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Mein Auslandssemester in Jerusalem

Israel als Studienort ist sicher nicht nur für Studierende der Jüdischen Studien ein Ziel, sondern kann – angesichts des Studienangebotes und der internationalen Einschätzung – in vielen Bereichen mit Angeboten locken. Gerade aus den Jüdischen Studien in Deutschland kommend ist es überwältigend, in wie viele Studienrichtung hier das Angebot unseres Studienganges aufgeteilt ist. Dementsprechend lange dauerte es für mich, das Studienangebot vor Ort zu verstehen und mich in die Seminare der israelischen Studierenden zu wagen. Dafür muss ich vorwegschieben, dass Israel mir schon durch viele Besuche und eine Partnerschaft bekannt war, ich sozusagen kein unbekanntes Terrain betrat. Natürlich ist es trotzdem bereichernd, auch anscheinend „bekannte“ Welten länger besuchen zu dürfen und mit mehr Ruhe dort zu weilen. Ich denke, dass man auch ohne große Vorkenntnisse nach Israel reisen kann und dort studieren kann. Wie für jedes Land empfiehlt es sich, vorher über das Land zu lesen und/ oder Literatur aus dem Land.


Studienfach: Jüdische Studien

Aufenthaltsdauer: 10/2014 - 03/2015

Gastuniversität: Hebrew University of Jerusalem

Gastland: Israel

Die internationalen Studierenden sind an der Hebräischen Universität sehr gut in der Rothberg International School aufgehoben – mit den Vor- und Nachteilen, die solch eine Konzentration mit sich bringt. Es gab viele Ansprechpartner_innen und Veranstaltungen zur Eingewöhnung und zum weiteren Verständnis, Vorträge und Ausflüge über das Semester hinweg. Die Organisation der Lehrveranstaltungen, Vergabe von Punkten etc wurde gut erklärt, auch auf Nachfragen im Büro hin. Die Notenvergabe etc verlief online, auch die Kursauswahl. Es gab Studierende, deren Job es war, sich um uns alle zu kümmern und gleich zu Beginn verteilten sie Zettel mit wichtigen Telephonnummern, Informationen zum Nahverkehr und ähnlichem. Es gab ein 24/7 Handy, was man immer hätte anrufen können, egal welche Frage man hatte – wiewohl ich es nie nutze, war ich immer sicher, dass ich im Notfall dort eine_n Ansprechpartner_in hätte. Ebenso gab es auch Kontakte zur Unipsychologin, zu Ansprechpartner_innen in Krisensituationen etc. Ein Aufenthalt in Israel ist davon geprägt, dass eine Krise, eine gefährliche Situation jeden Moment eintreten könnte. Während ich dort war, gab es Vorkommnisse, die immer zeitgleich mit Informationen via Mail kommentiert wurden und wir ausländische Studierende wurden auch in extra Veranstaltungen zur aktuellen Lage aufgeklärt. Gleiches galt aber auch für die Ankündigung von Schnee, was bei den meisten Studierenden mit Lachen kommentiert wurde, weil es sich wirklich ein wenig „out of proportion“ anhörte, was in den vielen Emails stand, die dem Eintritt des Schnees vorrausgingen, aber so nahmen wir Teil an der allgemeinen Aufregung in Jerusalem und niemand war überrascht, als die Supermärkte tatsächlich mitten am Tag schon schlossen, damit die Mitarbeitenden noch sicher nach Hause kämen. An Informationsmöglichkeiten mangelte es nicht.

Gleichzeitig war man durch die örtliche Konzentrierung auf die International School weniger ins kalte Wasser geworfen und demnach auch weniger im „Zwang“, auf israelische Studierende zu treffen. Man könnte sagen, dass in meinem Fall diese Hürde leicht zu überbrücken war, weil ich hebräische Alltagssprache beherrschte und mich einfach in Kurse setzen konnte, die sich interessant anhörten (ohne Credits dafür zu bekommen) aber insgesamt kann man sagen, dass israelische Studierende generell kommunikativer sind (als deutsche z:b.) und es dadurch nicht ausbleibt, angesprochen zu werden und Tipps zu bekommen oder gemeinsam Kaffee zu trinken. Auch gibt es kaum Hemmungen, sich auf Englisch zu unterhalten – man muss theoretisch Hebräisch nicht unbedingt können.
Sprachunterricht: das israelische Lehrsystem „Ulpan“ hat vor allem ein großes Merkmal: es wird auf Hebräisch unterrichtet, von Beginn an, und die dadurch entstehende Verwirrung und Überforderung wird deshalb in Kauf genommen, da innerhalb kurzer Zeit auf diese Weise viele Menschen viel lernen. Es war für mich schön, zu sehen, wie schnell zwei Mitbewohner_innen, die auf der ersten Stufe begannen, Zeitungsüberschriften lesen konnten oder immer mehr Floskeln in ihr Englisch einbauten. An dieser Stelle kam ihnen auch wieder die israelische Freude an Kommuniaktion zugute: im Supermarkt und bei der Security, im Nahverkehr oder im Cafe reden die Menschen mit einem, nehmen die vorhandenen Kenntnisse wahr und fragen immer weiter, solange man ihnen antworten will. Es gibt also viele Möglichkeiten, das Gelernte sofort anzuwenden. An der Hebräischen Universität ist aber auch für diejenigen gesorgt, die schon lange Hebräisch gelernt haben. Ich besuchte die vorletzte Stufe und lernte dort viel neue Nuancen des schriftlichen Ausdruckes und der poetischen Sprache.

Auch in Hinblick auf Dozent_innen und Professor_innen lässt sich im Übrigen sagen, dass sie sehr ansprechbar sind für Fragen, Probleme oder besondere Wünsche. Es zahlt sich aus, dass Hebräisch, wie Englisch, kein Siezen kennt und man sprachlich näher beieinander redet.

Die Hebräische Universität Jerusalem ist eine moderne Universität mit zwei Campussen. Es gibt viele Bibliotheken, Computerpools, Cafes, Aussichtsplatformen und grüne Ecken. Was für Studierende aus Deutschland (und anderen Ländern Europas) befremdlich wirken kann, sind die Sicherheitsvorkehrungen. Ohne Studierendenkarte wird man gar nicht erst auf den Campus gelassen (es sei denn, man ist in Begleitung, aber selbst dann wird genau nachgefragt, wie die Verhältnisse sind), die Taschen werden bei jedem Eintritt kontrolliert und mind. eine Sicherheitsperson guckt einer_m tief in die Augen. Ähnlich ist es an vielen anderen Orten in Israel, zum Beispiel auch im Student Village, wo man unterkommen kann. Ich würde dies jeder_m empfehlen, da es nah an der Uni liegt und einem die Fahrerei mit den Bussen morgens und abends erspart (das öffentliche Nahverkehrssystem hat seine Grenzen ebenso wie die engen Straßen Jerusalems...). Zudem liegt es nicht weit von der Rakevet haKalah – der Straßenbahn – die eine_n schnell und sicher in die Stadt bringt. Natürlich klingt es erstrebenswerter, in einer WG mit israelischen Studierenden zu wohnen, aber gerade wenn man nur für sechs Monate kommt, ist der andere Weg, sich einfach für das Student Village zu entscheiden, zeitsparender und im Vergleich zu Mieten in schönen Gegenden der Stadt auch nicht unbedingt teurer. Man befindet sich zudem direkt an der Grenze zu Ostjerusalem und ist in seinem Alltag von den Muezzinrufen und dem Erblicken der judäischen Wüste umgeben, was in meinen Augen eine bereichernde Erfahrung ist. Wenn man lieber in der Stadt wohnen will, gibt es auf der website der Uni auch Tipps und Vermittlungen. Dies habe ich allerdings nicht weiter verfolgt und kann nicht sagen, wie nützlich es ist. Ich war auch der Einfachheit halber über die Uni krankenversichert.

Israel ist teurer als Deutschland, das betrifft viele Lebensbereiche. Die Menschen in Israel arbeiten viel mehr, haben weniger Urlaub und Einschränkungen im Alltag wegen der Sicherheitslage. Als Person aus dem Ausland aber bekommt man vor allem die Lebenslust angeboten, die Freude an gutem Essen und dem Diskutieren von komplexen Fragen. In Israel schimpft man über die Regierung und verteidigt das Land im gleichen Atemzug, guckt neidisch auf die, die im Ausland sind und schwärmt in höchsten Tönen von allem,was es in Israel gibt. Es kann passieren, dass man im Autobus die Lebensgeschichte einer Person hört, einschließlich der Kriegserfahrung des letzten Krieges und all derer, die davor lagen, man kann nach den deutschen Großeltern und den Milchpreisen gefragt werden und schnell wird man auch eingeladen, die eigene Familie kennenzulernen und sich von ihnen füttern und umherfahren lassen, damit man auch keine Ecke des Landes verpasst. Israel ist klein und vielfältig. Man kann – außer am Schabbat – mit Bussen fast überall hinfahren. Am Schabbat ist alles geschlossen, jedenfalls in Jerusalem außerhalb der arabischen Teile der Altstadt.

Jerusalem ist weit mehr als das, was wir von Postkarten und aus Dokumentationen kennen. Wer mit Religion nichts am Hut haben will, ist hier falsch. Die drei „abrahamitischen Religionen“ sind in vielen Facetten sichtbar und unübersehbar. Man kann sich aber auch schnell daran gewöhnen und sieht dann alle anderen Menschen, die außerdem noch dort leben. In Jerusalem ist es leicht, fremd zu sein, weil alle so unterschiedlich aussehen, dass selbst die Einheimischen (so meine These) oft nicht sagen könnten, ob eine andere Person Tourist_in ist (es sei denn, man bewegt sich in Gruppen oder mit Stadtplan vor der Nase) oder eben einfach amerikanische_r/ französische_r/ philippinische_r/ etc...
Jerusalemer_in. Es lohnt sich, schnell auf Hebräisch ein paar Standardsätze zu lernen, um verkaufs/kontaktfreudige Menschen abzuschütteln oder zu erklären, dass man gerade in Jerusalem studiert und (keine) Hilfe braucht, den Weg zu finden.

Noch praktische Informationen: um ein Visum zu bekommen und für die Aufnahme an der Gasthoschschule musste man relativ ausführliche ärztliche Zeugnisse vorlegen. Wenn man alle Papiere hatte, ging alles ziemlich schnell. An dieser Stelle noch ein Dank dafür, dass das AAA Potsdam, insbesondere Frau Larisa Subasic, im Vorfeld sehr viel für uns erledigt und die bürokratischen Fragen immer schnell beantwortet bzw selbst in die Hand genommen haben! Ich fühlte mich im Bewerbungsverfahren sehr unterstützt!

Mir scheint ein Semester allein nicht als optimale Zeit, um sowohl hinsichtlich wissenschaftlicher Arbeit als auch des Kennenlernen des Landes tief eintauchen zu können. Es fehlt vollkommen der Teil an vorlesungsfreier Zeit, um eigenständig etwas länger reisen zu können, Menschen, die man im Unialltagsstress kennenlernte in Ruhe sehen zu können (israelische Studierende arbeiten alle mind. in einem Job und sind trotz Bemühung zu ausführlichen Kaffeepausen einfach im Dauerstress) und ebenso der Vorschuss an Alltagserfahrung, den man in einem zweiten Semester an der Uni haben könnte, wenn man ein Semester lang Zeit hat, sich alles anzuschauen und zu verstehen, in welche alternativen Kurse man gehen könnte, die von der Uni (auch in Englisch) angeboten werden. Ich habe sehr viel profitiert im Sprachkurs und das intensive Lernen dort genossen, um aber in den anderen Kursen voranzukommen hätte ich noch ein weiteres Semester dort gebraucht.

Nachfolgenden Studierenden kann ich nur empfehlen, in Israel die Gepflogenheit anzunehmen, ständig und laut alles zu erfragen. Damit kommt man wirklich voran und findet letztendlich eigentlich immer Hilfe. Es mag einer_m erscheinen, als wären zum Bsp fehlende Buspläne eine Frechheit, aber die Informationen liegen in den Köpfen derer, die ebenso wartend stehen und sie meistens auch irgendwo erfragten.

Es lohnt sich ebenso, einen vorlesungsfreien Tag außer Freitag und Schabbat zu haben, denn ab Freitag Nachmittag bis Sonnabend Abend fährt kein öffentlicher Nahverkehr und wenn man die Nähe zur Wüste oder Tel Aviv (eine Stunde Fahrt für vier Euro ca) ausnutzen will, braucht man dafür einen Tag extra. Auch für den Sprachkurs ist solch ein extra Tag übrigens sehr hilfreich, da es zeitintensive Hausaufgaben gibt. Am besten ist es, vorher schon ein bißchen Hebräisch zu lernen, sei es auch nur das Alephbeit. Sprachkurse für modernes Hebräisch gibt es an der Volkshochschule Berlin, an der Jüdischen Volkshochschule und auch an der Uni Potsdam. Damit erspart man sich Stress zu Beginn des Kurses.

Ich bin sehr glücklich, ein Semester in Jerusalem studiert haben zu können und habe mehr verstanden über Israel und über meinen israelischen Freund_innen in Berlin als ich es je hätte erlesen können oder nur durch Erzählungen mitbekommen. Wenn du/ Sie Fragen hast/ haben, kannst du/ können Sie mich gerne kontaktieren!

Studienfach: Jüdische Studien

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