uni-potsdam.de

You are using an old browser with security vulnerabilities and can not use the features of this website.

Here you will see how you can easily upgrade your browser.

Erasmus+ Erfahrungsbericht - Technische Hochschule Blekinge

Meine Entscheidung für ein Erasmus+ Semester fiel bei mir zu Beginn des Master-Studiums, als ich die Erfahrungen von Studierenden hörte, die im ersten Master-Semester im Ausland waren. Relativ kurz vor der Deadline bewarb ich mich also und wurde zu meiner Freude auch angenommen.


Studienfach: IT-System Engineering

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 06/2017

Gastuniversität: Technische Hochschule Blekinge

Gastland: Schweden

Vorbereitung

Im Gegensatz zu den meisten anderen bewarb ich mich für das Sommersemester.
Mein Plan, den Winter zumindest in Teilen hinter mir zu lassen, ging nicht ganz auf, da das Sommersemester in Deutschland dem „spring semester“ in Schweden entspricht, welches bereits Anfang Januar beginnt. Für mich kam also noch die Herausforderung dazu, das Auslandssemester zu beginnen, während in Deutschland das Wintersemester noch in vollem Gang war. Gelöst habe ich das Problem über Absprachen mit den Dozenten, sodass ich Projekte schon früh abgeben konnte und Klausuren nachschreiben kann.
Die Kursliste für ERASMUS+-Studierende findet man leider nicht im sonst sehr nützlichen Studentportal, sondern findet sie auf der „Exchange Studies“-Seite der BTH verlinkt.

Studium an der Blekinge Tekniska Högskola

Das Semester ist in Schweden in zwei läsperioder aufgeteilt, sodass man sich die 30 ECTS in zwei Blöcke à 15 ECTS aufteilen kann. Für mich bedeutete dies, dass ich zwar weniger Kurse gleichzeitig habe und am Ende keinen Klausur-Marathon stemmen muss, allerdings jeder Kurs mehr Zeit pro Woche fordert, da ja die Leistung in der Hälfte der Zeit erbracht werden muss. Unterm Strich hatte ich aber das Gefühl, dass die geforderte Leistung etwas niedriger ist als an meiner Universität in Deutschland.
Kurse bringen typischerweise 7,5 ECTS, d.h. normalerweise hat man zwei Kurse pro Semesterhälfte. Pro Kurs bekomme ich in Deutschland aber leider nur 6 ECTS angerechnet, daher belegte ich in der ersten Hälfte 3 Kurse und 2 in der zweiten. Von Kommilitonen, die vor mir in Schweden waren, erfuhr ich, dass man auch weit über 30 ECTS mit vertretbarem Aufwand in Schweden erlangen kann. Das erscheint mir nicht unrealistisch, jedoch beließ ich es bei 30 ECTS, um mehr Zeit für Aktivitäten außerhalb der Uni zu haben, und bereue diese Entscheidung keinesfalls.
Ich habe mein Learning Agreement während der Zeit dort geändert, um einen Kurs gegen einen anderen auszutauschen. Der neu dazugekommene Kurs war aus dem Computer Science – Programm und nicht aus dem Software-Engineering-Programm, jedoch war die Änderung kein Problem, nachdem ich nachweisen konnte, die geforderten Grundlagen-Kurse in meinem bisherigen Studium absolviert zu haben. Sowohl Noel als auch Carmen vom International Office (in der Regel spricht man sich beim Vornamen an) konnten mir schnell und freundlich helfen.
Hauptarbeitsort war für mich und viele andere die Bibliothek, da man im Obergeschoss gut alleine oder zusammen an Tischen auf der offenen Fläche arbeiten kann; als Gruppe bieten sich die vielen Gruppenräume an. Wen die Unterhaltungen im Obergeschoss zu sehr stören, kann sich auch an einen der Tische im unteren Geschoss zwischen die Bücherreihen setzen oder in einen der freien Poolräume gehen. Mir gefiel das Arbeiten im Obergeschoss gut, da ich immer Leute aus der Erasmus-Gruppe fand, mit denen ich in Pausen einen Kaffee holen, frische Luft schnappen oder im Nebengebäude Tischtennis spielen konnte.
Der Stundenplan ist meistens unregelmäßig und variiert von Woche zu Woche, so kam es vor, dass ich in einer Woche mehrere Vorlesungen, betreute Übungen und Seminare hatte, in einer anderen Woche hingegen nur eine einzige Veranstaltung.
Mit meinen Kursen bin ich im Großen und Ganzen zufrieden. Folgende Kurse habe ich belegt:
Compiler Design and Translation Technique – Dieser Kurs gefiel mir am besten. Leistungserfassung war ein zweigeteiltes Projekt, in dem ein Interpreter und ein Compiler für eine Untermenge der Skriptsprache lua anzufertigen war. Die Benotung erfolgte sehr transparent über einen vorher besprochenen Kriterienkatalog mit Testfällen. Auch wenn das Projekt wirklich viel Zeit in Anspruch genommen hat, habe ich beim Bearbeiten viel gelernt und fand den Aufbau des Kurses sowie die Vorlesungen motivierend.
Software Verification & Validation – Die Leistungserfassung in diesem Kurs bestand aus einem Projekt in Gruppen von ca. 5 Personen, einer Debatte gegen eine andere Gruppe, sowie einer schriftlichen Klausur. Das Projekt umfasste die Analyse eines Softwareprojekts eines externen Projektpartners mit selbst zu wählenden Werkzeugen, was an sich sehr vielversprechend klang, jedoch aufgrund von mangelnder Betreuung und fehlenden Rücksprachemöglichkeiten mit den Projektentwicklern leider deutlich hinter den Möglichkeiten blieb.
Multiprocessor Systems – Einen Teil der vermittelten Inhalte hatte ich bereits in Kursen über Betriebssysteme im Bachelor und Master behandelt, sodass mir die verpflichtenden Übungsaufgaben sowie die Klausur nicht allzu schwerfielen. Empfehlen kann ich den Kurs besonders wegen der lehrreichen Übungsaufgaben, die auch gut für die Klausur vorbereiteten.
Introduction to Swedish I & II – In angenehmer Atmosphäre lernten wir hier die Sprache und Gegebenheiten des Landes. Mit Deutsch- und Englischkenntnissen fiel mir der Kurs relativ leicht und für mich hätte das Tempo etwas höher sein können, jedoch sind auch z.B. Inder und Chinesen im Kurs, die mit der Sprache einige Probleme hatten.

Kontakte zu internationalen Studierenden

Im Frühlingssemester waren deutlich weniger Austauschstudenten da als im Wintersemester; so waren wir ca. 35 im Gegensatz zu ca. 70-80 im vorigen Semester. Über das Erasmus Student Network wurden unter anderem eine welcome week, verschiedene Trips und wöchentliche Events wie z.B. movie nights oder cooking nights organisiert. Drei große Events möchte ich hier hervorheben:
Erstens unternahmen wir mit der Fähre, die ab Karlskrona fährt, einen Wochenend-Trip nach Gdansk / Danzig. Diese Trips sind mit etwas Glück und Planung im Voraus ab ca. 15€ pro Person zu haben. Außerdem sind diese Trips sehr beliebt, da in Polen der Alkohol deutlich günstiger ist als im staatlich kontrollierten Systembolaget in Schweden.
Das zweite Highlight für mich war der Lappland-Trip, unter anderem nach Kiruna, in den Abisko National Park und in die norwegischen Fjords. Dieser Trip ging ziemlich ins Geld, war es aber absolut wert!
Ein dritter Höhepunkt war das jedes Semester stattfindende ESN Sea Battle , ein Drei-Tages-Cruise mit ca. 2000 Studenten aus Skandinavien und dem Baltikum in die Lettische Hauptstadt Riga und zurück.
Weitere gab es noch Karaoke-Abende im Pub Fox & Anchor, den Club Statt, Billard oder Brettspiele im Café Porslinan, den Studentenpub Salongen von Rosenboms Nation am Mittwoch, den von der Student Union betriebene Pub Rotundan, kostenloses Eislaufen in der ABB Arena in den Wintermonaten, Grillen in den Sommermonaten und Ausflüge ins wirklich schöne Umland.

Kontakte zu schwedischen Studierenden

Im Gegensatz zu internationalen Studierenden ist es nicht ganz einfach, mit schwedischen Studierenden in Kontakt zu kommen. Das liegt auch daran, dass im Master-Programm viele Studierende aus China und Indien kommen und die Kurse in englischer Sprache kaum von Schweden besucht werden. Auch die lokale ESN-Sektion wird ausschließlich von internationalen Studierenden betrieben.
In einem Kurs lernte ich in den betreuten Lab-Sessions dann doch zwei schwedische Studenten kennen, mit denen ich mit anderen auch kleine Kochabende veranstaltete.
Im etwas alternativen Studentenpub Rotundan lernte ich (leider erst gegen Ende des Semesters) doch noch einige Schweden kennen, die sich immer freuten, mich dort zu treffen und sich mit mir auf Schwedisch zu unterhalten, bevor die Konversation wieder auf Englisch wechselte.
Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass man sich einen Ruck geben muss und auf die Schweden zugehen muss, da viele etwas verschlossen sind. Die meisten sind aber sehr herzlich und offen, sobald man das Eis erstmal gebrochen hat.

Sprache

In Schweden sprechen so gut wie alle Englisch, die meisten davon sogar fast perfekt, was mich wirklich verblüffte. Notwendig ist ein Schwedisch-Kurs also nicht, es hat jedoch einige Vorteile, die Landessprache zu verstehen und zumindest ein Bisschen zu sprechen: Man wird mit den Gegebenheiten des Landes vertrauter; versteht im Alltag mehr, was um einen herum passiert und ist auch ohne Google Translate souverän; der Schwedisch-Kurs ist als Deutscher mit guten Englischkenntnissen wirklich kein Problem und man kann auf Partys zumindest ein Bisschen Schwedisch.

Wohnen

Karlskrona ist eine 36.000 Einwohner fassende Hafenstadt im Südwesten von Schweden, umgeben von kleinen Inseln direkt an der Ostsee. Die Stadt ist beliebtes Touristenziel im Sommer, da sie damit wirbt, Schwedens sonnigste Stadt zu sein. Natürlich gibt es hier kein Großstadtflair, aber die Stadt hat alles was man braucht und dank der geringen Größe ist alles erreichbar.
Wie viele andere kann auch ich nur dringend dazu raten, mit der Wohnungssuche so früh wie möglich anzufangen! Im Frühjahr scheint die Situation nicht so schlimm zu sein wie im Wintersemester, aber die Wohnungssituation in Karlskrona ist auf jeden Fall angespannt. Die populärsten Möglichkeiten sind:
Karlskronahem  - Einer der größten Anbieter von Wohnraum für Studierende und von mir absolut empfohlen. Ich hatte dort ein ca. 12m²-Zimmer in einer 3er-WG und habe dafür ca. 310€ pro Monat gezahlt. Der Bewerbungsprozess ist leider etwas gewöhnungsbedürftig: Nach einer Registrierung kann man aktuelle Angebote einsehen und sich auf bis zu 5 gleichzeitig bewerben. Hier ist anzumerken, dass jedes zu vermietende Zimmer ein einzelnes Angebot ist, man kann sich also leider nicht einfach auf einen beliebigen Platz in einem Wohnheim bewerben. Nach ein paar Tagen bekommt man die eigene Platzierung in der Rangliste mitgeteilt, die sich aus der Eingangsreihenfolge der Bewerbungen ergibt. Die Erstplatzierten bekommen nach Bestätigung ihres verbindlichen Interesses einen Vertrag angeboten. Die anderen werden abgelehnt und können sich auf ein neues Angebot bewerben. Da es also darauf ankommt, sich so zeitnah wie möglich auf ein Angebot zu bewerben, kann ich nur empfehlen, die Angebotsseite zu Bürozeiten im Blick zu behalten und bei neuen Angeboten nicht zu zögern – Bewerbungen kann man nachträglich wieder zurückziehen. Helfen können hier auch Browser-Plugins, welche die Seite automatisch neu laden und bei Änderungen Alarm schlagen. Die Wohnanlagen Polhemsgatan und Snapphanevägen in Galgamarken liegen sehr günstig, zur Uni braucht man zu Fuß ca. 5 Minuten, ins Stadtzentrum ca. 20 Minuten. Die Anlage in Kungsmarken liegt etwas außerhalb, in die Stadt läuft man eine gute Stunde und nachts fahren leider keine Busse. In den Zimmern gibt es Internet über LAN-Buchse, es lohnt also, einen Router und ein Kabel mitzubringen.
Vita Briggen / „Jail“  – Das ehemalige Gefängnis wurde saniert und wird jetzt als Studentenwohnheim vermietet. Das Gebäude befindet sich im Stadtzentrum und ist dementsprechend gut zu erreichen. Die Zimmer sind leider ziemlich klein und dafür recht teuer. Bad und Küche sind auf dem Flur.
MS Hansa / „Boat“  – Mal was Anderes: Hier kann man auf einem Schiff wohnen. Die Kabinen haben WC und Dusche, es gibt mehrere Gemeinschaftsräume mit Kochmöglichkeiten.

Alltag

Generell muss man sich darauf einstellen, dass die Lebensunterhaltungskosten in Schweden etwas höher sind. Wenn man bei Lidl oder Willy’s einkauft, schlägt sich das nicht allzu sehr bei den Lebensmittelpreisen nieder, allerdings sind die Preise für z.B. Mittagessen und Imbiss deutlich höher, so bekommt man einen Döner eigentlich nicht für unter 6€ und das Essen in der Uni-Mensa kostet ca. 7€ (Studierendenpreis!). Glücklicherweise gibt es in der BTH im D-Gebäude viele Mikrowellen, sodass man sich mitgebrachtes Essen aufwärmen kann.
In Karlskrona gibt es mehrere Second-Hand-Läden, bei denen man sich für wenig Geld Einrichtungsgegenstände kaufen kann.
Bezahlt wird so gut wie alles mit Karte, einige Schweden haben gar kein Bargeld mehr mit sich und auch Kleinstbeträge z.B. im Bus kann man nur mit Kreditkarte zahlen. Es lohnt sich also, eine Kreditkarte zu haben, bei der im Ausland keine oder nur geringe Gebühren anfallen.
Bezahlt habe ich die Miete von meinem deutschen Konto aus, da dies per Überweisung getätigt werden muss. Hier bin ich gut damit gefahren, einfach den Betrag nach aktuellem Kurs in Euro als SEPA-Überweisung zu tätigen und ein paar Euro draufzuschlagen, um einen evtl. schlechteren Kurs der Empfängerbank auszugleichen.
Ein Fahrrad ist in Karlskrona ein absolutes Plus, da man damit überall in kurzer Zeit hinkommt. Mit etwas Glück kann man ein Rad von Studenten des vergangenen Semesters kaufen.
Rückblickend kann ich sagen, dass ich eine großartige Zeit in Karlskrona hatte. Ich habe viel über das Land gelernt, habe neue internationale Freundschaften geknüpft und Kurse belegt, die es so an meiner Universität nicht gibt.

Studienfach: IT-System Engineering

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 06/2017

Gastuniversität: Technische Hochschule Blekinge

Gastland: Schweden


Rückblick

Rückblickend kann ich sagen, dass ich eine großartige Zeit in Karlskrona hatte. Ich habe viel über das Land gelernt, habe neue internationale Freundschaften geknüpft und Kurse belegt, die es so an meiner Universität nicht gibt.

Schweden

Zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier