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Meine Auslandssemester in Bologna

Dass ich während meines Studiums gerne für ein oder zwei Auslandssemester nach Italien gehen wollte, wusste ich bereits als ich anfing zu studieren. Von daher hatte ich mich auch schon relativ lange vor meinem Erasmusaufenthalt mit dem Erasmus+Programm auseinandergesetzt. Die Präsentationen von Frau Kettmann waren dennoch sehr aufschlussreich. Jedoch würde ich jeder Person, die darüber nachdenkt ins Ausland zu gehen, dazu raten, im Internet nach Erfahrungsberichten zu der ausgewählten Gastuniversität, Praktikumsstelle, etc. zu suchen. Dadurch kann man sich ein recht realistisches Bild davon machen, was auf einen zukommt und erfährt dadurch auch, ob es bestimmte Voraussetzungen für den Bewerbungsprozess gibt.


Studienfach: Politikwissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 06/2017

Gastuniversität: Università di Bologna

Gastland: Italien

In meinem Fall - Ich habe zwei Semester an der Universität Bologna studiert - war das ganze recht unkompliziert. Ich habe nach einem längeren Gespräch über mein Vorhaben meine Unterlagen bei Frau Dr. Schmidt eingereicht und wurde dann an der Universität Bologna für einen Erasmusaufenthalt nominiert. Die Rückmeldung, dass ich genommen wurde, kam dann auch relativ zeitnah. Viel Kommunikation zwischen mir und der Gastuniversität gab es nicht, da für mich eigentlich alles geklärt war. Ich habe meine Zugangsdaten für die Internetplattform der Universität Bologna bekommen und meine Mail-Adresse und war somit für alles weitere gerüstet.

Studienfach: Politikwissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 06/2017

Gastuniversität: Università di Bologna

Gastland: Italien

Studium an der Gastuniversität

Abgereist bin ich dann Ende August um mir ein Zimmer zu suchen, doch dazu später. Die Universität Bologna ist ziemlich groß (ca. 80.000 Studierende) und ist eigentlich in der ganzen Emilia Romagna verteilt, der Hauptsitz befindet sich jedoch in Bologna, dem größten Campus. Die Kurse sind alle im Internet einsehbar (http://www.unibo.it/it/didattica/insegnamenti) und es wird recht genau beschrieben, was für Leistungen erwartet werden. Die Veranstaltungen, auch wenn sie unterschiedlich bezeichnet (Vorlesung, Seminar, …) wurden, waren in meinem Falle immer wie Vorlesungen strukturiert. Es wurden sehr gute oder weniger gute Vorträge gehalten und am Ende konnten Fragen dazu gestellt werden, diskutiert wurde eher selten. Die Bewertungen für Prüfungsleistungen empfand ich als sehr fair und die Umrechnung in deutsche Noten kann hier eingesehen werden. Generell herrscht ein eher entspanntes Verhältnis zwischen den Lehrenden und den Studis. So etwas wie Hiwis, die den Professoren/innen Kaffee bringen, gibt es in Italien nicht und ich hatte auch nie den Eindruck, dass sich ein/e Lehrender/e so erhaben gefühlt hat, dass er/sie mit uns Studierenden nicht sprechen wollte. Im Gegenteil, ich hatte immer das Gefühl, dass sie mir auf Augenhöhe begegnet sind. Betreuung habe ich nicht wirklich in Anspruch genommen, aber beim Check-In und beim Check-Out empfand ich den Umgang im International Office als sehr kulant und auch meine Erasmuskoordinatorin an der Universität Bologna, Prof. Paola Bordandini, antwortete immer zügig auf meine Mails. Das einzige Manko, zu dem ich mich in diesem Abschnitt äußern kann, ist das absolut unverständliche Bibliotheks-System. An der Universität Bologna wird in Bibliotheken nicht gelernt, sie sind ausschließlich dafür da, Bücher zu beherbergen. Wenn man lernen möchte und dies nicht zu Hause tun kann, ist man gezwungen eine Sala di Studio aufzusuchen (die in der Via Zamboni 25 ist die beste, aber dazu später). Für den Fall, dass man sich ein Buch aus der Bibliothek ausleihen möchte, ist man gezwungen, zuerst eine Registrierung (und ja, für jede Bibliothek eine neue Registrierung) zu machen. Danach wird von einer/m der Mitarbeiter/innen das Buch in der Bibliothek gesucht. Wurde das Buch gefunden, kann man es ausleihen. Wenn nicht - Pech. Es ist jedoch so, dass Bücher ausschließlich für Referate oder Hausarbeiten ausgeliehen werden. Für die Kurse wird erwartet, dass man sich die Bücher kauft. Eine günstige Alternative ist, sie sich auszudrucken (Es gibt zig Copyshops in der Innenstadt) oder sie sich als pdf.-Datei zu besorgen und dann am Laptop zu lesen. Die Sala di Studio sollen eigentlich Orte sein, in denen man in Ruhe lernen kann, jedoch haben sie teilweise wirklich komische Öffnungszeiten (z.B. von 9 bis 15 Uhr, also zu der Zeit, an der auch die meisten Veranstaltungen sind) und die, die länger geöffnet sind, bieten keine wirklich ruhige Atmosphäre. Das hat mich vor allem im ersten Semester doch ziemlich stark gestört, da ich zu Hause nicht wirklich lernen konnte, es jedoch zu kalt war, um im Park oder so zu lesen.

Kontakte zu  einheimischen und ausländischen Studierenden

Zu anderen Erasmusstudierenden hatte ich rückblickend doch recht wenig Kontakt. Dadurch, dass ich ausschließlich mit Italienern zusammengelebt habe und mich von Erasmusland-Partys und Veranstaltungen ferngehalten habe, hat sich das einfach nicht so ergeben. Mit „einheimischen“ Studis hatte ich dafür umso mehr Kontakt. Das waren nicht nur Italiener/innen, sondern auch Studierende aus anderen Ländern, die für einen Master nach Bologna gekommen waren. Die meisten Leute habe ich in den Kursen an der Uni kennengelernt, jedoch ein paar auch bei der Wohnungssuche und dann hatte ich ja noch meine Mitbewohner und so haben sich dann doch recht viele Kontakte ergeben. Ich kann nur jedem/r empfehlen in die Centri Sociali zu gehen, also z.B. Labas oder XM24. Dort sind eine Menge kontaktfreudiger Menschen, mit denen es recht einfach ist, ins Gespräch zu kommen. Von Bekannten habe ich gehört, dass auch Veranstaltungen wie das Uni-Tandem die Möglichkeit bieten einfach mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Oder man tritt einem Chor bei oder einem Orchester. Das Wichtigste dabei ist einfach, dass man sich insbesondere zu Beginn nicht zurückzieht, sondern eben rausgeht und offen auf Menschen zugeht.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich habe vor meinem Aufenthalt in Bologna schon ziemlich gut englisch und auch relativ gut italienisch gesprochen, aber natürlich haben sich meine Sprachfähigkeiten durch meinen Aufenthalt in Bologna noch verbessert. Insbesondere dadurch, dass ich ausschließlich mit Italienern zusammengewohnt habe und wir zu Hause nur italienisch gesprochen habe, habe ich große Fortschritte gemacht. Ich empfehle jedem/r für die Zimmersuche zumindest Grundkenntnisse in italienisch mitzubringen, da in Italien relativ ungern englisch gesprochen wird und viele Aushänge nur auf italienisch geschrieben sind.

Wohn-  und Lebenssituation

Das allerschlimmste war für mich die Wohnungssuche. Ich hatte mir einfach falsche Vorstellungen davon gemacht, wie das ablaufen würde. Schlussendlich habe ich ca. 2 Wochen gebraucht, bis ich was gefunden habe. Das war aber mit ziemlich viel Glück und über fünf Ecken, angefangen bei einer Freundin aus Berlin. Ich würde jedem/r raten mit der Suche bei SAIS anzufangen. Das ist eine extra von der Universität Bologna eingerichtete Organisation, die ausländischen Studierenden helfen soll, eine Unterkunft zu finden. Neben SAIS sollte man natürlich auch selber schauen. Im Internet gibt es einige Seiten, z.B: http://bologna.bakeca.it/annunci/offro-camera/ , http://www.stanzazoo.com/bologna, http://stanze.trovacasa.net/Stanze/Affitto/BO/Bologna/  und dann hängen in der Via Zamboni auch noch ziemlich viele Papieranzeigen. Ich weiß nicht, wie sich die preisliche Situation in Zukunft entwickelt, aber ich habe mich ungefähr so orientiert: Für eine Singola 330€ bis 400€ für eine Doppia ca. 100€ weniger. Ich habe zu Beginn in einer Doppia gewohnt, doch als mein Mitbewohner ausgezogen ist, wurde das Zimmer in eine Singola umgewandelt, weil die Wohnung im Juli verkauft werden sollte und meine Vermieterin keine Lust hatte jemanden zu suchen, der bis dann einzieht. Und bezahlt habe ich 240€ monatlich, also ich hatte ziemlich Glück.

Der ÖPNV ist in Bologna ausschließlich durch Busse geregelt. Die Tram wurde in 90er Jahren abgeschafft, warum auch immer. Ich würde jedem/r, der/die etwas außerhalb wohnt, dazu raten, sich ein Fahrrad zuzulegen. Man ist mit Fahrrad wesentlich schneller als die Busse und steht nicht im Stau. Zusätzlich sollte man, wenn sich denn ein Fahrrad zulegt, ein sehr gutes Schloss zulegen und das Fahrrad auch immer abschließen! Mir sind zwei Fahrräder geklaut worden.

Zu Bankgeschäften und Versicherung kann ich nicht viel sagen. Ich habe mir keine Auslandsversicherung gemacht, weil ich durch meine Krankenkasse auch im EU Ausland versichert bin und ein italienisches Bankkonto hatte ich nicht.

Meine Lebenshaltungskosten beliefen sich auf ca. 800€ im Monat, trotz meiner günstigen Mietsituation. Einige Lebensmittel kosten in Italien etwas mehr und insbesondere Hygieneartikel sind ziemlich teuer. Natürlich kann man günstiger Leben, ich bin z.B. recht viel Essen gegangen, jedoch auch, weil Essen gehen nicht wesentlich teurer ist als selber kochen. Verschwenderisch habe ich nicht gelebt. Bologna bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Inwiefern man die wahrnehmen kann, hängt natürlich auch von Sprachkenntnissen und Offenheit ab. Wie bereits erwähnt gibt es die Centri Sociali, also besetzte Häuser, in denen viele Parties gefeiert werden. Der schönste Park zum Joggen gehen oder so zum Entspannen ist Giardini Magherita. Und dann kann man natürlich noch das Angebot von Erasmusland und den anderen Erasmusgruppen wahrnehmen, wenn man das denn haben möchte.

Rückblick

Rückblickend kann ich sagen, dass ich meinen Erasmusaufenthalt sehr genossen habe, trotz der teilweise strapaziösen Etappen (insbesondere die Wohnungssuche!). Ich habe viele Leute kennengelernt, die ich in meinem Leben nicht mehr missen möchte, Erfahrungen gemacht, die mich haben wachsen lassen und nun ziemlich gut italienisch gelernt.              


Sonstige Hinweise

Ich habe das auch schon in den Erasmusfragebogen geschrieben, aber möchte es auch an dieser Stelle noch einmal äußern: Die Konzepte für die Learning Agreements Before Mobility und During Mobility erscheinen mir ausschließlich bürokratischer Natur und wenig hilfreich. Das Learning Agreement Before Mobility ist insofern überflüssig, als dass viele Universitäten ihre Kurse erst nach dem Datum, nachdem das Learning Agreement bereits erstellt worden sein muss, publik machen. Das Learning Agreement During Mobility bietet relativ wenig Platz für die Änderungen und ist kompliziert auszufüllen. Viel einfacher, sowohl für Koordinatoren/innen und Studierende, wäre es, wenn die Studierenden ein Learning Agreement im Format des Learning Agreements Before Mobility in den ersten sechs Wochen an der Gastuniversität ausfüllen müssten. Dadurch würden Änderungen, also das Learning Agreement During Mobility, obsolet und Studierende bräuchten kein überflüssiges Formular ausfüllen, das sie später ohnehin noch einmal ändern müssten.

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