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Fáilte go hÉireann

„Willkommen in Irland“. Mit diesen Worten wurde ich vom Dublin Airport begrüßt als ich im Januar 2017 meinen Erasmus Aufenthalt auf der grünen Insel antrat. Vorausgegangen waren diesem Tag lange Monate der Planung. Die eigentliche Bewerbung über das Anglistik/Amerikanistik Institut der Universität Potsdam verlief ohne größere Schwierigkeiten. Zahlreiche Informationsveranstaltungen und äußerst hilfsbereite Dozenten und Erasmus Koordinatoren machten es einfach, sich einen Überblick über die notwendigen Unterlagen und Bewerbungsschritte zu verschaffen. Obwohl ich zunächst lediglich eine Zusage für meinen Zweitwunsch bekam, gelang es mir über Umwege letztlich doch noch einen Platz an meiner Wunschuni, der National University of Ireland Maynooth, zu ergattern.


Studienfach: Zwei-Fach Bachelor Erziehungswissenschaft und Anglistik/ Amerikanistik

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 06/2017

Gastuniversität: University of Maynooth

Gastland: Irland

Nach der Nominierung über den entsprechenden Koordinator folgte schon bald die Informationsmail der Gastuni. Da die Vergabe der Erasmus Plätze jedoch nur einmal jährlich stattfindet und ich mich erst für das Sommersemester bewarb, fühlte sich die Wartezeit bis zur offiziellen Registrierung wie eine halbe Ewigkeit an. Diese erfolgt für das Wintersemester bereits Ende Mai, für das Sommersemester jedoch erst Ende Oktober. Die Zusage mit allen weiteren Informationen, wie beispielsweise den Zugangsdaten für alle Onlinedienste der Universität, ließ weitere drei Wochen auf sich warten. Dies ist insbesondere für die Wohnungssuche ungünstig, doch dazu später mehr. Die Registrierung an der Maynooth University gestaltet sich als unkompliziert. Sie erfolgt lediglich über einen kurzen Online Fragebogen und wird kurz vor Beginn des Semesters mit der Übermittlung eines Nachweises über die Auslandskrankenversicherung, sowie eines Passfotos vervollständigt. Das Learning Agreement oder ein Sprachnachweis wurde vorab nicht verlangt. Das Vorlesungsverzeichnis für beide Semester ist bereits im August verfügbar. Auf diese Weise hat man genügend Zeit sich seinen Wunschstundenplan zusammenzustellen.

Studium an der National University of Ireland Maynooth

Wie nicht anders zu erwarten, gestaltet sich die Studienorganisation in Irland anders als in Potsdam. Wer deutsches Organisationsverhalten gewohnt ist, braucht zu Beginn erst mal eine Weile, um sich umzugewöhnen. Die Woche vor Vorlesungsbeginn beinhaltet für Erasmus Studenten zwei Orientierungstage. Hier wurde deutlich, dass in Irland mehr Wert darauf gelegt wird, dass die Studenten sich untereinander kennenlernen und Anschluss finden bevor die ernsteren Themen des Studiums besprochen werden. Daher bestand der erste Tag aus einer Führung über das Gelände der Universität, einer Schnitzeljagd mit anschließendem Willkommensessen sowie einem Pub Quiz am Abend. All diese Aktionen wurden von der Maynooth Students Union veranstaltet. Dabei handelt es sich um eine der zahlreichen Organisationen auf dem Campus, die sich um das Wohl der Studenten kümmert. Erst an Tag zwei fanden die Begrüßungsrede des Präsidenten, die Vorstellung der einzelnen wichtigen Einrichtungen und die Fächerwahl statt. Letztere stellte vermutlich den stressigsten Punkt beider Tage dar. Wie bereits erwähnt, ist das Vorlesungsverzeichnis der Uni online verfügbar. Auf ihrer Website findet sich eine Liste von Veranstaltungen, aus denen man als Erasmus Student frei wählen darf. Dies ist unabhängig von dem Fach, welches man an der Heimatuniversität studiert und eröffnet damit die Möglichkeit, einen Einblick in verschiedenste Interessensgebiete zu erhalten. Allerdings sollte man immer ein paar Alternativveranstaltungen im Hinterkopf haben, da meist nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen für internationale Studenten zur Verfügung steht. Es ist zu empfehlen, sich im Vorhinein die Infoveranstaltung, bei der einige der Institute sich persönlich vorstellen, anzusehen. In meinem Fall gab es keinerlei Probleme in die Veranstaltungen reinzukommen. Ich konnte mit meiner Übersicht zu den jeweiligen Koordinatoren von Englisch beziehungsweise Irish Cultural Heritage gehen und mir meine Unterschriften abholen. Bei den Fächern Soziologie, Geographie und Geschichte bildete sich jedoch schon nach kürzester Zeit eine lange Schlange. Die Vorlesungszeit begann am darauffolgenden Montag. Wie in Potsdam hat man auch in Maynooth zu Beginn eine Woche Zeit, um die Lehrveranstaltungen gegebenenfalls noch einmal abzuändern. Allerdings beinhaltet das leider auch, dass die offizielle Registrierung für die Fächer nicht vor Ablauf der  Woche stattfindet. Somit hat man erst in der zweiten Semesterwoche Zugang zu moodle, was die Vorbereitung erschwert. Erst dann bekommt man auch den Studentenausweis, der das Drucken von Dokumenten und den Zutritt zur Bibliothek ermöglicht. Letztere ist als Rückzugsort zum Lernen oder für das Verfassen von Essays sehr zu empfehlen, obwohl es in der Prüfungszeit schwer ist einen Platz zu ergattern. Insbesondere, wenn man keinen eigenen Laptop dabei hat. Des Weiteren werden Abgabetermine für Essays und Prüfungsdaten erst relativ spät im Verlauf des Semesters bekannt gegeben. Wenn man letzten Endes die Ergebnisse bekommt, sollte man nicht allzu enttäuscht sein. Das irische Notensystem unterscheidet sich stark von unserem. Obwohl man theoretisch 100% erreichen könnte, vergeben die meisten Dozenten niemals mehr als 70%. Da die so entstehenden Noten jedoch entsprechend umgerechnet werden, ist dies kein Grund zur Sorge. Allgemein ist das Klima in den Lehrveranstaltungen sehr angenehm. Zwar ist es ungewohnt, dass diese zum größten Teil im Format einer Vorlesung stattfinden, es entsteht jedoch je nach Modul ein guter Kontakt zu den Dozenten. An dieser Stelle möchte ich die Veranstaltungen des Instituts für Irish Cultural Heritage empfehlen. Diese beinhalten beispielsweise einen Sprachkurs in Irisch oder einen Workshop mit alten irischen Manuskripten. Die beiden verantwortlichen Dozenten sind sehr freundlich, kommunikativ und immer zum Scherzen aufgelegt. Gleichzeitig gelingt es ihnen, ihr umfangreiches Wissen der irischen Geschichte und Kultur mit Hilfe von zahlreichen Feldseminaren und Anschauungsmaterialien eindrucksvoll zu vermitteln. Belegt man mehrere ihrer Module, besteht am Ende die Möglichkeit ein Zertifikat ausgestellt zu bekommen. Es empfiehlt sich für die Lehrveranstaltungen bereits über ein sehr gutes Verständnis der englischen Sprache zu verfügen. Gerade der starke irische Akzent mancher Dozenten kann es unter Umständen schwierig machen den Vorlesungen zu folgen. Man gewöhnt sich jedoch sehr schnell ein und kann nicht nur seine englischen Sprachkenntnisse verbessern, sondern lernt auch automatisch einige Grundlagen der irischen Sprache. Das ist zum Teil auch den Straßenschildern und Gebäudebezeichnungen zu verdanken, die grundsätzlich in beiden Sprachen verfasst sind.

Unterstützung durch die Einrichtungen des Studentenwerks

Im Gegensatz zu Potsdam ist die Maynooth University verhältnismäßig klein und alle wichtigen Gebäude und Einrichtungen sind auf dem Campus angesiedelt. Während die Bibliothek sich auf der Seite des historischen South Campus befindet, sind die Service Einrichtungen auf dem moderneren North Campus. Dort finden sich nicht nur zahlreiche Imbissmöglichkeiten, sondern auch die Students Union, das Accomodation Office, eine Campus Ärztin und, für mich besonders wichtig, das Access Office. Vorab sei gesagt, dass die Mitarbeiter all dieser Einrichtungen zu jeder Zeit sehr hilfsbereit und verlässlich waren. Die Ärztin ist insbesondere für Studenten wichtig, die nicht über eine europäische Gesundheitskarte verfügen. In diesem Fall würde man für eine einfache Beratung beim ortsansässigen Allgemeinarzt bereits knapp 30€ bezahlen. Die Uni fordert vorab sowieso einen Nachweis über die Auslandskrankenversicherung. Wenn man wie ich auf einen Spezialisten angewiesen ist, wird man diese auch voll ausschöpfen. Die Mitarbeiter des Access Office ermöglichten es mir, meine Prüfungen auch in Irland an einem Computer schreiben zu können, worauf ich auf Grund einer rheumatischen Erkrankung angewiesen bin. Man muss sich zu Beginn des Semesters online registrieren lassen und sollte möglichst schon zuvor eine englischsprachige Bestätigung des zuständigen Arztes oder der Heimatuniversität besorgt haben, aus der hervorgeht, weshalb bestimmte Prüfungsmodalitäten notwendig sind. Ein persönliches Gespräch mit den Mitarbeitern kann hilfreich sein, um die Einzelheiten zu klären. Ich persönlich war es nicht gewohnt, dass auch diese Angelegenheiten über ein zentrales System für alle Studierenden geregelt werden und ich mich nach der Registrierung um nichts weiter kümmern brauchte. Daher hatte ich zunächst Bedenken, ob wirklich alles so reibungslos funktionieren würde. Letztlich stellte sich jedoch heraus, dass diese vollkommen unbegründet waren und ich meine Prüfung ohne Zwischenfälle ablegen konnte.

Freizeitgestaltung

Neben den Verpflichtungen, die so ein Auslandsstudium mit sich bringt, sollte ein Erasmus Semester natürlich in erster Linie auch Spaß machen. Hier ergibt sich ein weiterer Vorteil der Cultural Heritage Kurse, der zugleich allerdings auch einen kleinen Nachteil birgt. Da irische Studenten diese Module nur in wenigen Ausnahmefällen belegen, kommt man hier sehr schnell in Kontakt mit Studenten aus aller Welt. Für mich persönlich war dies im Irisch Kurs und auf den Feldseminaren besonders einfach. In anderen Kursen gestaltete sich der Kontakt zu den Kommilitonen weitaus schwieriger, da gerade die irischen Studierenden sich zumeist in ihren festen Grüppchen bewegten. Wenn man gern mehr Kontakt zu Einheimischen haben möchte, bieten sich die vielen Clubs and Societiesan. Für diese bezahlt man einmalig zu Semesterbeginn einen Mitgliedsbeitrag von 2€ und kann fortan an allen Veranstaltungen teilnehmen, die von der jeweiligen Society organisiert werden. Wie viele das letztlich sind, ist unterschiedlich. Die Sportclubs haben meist wöchentliche Trainings und auch viele andere haben mindestens eine Veranstaltung wöchentlich. Ich entschied mich gleich zu Beginn für die ESN, Hogwarts und Languages Society und kann alle drei wärmstens empfehlen. Die ESN Soc organisierte beispielsweise mehrere Tagesausflüge (z.B. Kerry, Ostküste, GAA Match), bei gemütlichen Harry Potter Spieleabenden konnte man das Komitee besser kennenlernen und bei der wöchentlichen Language Zone erhielt man Einblicke in unterschiedlichste Sprachen und Kulturen. Der bereits erwähnte Orientierungstag mit Kennenlernspielen ist ebenfalls eine gute Möglichkeit schon vor Beginn der Vorlesungen einige Kontakte zu knüpfen. Zudem wurde vor Beginn des Semesters auch die Teilnahme an einem Buddy Programm ermöglicht. Dieses nahm jedoch leider einen eher enttäuschenden Verlauf, da die Zuordnung erst sehr spät erfolgte. Zu diesem Zeitpunkt war man bereits fest in eine bunt gemischte Gruppe von Studenten integriert und fand sich problemlos am Campus zurecht. Da irische Studierende außerdem grundsätzlich an den Wochenenden zu ihren Eltern fahren, fand ein Treffen mit meinem Buddy niemals statt. Meine allgemeine Freizeitgestaltung bestand zu einem Großteil aus den Aktivitäten der Societies, Abenden im Standardpub von Maynooth, dem „The Roost“, sowie vielen selbstorganisierten Trips nach Nordirland, Cork oder Galway. Natürlich fuhren wir auch des Öfteren in die Hauptstadt. Damit waren wir immer auf den öffentlichen Nah- und Fernverkehr angewiesen. Leider ist dieser nicht ganz so gut ausgebaut, wie man es von Berlin gewohnt ist. Die Hauptverkehrsmittel bestehen aus Bus, Bahn und Fernbus. Zu Beginn des Semesters kann man sich in der Uni eine Student Leap Card für 10€ zulegen. Diese muss man immer wieder aufladen und bei jeder Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln wird die entsprechende Summe abgezogen. Dies hat den Vorteil, dass man etwa 20% weniger zahlt, als man in bar zahlen müsste. Der Bus ist etwas günstiger als die Bahn, braucht jedoch länger bis nach Dublin und insbesondere die Linie 66 ist nicht gerade zuverlässig. Es kommt schon einmal vor, dass man über eine Stunde im Regen steht, bevor man von einem Bus aufgesammelt wird. Außerdem sollte man sich genau erkundigen, in welchen Bereichen die Leap Card gültig ist. Außerhalb der größeren Städte ist das nämlich immer nur ein bestimmter Radius.

Wohn- und Lebenssituation

Die wohl interessanteste und zugleich schwierigste Frage, die man sich vor so einem Erasmus Semester stellt ist wohl: „Wo werde ich wohnen?“. In diesem Fall gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Die Maynooth University selbst verfügt über mehrere Student Apartments, die allesamt direkt auf dem North Campus zu finden sind. Man lebt zumeist in 5er WGs mit seinem eigenen kleinen Zimmer samt Bad. Die Bewerbung um einen Platz in diesen Wohnheimen sollte allerdings rechtzeitig in Angriff genommen werden. Ich entschied mich letztlich gegen die Studentenunterkünfte auf dem Campus, was nicht zuletzt an den erforderlichen Kosten lag. Für ein Zimmer bezahlt man dort gut und gerne zwischen 500 und 600 Euro im Monat. Meine Suche fand also unabhängig von der Uni statt. Das Accomodation Office stellt eine Website zur Verfügung, über welche man viele Unterkünfte in und um Maynooth finden kann. Wie bereits erwähnt, erhält man die Zugangsdaten für diese allerdings erst verhältnismäßig spät. Aus diesem Grund begann ich bereits im Oktober mit der Suche über die einschlägigen Immobilienwebsites wie daft.ie oder rent.ie. Hier ergab sich ein weiteres Problem. Schließlich würde ich mein Auslandssemester nicht allein, sondern gemeinsam mit meinem Freund antreten. Natürlich wollten wir auch gern eine gemeinsame Unterkunft finden. Die meisten Angebote fielen daher automatisch raus, da uns schon von Vornherein ein „Couples not accepted“ entgegensprang. Zum ersten Mal, wurden wir dann glücklicherweise mit Hilfe der Facebook Gruppe für Erasmus Studierende der Maynooth University fündig. Eine andere deutsche Studentin suchte Nachmieter für die Wohnung des älteren Ehepaares, bei dem sie lebte. Das Haus befand sich im Nachbarort Celbridge. Wir nahmen Kontakt zu ihr auf doch ihre Vermieter waren zunächst skeptisch. Sie wollten uns per Skype kennenlernen. Gesagt, getan. Eine Woche später verabredeten wir uns am Abend zu einem kurzen Interview. Dieses verlief insgesamt sehr angenehm, jedoch stellte sich leider heraus, dass der Mietpreis sich seit der Facebookanzeige unserer Kontaktperson nicht unerheblich erhöht hatte. Da wir befürchteten keine andere Unterkunft zu finden, die uns als Paar aufnehmen würde, nahmen wir dennoch an. Kurz vor Weihnachten fanden wir dann, ebenfalls über Facebook, ein weiteres Angebot. Ein Studentenapartment, direkt in Maynooth. Der Austausch lief hier nur über eine der derzeitigen Mieterinnen, die auch unsere Mitbewohnerin sein würde. Den Vermieter selbst konnten wir nach mehreren Versuchen noch immer nicht erreichen. Das kam uns zwar komisch vor, da wir jedoch Fotos und scheinbar alle Informationen über entstehende Kosten erfragt hatten, sagten wir unseren bisherigen Vermietern kurzerhand ab. Nun waren wir erst einmal beruhigt, da wir nicht wie befürchtet ohne Zufluchtsmöglichkeit dastehen würden. Ende Januar 2017 begann unser Aufenthalt in Maynooth. Das Flugzeug war pünktlich und nach längerer Suche fanden wir auch den Airport Hopper, der uns an unser Ziel bringen sollte. Die Wohnung war zunächst schwierig zu finden, doch wir schafften es einigermaßen pünktlich vor der Tür zu stehen. Unser Vermieter erwartete uns schon und führte uns durch das Haus. Das war auch schon der nächste Schock: Alles war alt, roch muffig und die Küche war ein einziges Desaster. Wir bezahlten die Kaution, verabschiedeten den Vermieter und gingen erst einmal Bettzeug kaufen und den Ort erkunden. Am Abend begegneten wir dann auch endlich unserer neuen Mitbewohnerin. Es stellt sich heraus, dass wir auch in diesem Fall nicht alle Informationen erhalten hatten. Es war kein Öl mehr für die Heizung vorhanden und auch das WLAN wurde von unseren Vormietern entwendet, sodass weitere ungeahnte Kosten entstehen würden. Zum Glück hatten wir warme Decken besorgt, denn die einzige Heizquelle in dem schlecht isolierten Haus war ein kleiner Heizlüfter. In diesem Haus wollte man am liebsten nichts anfassen. Unser Zimmer war von allen noch das sauberste, obwohl es auch dort sogar durch die Wand zum Nebenzimmer zog. Im Bad war der Schimmel nicht zu übersehen und die Dusche funktionierte nicht richtig. Die Küche gab auf den zweiten Blick ein noch schlimmeres Bild ab. Ofen, Mikrowelle und Kühlschrank waren vermutlich seit Jahren nicht geputzt worden und selbst das Geschirr war nicht richtig gespült. Selbst nach einer kleinen Putzaktion am Wochenende ergab sich kein schöneres Bild und wir entschlossen noch ein letztes Mal unser Glück zu versuchen. Wir verbrachten die meiste Zeit in der Sitzecke des Art Blocks, um dort über studentpad eine neue Wohnmöglichkeit zu finden. Erneut schrieben wir Vermieter an und bekamen zunächst einige Absagen, da sie entweder schon belegt waren oder keine Paare nehmen wollten. Schließlich meldete sich aber doch noch ein älterer Herr bei uns, mit dem wir einen Besichtigungstermin ausmachten. Das Haus war ein Traum und nur eine Woche nach unserer Ankunft in Maynooth zogen wir um. Nun stellte sich noch das Problem, wenigstens einen Teil unserer Kaution vom vorherigen Vermieter zurückzubekommen. Hier erwies sich die Students Union als sehr hilfreich. Wir kontaktierten den Welfare & Equality Officer und schilderten ihr die Situation. Sie war vollkommen auf unserer Seite und gab uns einige Telefonnummern, die wir kontaktieren konnten, sollten wir nicht wenigstens einen Teil der Kaution zurückbekommen. Da unser Vermieter auch auf Nachfrage keinen Vertrag verlangt hatte, war dies unser gutes Recht. Letztlich genügte der Hinweis, dass wir mit ihr in Kontakt stehen und wir erhielten die Hälfte unseres Geldes zurück. Die neue Wohnung dagegen war perfekt. Wir teilten uns ein Zimmer und wohnten gemeinsam mit unserem Vermieter und drei weiteren Studenten zusammen. Es wurde sogar noch Teppich in unserem Zimmer verlegt, damit wir nicht frieren. Solang wir Küche und Bad sauber hielten, gab es keinerlei Probleme. Die Heizung war über einen Timer eingestellt, doch falls es zu kalt wurde, konnten wir sie auch manuell anstellen oder uns einen Ölradiator ausleihen. Der Campus war zu Fuß nur etwa 15 Minuten entfernt und da wir uns etwa in der Mitte der Stadt befanden, waren auch alle anderen Orte und Geschäfte fußläufig zu erreichen. Gegen Ende unseres Aufenthaltes half ich unserem Vermieter über Facebook Nachmieter zu finden, da wir nicht als einzige internationale Studenten das Haus wieder verlassen würden. Daraufhin versicherte er uns mehrmals, dass wir jederzeit kostenlos für eine Weile bei ihm unterkommen könnten, sollten wir in der Gegend sein. Es wendete sich also alles zum Guten. In den meisten Unterkünften wird davon ausgegangen, dass man sich selbst verpflegt. Generell muss man dabei in Irland mit einem höheren Budget rechnen als zu Hause in Deutschland. Alle Lebenshaltungskosten und Freizeitaktivitäten mit eingerechnet, beliefen sich meine monatlichen Ausgaben auf circa 800€. Nicht nur die Wohnungen sind um einiges teurer, auch den Einkauf sollte man gut planen. Tesco, SuperValu und Dunnes Stores haben im Allgemeinen ein breiteres Angebot, sind jedoch auch nicht gerade günstig. Glücklicherweise haben es Aldi und Lidl auch nach Irland geschafft. Ersterer befindet sich direkt neben der Uni und ist damit ideal für die tägliche Verpflegung geeignet. Ein Vorteil des Lebens in einer Studentenstadt besteht allerdings in den Rabatten, die man fast überall in Anspruch nehmen kann. Selbst in der Apotheke. Um seine Ausgaben im Überblick behalten zu können und nicht unnötige Geldabhebegebühren zu bezahlen empfiehlt es sich entweder ein irisches Bankkonto anzulegen oder sich vorab eine Visa-Karte zuzulegen. Letztere wird auch immer benötigt, wenn man Touren oder Hostels online buchen möchte.

Studienfach: Zwei-Fach Bachelor Erziehungswissenschaft und Anglistik/ Amerikanistik

Aufenthaltsdauer: 01/2017 - 06/2017

Gastuniversität: University of Maynooth

Gastland: Irland


Fazit

Allen Schwierigkeiten zum Trotz war das Erasmus Semester an der National University of Ireland Maynooth eine der besten Erfahrungen meines Lebens. Die Uni genießt zurecht einen hervorragenden Ruf in der Betreuung von internationalen Studenten, das Land ist trotz seiner geringen Größe reich an wunderschöner Natur und Kultur und man gewinnt neue Freunde aus aller Welt. Aufs Geld sollte man bei einer solch einmaligen Unternehmung nicht allzu sehr achten, doch mit etwas Recherche und Planung bewegen sich auch die Ausgaben noch im Rahmen des Möglichen. Bei allen Fragen und Problemen wird man vor Ort sehr gut unterstützt und trotz der universitären Verpflichtungen kommen Freizeit und Spaß nicht zu kurz. In diesem Sinne: Slán agus ádh mór ort.

Irland

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