweils 7,5 Leistungspunkten. Einer der Kurse beinhaltete ein Praktikum an einer schwedischen Schule, wodurch man dem schwedischen Bildungssystem, aber auch der Kultur sehr viel näher kam. Ich habe die Zeit in der Schule sehr genossen und viel Interessantes erleben dürfen! Zudem belegte ich einen weiteren Kurs zur schwedischen Kultur und Sprache. Leider war dies nicht wie erhofft, ein Schwedisch-Sprachkurs. Dieser wurde von der Uni nicht angeboten.
Die Organisation der einzelnen Kurse war recht unterschiedlich. Es kam vor, dass man in einer Woche drei Mal für jeweils 3 Stunden zur Uni musste, manchmal aber auch nur einmal die Woche. Generell wird mehr zu Hause gearbeitet und die Ergebnisse werden im Seminar besprochen und ausgewertet. Die Leistungsforderungen für die benannten Kurse umfassten meist ein Referat und Essays bzw. kleinere Hausarbeiten, die bewertet wurden. Vergleichbar mit den Kursen in Potsdam waren die Anforderungen an der Uni Örebro eher niedriger. Ich denke aber, das hat viel damit zu tun, dass die Kurse hintereinander stattfinden und man sich dadurch nicht auf Vieles gleichzeitig konzentrieren muss. In den Seminaren waren wir durchschnittlich um die 12 Leute, was das Arbeiten viel angenehmer machte. Auch zu den Hochschullehrenden wurde damit eine engere Beziehung aufgebaut.
Die Uni in Örebro ist sehr modern und technisch sehr gut ausgestattet. Sehr positiv sind mir die vielen Sitz- und Arbeitsmöglichkeiten in Erinnerung geblieben, aber auch die vielen Essensmöglichkeiten in jedem Haus in der Uni. Die Bibliothek ist eines der modernsten Gebäude und verfügt über PCs, die frei zugänglich sind. Bei Problemen oder Fragen zum Drucken oder Scannen kann man sich an den technischen Support wenden, der sich im Långhuset befindet. Ich habe während meines Semesters in Örebro kaum etwas gedruckt, da dies dort sehr viel teurer ist als in Potsdam. Auch Bücher habe ich mir eher in der Bibliothek ausgeliehen als gekauft. Wenn aber doch Bücher benötigt werden, befindet sich am Campus ein kleiner Bücherladen, in welchem man alles Nötige finden kann.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Der Kontakt zu den anderen ausländischen Studierenden war sehr gut. Das wurde vor allem dadurch gefördert, weil die gesamten Auslandsstudierenden in Gruppen gemischt waren, die wiederum gerade im Orientierungsprogramm aufeinandertrafen. Es war immer wieder sehr interessant auf neue Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern zu treffen und zu beobachten, wie gleich und unterschiedlich man sich doch ist. Diese Begegnungen empfinde ich rückblickend als große Bereicherung, da es wirklich besondere Freundschaften sind und die gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen zusammenschweißen. Kontakt zu den schwedischen Studierenden war hingegen eher wenig vorhanden. Die Schweden sind zwar sehr höflich und hilfsbereit, allerdings auch sehr vorsichtig und verschlossen. Jedoch gab es auch Ausnahmen, so verstand ich mich mit meiner schwedischen Nachbarin sehr gut und auch mit den schwedischen Mitstudierenden, die ich in den Kursen kennenlernte. Dennoch fand ich es schwer als Studierende von außerhalb, Kontakt zu schwedischen Studierenden zu knüpfen.

Wohn- und Lebenssituation

Wohnen

Bei der Bewerbung um den Studienplatz gibt man bereits an, ob man eine Unterkunft in dem Studentenheim wünscht. Ich habe dies gemacht und bin sehr zufrieden damit gewesen. Zu beachten ist, dass die Miete für den gesamten Zeitraum bereits vor dem eigentlichen Semesterstart gezahlt werden muss. Ich habe dies Anfang Dezember gemacht und die Uni begann Mitte Januar. Hierzu erhält man eine Rechnung vom Housing Office der Universität. Ich habe um die 300 Euro monatlich bezahlt, was für Schweden ein guter Preis ist. Die Universität Örebro hat insgesamt drei Wohnanlagen, die sich alle in der Nähe der Universität befinden. Tybblegatan und Studentgatan bieten ein eigenes Zimmer mit eigenem WC und Bad sowie einer Gemeinschaftsküche. Schließlich gibt es auch noch die Möglichkeit in einem Haus mit zwei Etagen zu wohnen und sich die Küche und WC/Dusche mit den anderen internationalen Mitbewohnern zu teilen. Ich habe in Tybblegatan gewohnt und habe zu Fuß um die 5 Minuten zur Uni gebraucht. Ich hatte ausschließlich schwedische Mitbewohner, was aber in jedem Korridor variieren kann. WLAN hat man in dem Zimmer nur dann, wenn man sich selbst einen Router gekauft hat. Im Zimmer befindet sich lediglich eine LAN-Buchse. Mit einem LAN-Kabel kann man so seinen Laptop anschließen. Es empfiehlt sich, ein Kabel aus Deutschland mitzunehmen. Zudem habe ich während meines Aufenthalts eine schwedische SIM-Karte genutzt. Die Karte kann man problemlos mit Geld aufladen oder sich einen der Tarife holen. Ich habe hierfür monatlich umgerechnet 10 Euro ausgegeben.
In der Nähe der Unterkunft gibt es zwei große Einkaufsmärkte, den ICA und den Willy's. Einkaufen war wirklich sehr problemlos und das auch, weil die Läden sogar sonntags geöffnet haben. Lebensmittel sind in Schweden deutlich teurer als in Deutschland, weshalb es keine Überraschung ist, dass hier das meiste Geld ausgegeben wurde. Ich habe sehr oft mit anderen zusammen gekocht und denke, dass das eine gute Möglichkeit ist, Geld zu sparen.

Örebro

Örebro ist eine kompakte Stadt, die ich in den fünf Monaten sehr ins Herz geschlossen habe. Die Stadt hat Restaurants und Bars, davon auch eine in welcher Bowling und andere Spiele gespielt werden können. Zudem gibt es ein Kino und Theater und auch die Möglichkeit Kanu zu fahren. Örebro hat außerdem viele schöne Fahrradwege und ein Naturreservat, das im Winter als auch im Frühling sehr schön für Spaziergänge und zum Rad fahren ist. Ich kann sehr empfehlen, sich ein gebrauchtes Fahrrad zu kaufen. Damit kommt man innerhalb von 15 Minuten von der Uni aus in die Stadt und kann die umgerechnet 1,80 Euro Ticket pro Fahrt sparen. Zudem befindet sich die Hauptstadt Stockholm ca. 200 km entfernt von Örebro. Die Züge fahren regelmäßig jede Stunde hin und zurück (Tipp: Bucht die Züge 24 Stunden vor der Fahrt, dann sind die Tickets vergünstigt und kosten umgerechnet 15 Euro). Ich habe diese Möglichkeit öfters genutzt, um mit Freunden einen Wochenendtrip in die Hauptstadt zu planen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

In Schweden kommt man sehr gut mit Englisch voran. Im Gegensatz zu Deutschland, spielt in Schweden die englische Sprache eine wichtige Rolle. So sind Filme in den Kinos und TV-Sendungen komplett auf Englisch mit schwedischem Untertitel. Dementsprechend ist auch das Englisch-Niveau der meisten Schweden sehr hoch. Ich hatte zu Beginn etwas Bedenken, da ich seit meinem Abitur nicht mehr Englisch benötigt und daher auch nicht gesprochen habe. Diese Selbstzweifel legten sich aber sehr schnell. Durch den Kontakt mit den anderen Studierenden ist man auf die englische Sprache angewiesen und redet drauf los. Ich kann nur den Tipp geben, keine Angst zu haben, dass man etwas Falsches sagt oder nicht versteht und sich dadurch in der Kommunikation eingeschränkt zu fühlen. Vielmehr lernt man durch das viele Sprechen mit den anderen und auch durch Fehler dazu. Das gilt auch für die Kurse, die ebenfalls auf Englisch stattfinden. Ich hatte zum Ende hin das Gefühl, dass sich mein Wortschatz sehr verbessert hat und ich mein Englisch sicherer verwende.

Nützliche Links

Unterkunftsmöglichkeiten an der Universität Örebro:
https://www.oru.se/english/about-us/housing-office/exchange-students/type-of-housing/

Durchschnittliche Ausgaben eines Studierenden in Örebro:
https://www.oru.se/english/study/exchange-students/practical-information/

Örebro App für Bus- und Bahnverbindungen:
• „LänsTrafiken Örebro“

Schweden Fernverkehr/Fernzüge/Fernbusse: 
https://www.sj.se/en/home.html#/
https://www.swebus.se/SwebusExpress_com/
https://www.nettbuss.se

Studienfach: Lehramt - Deutsch und Politische Bildung

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 06/2017

Gastuniversität: Örebro Universitet

Gastland: Schweden


Rückblick

Ich habe während meines Auslandsaufenthaltes in Örebro oft gehört „Man weint während des Auslandssemesters zwei Mal: Das erste Mal, wenn man ankommt und man seine Familie und Freunde vermisst und das zweite Mal, wenn man abreist und man sich von seinen neu gewonnen Freunden verabschieden muss.“ Und genau so war es tatsächlich auch. Natürlich braucht man die ersten Tage, um sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden und neue Kontakte zu knüpfen. Aber das ist wirklich sehr einfach und irgendwie auch spannend, da keiner einander kennt und man sehr viel zusammen unternimmt. Man ist während des Semesters wirklich nie alleine! Und es ist jeden Abend etwas los. Wir haben oft etwas im Studentenheim organisiert, wie zusammen kochen, Spieleabende oder Partys. Besonders in Erinnerung sind mir auch dieTrips nach Lappland und Norwegen geblieben, die vom ESN Örebro organisiert wurden. Lappland war ein einziges Schneeparadies und wir konnten sogar Polarlichter sehen und in Norwegen haben mich die Gletscher und die schönen Berge sehr mitgerissen.
Ich rate jedem, der daran zweifelt, ob er/sie ein Semester in Örebro oder generell Schweden absolvieren soll – denkt nicht viel nach, macht es einfach! Ihr habt nichts zu verlieren, ganz im Gegenteil. Ich habe so viele Menschen kennengelernt, so viele Freundschaften geschlossen und so viel Neues und Aufregendes erlebt. Dabei habe ich mich auch selbst besser kennengelernt und fühle mich jetzt sehr viel selbstbewusster und selbstständiger als zuvor. Man nimmt so viel aus dieser Zeit mit und das ist etwas, das man sein Leben lang in Erinnerung behalten wird.

Schweden

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