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Persönlicher ERASMUS-Erfahrungsbericht

An der Universität Potsdam kann man über das ERASMUS-Programm an mehreren europäischen Gasthochschulen in ganz Europa studieren, darunter auch an der Universität Vilnius in Litauen. Die Wahl meiner Gasthochschule ist vor allem darauf zurückzuführen, dass ich mich schon seit längerer Zeit, auch durch mein Studium bedingt, für den osteuropäischen Raum interessiere.


Studienfach: Militärgeschichte (M.A.)

Aufenthaltsdauer: 08/2013 - 02/2014

Gastuniversität: University of Vilnius

Gastland: Litauen

Nach der erfolgreichen Bewerbung an der Gasthochschule durch meine Heimathochschule und die darauffolgenden Annahme bekam ich bereits nach einigen Wochen Post. Die Universität Vilnius hieß mich darin als ERASMUS-Studenten willkommen und schickte mir gleichzeitig Infomaterialien und ein Buch über die angebotenen Lehrveranstaltungen. So konnte ich schon im vorhinein meine Kurse für das Auslandssemester wählen, wobei ich im weiteren Aufenthaltsverlauf einige Änderungen vornahm. Die Unterlagen, die für eine erfolgreiche Bewerbung an der Gasthochschule einzureichen sind, entnahm ich dabei der Website des akademischen Auslandsamts, die sehr übersichtlich ist.

Studienfach: Militärgeschichte (M.A.)

Aufenthaltsdauer: 08/2013 - 02/2014

Gastuniversität: University of Vilnius

Gastland: Litauen

Universität

Die Universität Vilnius ist eine der ältesten Universitäten Osteuropas. Wo man genau studiert, hängt von der jeweiligen Studienrichtung ab. Dabei haben Studierende der Geisteswissenschaften, Sprachwissenschaften und Politikwissenschaften den Vorteil, in der Altstadt zu studieren, wohingegen z.B. der überwiegende Teil der Studierenden der Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften ihre Fakultäten weiter außerhalb haben. Diese haben aber den Vorteil, dass sich die Studentenwohnheime ziemlich nah an den Fakultäten befinden und man so nur einen kurzen Weg zu den Veranstaltungen hat. Das kann insbesondere dann von Vorteil sein, wenn man früh morgens eine Vorlesung oder ein Seminar hat. Ich erwähne das, da es des Öfteren vorkommt, dass die Veranstaltungen bereits um 8 Uhr morgens anfangen.

Der Alte Campus der Universität ist sehr schön und man fühlt sich ein wenig ins Mittelalter zurück versetzt. Jedoch hat diese Schönheit auch ihren Preis, da es im Winter üblich ist, in kalten Seminarräumen zu sitzen. Außerdem sind die Räume sehr klein (für max. 30 Studierende geeignet), sodass man bei den im Vorlesungsverzeichnis bezeichneten "Vorlesungen" hinsichtlich des Teilnehmerumfangs eher von Seminaren sprechen muss. Alles in allem ähnelt der Unterricht manchmal, zumindest was den Sprachunterricht angeht, an die Schulzeit. Das bedeutet, dass man als Student weniger selbstständig und unabhängig ist, da der Dozent klare Vorgaben formuliert. Es wird fast immer von Beginn an festgelegt was man bis zu welchen Datum gelesen, bearbeitet oder geschrieben haben muss.

Der Schwierigkeitsgrad der (Master)Kurse in den Geschichtswissenschaften an der Universität Vilnius ist meiner Ansicht nach höher als der an der Universität Potsdam. Das liegt daran, dass der Arbeitsaufwand zu Hause in den meisten Kursen beträchtlich ist und es oftmals zu den Vorlesungen noch zusätzliche Seminare geben kann, bei denen Anwesenheitspflicht besteht. Wer also denkt, dass man an der Universität Vilnius für die Credits weniger leisten braucht als an deutschen Universitäten, der wird enttäuscht sein. Referate und abschließende Examensprüfungen am Ende des Semesters sind dabei der allgemeine Standard. Die Unterrichtssprache ist fast immer englisch.

Man kann positiv festhalten, dass die meisten Dozenten internationalen Studierenden sehr freundlich entgegenkommen, behilflich sind und einem auch mal die ein oder andere Abgabefrist verlängern. Zudem sehen Sie es internationalen Studenten nach, wenn sie nur wenig litauisch sprechen können.
Die Hauptbibliothek, die im Stadtteil Sauletekis und damit direkt an den Studentenwohnheimen liegt, ist 24 Stunden geöffnet und sehr modern. Ich persönlich war nicht wirklich oft dort, da der Bestand fast ausschließlich für Studenten der Wirtschaftswissenschaften u.ä. Studienrichtungen von Bedeutung ist. Literatur der Geisteswissenschaften findet man in der kleinen Bibliothek im alten Campus.

Wohn- und Lebenssituation

Bevor man als Austauschstudent in ein anderes Land geht, macht es Sinn, wenn man sich schon vor der Abreise um eine Unterkunft, zumindest für die ersten Wochen nach der Ankunft, kümmert. Die einfachste und günstigste Variante stellen die Studentenwohnheime dar. Alles in allem zahlt man in den meisten Studentenwohnheimen nicht mehr als 300 Litas ( ca. 85 Euro) pro Monat für ein Doppelzimmer. Jedoch sind Doppelzimmer eher selten verfügbar, sodass die meisten Studenten für 200 Litas (ca. 60 Euro) in Dreibettzimmern wohnen. Ich persönlich wohnte in den Studentenwohnheimen in Sauletekis, die ca. eine halbe Stunde mit dem Bus vom Zentrum entfernt sind, wo aber die meisten internationalen Studierenden leben und es dementsprechend NIE langweilig wird. Wer also viel Wert auf unterschiedliche kulturelle Gesellschaft legt, der wird dort gut aufgehoben sein. Man muss aber auch ehrlich sagen, dass die Zimmer für 3 Personen sehr klein, schlecht beheizt und spärlich möbliert sind. Außerdem muss man für das Internet (ca. 6 Euro im Monat) extra bezahlen auf das man meistens auch nur mit einem Kabel zugreifen kann, da das Netzt oft überlastet ist. Wäsche waschen kann man entweder im Studentenwohnheim selbst (Waschmaschinen in den Küchen) oder in den nahegelegenen Wäschereien. Waschen und trocken kostet zusammen ca. 6 Euro.

Eine Busverbindung in die Stadt besteht alle 5 Minuten mit der Linie 2. Zu den großen Einkaufseinrichtungen Orsas und Akropolis fährt die Linie 5G in 15 Minuten, wo man wirklich alles bekommt. In Vilnius fahren ausschließlich (Trolley)Busse, es gibt also keine Tram. Am Besten kauft man sich ein Monatsticket und zeigt dabei seine ISIC Karte (internationaler Studierendenausweis) vor, weil es dann nur 20 Litas (ca. 6 Euro) anstatt 100 Litas (ca.30 Euro) kostet. Die Lebenshaltungskosten sind im Durchschnitt etwas geringer als in Deutschland. Dabei kommt es natürlich darauf an, wo man einkaufen geht. Beliebte Supermärkte sind IKI und MAXIMA, die preislich an Aldi oder Lidl erinnern, aber über ein größeres Sortiment verfügen.

Hinsichtlich der Hygiene und technischen Ausstattung lässt sich sagen, dass es mir von Beginn an schwer fiel, mich an die Gegebenheiten im Studentenwohnheim zu gewöhnen. Die Küchen und Duschen waren sehr dreckig. Auch musste man sich sein eigenes Kochset und Geschirr kaufen und seine Einkäufe, sofern sie nicht in den Kühlschrank mussten, mit auf sein Zimmer nehmen, da es nicht selten vorkam, dass sie "verschwanden". Für viele Erasmusstudenten und auch für mich persönlich war aber das größte Problem, dass zumindest in Sauletekis 39 (und auch in Teilen in Sauletekis 4) eine regelrechte Überwachung der Studenten durch das Sicherheitspersonal ( überwiegend russisch- sprechend) stattfand. So kam es z.B. vor, dass sie einfach ohne anzuklopfen Zimmer betraten, Fotos von Personen machten oder den Pass einzogen. Die Gründe hierfür waren vielfältig ( w.z.B. dass man zu laut sprach) und meistens nicht nachvollziehbar. Alkohol auf dem Zimmer zu trinken oder gar aufzubewahren stellte einen groben Verstoß dar, wobei in einzelnen Fällen sogar die Polizei gerufen wurde. Wenn man sich anschließend bei der Administratorin des Studentenwohnheims (die übrigens kaum Englisch sprach) über dieses Vorgehen beschweren wollte, stieß man auf taube Ohren und wurde zukünftig verstärkt kontrolliert. Von Seiten der Mitarbeiter des Studentenwohnheims fühlte man sich demnach auch nicht willkommen geheißen und vor allem nicht fair behandelt. Man kann sogar soweit gehen und von einer reinen Willkür sprechen, die sich mehrmals die Woche zeigte. Versuche, durch Gespräche Probleme zu lösen waren schlichtweg unmöglich.

Freizeit und Umfeld

Insgesamt ist es eine tolle Erfahrung im Studentenwohnheim gelebt zu haben, gerade wegen des internationalen Umfelds. Abgesehen davon, dass eine preislich vergleichbare Wohnung in der Innenstadt kaum zu finden ist, würde man relativ schnell den Kontakt zu den anderen
ERASMUS- Studenten verlieren, wenn man nicht in einem der Studentenwohnheime lebt. Der größte Vorteil ist es, dass man immer wieder neue Freunde findet da gerade auch unter den ERASMUS-Studenten eine große Offenheit und Verbundenheit besteht. Denn jeder fühlt sich neu, wenn er in einem anderen Land ankommt. Mein Englisch verbesserte ich nach und nach auch durch diesen intensiven Kontakt.

Durch die Unterteilung der Wohnheime in nationale Studierende und international Studierende war es jedoch kaum möglich, in Kontakt mit einheimischen bzw. litauischen Studenten zu treten. Leider war dies nur bedingt im Universitätsalltag durch das Mentorenprogramm (z.B. durch gemeinsame Ausflüge) oder in Diskotheken möglich. Auffallend war, dass die jüngeren Generationen die englische Sprache relativ gut beherrschen. Entgegen dem kam es nicht selten vor, dass man sich im Alltagsleben das ein oder andere Mal der Körpersprache bedienen musste, da die älteren Generationen meist nur russisch sprechen. Die wohl beliebtesten Orte, andere Studenten kennenzulernen waren, aber definitiv die Diskotheken. Bei den international- Studierenden bekannt und beliebt sind "Salento" und "Cocaine". Wenn man es etwas gehobener mag und das einheimische Publikum bevorzugt, sind das "Posh" und die Bar "Pantera" empfehlenswert.

Insgesamt kann ich über mein ERASMUS- Semester nur ins Schwärmen geraten. Auch wenn ich erst in meinem Masterstudium ein Auslandssemester gemacht habe und somit einer der älteren ERASMUS- Studenten war, bin sehr glücklich, diesen Schritt gemacht zu haben. Am meisten beeindruckt hat mich die Vielzahl unterschiedlicher Nationen von Studenten, die in einer relativ kleinen Stadt wie Vilnius vertreten war. Außerdem waren sehr wenige deutsche Studenten in Vilnius, was ich durchaus positiv sehe, da ich fast ausschließlich die englische Sprache benutzte, sie erheblich verbesserte und ich den Kontakt mit Menschen unterschiedlichster Herkunft intensivierte. Ich muss ehrlich gestehen, dass die Studieninhalte in dieser Zeit für mich eher im Hintergrund standen, was aber nicht heißt, dass ich nichts oder nur weniger gelernt hätte. Es waren aber verstärkt Inhalte aus dem zwischenmenschlichen und kulturellen Bereich, die auch durch die vielen gemeinsamen Ausflüge zustande kamen. Versucht man in einem Satz zu beschreiben, was das Auslandssemester mir persönlich gegeben hat, stelle ich fest, dass es ganz gleich ist, wo man sich aufhält. Wichtig ist nur wen man kennenlernt und wie man die gemeinsame Zeit verbringt.


Rückblick

Ich hoffe mein Erfahrungsbericht konnte eine kleine Einsicht über das Leben als ERASMUS- Student in Vilnius geben und bei der Entscheidung ein Semester dort zu studieren, behilflich sein. Vor allem Interessierten, die noch nicht oft oder gar noch nie in Osteuropa unterwegs waren, kann ich Vilnius nur empfehlen. Bezüglich der Mitarbeiter des Studentenwohnheims kann ich nur hoffen, dass die folgenden ERASMUS- Jahrgänge eine andere Erfahrung machen und sich diese Situation in Zukunft zum Positiven verändern wird.

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