uni-potsdam.de

You are using an old browser with security vulnerabilities and can not use the features of this website.

Here you will see how you can easily upgrade your browser.

ERASMUS-Erfahrungsbericht - Limerick

Schon zu Beginn meines Studiums wusste ich, dass ich mindestens ein Semester im Ausland verbringen wollte. Es hatte jedoch relativ lange gedauert bis ich mich schlussendlich für ein Land und eine Universität entscheiden konnte. Irland sollte es werden und die University of Limerick (UL), welche die einzige Universität dort ist, die einen Austausch mit der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam organisiert. Genau an dem Tag, an dem ich die Entscheidung getroffen hatte, mich für ein ERASMUS-Semester in Irland zu bewerben, organisierte die Universität Potsdam am Campus Griebnitzsee einen Berufsinformationstag an welchem auch das Akademische Auslandsamt anwesend war. Dort wurde mir erklärt wie das Bewerbungsverfahren funktioniert und das jede Fakultät ihre eigenen ERASMUS-Koordinatoren und Bewerbungsfristen hat. Für die Politikwissenschaften ist Herr PD Dr. Kötter zuständig. Auf der entsprechenden Internetseite fand ich heraus, dass die Bewerbungsfrist genau zwei Tage später ablief. Zügig sammelte ich also alle Unterlagen zusammen (Bewerbungsbogen, Passfoto, Sprachnachweis – hier hat in meinem Fall ein Ausdruck des Ergebnisses des Einstufungstest ausgereicht, Motivationsschreiben und ein Empfehlungsschreiben). Das Empfehlungsschreiben scheint mittlerweile nicht mehr notwendig zu sein. Bei mir war es das noch und ich habe es ein wenig später nachgereicht, was aber kein Problem darstellte. Den Bescheid, dass es mit dem ERASMUS-Wintersemester klappen sollte, bekam ich dann Mitte Januar per Email. Die Kontaktaufnahme mit der Gasthochschule funktionierte reibungslos.


Studienfach: Politik- und Verwaltungswissenschaften, Spanische Philologie

Aufenthaltsdauer: 09/2013 - 12/2013

Gastuniversität: University of Limerick

Gastland: Irland

Etwa 3 Wochen nachdem ich den Platz angenommen hatte, bekam ich eine Email der „International Education Division“ der University of Limerick mit dem Kursangebot für das Ausfüllen des Learning Agreement, sowie mit weiteren Anweisungen, wie die Anmeldung an eben dieser Universität funktionieren sollte. Das Learning Agreement musste wiederum vom ERASMUS-Koordinator unterschrieben werden. Wer jedoch wissen will, ob die Module auch zum Studienverlauf passen und anerkannt werden können, sollte in den Politikwissenschaften das Gespräch mit Frau Kletzin suchen. Sie war mir hierbei eine große Hilfe. Einmal ausgefüllt, kann das Learning Agreement als Scan per Mail an die UL zurückgeschickt werden. Auch die Anmeldung an der Gasthochschule läuft über das Internet und ist mit sehr wenig Aufwand verbunden, gut organisiert und von der Gasthochschule betreut. Alles in allem hatte ich den Eindruck, dass, solange man die Fristen der Universität Potsdam für die Anmeldung zum ERASMUS-Programm im Auge behält und nicht überzieht, die weitere Organisation des ERASMUS-Semesters – ob Beantragung eines Urlaubssemesters oder Anmeldung an der Gasthochschule – sehr gut von den Akademischen Auslandsämtern der Universität Potsdam und der Universität Limerick unterstützt wurden.

Studium an der Gastuniversität

Das Studium an der University of Limerick hat mir sehr gut gefallen. Die Lehrveranstaltungen in den Politikwissenschaften sind in der Regel mit 6 ECTS bepunktet. Eine Lehrveranstaltung besteht aus jeweils 2 Stunden Vorlesung mit allen Teilnehmern und einer Stunde Seminar mit geringerer Teilnehmerzahl pro Woche. Alle Lehrveranstaltungen, die ich besucht habe, hatten eine angemessene Teilnehmerzahl von 20-40 Studenten. Der Kontakt zu den Dozenten war außerordentlich gut und auf Augenhöhe. Das „du“ und die Anrede beim Vornamen war üblich und hat für ein sehr gutes Lernklima gesorgt. Sowohl in den Vorlesungen, als auch in den Seminaren konnte man sich beteiligen und es kam zu anregenden Diskussionen. Auch außerhalb der Vorlesungen waren alle Dozenten da, um Nachfragen zu beantworten oder Tipps für anstehende Arbeiten zu geben. Das einzige Manko war, dass sich in den Politikwissenschaften leider viele Lehrveranstaltungen überschnitten haben. Gerade wenn man Kurse aus verschiedenen Studienjahren besuchen möchte, kann es zu solchen Überschneidungen kommen und so muss man ggf. auf seine Wunschkonstellation verzichten und das Learning Agreement abändern, was jedoch kein Problem darstellt.

Die Anforderungen in den Kursen kamen mir sehr angemessen vor. Wenn man sich in Potsdam im dritten Studienjahr befindet und in Limerick Kurse aus dem vierten Studienjahr belegt, kann man gut mit dem Stoff mithalten, ist aber auch noch ausreichend gefordert. Als Leistungsnachweise wurden meistens ein Gruppenreferat im Seminar und eine oder zwei kürzere oder längere Essays verlangt, aber auch die eine oder andere Prüfung zum Ende des Semesters kann erforderlich sein, vor allem in Kursen der niedrigeren Semester. Ein gravierender Unterschied ist, dass die Essays, die etwa mit einer deutschen Hausarbeit vergleichbar sind, nicht während der Ferien, sondern während oder zu Ende des Semesters geschrieben werden müssen. Meist stehen mehrere Essays in einer Woche an. Darauf sollte man vorbereitet sein. Am Anfang des Semesters hatte ich noch viel Freizeit und zahlreiche Aktivitäten unternommen. Gegen Ende verbrachte ich die meiste Zeit in der Bibliothek oder zu Hause vor dem Laptop. Wenn man diese Zeit aber investiert, sind die Resultate auch dem entsprechend. Die Benotung ist im ersten Moment etwas verwirrend, da sehr unterschiedlich zum deutschen System. Oft bekommt man einen Bewertungsbogen auf dem fast alle Kriterien mit „sehr gut“ bewertet wurden. Insgesamt gibt der Dozierende einem dann aber doch nur 70% der Gesamtnote. Darüber war ich zuerst sehr verwundert, allerdings werden die Noten dann doch sehr fair in das deutsche Notensystem umgerechnet. Man kann an der UL also sehr gute Ergebnisse erzielen, wenn man sich ein wenig Mühe gibt.

Was die Ausstattung betrifft, war ich an der University of Limerick sehr zufrieden. Es gibt eine große Bibliothek, die (qualitativ) sehr gut ausgestattet ist. Manchmal reichen die Exemplare allerdings nicht für alle Studierenden eines Kurses. Man sollte sich die Texte/Bücher für die Vorlesungen so früh wie möglich besorgen, damit man noch ein Exemplar erwischt. Es gibt auch eine Art „Moodle“, „Sulis“ genannt, allerdings laden nur wenige Dozierende alle Vorlesungstext hoch. Beim Schreiben von Essays lohnt es sich in der Bibliothek zu arbeiten, da jeder Studierende ein Ausleihlimit von 5 Büchern hat. Gegen Ende des Semesters, wenn jeder seine Essays abgabefertig machen möchte, ist es allerdings ratsam möglichst früh in der Bibliothek einzutreffen, da die Arbeitsplätze sehr schnell belegt sind. Die Öffnungszeiten empfand ich als sehr angemessen (etwa 9-23 Uhr unter der Woche und am Wochenende etwas kürzer). Während der Essay- und Prüfungsphase wurden die Öffnungszeiten extra noch einmal verlängert. Der Computerpool in der Bibliothek ist oft weitgehend besetzt. Es gibt aber noch viele weitere PC-Pools, man muss nur wissen wo. Bei der Einführungsveranstaltung am Anfang des Semesters wird ein Handbuch ausgeteilt in dem man alle notwendigen Informationen dazu findet. Insgesamt gab es also genügend Plätze um vor Ort zu recherchieren und zu arbeiten. Auch die Lehrsäle waren technisch sehr gut ausgestattet. Überhaupt hat die UL einen unglaublichen schönen Campus. Das Gelände ist sehr groß und von Natur umgeben. Es gibt mehrere Restaurants und Coffeeshops, einen eigenen Supermarkt und außerdem noch zwei Pubs und zwei Geldautomaten am Campus. Wer an der Universität Potsdam studiert weiß, wie sehr dieser manchmal fehlt… Die Gestaltung des Geländes stellt also eine, in meinen Augen, ideale Mischung zwischen Studieren und Freizeit dar und gibt jedem die Möglichkeit sich dort wohl zu fühlen.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

An der UL Kontakte zu knüpfen war nicht sehr schwierig. Vor dem offiziellen Beginn der Lehrveranstaltungen organisiert das International Office eine Info- und Willkommensveranstaltung für ausländische Studierende. Hierbei lernt man erste Gleichgesinnte kennen. Außerdem ist eine Teilnahme am Buddy-Programm möglich, bei welchem man schon vor dem Auslandslandsaufenthalt Kontakt zu einem Studierenden der UL herstellen kann, der einen dann während der ersten Wochen unterstützt. Ich persönlich habe daran nicht teilgenommen, denn auch so war es recht einfach zwischen all den Studierenden in den Lehrveranstaltungen oder in einem der zahlreichen Clubs und Societies Freunde zu finden. Die Clubs und Societies sind Vereine an der Universität, die Freizeitprogramme mit den Studierenden gestalten. Man kann von Wandern über Skydiven bis Theater alles ausprobieren, wenn man denn möchte. Hier findet man Anschluss an ausländische und irische Studierende gleichermaßen. Insgesamt sind die irischen Studierenden relativ jung, wenn sie mit ihrem Studium anfangen. Wenn man selbst schon etwas länger studiert oder schon ein wenig älter ist, kann es vorkommen, dass einem manche Pläne (vor allem in den Clubs und Societies) etwas vorkommen wie in einer High School. Nichts desto Trotz, haben sich im Zuge der Finanzkrise auch viele etwas ältere Personen dazu entschieden noch einmal zu studieren. Wem High School also nicht gefällt, der hält sich eher an diese Kommiliton_innen. Alles in allem ist es natürlich nicht ganz einfach als Studierender, der nur für ein halbes Jahr an einer Universität bleibt, sich einen großen und stabilen Freundeskreis aufzubauen. Aber es ist auch nicht unmöglich den ein oder anderen guten irischen oder ausländischen Freund oder Freundin zu finden.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Im Bezug auf die Sprache musste ich mich erst einmal damit abfinden, dass ich am Anfang nicht alles verstand. Gerade Einheimische, die mit sehr starkem Dialekt sprechen, sind schwer zu verstehen. Auch gibt es einige umgangssprachliche Ausdrücke oder auch keltische Begriffe, die man zu Anfang unbedingt lernen sollte. „Grand“, „craic“ oder „slainte“ (toll, Spaß und Prost). Man gewöhnt sich allerdings ziemlich schnell an die irische Redensart und ich finde sie mittlerweile sehr charmant. Die Lehrveranstaltungen waren von Anfang an sehr verständlich. Da alle Kurse auf Englisch gehalten werden und auch die Essays und Vorträge auf Englisch fällig sind, verbessert sich das Fremdsprachenkompetenz natürlich ungemein. Gerade Fachausdrücke eignet man sich sehr schnell an. Die Umgangssprache und Redensarten lernt man an besten, wenn man seine Freizeit mit Iren verbringt.

Wovon ich unter allen Umständen abrate, ist einen Sprachkurs an der UL zu absolvieren. „English for Foreigners“ lohnt sich wirklich nur für absolute Englischanfänger. Für Fortgeschrittene, die hoffen, dabei etwas dazuzulernen, ist alle Hoffnung vergebens. Der Sprachkurs scheint hauptsächlich dafür benutzt zu werden, dass irische Lehramtsstudierende ihre Fähigkeiten an ERASMUS-Studierenden austesten können. Wirklichen Wissenszuwachs gibt es dabei leider nicht. Auch die Einstufung in Sprachniveaus erscheint willkürlich. Wer im Abitur gute Englischzensuren hatte, der sollte sich diesen Kurs sparen, denn er bringt überhaupt und rein gar nichts. Sinnvoller ist es, einen weiteren Kurs im eigenen Studiengang zu belegen, um sein Englisch zu verbessern.

Wohn- und Lebenssituation

Bei der Suche nach einer Unterkunft, habe ich mich zuerst auf der Website der UL umgesehen und bin dort fündig geworden. Die UL bietet dort sowohl Unterkünfte auf dem Campusgelände als auch außerhalb an. Für mich waren im Endeffekt zwei Dinge ausschlaggebend. Erstens: Der Preis. Zweitens: Die Lage. Die Unterkünfte „on-campus“ kamen für mich genau aus diesen zwei Gründen nicht in Frage. Die Miete auf den Monat gerechnet beträgt hier mindestens 500 Euro und, des Weiteren, konnte ich mir nicht vorstellen auch nach den Vorlesungen noch Zeit an der Uni zu verbringen. Von den aufgelisteten Studentenwohnheimen „off-campus“ stellte sich Parkview Hall mit etwa 270 Euro (zzgl. Strom vor Ort) auf den Monat gerechnet als das günstigste heraus. Wer gerne Limerick ein wenig erkunden möchte, für den ist die Lage dieses Wohnheims perfekt, da es sogar etwas näher am Stadtzentrum (20min zu Fuß) als am Campus (30min zu Fuß) liegt. Wer nicht laufen möchte, besorgt sich entweder ein Fahrrad oder nimmt den Bus, der oft, aber in unregelmäßigen Abständen, vor dem Haus Richtung UL fährt. Die Buchung dieser Unterkunft funktioniert ganz einfach per Email ein paar Monate im Voraus. Man bezahlt eine Kaution, dann ist das Zimmer reserviert und kurz vor der Ankunft bezahlt man den vollen Betrag der Miete. Die Apartments sind für 3 bis 4 Personen ausgelegt. Es gibt eine Gemeinschaftsküche mit Wohnraum und ein Gemeinschaftsbad, aber jeder hat sein eigenes kleines Zimmer. Die Einrichtung ist ausreichend für den Aufenthalt. Wenn etwas an Ausstattung fehlt, kümmern sich in der Regel die Vermieter darum. Bettzeug ist allerdings mitzubringen bzw. kann man es vor Ort preisgünstig kaufen. Zwei Mankos hatte das Appartement allerdings. Zum einen wurde es vor der Ankunft wohl nicht noch einmal inspiziert. Dem entsprechend war es sehr schmutzig und den ersten Tag verbrachten meine Mitbewohnerinnen und ich mit Putzen. Und zum Anderen gab es häufiger Probleme mit der Internetverbindung, die sich gegen Ende dann aber doch noch lösen ließen. Alles in allem, kann man sich für den Preis aber nicht beschweren.

Glücklicherweise musste ich in Irland kein einziges Mal zum Arzt. Sollte man jedoch doch einmal ernsthaft krank werden, so kann man mit der europäischen Krankenversicherungskarte kostenfrei in Irland behandelt werden. Man muss also nicht unbedingt eine Zusatzversicherung abschließen. Nähere Informationen dazu finden sich im Merkblatt der DVKA (siehe Link).

Die Lebenshaltungskosten in Irland sind etwas höher als in Deutschland. Bei Lebensmitteln sollte man sich im Supermarkt Zeit nehmen, um die günstigeren Produkte rauszufischen oder auf den Markt gehen, dann bleiben die Ausgaben dafür halbwegs gering. Wer allerdings gerne mal ein Bier trinken geht oder Raucher ist, für den wird es teuer. Genussmittel sind sehr hoch besteuert, so dass ein Bier im Pub etwa 4 Euro kostet und eine Schachtel Zigaretten etwa 8 oder 10 Euro. Ich habe pro Monat in Irland geschätzt 800 Euro insgesamt ausgegeben. Eher sogar ein wenig mehr, da ich ja auch reisen und das Land sehen wollte. Dafür ist der ERASMUS-Zuschuss leider ziemlich gering ausgefallen. Mit 120 Euro im Monat konnte ich meine Kosten nicht ansatzweise decken. Man sollte also entweder viel Geld angespart haben, Bafög bekommen oder sich einen Nebenjob suchen, um alle Kosten decken zu können.
Nun noch ein paar Worte zur Freizeit. Zum einen gibt es die schon erwähnten Clubs und Societies an der Uni selbst. Diese organisieren an den Wochenenden Ausflüge, aber auch Events unter der Woche. Sie bieten eine gute Möglichkeit Mitstudierende kennenzulernen, seinen Hobbys nachzugehen, etwas Neues auszuprobieren und ein wenig mehr von Irland zu sehen. Die Stadt Limerick bietet wenige Sehenswürdigkeiten, dafür aber eine tolle Pubszene und gute Livemusik. An Freitagen gibt es einen Flohmarkt und an Samstagen einen Bauernmarkt in der Stadt, die jeweils einen Abstecher wert sind, auch um günstige Lebensmittel und andere Dinge zu erstehen. Und wem Limerick nicht reicht, der sollte sich in einen der vielen Überlandbusse setzen und eine andere Stadt erkunden. Dublin erreicht man in 2,5, und Cork oder Galway in etwa 1,5 Stunden.

Insgesamt gab es viel mehr positive als negative Erfahrungen. Die wenigen schlechten Erfahrungen habe ich, denke ich, im Laufe des Berichts schon dargelegt. Eine besonders gute Erfahrung für mich waren die Iren selbst. Sehr höflich und offen, unglaublich nette Menschen. Gerade in einer kleinen Stadt wie Limerick. Das ist Balsam für die Seele. Ich bereue es in keiner Sekunde mein ERASMUS-Semester dort verbracht zu haben und kann es weiterempfehlen.

Studienfach: Politik- und Verwaltungswissenschaften, Spanische Philologie

Aufenthaltsdauer: 09/2013 - 12/2013

Gastuniversität: University of Limerick

Gastland: Irland

Irland

zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland.

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier.