uni-potsdam.de

You are using an old browser with security vulnerabilities and can not use the features of this website.

Here you will see how you can easily upgrade your browser.

Mein Auslandssemester in Jerusalem

Durch eine E-Mail des Akademischen Auslandsamtes bin ich auf die Möglichkeit sich für ein Auslandssemester an der Hebräischen Universität aufmerksam geworden. Schon ein Jahr zuvor las ich über die Unterzeichnung des Kooperationsvertrages zwischen den Universitäten, doch es gab keine weiteren Informationen, die konkreten Maßnahmen mussten schließlich verabredet, entwickelt und implementiert werden.


Studienfach: Jüdische Studien

Aufenthaltsdauer: 10/2014 - 02/2015

Gastuniversität: Hebrew University of Jerusalem

Gastland: Israel

Die wichtigsten Informationen bekam ich von Larisa Subasic, der zuständigen Sachbearbeiterin des AAA. Frau Subasic stellte für uns auch den Kontakt mit der Gasthochschule her und versandte an diese auch unsere Unterlagen. Was wir für den ersten Schritt in Potsdam benötigten, bekamen wir vom AAA mitgeteilt, in der zweiten Phase, dem Bewerbungsverfahren an der Hebräischen Universität Jerusalem (HUJI), läuft alles über ein Online Formular, in dem detailliert aufgeführt ist, welche Unterlagen zu besorgen sind. Das AAA schickte am Ende die Unterlagen nach Israel. Sollte man allerdings direkt mit der Gasthochschule in Kontakt treten wollen, wäre es an der HUJI kein Problem gewesen, da die Ansprechpartner_Innen alle sehr kompetent und vor allem hilfsbereit sind. E-Mail Adressen finden sich Online und auch während der Bewerbungsprozesses bieten sich mehrere Möglichkeiten.

Studium an der Gastuniversität

Das Studium unterscheidet sich nicht allzusehr von unserem, doch das System ist schon deutlicher ans amerikanische System angelehnt als ans Deutsche, doch lassen sich viele Sachen mit Dozierenden aushandeln. Anforderungen und Bewertungen hängen vom einzelnen Seminar bzw. der einzelnen Vorlesung und dem_r Professor_In ab. Durch den Austausch mit anderen Studierenden kann ich leider keine klare Antwort zur Qualität abgeben, da dies wohl stark vom Dozierenden abhängt. Ich habe über gute und schlechte Erfahrungen sowohl an der Rothberg International School, als auch an der Hebrew University gehört. Das ist aber ein großer Vorteil an der HUJI, normalerweise sind Gaststudierende und Internationale an der Rothberg International School (RIS), doch ist es kein Problem Kurse zu belegen, die an der „eigentlichen“ Universität angeboten werden, dort gibt es auch Kurse aus Englisch und wenn das Hebräisch gut genug ist, sind diese Dinge sowieso kein Problem. Meine eigenen Veranstaltungen waren meistens Vorlesungen, in denen man zwar Fragen stellen und mit dem Dozierenden diskutieren konnte, doch verhielten sich die meisten Studierenden sehr passiv. Es hängt dabei, wie in Deutschland, von Dozierenden und Studierenden gleichermaßen ab, ob die Veranstaltung erfolgreich sein wird.

Das Klima innerhalb der Kurse scheint sehr gut und wertschätzend zu sein, gegenteiliges habe ich kaum gehört. Besonders durch Verwaltung und Dozierenden wurde viel unterstützt und Hilfsbereitschaft wurde immer signalisiert und bei Bedarf schnell gehandelt. Außerdem gab es Madrichim (Guides), die treffen und Aktivitäten anboten und selbst Studierende (meist israelische) der Universität waren. Von ihnen bekamen wir zusätzliche Informationen während der Spannungen im Herbst 2014. In den meisten Räumen gab es Beamer, Computer, Whiteboards etc. In meinen Kurse mangelte es nie an der technischen Ausstattung. Die Räume sind allerdings unterschiedlich groß, sodass es manchmal etwas beengt sein kann. Außerdem haben wenige Räume tatsächlich Tische, meistens gibt es eine Stuhl-Lehnentisch-Kombination. Die Öffnungszeiten der Bibliothek und Computerpools waren vollkommen ausreichend. Am Donnerstag wurde etwas früher geschlossen und Freitags sowie Samstags schloss die ganze Uni. Allerdings gab es im Studentenwohnheim auch ein Computerpool mit Drucker und Kopierer, der immer benutzbar war, auch an Feiertagen und am Shabbat.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Durch das Wohnheim kommt man automatisch mit einheimischen Studierenden in Kontakt, allerdings wohnen internationale Studierende meistens in einer Wohnung. Persönlich hatte ich das „Glück“, dass ich mit einem Einheimischen Zusammengewohnt habe, was sehr interessant war. Generell sind Israelis aber sehr kontaktfreundig und offen, sodass es nicht zu große Probleme geben sollte. Besucht man Kurse an der Hebräischen Universität und nicht an der RIS, kommt man sicher noch leichter ins Gespräch und damit zu möglichen Bekanntschaften.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Meine umgangsprachlichen Kompetenzen im Englischen haben sich definitiv verbessert, besonders das Zusammenleben mit Muttersprachlern war sehr anregend. Meine Semester in England, bei dem ich besonders im akademischen Englisch große Fortschritte gemacht hatte, half mir hier, leicht in Seminaren, Vorlesungen aber auch mit den Texten umzugehen. Durch den Hebräisch Sprachkurs konnte ich nicht nur vieles Auffrischen, sondern zusätzlich viele Vokabeln lernen und Sprachpraxis sammeln, der mir gerade in alltäglichen Situationen half.

Wohn- und Lebenssituation

Nach einigem hin und her, entschied ich mich dafür, im Studentenwohnheim zu leben, da die Suche recht aufwendig geworden wäre. Möchte man aber nicht dort wohnen, kann man sich im Internet schlau machen und auch die Betreuer für alles nicht-akademische (Madrichim) befragen, die wissen oft weiter. Das Wohnheim ist recht unkompliziert, sollte man sich nicht sicher sein, scheint es so zu sein, dass man sich auch nach Ankunft, bei der Registrierung an der Uni noch entscheiden kann und vor Ort per Kreditkarte die Kosten bezahlt. Es ist günstiger außerhalb des Wohnheims, internationale Studierende bezahlen recht viel, müssen sich allerdings nicht um Strom, Internet, Gas etc. kümmern, dies ist abgedeckt durch die erhöhte Miete. Ich habe für die gesamte Zeit im Wohnheim (20.10.-08.02) gute 2000€ bezahlt. Obwohl dies recht hoch ist, ist es m.E. noch nicht zu hoch, allerdings sind die Gebühren vorab und auf einmal zu bezahlen, was ein echtes Problem darstellen kann.

Die Uni und das Wohnheim sind recht gut angebunden an öffentliche Verkehrsmittel. Sowohl Busse (vor allem die!) als auch die Tram sind in der Nähe und bringen einen bequem in die Stadt und zu weiteren Zielen, wie dem Campus Givat Ram, Yad VaShem, oder dem Busbahnhof. Als Studierende empfiehlt es sich am Anfang den Stress auf sich zu nehmen und eine Rav-Kav-Karte zu besorgen, diese Smartcard kann man mit ungefähr 100-150 € in einen Semesterpass verwandeln, mit dem man unbegrenzt in Jerusalem Bus und Tram benutzen kann. Außerdem gibt es auf Fernbusfahrten (die reguläre Fernreisemöglichkeit in Israel) 50% Rabatt, beim Zug sollte es ganz ähnlich sein. Fährt man oft und erkundet Stadt und Land, lohnt sich das auf jeden Fall. Sollte man „nur“ eine Studierenden Rav-Kav sich besorgen, so erhält man immerhin noch 33% Rabatt auf alle Tickets (Bus, Bahn, Tram), die man auf die Rav-Kav auflädt.

Bankgeschäfte habe ich nur insofern getätigt, als dass ich bei meiner Sparkasse in Deutschland Geld abgehoben habe, dafür habe ich eine Gebührbezahlt. Allerdings wurde diese nur in Deutschland erhoben. Geldautomaten bei Banken in Israel erheben normalerweise keine zusätzliche Gebühren fürs abheben. Von Vorteil ist auch eine Kreditkarte (inbesondere VISA), da man mit sehr geringen Gebühren fast überall in Israel damit bezahlen kann, selbst kleine Beträge sind kein Problem. Ich hatte meine eigene Krankenversicherung in Deutschland auf Israel erweitern können, ohne große Probleme, allerdings habe ich zusätzlich, die von der Uni angebotene Versicherung von HAREL in Anspruch  genommen, da diese vor Ort ist. Abläufe kenne ich leider nicht, da ich während meines Aufenthaltes nie  die Krankenversicherung in Anspruch genommen habe. Für das VISUM musste ich der Botschaft  gesicherte finanzielle Verhältnisse für meinen Auslandsaufenthalt nachweisen.

Durch ein Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung war dies auch kein Problem, ohne Stipendium, bin ich mir nicht sicher, was dort akzeptiert wird. Generell gibt es in Israel recht hohe Lebenshaltungskosten. Insbesondere Milchprodukte sich erheblichteurer als in Deutschland, Fleisch ebenso. Erfreulicherweise gilt dies nicht für Gemüse und das meiste Obst, sodass vor allem auf dem Markt, sehr günstig Gemüse eingekauft werden kann. Zu nennen ist der Mahane Yehuda Markt. Günstigere Lebensmittelmärkte finden sich in ultra-orthodoxen oder aarabischen Viertel Jerusalems.

Studienfach: Jüdische Studien

Aufenthaltsdauer: 10/2014 - 02/2015

Gastuniversität: Hebrew University of Jerusalem

Gastland: Israel


Rückblick

Nachfolgenden Studierenden würde ich ans Herz legen, sicherzustellen, ein Foto von 5x5cm für das VISUM zur Botschaft mitzunehmen. Ich musste für viel Geld in der Nähe solche Fotos noch machen lassen. Wenn man die Bestätigung der Uni bekommt, sollten man auf den Seiten der Botschaft nachsehen und diejenigen Dokumente zusammensuchen und mitnehmen, die noch fehlen. Tipp: Das ärztliche Gutachten für die Uni wurde auch von der Botschaft akzeptiert, sodass man nur ein Gutachten dazu einholen muss, aber am besten vorher nochmal fragen. Ich habe viele interessante und nette Leute getroffen, Israelis und vor allem viele Internationale Studierende. Man kann spannende und weniger bekannte Einsichten in die israelische und andere Gesellschaften bekommen. Das hat mir sehr gut gefallen. Weniger gute Erfahrungen waren die Attentate, die während meiner Zeit verübt worden waren, besonders eines, dass an der Haltestelle stattfand, an dem viele Studierende auch ein und aussteigen. Außerdem habe ich von meinem Zimmer aus, viele Demonstrationen und Straßenschlachten hören können, was bei der damaligen Intensität anstrengend war. Nichtdestotrotz war die Erfahrung und die Reflexion eben jener, eine gute Gelegenheit mich weiterzuentwickeln. Ich würde diese Gelegenheit jeder Zeit wieder ergreifen, es lohnt sich.

Israel

zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland.

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier.