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Persönlicher Erasmus+ Erfahrungsbericht - Universidade Nova de Lisboa


Studienfach: Linguistik: Kommunikation- Variation- Mehrsprachigkeit

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Universidade Nova de Lisboa

Gastland: Portugal

Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Da ich erneut ein Semester im Ausland verbringen wollte und weiß, dass Erasmus dafür eine gute Möglichkeit bietet, habe ich mich bereits in meinem ersten Mastersemester an der Universität Potsdam über mögliche Hochschulpartnerschaften informiert und die Entscheidung fiel relative schnell auf Portugal. Die Bewerbung dafür lief seitens beider Unis ziemlich schnell und reibungslos ab; einzureichen waren ausschließlich das Learning Agreement und eine Student Application Form.

Studium an der Gastuniversität 

Das Studiensystem ist in Lissabon, oder allgemein wie in den südlichen Ländern, sehr verschult. Die Bachelor-Kurse finden jeweils an zwei Tagen in der Woche statt, was auch die 6 ECTS Punkte pro Kurs rechtfertigt. Die Masterkurse, die teilweise auch berufsbegleitend sind, finden deswegen täglich, manchmal auch samstags, von 18 bis 21 Uhr statt und diese werden mit 10 ECTS Punkten bewertet. In den Lehrveranstaltungen der Bachelor-Kurse läuft es meistens so ab, dass es ausschließlich Frontalunterricht gibt, was einer Vorlesung an einer deutschen Hochschule sehr ähnelt. Während des Semesters gibt es zwei bis drei Testate, die dann mit einer Klausur am Semesterende zusammengerechnet werden. Um an dieser Klausur aber teilnehmen zu dürfen, sollte man diese Testate allerdings nicht unterschätzen. Teilweise können Klausuren auch durch Hausarbeiten ersetzt werden. Die Masterkurse sind deutlich kleiner und meisten nur mir fünf oder sechs Studierenden besetzt. Die Kurse sind sehr anwendungsorientiert und die TeilnehmerInnen werden stets zum eigenständigen Arbeiten oder Diskussionsrunden bewegt. Ähnlich wie in den Bachelor-Kursen wird während des Semesters ein bestimmtes Thema bearbeitet und dem Kurs präsentiert, was der ersten Teilnote entspricht; am Ende des Semesters ist eine Hausarbeit abzugeben, inklusive deren Forschungsgegenstand mündlich dem Kurs zu präsentieren. Das Studienklima in Lissabon ist für mich schwer zu beschreiben. Ich war in allen Kursen mit Abstand die älteste Studentin; vor allem in den Bachelor-Kursen sind die Menschen geschätzte 18 bis 19 Jahre alt. Und so ein Altersunterschied von 10 Jahren macht sich schon spürbar. Es war sehr schwierig oder gar unmöglich, mit den KommilitonInnen in Kontakt zu treten. Dadurch, dass sie Masterkurse so klein und die Studierenden auch schon etwas älter sind, war es da schon einfacher die Menschen kennenzulernen und sich auszutauschen. Die DozentInnen waren auch sehr nachsichtig mit Erasmus-StudentInnen. Die ganzen Lehrveranstaltungen laufen zwar auf Portugiesisch ab, aber meine Hausarbeiten durfte ich alle auf Englisch schreiben. Eine Dozentin hat auch extra für mich ein Skript angelegt, damit ich ihrem Unterricht besser folgen konnte. Die Fakultät für Geisteswissenschaften ist sonst ein sehr schöner Ort. Viel grün und ein riesiger Hof mit einer offenen Cafeteria, wo man sich in den Pausen die Sonne ins Gesicht scheinen lassen kann bei einem guten portugiesischen cafe com leite. Wenn man Hunger bekommt bietet die Mensa für einen Preis von 2,50€ täglich ein vegetarisches und ein Fleischbericht an, inklusive Suppe, Brot, Wasser, Nachspeise und Obst an.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Wie bereits oben erwähnt hatte ich nicht viele Kontakte zu einheimischen Studierenden, was aber auch nicht schlimm war. Durch den portugiesischen Sprachkurs, den die Uni gratis für Erasmus-Studierende anbietet, habe ich viele nette Menschen kennengelernt, denen es mit den portugiesischen StudentInnen ähnlich erging und somit eher die Erasmus-Leute auf dem Campus miteinander abhingen. Das ist natürlich eine einseitige Sicht auf die Dinge; sicherlich gibt es auch Leute, die anderes berichten werden und guten Kontakt zu ihren KommilitonInnen hatten; ich denke, dass es bei mir ausschließlich an dem Faktor Alter lag, dass sich keine gemeinsamen Berührungspunkte ergeben haben.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich konnte vor dem Aufenthalt in Portugal ein zertifiziertes A2-Niveau vorweisen, was allerdings brasilianisches Portugiesisch ist und auch schon 3 Jahre zurücklag. Das heißt, ich kam an uns konnte mich überhaupt nicht verständigen. Dass die Unterschiede zwischen europäischen und brasilianischen Portugiesisch so gravierend sind, konnte ich mir nicht vorstellen, vor allem die Phonetik. Einfache Sachen, wie einen Kaffee oder etwas zu Essen zu bestellen lagen noch im Rahmen der Möglichkeiten; auch nach dem Weg fragen, doch die Antworten zu verstehen – unmöglich. Nach dem Einstufungstest an der Uni wurde ich dem B1-Kurs zugeordnet. Nach anfänglichen Schwierigkeiten dem Unterricht zu folgen war es dann aber doch möglich, den deutlich spürbaren Rückstand zu den KommilitonInnen aufzuholen. Nach einem halben Jahr in Portugal würde ich sagen, dass ich portugiesisch gut verstehen und mich auch problemlos über sämtliche Themen unterhalten kann, manchmal mit vielen Umschreibungen, manchmal mit Händen und Füßen – aber die Leute verstehen es.

Wohn-  und Lebenssituation

Dadurch, dass sich die Zahl von 5000 auf 10 000 Erasmus-StudentInnen in Lissabon in Wintersemester 2016/2017 verdoppelt hat, war es sehr schwer eine Unterkunft zu finden. Ich hatte mir anfangs weniger Sorgen gemacht und mir bei Couchsurfing lediglich einen Platz für die ersten Tage gesichert. Ich dachte, wenn ich dann dort bin, wird alles locker flockig laufen und ich werde in der ersten Woche problemlos ein Zimmer finden (Erfahrungswerte meinerseits!!). Doch dann der Schock, alle Organisationen, die ausländischen Studierenden helfen ein geeignetes Zimmer zu finden waren gänzlich wohnungslos. Auf eine Anzeige in der Erasmus-Gruppe auf Facebook folgen 100te Anfragen. Menschen, die in Zeitungen oder lokalen Plattformen inserierten wurden wahrscheinlich mit ähnlich vielen SMSen oder Anrufen überfallen, dass auch meistens keine Antwort kam. Es hat letztendlich fast zwei Wochen gedauert, bin ich ein völlig überteuertes (330€), dazu super kleines (8qm) und dunkles Zimmer gefunden habe. Schon beim Unterschreiben des Mietvertrages war mir klar, dass ich mir schnellstmöglich etwas Neues suchen werde; aber die Angst der bevorstehenden Obdachlosigkeit ließen mir keine Wahl. Ende November habe ich dann auch ein super Zimmer (220€, 15qm) gefunden. Ich würde allen empfehlen, sich vor Beginn des Semesters auf die Suche zu begeben, am besten auf OLX, CUSTOJUSTO oder Erasmus HousingDa Lissabon eine recht kleine und übersichtliche Stadt ist, habe ich mir das Monats-Abo für 35€ (Metro und Busse) gespart und bin lieber gelaufen. Außerdem ist aber auch einfach schön durch die Stadt zu schlendern und sich in kleinen Gassen und Straßen zu verlieren, immer wieder neue Dinge zu entdecken und das Leben zu genießen und zu beobachten. Seit Jahrhunderten ist Lissabon der Hafen Europas in die weite Welt. Das Angebot für Reisen und Aktivitäten im Raum des Atlantischen Ozeans ist schier unendlich. Wenn es nicht gerade in der Hauptsaison ist, sind Flüge nach Marokko, Madeira, die Azoren usw. ziemlich günstig. Ansonsten ist Portugal das perfekte Land zum reisen. Es gibt sehr viele verschiedener Sachen, die es zu erleben gilt, je nachdem wo das Interesse liegt. Für Erasmus-Studierende gibt es oft Rabatte oder Spezialangebote, zum Beispiel in Surfschulen, diversen Clubs etc. Außerdem ist Lissabon eine Kulturhochburg. Es stehen ständig Filmfestivals, Konzerte, Theatervorstellungen oder Ausstellungen vor der Tür.

Studienfach: Linguistik: Kommunikation- Variation- Mehrsprachigkeit

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Universidade Nova de Lisboa

Gastland: Portugal


Rückblick

Ich bin sehr froh, dass ich mich für Portugal entschieden habe. Ich denke, dass mich diese Zeit positiv nachhaltig sehr verändert hat, worüber ich sehr glücklich bin. Ich habe viele interessante Menschen getroffen, dufte die Gastfreundlichkeit sowie die Hilfsbereitschaft der PortugiesInnen kennenlernen und habe viele neue Freunde aus der ganzen Welt gefunden. Es gab sowohl Höhe-als auch Tiefpunkte, die einfach zu solch einer „Reise“ dazu gehören. Was auch sehr gut ist, denn so habe ich die Möglichkeit bekommen, mich selbst zu finden (jedenfalls teilweise) und konnte mein Leben reflektieren; wo ich stehe, was ich in Zukunft machen oder was ich vielleicht verändern will. Ich war bestimmt nicht das letzte Mal in Portugal und bin sehr froh und dankbar über diese Chance.

Portugal

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