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Mein Auslandssemester in Reykjavik

Im Rahmen des Erasmus+ Programms habe ich für ein Jahr an der Háskóli Íslands (der University of Iceland) in Reyjavík studiert. Meine Studienfächer sind Linguistik und Philosophie. Die Partnerschaft lief über das Institut der Philosophie, jedoch habe ich Kurse für beide Studienfächer ohne Probleme belegen können. Die Kurswahl ist (auf Englisch) sehr eingeschränkt, sodass häufig nicht viel Entscheidungsspielraum besteht. Die Qualität der Kurse war jedoch meiner Erfahrung nach sehr hoch und ich habe jeden Kurs (bis auf eine Ausnahme) wertgeschätzt und sehr gerne besucht. Es müssten 2/3 der im Semester angestrebten ECTS im eigenen Department belegt werden, das restliche Drittel kann in einem fremden Department belegt werden.


Studienfach: Linguistik / Philosophie

Aufenthaltsdauer: 08/2016 - 05/2017

Gastuniversität: Háskóli Íslands

Gastland: Island

Sprachkompetenz

Fast alle Isländerinnen und Isländer, auch ältere Generationen, sprachen am Anfang meines Aufenthaltes besseres Englisch als ich. Da ich in Island keine deutschsprachigen Freunde hatte (und auch nicht aktiv danach Ausschau gehalten habe), hat sich mein Englisch dramatisch verbessert. Flüssig verständigen konnte ich mich vorher bereits, doch das Jahr in Island hat sehr zu meinen Sprachkompetenzen im gesprochenen, geschriebenen und akademischen Englisch beigetragen. Besonders in der Philosophie lesen jedoch viele Professorinnen und Professoren Deutsch, sodass ich ein paar Essays sogar auf Deutsch verfassen durfte. Auch wenn es natürlich zur Orientierung hilft, zum kulturellen Verständnis beiträgt und höflich ist, vorher oder in Island Isländisch zu lernen, gibt es aufgrund der Englischfähigkeiten der Isländerinnen und Isländer keine zwingende Notwendigkeit hierfür.

Studium an der Gastuniversität

Das Universitätssystem ähnelt dem Deutschen und doch hat es mir besser gefallen als an meiner Heimatuniversität. Während ich in meinem bisherigen Studium Kurse für 2-6 ECTS belegt habe, gibt ein durchschnittlicher Kurs in Island 10 ECTS. Das hilft enorm, sich auf einzelne Themen zu fokussieren und Wissen zu vertiefen. Dafür gibt es mehr Assignments für die einzelnen Kurse. Die Kursbelegung, das Kursmaterial etc. sind über das Universtitätssystem Ugla (=“Eule“, ähnlich unserem PULS) geregelt. Das Verhältnis zwischen Dozierenden und Studierenden ist viel entspannter als in Deutschland.

Wohnungssuche

Das schwierigste und teuerste in Island ist definitiv die Wohnungssuche. Falls ihr plant, nach Island zu ziehen, dann sucht so früh wie möglich nach einer Unterkunft. Die Chancen auf einen Platz im Studierendenheim sind schwindend gering und durch den steigenden Tourismus (und dadurch dem erhöhten Aufkommen von AirBnB-Wohnungen) schießen die Mietpreise in astronomische Höhen. Die Anfangszeit musste ich in einem Hostel verbringen, obwohl ich sehr früh nach Wohnungen angefangen habe zu suchen. Auf Facebook gibt es entsprechende Gruppen (mit „Leiga“ (=“Miete“) im Namen), auf denen Wohnungsangebote und -gesuche eingestellt werden können. Es empfiehlt sich außerdem, eine Wohnung in 101 oder Vesturbær, also zur Laufnähe der Universität, zu suchen.

Mobilität und Lebenshaltungskosten

Es gibt ein Bussystem (Stræto), das jedoch schlecht und (trotz Rabatts für Studierende auf Abonnements) überteuert ist. Züge oder andere öffentliche Verkehrsmittel gibt es in Island keine. Fahrradfahren würde ich aufgrund des sehr starken Winds und schnell wechselnden Wetters nicht empfehlen. Für die Miete solltet ihr mindestens 600€-800€ monatlich einplanen. Auch Lebensmittel sind in Island sehr teuer (die Währung ist ISK = isländische Kronen), insbesondere bei Tierprodukten. Die Auswahl und Qualität an frischem Obst und Gemüse ist ebenfalls recht eingeschränkt.

Leben vor Ort und Freizeit

Das ganze Leben spielt sich quasi in 101, oder um die Hauptstraße Laugavegur, ab. Island hat ein sehr ausschweifendes, aber kleines, Nachtleben. Da alles in Island recht teuer ist, empfiehlt es sich, nach kostenlosen Aktivitäten Ausschau zu halten. Das Hostel „Loft“ (auf Facebook) bietet eine Reihe kostenloser Veranstaltungen wie Karaoke, Wasserfarbenabende und wöchentliches Yoga an. Das sportliche Angebot ist insgesamt relativ eingeschränkt. Für 4.500ISK im Semester oder 9.000ISK für das ganze Jahr (40€ bzw. 80€) könnt ihr das University Gym und seine Angebote nutzen. Dazu zählen Yoga, Basketball, Kettlebells usw. Im Keller des Gyms gibt es eine Sauna, die fast nie benutzt wird! Eines der Highlights in Island sind definitiv die Pools bzw. hot tubs. Außerhalb Reykjavík gibt es unzählige natürliche Heißwasserquellen aufgrund der Geothermie, in denen gebadet werden kann. In Reykjavík selbst gibt es einige Pools mit heißem Quellwasser, die prima zum Entspannen sind. Empfehlenswert sind Vesturbærjalaug (Laufnähe zur Uni) oder Laugardalslaug. Es gibt 10-er und 20-er Karten!

Hilfreiche Tipps

Zur Orientierung empfehle ich auf jeden Fall www.ja.is, da Google Maps häufig die Straßennamen, aber insbesondere Hausnummern, nicht richtig eingezeichnet hat. Falls ihr ein Auto (für Roadtrips o.ä.) mieten wollt, wendet euch an www.sadcars.is. Dort werden gebrauchte, häufig dem Namen alle Ehre machende „traurige“ Autos für wenig Geld vermietet. Die Firma an sich ist, wie Island generell, extrem entspannt. - Kratzer im Auto? Passiert in Island.

Versicherungstechnisch müsstet ihr bei einer normalen deutschen Versicherung für Island auch abgesichert sein. Zum Arzt zu gehen ist in Island generell sehr teuer. Ein normaler Arztbesuch ohne Schnickschnack kostet etwa 20€-30€ und es dauert mehrere Monate um einen Termin bei Spezialisten zu bekommen. Versucht also, alle medizinischen Angelegenheiten bestenfalls vorher in Deutschland zu klären und Medikamente vorher zu besorgen.

Studienfach: Linguistik / Philosophie

Aufenthaltsdauer: 08/2016 - 05/2017

Gastuniversität: Háskóli Íslands

Gastland: Island


Rückblick

Ursprünglich geplant, wäre ich nach meinem Semester in Island nach Schweden gezogen, um dort ein weiteres Erasmus+ Semester in Lund zu verbringen. Nach wenigen Wochen war ich jedoch so sehr in Island verliebt, dass ich meinen Aufenthalt in Island verlängert und Schweden abgesagt habe. Ich bereue meine Entscheidung, ein Jahr in Island gelebt zu haben, nicht im Geringsten, würde es immer wieder tun und nachdrücklich empfehlen! Ich hatte ein wundervolles Jahr, das ich ohne Umschweife das schönste Jahr meines Lebens nennen kann. Es wird definitiv nicht das letzte Mal sein, dass ich ein Flugticket auf diese beeindruckende Insel gebucht habe!