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Mein Erfahrungsbericht an der Universidad Autónoma de Nuevo León

Im Juli 2009 habe ich die Zusage für einen Austauschstudienplatz in Monterrey, Mexiko, erhalten. Ich hatte vor, dort ab Januar 2010 zwei Semester zu verbringen. Mit dem AAA der Uni Potsdam regelte ich die Formalitäten, jedoch gab es zwischen der UANL in Monterrey und der Uni Potsdam einige Kommunikationsprobleme, so dass ich erst knapp vier Wochen vor meinem Abflug eine wirkliche Bescheinigung über meinen Studienplatz erhielt. Mit der Botschaft von Mexiko in Berlin habe ich mit der Visumsbeantragung positive Erfahrungen gemacht, denn sie waren sehr zuverlässig.


Studienfach: Spanische Philologie, Soziologie

Aufenthaltsdauer: 01/2010 - 08/2010

Gastuniversität: Universidad Autónoma de Nuevo León

Gastland: Mexiko

Ich habe im Vorhinein Sonderregelungen mit den Dozenten getroffen, was meine Veranstaltungen im Wintersemester 2009/2010 betraf, da ich ja bereits Mitte Januar ins Ausland gehen wollte. So musste ich einige Extra-Arbeiten abgeben, aber die Dozenten waren sehr kooperativ und ich habe nur ein bisschen weniger Kurse absolvieren können als in einem regulären Semester möglich ist.

Ich bewarb mich beim DAAD für ein Stipendium, wurde jedoch leider nicht angenommen. Ich erhielt 160€ Auslandsbafög im Monat und kann nur empfehlen, es zu beantragen, weil die Chancen größer sind als beim regulären Bafög. Für die Anerkennung der Kurse versuchte ich, im Vorhinein an die Vorlesungsverzeichnisse der UANL zu kommen, jedoch nicht erfolgreich. Es stellte sich erst vor Ort heraus, dass ich für mein Nebenfach Soziologie keinen einzigen Kurs anrechnen konnte. Für Spanische Philologie hingegen wurden mir alle meine Kurse anerkannt. Dort hieß der Studiengang „Letras Mexicanas“.

Studienfach: Spanische Philologie, Soziologie

Aufenthaltsdauer: 01/2010 - 08/2010

Gastuniversität: Universidad Autónoma de Nuevo León

Gastland: Mexiko

Meine ersten Tage verbrachte ich in einer sehr netten WG bei einer Couchsurferin, die mir einige Tipps zur Stadt und zur Wohnungssuche gab. Ich habe zuerst auf einigen Internetseiten gesucht, aber dann schnell gemerkt, dass es einfacher ist, die zahlreichen Anzeigen an Ampeln und in den Vierteln direkt zu lesen und dort anzurufen. Es war für mich natürlich immer wieder von großem Vorteil, dass ich bereits 1 Jahr in Spanien gelebt hatte, so dass ich mit dem Spanisch keine Schwierigkeiten hatte.

Ein Handy bekommt man sehr günstig in Oxxo oder Seven Eleven Läden inkl. SIM-Karte. Dort kann man das Guthaben auch immer wieder einfach aufladen. Eine andere Möglichkeit ist es, in den Straßen auf die Schilder „rento depa“ zu achten, die direkt an den Häusern angebracht sind. Das sind oft auch Zimmer in WGs mit anderen Studenten und man kann einfach klingeln und gucken, ob jemand zu Hause ist und man sich das Zimmer anschauen kann.

Meine Auslandskrankenversicherung habe ich bei der HanseMerkur abgeschlossen und kann sie sehr empfehlen. Ich eröffnete ein Konto bei der Comdirect, weil man damit vor Ort an fast allen Automaten umsonst abheben kann.

Wohnsituation

Ich habe mich für eine WG mit einer Tschechin und einem Mexikaner in einem Viertel in der Nähe der technischen Privatuniversität „Tecnológico“ (TEC) entschieden, da ich dort durch die Courchsurfer schon Anschluss gefunden hatte und ich gehört hatte, dass dort wegen der Uni viele Sicherheitsautos herumfahren und die Gegend relativ sicher sein sollte. Außerdem war es zentraler als die Viertel bei der Uni und dort leben viele junge Leute. Mein Zimmer war möbliert, ich hatte ein eigens Badezimmer und wir hatten ein großes Wohnzimmer zusammen. Meine Miete betrug 3200 Pesos, was ziemlich viel ist. Man bekommt auch Zimmer für deutlich weniger. Die Studentenwohnheime des TECs kann ich
nicht empfehlen, da sie zwar sauber, aber sehr teuer und sehr laut sind und man oft seine hohe Kaution nicht zurückbekommt. Mein Weg zur Uni war relativ lang und ging durch das gefährlichste Viertel (die „Independencia“), aber ich musste nur einen Bus nehmen, der mich ziemlich direkt von meiner Wohnung zur Uni gebracht hat. Für die öffentlichen Verkehrsmittel kann man sich an der zentralen Metrostation („Cuauhtémoc“) ein günstiges Vielfahrticket am Automaten kaufen und es aufladen. Zur Uni fährt auch die Metro. In „Niños Héroes“ steigt man aus, wenn man zum Auslandsamt möchte und in „Universidad“, wenn man zur Fakultät Filosofía y Letras möchte.

Studium

Die formale Organisation meines Status‘ als Austauschstudentin war nicht überragend. Ich wurde oft in falsche Gebäude geschickt und mein Stundenplan hat sich lange hingezogen, auch mein Studentenausweis (für Bibliothek und Rabatt im Bus) hat sehr lange auf sich warten lassen. Hätte ich wenig Spanisch gesprochen, wäre das Ganze natürlich umso komplizierter gelaufen. Positiv war, dass ich einen sehr netten Koordinator hatte, der mir bei meinem Stundenplan behilflich war.
Meine Seminare waren gut, ich hatte nette Kommilitonen und Dozenten. Wir waren pro Kurs ca. 15 Studenten. In den Kursen wurde sich mündlich beteiligt, aber es gab keine Gruppenarbeiten oder Ähnliches. Ich musste sehr viel lesen und viele Abgaben zu Hause erledigen und auch eine Präsentation halten, aber das Niveau war nicht sehr hoch, so dass ich oft die besten Noten bekam. Man kann also sagen, dass es zwar zeitlich sehr aufwendig ist, aber alles machbar. Es gibt viele Bibliotheken und auch Internet an der Uni. Wir haben hauptsächlich mit Texten und Power Point gearbeitet.
Zunächst habe ich mich im sehr amerikanisierten Monterrey relativ sicher gefühlt. Nach knapp zwei Monaten gab es jedoch eine große Schießerei eine Straße neben meinem Haus, bei der 2 Studenten der Privatorganisation umgekommen sind. Nach diesem Ereignis hat sich die Lage in der Stadt stark verschlechtert. Immer wieder gab es Schießereien, Straßenblockaden und eigentlich Gewalt in aller Form. Es gibt dort keine Pressefreiheit, so dass ich mich mehr auf die Aussagen der Mexikaner selbst verlassen habe. Ich fühlte mich immer unsicherer und hatte oft den Konflikt, dass ich einerseits etwas von der Stadt erleben und meinen Aufenthalt genießen wollte, andererseits aber nicht genau wusste, wie hoch das Risiko war und ob ich die Gefahren gut einschätzen konnte. Ich hörte viele Geschichten, die mich beunruhigten und die Studenten vom TEC, die aus den USA, Frankreich und Belgien da waren, die ich kannte, wurden von ihrer Heimatuni zurück nach Hause geholt.

Ich wurde immer vorsichtiger und überlegte, umzuziehen. Meine Reisen überlegte ich mir auch ganz genau, da auch die Landstraßen und Autobahnen häufig Orte für Überfälle und Auseinandersetzungen zwischen Drogenkartellen waren.

Schon vor dieser Eskalation der Situation in Monterrey hatte ich mir überlegt, dass ich doch nur ein Semester in Mexiko studieren würde anstatt von zweien, da ich so mehr Zeit zum Reisen im Anschluss an das Semester hatte und auch, da ich für Soziologie ja nichts anrechnen lassen konnte und mir da noch viele Kurse fehlten. Ich überlegte außerdem, ob ich überhaupt das eine Semester in Monterrey beenden sollte, da ich mich auf den Straßen nicht mehr frei fühlte und meinen Aufenthalt nicht mehr genießen konnte. Die Stimmung war angespannt und bedrückend, wir machten uns alle Sorgen, denn zu dem ursprünglichen Problem des Drogenkriegs, also den offenen Kämpfen zwischen Militär, Polizei und Drogenkartellen besonders in Grenzgebieten wie Nuevo León, kam hinzu, dass sich nun auch noch zwei rivalisierende Drogenkartelle in Monterrey selbst bekämpften. Das Problem ist, dass die Kartelle unberechenbar handeln und ihre Konflikte nicht nur unter sich aushandeln, sondern auch Zivilisten in Gefahr bringen.

Von der UANL aus gab es eine Veranstaltung zum Thema Sicherheit, bei der ich jedoch nicht viel Neues erfuhr. Ich schrieb dem deutschen Konsul in Monterrey und bat ihn um eine Einschätzung der Situation. Er riet mir, abends nicht mehr auf die Straßen zu gehen und schrieb, dass er versuche, nach wie vor seinen Alltag zu leben, dass man jedoch vorsichtig sein solle. Mein Fazit war, dass ich mein Semester um 2 Wochen verkürzte, dafür einige zusätzliche Abgaben anfertigte, und nach Puerto Vallarta im Osten des Landes umzog, wo die Situation deutlich entspannter war. Dort arbeitete ich 2 Monate als Freiwilligenkoordinatorin in einem Waisenhaus. Im Anschluss reiste ich noch 1 ½ Monate nach Cuba und durch den Süden Mexikos.


Rückblick

Alles in Allem würde ich sagen, dass Monterrey wirklich nicht als Austauschort zu empfehlen ist, da man die Gefahren durch den Drogenkrieg an jeder Ecke zu spüren bekommt und dies die Freiheit deutlich einschränkt. Mexiko ist ein wunderschönes Land mit einzigartigen Menschen, aber leider beeinträchtigt der Drogenkrieg das Alltagsleben aller, vor allem derer in den nördlichen Grenzregionen. Die Situation vor Ort verändert sich natürlich ständig und es bleibt selbstverständlich jedem selbst überlassen, ob er das Risiko eingehen möchte.

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